Experiment I

Tu‘ immer genau das, wovor du dich fürchtest.

Sagen die Leute immer. Also fange ich jetzt damit an. Genau in diesem Moment. In meinem Bett, am Freitagmorgen. Ich will mehr aus meiner Komfortzone herauskommen. Oft fesselt mich das Gefühl, zu furchtsam zu sein. Und dann habe ich überlegt, was ich eigentlich mache, was man mutig nennen könnte. Mir fiel ehrlich gesagt nicht viel ein. Wir könnten jetzt so argumentieren, dass Mut ja auch immer subjektiv ist. Was ist schon Mut? Eigentlich doch immer nur eins: Über seinen eigenen Schatten springen. Das, was selbst mit Angst verknüpft wird, überwinden. Einen Schritt weitermachen, als man sich eigentlich traut. Die Angst ein bisschen schrumpfen zu lassen.

Mut braucht man in vielen Situationen: Den Job kündigen. Jemanden sagen, wie viele Gefühle man für ihn hat. Alleine reisen. Das Gegenteil davon machen, was vernünftig ist. Apropos: Mut und Vernunft sind häufig ein zerstrittenes Geschwisterpaar. Denn ist es nicht vernünftig die Arbeit zu behalten, die man hat, auch wenn es gar keinen Spaß macht, anstatt sich arbeitslos zu melden? (Ich plädiere hier nicht für Arbeitslosigkeit, nur für Mut, mal das zu tun, was einen glücklicher macht.)
Mut braucht es auch, wenn es darum geht, sich vor anderen zu rechtfertigen. Weil man eben den Job hingeschmissen hat (was sollen denn die Freunde sagen?) oder immer noch keinen Zukunftsplan hat (Omma rauft sich schon die Haare).

Soweit bin ich allerdings noch nicht. Aus meiner sicheren Zone auszusteigen und zu sagen: Komme was wolle, mir egal. Den Job habe ich noch, allerdings steht der auf meiner Experimentenliste weit oben. Überhaupt versuche ich derzeit im meinem Alltag ein bisschen die Augen offen zu halten und Dinge zu erkennen, die ich aus Angst nicht mache, mich aber vielleicht am glücklich sein hindern. (Und ich bin schon immer eine ängstliche Person gewesen.)

Experiment I: Tinder

So, da haben wir’s. Erst plädiere ich lauthals für ein Abmelden aus den sozialen Netzwerken-habe ich ja auch gemacht, bin schon seit langem nicht mehr bei Facebook und Instagram-und dann melde ich mich bei Tinder an. Der pure Horror für mich. Was für Geschichten man überall hört. Tatsächlich, Tinder ist schon sehr Menschen verachtend, 100% oberflächlich und 200% sexualisiert. Trotzdem ist oder war jeder dritte meiner Freunde dort angemeldet. Jeder zweite trifft über die App Leute.

Aber der Zeitraum ist für mich begrenzt. Mein Experiment geht von Freitagmorgen bis Sonntagabend. Ich zwinge mich auch sogar einmal, jemanden nach rechts zu swipen – ich muss ihm ja nicht schreiben/antworten. Vielleicht passiert ja auch einfach gar nichts.

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Freiheit

Es ist März. Der Frühling müsste eigentlich schon direkt vor der Tür stehen. Stattdessen sind die Kliniken voll von Influenza Patienten und ich habe mich schon gefragt, ob es legitim ist, mit Mundschutz zur Arbeit zu gehen. Morgens auf dem Rad bei -15 Grad frieren die Hände trotz Handschuhe am Lenker fest. Und auch wenn ich mich versuche wacker zu halten, habe ich gemerkt, wie die letzten Monate geschlaucht haben. Erst seit gestern Nachmittag ist alles anders.

Da huscht man monatelang von Uni zur Arbeit und von dort nur noch ins Bett. Zwischendrin sitzt man, sogar am Wochenende, am Schreibtisch und lernt. Kaum Zeit, um mal ein anderes Buch, eines was nicht mit Fachwissen um sich wirft, zur Hand zu nehmen. Die Angst, den Inhalt der Fachbücher wieder zu vergessen, ist einfach zu groß. Meine Freunde wussten schon lange nicht mehr, wie ich eigentlich aussehe und ich selbst behandelte meine Wohnung sehr stiefmütterlich.

Gestern um 13:04 Uhr als ich meine Klausurblätter improvisationsmäßig ausgefüllt und abgegeben hatte, stand ich vor meinem Auto und verabschiedete die Kommilitoninnen. Die Heimfahrt war wie immer. Doch als ich dann zuhause zur Tür reinkam, realisierte ich erst: Ich war frei. Es war März. Ich muss mich nicht mehr abgehetzt nach der Arbeit hinsetzen, Skripte aufschlagen und lernen. Plötzlich habe ich Zeit.

Es ist so viel Zeit da. Für eine Tasse Tee nach der Arbeit. Bücher. Dafür, dass ich mich meinen Freunden mal wieder zeige. Mal eine Stunde nichts tun. Zum Sport gehen oder einfach am Wochenende mal eine Stunde länger im Bett liegen zu bleiben. So müssen sich Tiere fühlen, die nach einer Gefangenschaft endlich wieder in die Wildnis entlassen werden. Denn erst einmal weiß man überhaupt nicht, was man mit der ganzen Zeit machen soll. Es heißt in erster Linie also: Die innere Unruhe, die Anspannung loszuwerden und entspannt zu schauen, wozu man Lust hat. Was das Leben eigentlich zu bieten hat.

Augen aufmachen, entspannen und genießen.

Pakt mit dem Teufel

Meine Kamera liegt seit Wochen im Regal. Tief eingepackt in ihre Tasche. Der Akku ist längst leer. Dabei würde ich so gerne mal wieder hinaus gehen und Momente der Freude festhalten. Schneegestöber, kleine Krokusse oder lachende Gesichter. Zu all dem komme ich gerade nicht.

In dieser Woche hatte ich bisher eine Klausur, eine Poster Präsentation und zwei Abgaben von Hausarbeiten. Dann so ganz nebenbei ein achtseitiger Ethikantrag für die Masterarbeit. Morgen folgt die nächste Klausur. Mein Körper beginnt langsam Widerstand zu leisten. Er guckt sich Krankheitssymptome aus dem Umfeld ab: Übelkeit, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen und dann noch diese so tiefgehende Erschöpfung. Ein bisschen muss ich ihn wohl noch triezen. Zumindest bis morgen Nachmittag. Ab dann gönne ich ihm die Ruhe.

Es wird demnach ein Wochenende gefüllt mit Nichtstun. Auf dem Sofa liegen und lernen, für die Wochen darauf. Nichts, außer lesen. Ein bisschen Spazieren gehen, wenn es das Wetter erlaubt. Morgens lange im Bett liegen bleiben. Mich vielleicht auch mal kurz bei den wenig übrig gebliebenen Freunden melden (die sehnsüchtig und wirklich tapfer darauf warten, dass ich aus meiner Versenkung auftauche). Vor allem wohl gesund werden.

Ganz nebenbei habe ich ganz nach dem Motto „tu immer genau das, wovor du dich fürchtest“, einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit mehr Stunden zugesagt. Warum? Das weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich bin ich da wieder zurück in alte Muster gefallen: Hauptsache die Sicherheit auf meiner Seite. Dabei will ich den Job eigentlich gar nicht. Wäre es die Psychiatrie, hätte ich nicht lange gezögert. Aber in einem Akutkrankenhaus (körperliche Erkrankungen), da sehe ich mich nicht viel länger, als nötig. In manchen Abteilungen ist es ganz entspannt. Ich stibitze mir zum Beispiel in der Neurologie jeden Donnerstag bei der „Kuchenvisite“ etwas von den Süßigkeiten. Wenn ich aber sehe, was in manchem Abteilungen schief läuft, will ich niemals in meinem Leben ins Krankenhaus müssen.

Genau so geteilt wie meine Meinung zu meiner Entscheidung waren auch die Reaktionen meiner Kollegen und Freunde. Während mir die einen gratulierten und demnächst mit einem Gläschen Sekt anstoßen wollen, schlugen sich andere vor den Kopf und wünschten mir herzliches Beileid. In ihren Augen (und vielleicht auch ein bisschen in meinen eigenen Augen) habe ich da den Pakt mit dem Teufel geschlossen.
Ein unbefristeter Vertrag, so sage ich mir zumindest, ist keine Pflicht für immer dort zu bleiben. Es ist in erster Linie in der Tat nur eins: Sicherheit, falls alle anderen Stricke reißen und die eigentlichen Pläne zerschlagen werden.

Der Duft von dir

Eine fest, innige Umarmung. Von denen habe ich diese Woche einige gesammelt. Das schönste an Umarmungen ist nicht die Nähe zu dem anderen Menschen. (Für andere sicher schon, aber Nähe und ich, wir verstehen uns nicht so gut.) Es sind die Gerüche. Sobald ich jemanden fest in die Arme schließe, atme ich erst einmal den ganz eigenen Geruch des vor mir stehenden Menschen ein. Vorausgesetzt, er duscht ab und zu mal und hat nicht 2 kg Knoblauch gegessen.

Das mir Gerüche so wichtig sind, habe ich jetzt erst realisiert. Mitte der Woche habe ich P wiedergesehen. Nach ca. 4 Jahren, in denen er mit seiner Band immer mal wieder auf Tour war, hier gewohnt hat und da gewohnt hat und sowieso ständig unterwegs war. Als wir noch jung waren – ja, jünger als jetzt – waren wir eigentlich immer Partner in Crime. Wir gegen den Rest der Welt. Nach 4 Jahren habe ich ihn wieder umarmt und es war wie nach Hause kommen. Mit Ps Geruch, die Mischung aus Waschmittel, Deo und ihm, war ich wieder in der Vergangenheit. Ich saß auf dem Sofa meines Zimmers, in der Wohnung meiner Eltern und schaute mit ihm Asterix auf Video.

Herrn Löwenkopf habe ich ebenfalls nach ein paar Monaten Nichtsehen wieder getroffen. Umarmt, eingeatmet und schon war ich zurück bei unserem ersten Treffen in der Kletterhalle, bei Spaziergängen durch den Wald und zarten Küssen auf die angespannten Lippen.

Schlimm wird es, wenn Leute, die gleichen Gerüche an sich tragen, wie bekannte Personen. Das kann mitunter zu großer Verwirrung führen. Wenn ich also durch die Stadt laufe und plötzlich jemand mit dem gleichen Deo wie der ehemalige Lieblingsmann vor einem steht, stehe ich flashbackartig kurzer Hand mit ihm auf der Hochzeit, spiele mit ihm Schwarzlichtminigolf in Dortmund oder esse Käsekuchen zum Frühstück an seinem Küchentisch.

Jeder Mensch riecht nach irgendwelchen erlebten Bildern. Und jedes Bild weckt eine Erinnerung. Jede Erinnerung weckt ein Gefühl. Manche Gefühle wecken Sehnsucht.

Zwischenstand

Es ist schon wieder passiert. Ich bin irgendwo verschütt gegangen zwischen Arbeit und Studium. Mein Kopf ist voll von Dingen, die noch getan werden müssen. Aber nicht jetzt. Jetzt nehme ich mir mal Zeit für mich. Noch drei Tage Vorlesungen, dann heißt es zwar noch immer „lernen, lernen,lernen“, aber das Pendeln fällt vorerst weg. Weil es so absehbar ist, dass die Zeiten wieder besser werden, beginne ich im Kopf schon zu planen.

Es breiten sich riesige Gedankenfelder vor mir aus. Länder und Städte, in die ich doch demnächst mal reisen könnte. Alte Freunde, werden wieder angeschrieben, von denen ich lange nichts gehört habe. Zum Kaffee oder auf einen Spaziergang treffen. Alleine zum Sport gehen. Auf der Liste der zu lesenden Bücher reihen sich nun auch schon etliche aneinander.  Außerdem wird ja vielleicht auch bald der Frühling da sein. Aber vor allem möchte mein Kopf so gerne wieder Worte aufs virtuelle Papier bringen und schreiben. Ich vermisse es bei euch mit zu lesen und selbst meinen Senf dazuzugeben.

Bevor ich mich wieder verkrieche, weil die Masterarbeit sicher schlauchen und Zeit fressen wird, werde ich einiges unternehmen, was lange auf der Strecke blieb. Wofür mir die Zeit fehlte. Sollte sie mir dann doch wieder fehlen, nehme ich sie mir einfach. Man lebt ja nur einmal.

Von der Süd da komm ich wech

„Legen Sie am Wochenende mal den Fuß hoch und ruhen Sie sich aus.“ Als meine Ärztin in der Notaufnahme mir das sagte, hätte ich beinahe laut gelacht. So aber habe ich nur gedacht: Wenn die wüsste… 

Samstag hing ich vorerst in Hannover fest, weil mein Anschlusszug schneller weg war, als mir lieb war. Dann fuhr ich ein paar Stunden später aber doch in Dortmund ein und wie immer hier: Es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Viel Zeit zum Pottluft einatmen blieb mir aber nicht, denn ich musste direkt rennen, um die S-Bahn zu bekommen. Meine Bänder dankten es mir. Doch anstatt sie in Ruhe zu lassen und zu schonen ging es nachmittags direkt weiter.

Ein bisschen Kakao mit Amaretto auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen, sich über den riesigen Weihnachtsbaum lustig machen, im Fanshop stöbern und dann ging der Spaß erst los. Ich war nämlich nicht hier um Weihnachtsmärkte abzuklappern und mein Herz ein bisschen mit dem „nach Hause Gefühl“ zu überschwemmen. Nein. Ich war wegen des schönsten Stadions der Welt da.

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Der Signal Iduna Park oder besser das Westfalenstadion. Mittlerweile war es dunkel geworden und wir von innen schön warm. Dafür froren uns durch das Bier die Hände ab. Als ich aus der S-Bahn stieg, hätte ich vor Freude fast weinen können. Da stand es vor mir. Wunderschön und aufregend. 81.000 Menschen und ich bald mittendrin. Jegliche Agoraphobie oder Klaustrophobie wurde von mir an diesem Abend abgeschafft.

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Ich wurde gleich doppelt belohnt. Ein Flutlichtspiel und die Sonnenkinder. Das Bier wurde aufgefüllt und die Süd sang aus vollem Herzen mit dem Voll-Playback-Kinderchor. Man hatte mir verkaufen wollen, dass es rührend werden würde, bevor man mir dann 2 Minuten vorher jegliche Illusion nahm und im Nebensatz erzählte, dass der „Chor“ gar nicht wirklich singt. Aber die Süd sang. Mein Herz sprang mir vor Freude fast aus der Brust. Hier war der Spaß vorprogrammiert. Die Süd ist ja nicht umsonst die Süd.

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Ob wir da nun erstmal zurücklagen oder nicht, die Stimmung war fabelhaft. Es wurde einfach aus tiefster, echter Liebe mitgegrölt, gesprungen (auf einem Bein, wegen des Fußes und so…) und sehr viel gelacht. Am Ende zahlte sich das Lachen sogar aus, es wurde sogar noch breiter. Nach einem nicht so schönen Spiel gewann die Borussia dann doch noch. Nachdem wir mit der Mannschaft abschließend Jinglebells gesungen hatten, waren wir alle im Stöger Wonderland. Und am nächsten Tag heiser. Mir stellte sich nur eine Frage danach: Was kostet eine Dauerkarte auf der Süd?

Herbstloch

Es ist November. Jedes Jahr aufs Neue sind Oktober und November Monate, mit denen ich einfach nicht warm werde. Vielleicht weil es draußen ungemütlich nasskalt wird. Ganz plötzlich. Vom schönen Spätsommer knallhart in den Herbst. Und ich weiß, es gibt viele Herbstliebhaber unter euch. Ihr liegt mir in den Ohren und erzählt mir, wie schön bunt die Bäume werden, wie schön tief die Sonne steht. Aber nun mal ehrlich: Ich habe seit Tagen nur noch Gummistiefel an und an den Bäumen sind längst keine Blätter mehr zu sehen. Die kleben alle nass an meiner Hose.

Es wird nicht hell draußen. Es regnet tagelang durch und es wird immer kälter. Für mich sind Oktober und November Monate, die eine Lücke zwischen Spätsommer und Winter darstellen. Ab Dezember geht es meist wieder-nicht nur weil da meist die Temperaturen noch kälter sind, sondern auch weil die Weihnachtszeit beginnt.

Ich habe jedes Jahr mehr das Gefühl, dass in dieser Lücke nicht nur bei mir jegliche Lebensfreude abhanden kommt. In meinem Umfeld brechen immer mehr Menschen, die mir am Herzen liegen, einfach so in Tränen aus. Bei der Arbeit, beim Spaziergang, beim Bierchen. Einfach so.

Okay, ich könnte die Zeit nutzen und viel lernen. Aber stattdessen liege ich im Bett, quäle mich jeden Morgen ein bisschen später aus den warmen Laken. Sage den Sport ab. Sage Abende mit Freunden ab, einfach nur, weil die Trägheit mich fest im Griff hat. Es ist viel zu gemütlich auf dem Sofa Fifa zu spielen. Ein Buch mit einer warmen Tasse Tee in der Hand zu lesen. Morgens mal einfach im Bett noch einmal umdrehen. Denn die Sorgen und Tränen meiner Herzmenschen gehen nicht einfach spurlos an mir vorbei. Jede Träne macht mich müder. Jedes Gespräch über Sorgen ein bisschen fertiger.

Deswegen buddle ich mein ganzes Taschengeld aus, sammle die Münzen unter meiner Matratze hervor und suche mir Dinge, die mich glücklich machen. Nicht sofort, aber ich schaffe mir Lichtblicke. Manche weit in der Ferne. Ein Urlaub, ein Kurztrip mit Stadionbesuch, etliche Konzerte. Mein Geld schwindet, aber ich werde mit jedem neuen Ticket ein bisschen wacher.

Lass mich nicht los

Es ist nasskalt draußen. Herr Löwenkopf läuft still neben mir her. Wir haben uns zwei Monate nicht gesehen und in unser beider Leben hat sich so viel getan. Eine Geschichte zwischen uns, die so begann, dass wir beide dachten es würde etwas wirklich intensives werden. Etwas zwischenmenschliches ohne Komfortzone. Die Angst war wieder einmal größer.

Die Blätter kleben nass an meinen Schuhen. Er stupst mich mit der Hand sachte an, um mich auf meine eigene Aussage aufmerksam zu machen. Ihm geht es gut und das freut mich. Er geht seinen Weg, unsicher, wackelig, aber er geht ihn. Und ich begleite ihn, wann immer ich darf. Aber wenn er fällt, wird ihn jemand anders auffangen.

Manchmal bin ich ein bisschen melancholisch-darüber, dass aus uns nicht ein wir wurde. Dass es so schnell endete, bevor es angefangen hat. Dass ich meine Hände nicht mehr in seine legen kann, meinen Kopf nicht mehr auf seine Brust. Aber dann denke ich daran, dass diese Freundschaft, die wir jetzt haben, viel mehr wert ist. Und das ich nie mit ganzen Herzen hätte bei ihm sein können.

Von schwarzen Löchern

Da ist ein ständiger Begleiter. Seit zwei Wochen werde ich auf Schritt und Tritt verfolgt. Es saugt mir die Energie weg, wie ein schwarzes Loch. Es verschluckt sich nicht einmal daran, obwohl es so gierig ist. Bei mir ist jetzt schon Winter. Mein Herz ist kalt und ich bin müde.

Wie trifft man Entscheidungen, die wirklich zukunftsweisend sind? Nicht solche bei denen man überlegt, was man morgens zum Frühstück isst, sondern solche, ob man nicht doch noch einmal ganz von vorne anfangen soll. Und vor allem wann und wo. Ob alleine oder mit jemanden an der Seite. Entscheidungen die nicht einfach über die Lippen kommen.

Quelle: Twitter

Genau so fühle ich mich gerade. Hin und her gerissen zwischen ja und nein. Zwischen 2018 und 2019. Nur eins ist klar: Ich mache das alles alleine. Da wird niemand mitkommen. Niemand abends zuhause fragen, wie mein Tag war. Wo auch immer dieses Zuhause dann sein wird.

Das schwarze Loch saugt weiter Energie aus mir heraus. Abends, wenn ich kaum die Augen aufhalten kann, weil ich 12 Stunden unterwegs war. Vollgepumpt mit Wissen aus der Uni. Morgens, wenn ich mich kaum aus dem Bett bewegen möchte, weil ich mich nachts viel zu viele Stunden hin und her gedreht habe. Immer nur diese eine Person im Herzen, das mittlerweile so kalt geworden ist. Tagsüber, wenn ich versuche meine Gedanken zu ordnen, die einfach immer mehr werden. Es ist wie ein riesiger Schreibtisch voller Papier. Jede Seite für einen Gedanken. Das Papier stapelt sich bis zur Decke und ich finde nichts mehr wieder. Es ist nichts greifbar.

Es begleitet mich immer weiter und weiter, das energiesaugende, schwarze Loch.

Punkt

Es ist Freitag. Der erste Abend in dieser Woche, an dem ich mich mal zwei Minuten hinsetzen kann, ohne gleich wieder aufspringen zu müssen. Es sind nur fünf Tage gewesen. Fünf lange Tage, die mich an meine Grenzen gebracht haben. Und es wird die nächsten 14 Wochen nicht anders. Arbeiten, studieren und pendeln nebenbei-ich habe es mir ja schließlich ausgesucht.

In meinem Kopf ist noch immer Chaos. In meinem Leben auch. Plötzlich sind da Wohnungsprobleme, plötzlich muss ich schauen, wohin mit meiner Zukunft, plötzlich muss ich schon alles für die Masterarbeit haben und plötzlich arbeite ich wieder mit M zusammen. Mein Herz und mein Kopf sind am durchdrehen und mein Körper ist dauerhaft erschöpft. Der Oktober hat viele Veränderungen gebracht. Jetzt schon.

Das Wochenende wird, trotz super Wetter, vor allem dazu genutzt, ein bisschen was für die Uni zu machen. Bewerbungen zu schreiben. Wenn dann noch Zeit bleibt, geht es zum Wandern. Wenn keine Zeit bleibt, nehme ich mir die einfach.