Eigenartig bist du

Ich rücke das Bild an der Wand zurecht. Es hing schief. Schnell gucke ich noch einmal, ob das Auto auch wirklich abgeschlossen ist. Bettwäsche gehört mit den Knöpfen ans Fußende, sonst ist sie falsch herum. Im Supermarkt nehme ich nie die Sachen, die ganz vorne im Regal stehen. Wenn ich nervös bin summe ich das Pipi Langstrumpf Lied vor mich hin.

All das sind Eigenarten, die mich auszeichnen. Marotten und Macken, die ich nicht ablegen kann. Die einen würden es als zwanghaft bezeichnen, die anderen als liebenswürdig. Jeder Mensch hat Eigenarten.

Meine Gedanken sind oft sprunghaft: Wenn ich bei einem Spaziergang mit Freunden ein Eichhörnchen sehe, muss ich mich über das Eichhörnchen freuen und kann dem eigentlichen Gespräch nicht mehr folgen. Ich hasse Bücherumschläge, mir rutschen die Bücher jedes Mal aus der Hand. Käsepackungen mit wiederverschließbarem Verschluss schaffe ich immer so aufzureißen, dass sie nicht wieder zugehen.

Wie gleich müssen die Eigenarten von zwei Menschen sein, dass sie sich gut verstehen? Oder ist es gerade schön, die so ganz anderen Eigenarten des gegenüber zu lieben und sich darüber ein bisschen lustig machen zu können?

Was für kleine Macken und Eigenarten habt ihr?

 

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Experiment III

Ja, ja. So langsam reicht es mit dem Experimenten. Zumindest für diesen Monat.  Ich bin genug über meinen Schatten gesprungen in den letzten zwei Wochen. Habe den Job „gekündigt“, mich bei Tinder angemeldet und nach 2 Tagen wieder deaktiviert. Aber von diesem Experiment, da muss ich einfach noch einmal berichten.

Experiment III: Einen Amerikaner daten.

Die Weinbar hat Sonntagabends zu. Na toll. Jetzt habe ich seit Jahren (oder vielleicht überhaupt zum ersten Mal) ein richtiges Date und dann hat die Weinbar zu. Eigentlich ging an dem Abend sowieso vieles schief. Ich war todmüde und befürchtete während des Gesprächs einen Gähnanfall zu bekommen-war zum Glück nicht so. Denn als ich aus dem Haus ging, war ich aufgeregt wie ein kleines Kind vor dem ersten Schultag.

An der Eisdiele haben wir uns sofort erkannt. Kein Zweifel, obwohl er nur ganz entfernt so aussieht wie auf den Fotos. Ich habe, frech wie ich bin, einfach auf Deutsch mit ihm gesprochen und tatsächlich hat er mich fast immer verstanden. Ich ihn übrigens auch. Im Grunde hat es, sobald wir das Eis in der Hand hatten und den Spaziergang starteten, angefangen zu regnen. Ich untertreibe: Zu schütten, zu stürmen und zu gewittern. Immerhin konnte ich dann direkt ein neues Wort lehren: Gruselig.

Wir flüchteten also doch noch in ein Restaurant um ein Gläschen Wein zu trinken. Eigentlich unterhielten wir uns sowieso nur über Wein. Und Essen, was man so mag und was nicht, über Reisen (unfassbar, wie viel er schon rumgekommen ist), über die Kulturunterschiede und Eigenarten der Deutschen. Und davon haben wir viele: Pünktlichkeit und erzogene Kinder sowie Hunde als Beispiel. Außerdem stellten wir fest, dass ich Arkansas mein Leben lang falsch ausgesprochen habe (woher soll man auch wissen, dass es A-Kahn-Saw gesprochen wird?!). Es war wirklich ein sehr witziger Abend. Ein Sprachwirrwarr vom feinsten und ich ertappte mich selbst dabei wie ich ab und an in meine deutschen Sätze englische Wörter einbaute.

Welches der drei Experimente mich am meisten Überwindungskraft gekostet hat, kann ich gar nicht sagen. Jedes hat mich auf seine Art und Weise herausgefordert. Das Fazit ist zumindest bisher: Schön, dass ich es gemacht habe. Ich habe es bisher nicht bereut. Man sollte nicht immer warten, bis irgendwas passiert, sondern selber das Ruder in die Hand nehmen. Manchmal bringt es wirklich etwas ins kalte Wasser zu springen und zu merken, dass es gar nicht so kalt ist. 

Experiment II

Nein, es ist nicht wie angekündigt das Date mit einem nur englisch sprechenden Mann. Es ist etwas, was ich schon lange hätte tun sollen.

Experiment II: Kündigen.

Auf meiner Liste der „Tu-es-doch-endlich-verdammt-Dinge“ stand das schon seit Jahren drauf. Immer so im mittleren Feld. Und eigentlich weiß ich auch genau, seit wann das da steht, nämlich ziemlich genau seit zwei Jahren. Ich musste glücklicherweise nicht mal wirklich kündigen, denn mein Vertrag wird eh auslaufen. Ich habe einen neuen angeboten bekommen und mich dagegen entschieden. Somit ist es eine Fast-Kündigung.

Jeden Tag mit einer akuten Unlust und Demotivation zur Arbeit zu gehen, das kann ich nicht mehr. Niemals wird die Arbeit wertgeschätzt. Immer bekommt man nur den Zeitdruck und den Stress der Oberen mit und ab. Außerdem ist das, was ich den ganzen Tag mache, keine soziale Arbeit. Ich schleuse Leute durch. Aus dem Krankenhaus in andere Kliniken und meistens wird das Wohl der PatientInnen dabei überhaupt nicht ernst genommen. Ich merke die Einstellung und Stimmung im Team. Sie bekommen den Druck und den Anschnauzer von oben. Hauptsache der Patient wird schnell entlassen., Hauptsache ist doch, wir kriegen ihn schnell „weg“. Und am Ende sehe ich, wie genervt meine Kollegen von den PatientInnen sind-weil es „Problempatienten“ sind. Leute mit Keim oder Komorbiditäten. Menschen sind Menschen. Diese Menschen sind zusätzlich auch noch krank, hilflos, etc. Es sollte darum gehen, ihnen zu helfen und nicht darum, genervt von ihnen zu sein.

Es tut gut diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich weiß zwar nicht, wie ich mich weiterfinanzieren soll und trotzdem fühle ich mich 100x leichter als vor ein paar Wochen noch. Es ist, als hätte mir jemand eine Last von den Schultern genommen, die ich schon lange mit mir herum getragen habe. Viel zu lange. Einige meiner Kollegen wissen bereits Bescheid. Unterstützen das, freuen sich für mich. Anderen werde ich es erst nächste Woche erzählen. Morgen muss ich meine Entscheidung erst einmal dem Chef mitteilen.

Ich höre das lautlose aufatmen meiner Freunde: Endlich. Sie hat sich für den Weg entschieden, den sie fürchtet. Und hoffentlich ist es auch gleichzeitig ein Schritt in die richtige Richtung. In die des Glückicherwerdens.

 

Experiment I. Ende.

Das war ein spannendes Wochenende. Während ich die App öffnete, erwartete ich ehrlich gesagt nicht viel. Außerdem fand ich’s schon wieder scheiße, dass ich meine Handynummer und meinen Standort angeben musste. (J. lachte darüber, dass ich so anonym wie möglich geblieben war.) Also wischte ich mich durch hundert Gesichter und bekam jedes Mal einen kleinen Schreck, sobald es hieß: It’s a Match.

Irgendwie fühlte es sich wie etwas verbotenes an. Aber vielleicht war das auch nur meine prüde Angst. Letztendlich kann ich ein Ergebnis meines Experiments liefern: Ich habe ziemlich viel den Kopf geschüttelt (über seltsame Bilder von irgendwelchen Menschen), viel gelacht (über kreative Selbstbeschreibungen) und sogar zwei Leuten geantwortet. Der eine erfüllte das komplette Tinder-Klischee. Der andere ist tatsächlich ganz nett. Und Amerikaner. Und ich kann zwar gut Englisch verstehen, aber einfach nicht sprechen. Jetzt fühle ich mich wie ein Kleinkind, was gerade sprechen lernt. Aber dadurch ist direkt Experiment II entstanden: Sich mit einem Amerikaner treffen und versuchen sich möglichst nicht zum Deppen zu machen.

Nun bin ich wieder deaktiviert in dieser gehypten App. Für mich ist eins klar: Face-to-face Kommunikation ist immer noch schöner als Tinder. Sich irgendwo in einer Bar oder an der Supermarktkasse ansprechen. Keine gekünstelte und gestellte Situation und Atmosphäre aufbauen zu müssen. Man kann sich nämlich nicht so verhalten, als wäre das NORMAL, Leute nach ihrem Aussehen nach links oder rechts zu swipen. Es ist vielleicht normaler geworden für unsere Generation. Aber auch normal kann komisch sein.

Stereotype

Kordhose und bunte Strickpullis. Dazwischen der ein oder andere Typ im alten Baumwollhemd. Die Schuhe wären sicher von Birkenstock, wenn es denn Sommer wäre. Mein Bruder und ich kommen zu spät zur Veranstaltung. Ich hasse es zu spät zu kommen, weil man sich dann immer erst einmal in einem fremden Raum zurecht finden muss, der voll von Leuten ist, die irgendwelche Plätze belegen. Als wir uns am Tisch niederlassen, schweift mein Blick über all die Gesichter und ich merke: Die Vorurteile haben immer etwas wahres in sich.

Diese ganzen Bio-Fritzen. Diese Ökos mit ihren Korktaschen, Jutebeuteln, Jesuslatschen und Kordmützen. Ein bisschen stimmt es ja auch. All diese Menschen, die hier vor uns sitzen, passen perfekt zu dieser Veranstaltung oder ins Reformhaus. Eine Freundin und ich haben uns in einen Gärtnerhof eingekauft, der bei uns in der Nähe ist und regionales, saisonales Obst und Gemüse liefert. Zu bestimmten Abholstellen, an denen man sich dann die Kisten voll Bio abholen kann. Ab nächster Woche wird es die ersten Kisten geben und ich freue mich sehr darauf etwas für die Umwelt zu tun und regionale Gärtner zu unterstützen.

Innerhalb des letzten Jahres bin ich immer mehr und mehr auf Bio- und regionale Produkte umgestiegen. Mittlerweile gehe ich selten in den Supermärkten einkaufen, sondern viel lieber auf dem Markt oder in die kleinen Bioläden. Ich bin selbst zum Öko-Bio-Fritzen geworden, nur ohne Kordhose und Batikshirts. Dafür aber auch mit dem (überwiegenden) Verzicht auf Plastik und Massenproduktionskonsum. Und die Umstellung auf ökologisches Waschmittel, Shampoo, etc., um auch direkt das Mikroplastik aus dem Wasser rauszuhalten-Der Deutschlandfunk hat mit seinem Podcast sein Ziel erreicht. Nun dürft ihr mich gerne in eine eurer beliebigen Schubladen einordnen. Das habe ich selbst auch schon getan.
Wer sich ebenfalls mit dem Thema Plastik beschäftigt (oder einfach nur mal sehen will, was das Resultat daraus ist), dem empfehle ich die Terra X Doku in der ZDF-Mediathek.

Mit der Kiste wird es sicher noch einmal spannend, denn ab dann kann ich nicht mehr aussuchen was ich kaufe, sondern muss das verwerten, was ich bekomme. Auch wenn es solche Dinge wie Rosenkohl sind, mit denen man mich üblicherweise jagen kann. Aber frisch und von nebenan schmeckt sowieso alles besser. Es ist ja fast wie aus Ommas Garten. Nur kochen muss man selbst.

Faber & Kraftklub [Göttingen]

Göttingen. Eine kleine Studentenstadt mit alten Fachwerkhäusern. Irgendwo ganz knapp an der Grenze zu Hessen. So als könne sich die kleine Stadt nicht entscheiden, wohin sie gehören möchte. Sie muss sich vielleicht auch gar nicht entscheiden, denn an diesem einen Tag im Jahr, der 21.03.2018, ist es egal. Weil Faber und Kraftklub in der Stadt sind.

Im Oktober bereits begeistert gewesen von diesen Jungs aus Karl-Marx-Stadt. Mit überragender Show in Hannover. Dieses Mal ein bisschen näher ran. Dieses Mal noch ein bisschen mehr mittanzen, springen und singen. Aber vorab war da noch ein junger Mann mit Band, dessen Stimme ich ebenfalls seit letzten Jahr immer wieder gerne lausche. Als ich dann gehört hatte, dass er die Vorband sein wird, war für mich klar: Ich muss möglichst früh hin.

Faber ist ein junger Schweizer, dessen Texte ironisch den Finger auf die Wunde der Gesellschaft drücken. Ob bei Wer nicht schwimmen kann der taucht die Volkseinstellung zu Ausländern bemängelt wird oder doch eher mit Alles Gute das eigene Gefühlsleben plus die Verlorenheit. Egal, welche Wörter er da in den Mund nimmt, er schafft es einen zu fesseln. Mit der Stimme, die einfach so rauchig ist wie ein Abend mit Whiskey am Kamin. Nachts habe ich mir dann direkt noch Karten für eins seiner Konzerte gekauft. Weil ich nicht genug bekomme.

BandK
I dont care. I love it.

Aber noch einmal zu Kraftklub. Wie auch schon in Hannover merkt man einfach, wie viel Spaß diese Männer an ihren Auftritten haben. Genau so wie die Zuschauer. Es gibt Moshpits, die sind so groß wie schwarze Löcher im Weltraum. Ich schätze es geht auch genau so viel darin verloren. Aber dennoch: Es hält einen gar nicht einfach nur so dazustehen. Man MUSS sich bewegen.

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Für immer allein‘, für immer.

Zum ersten Mal waren sie also in dieser kleinen Stadt. Zum ersten Mal wurde beim Glücksrat der Songs eine Niete gedreht. Raucherpause. Dann ging es weiter mit dem Coversong Schrei nach Liebe von den Ärzten. Faber kam noch einmal zurück für I love it von Icona Pop. Es wurde geknutscht auf der Bühne. Es wurden Bengalos gezündet. Es explodierten 500k Scheine in der Luft. Den legendären Stage Diving Wettkampf, gab es selbstverständlich auch wieder zum Schluss. Und wer hätte gedacht, dass zum allerersten Mal Felix gewinnen würde? Eh, Randale!

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Eh, Randale! Eh, Randale!

Eigentlich ist nur eins gesagt, was wirklich zählt: Es war überragend. Diese Band, dieser Faber, dieses Publikum (auch wenn ich mich wirklich alt gefühlt habe-der Durchschnitt lag womöglich so bei 16 Jahren). Sollte es eine nächste Tour geben, bin ich dabei. Ich würde es mir sogar jetzt schon im Kalender eintragen, denn „ich bin immer nur Fan von dir“.

Gefühl im Körper

Dem Morgen liegt immer ein gewisser Zauber inne. In der Stadt haben hier die wenigsten Wohnungen Balkone. So mache ich das Beste draus, reiße das Fenster auf, setze mich auf die Fensterbank und genieße die Stille. Es ist eine ganz besondere Stille. Sie birgt Zufriedenheit und innere Ruhe. Diese Stille gibt es nur im Zauber des Morgens.

Mittags im Wald herrscht ebenfalls Stille. Aber es ist eine andere Stille. Sie ist erwartungsvoller, als die frühe Stille. In den letzten Tagen mischt sie sich mit dem Frühling. Der Frühling ist nicht nur eine Jahreszeit, er ist ein Gefühl. Etwas, was man tief in sich spürt, während man am Wegesrand steht und in die Ferne blickt. Es kribbelt in einem, sobald man die ersten Blümchen und Knospen entdeckt. Vor allem aber dann, wenn die Temperaturen auf dem Thermometer steigen und die Sonne dabei scheint. Manchmal ist es sogar der Geruch nach Regen. Es beginnt in den Fußspitzen und geht bis hinauf zur Schädeldecke, das Frühlingskribbeln. Als würde der Körper aus einem langen Winterschlaf erwachen, sich schütteln und wieder durchstarten wollen.

An solchen Frühlingsmorgen ist die Welt vollkommen in Ordnung. Nicht nur in Ordnung, sie ist wunderschön. Das sind echte, einzigartige Genießermomente.

Frühling

Dein Sushi

Mal kurz aufs Handy gucken. Hat ja niemand geschrieben. Dann scroll ich doch einfach mal durch meine Kontakte, vielleicht kann ich ja jemanden schreiben. Oder doch nochmal eben gucken, was der Typ bei Instagram macht. Vielleicht auch nochmal schnell Facebook checken. Plötzlich ist der Tag rum.

Neulich habe ich im Radio die Ergebnisse der Studie von der DAK zur Social Media Nutzung von Jugendlichen gehört und war schockiert. So viele junge Menschen haben eine Sucht entwickelt. Der Radiosender hatte passend zum Thema eine 17-jährige interviewt. Diese erklärte, wie anstrengend es sei, ständig am Handy zu hängen. Obwohl ich versuche meinen Handykonsum so gering wie möglich zu halten, merke ich das dennoch. Ich stimme ihr da absolut zu. Dabei habe ich mich von Facebook und Instagram schon lange getrennt. Wir gehen jetzt unterschiedliche Wege. Allerdings weiß ich auch, welch‘ große Überwindung so eine Scheidung mit sich bringt.

Es ist doch nett, wenn man abends im Bett liegt und noch einmal die ehemaligen Schulkameraden von vor 10 Jahren „beobachtet“. Was machen die gerade so? Aha, Haus bauen, heiraten, befördert werden. Doch mit diesen Informationen, dessen Einholung wirklich Zeit in Anspruch nehmen kann, kommt auch die Melancholie. Wie schaffen es denn andere, plötzlich schon so weit zu sein? Woher haben die das Geld ständig Urlaub zu machen? Schon verheddert man sich in einer Spirale aus Gedanken, die einen nieder zieht.

Beim Mittagessen mit den Kollegen wird nicht mehr geredet, es wird auf Whats App Nachrichten geantwortet. Manch‘ einer schaut sich auch das neue Trainingsvideo von dem skandinavischen Model an. Es könnte ja sein, wenn man neben dem ganzen Bilder betrachten, Leute stalken und Videos ansehen, Zeit hat, wirklich mal Sport zu machen. Was bringen einem diese „Influencer“ wirklich? Die heißen ja nicht umsonst so. Das kommt von Grippe und jeder weiß doch eigentlich wie scheiße Grippe ist.

„Lina, ich will dein Sushi gar nicht sehen…“
-Sushi/Von wegen Lisbeth

Mal Butter bei die Fische, was habe ich davon, wenn ich mir die neusten Tipps und Tricks irgendwelche Leute ansehe, die ich gar nicht kenne? Genau, verlorene Zeit. Mehr nicht. Lebenszeit verschenkt, in denen ich wirklich hätte was schönes machen können. Abseits meines Handydisplays. Denn ich will die Perfektheit der Menschen gar nicht sehen. Sie blendet und im Schatten steht das, was an Sorgen auf ihren Schultern lastet. Im Schatten ist all das zu finden, was man auf den gefilterten Fotos nicht sehen kann. Alles, was in einer Whats App Nachricht nicht mitschwingt. Gefühle und Emotionen vor allem.

Mein Plädoyer: Schaltet das Handy doch einfach mal aus. Lasst es zuhause liegen. Vergesst es. Meldet euch bei Instagram und Facebook ab oder schränkt eure Nutzung ein. Macht mal einen Entzug. Denkt an euch und die Leute, die neben euch sitzen. Mit denen man reden kann. In echt. Man kann sie sogar anfassen, wenn man möchte.

 

Die versteckte Weisheit

Morgen ist es so weit. Meine Angst ist riesig. Das Wort „Muffensausen“ ist schon wirklich untertrieben. Es ist pure Angst. Nicht die Angst, wie sie andere haben. Vor der Höhe oder vor Spinnen. Selbst neben einem Clown würde ich mich morgen lieber setzen, als auf diesen Stuhl. Ich springe im Dreieck. Mein Herz hat schon vor Stunden begonnen zu rasen, dabei ist noch so viel Zeit.

Mein Kühlschrank ist voll mit Babybrei. Nicht für einen kleinen Quälgeist, sondern für mich-obwohl ich ja auch einer sein kann. Denn die nächsten Tage werde ich wahrscheinlich dem Herrn Hipp ein riesiges Dank aussprechen. Ich war heute extra noch einmal in der Bibliothek, habe Bücher gehortet. Auf dem Wohnzimmertisch stapeln sie sich nun neben den Play Station Spielen. Serien sind auch schon rausgesucht, damit ich die nächsten Tage nicht die Krise kriege.

Meine Weisheitszähne müssen raus. Erst die eine Seite, dann die andere. Morgen zwei und irgendwann anders die anderen beiden. Leute, Leute. Das wird eine kurze Nacht.

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Just days

Manche Tage sind darauf ausgelegt, dir alles zu versauen. Oder ist es vielleicht so, dass die Stimmung an solchen Tagen eh schon so schlecht ist, dass alles, was dann noch kommt, nur dazu beiträgt sie noch schlechter zu machen? Wenn mir an guten Tagen das Gemüse zwischen Herd und Arbeitsfläche fällt, schüttle ich den Kopf darüber. An schlechten denke ich: Na klar, das MUSSTE ja jetzt passieren. Konnte ja gar nicht anders kommen.

An guten Tagen merke ich nicht, dass ich mir das Knie an der Tischkante stoße. An schlechte könnte ich sofort losheulen. Eigentlich könnte ich sogar eh ständig einfach heulen. Dann ist einfach alles zu viel. Dieser Tag wird dann für richtig doof und nervig abgestempelt. Abends im Bett ist es dann meist gar nicht mehr so schlimm.

Wenn man zwischen den waren Laken liegt und noch einmal kurz den Tag Revue passieren lässt, sind meist die ganzen kleinen Dinge, die schief liefen, nicht mehr so wichtig. Man hat den Tag gehabt, man durfte ihn leben. Mit jeder Sekunde und jedem Atemzug. Im besten Fall sogar gesund. Was macht ein Tag voll schlechter Laune da schon aus?