What did he say?! (London: Tag 7)

Viking Hotel; Stratford Centre; Westfield Shopping Centre

Underground Station: Stratford

Unser letzter Tag ist angebrochen. Wir freuen uns sogar auf zu Hause (eigentlich nur auf das Bett und eine vernünftige Mahlzeit) und die Koffer stehen schon gepackt unter dem Tresen der Rezeption. Das Hotel müssen wir um 10:30 Uhr verlassen – ohne unsere Koffer. Das wir keine Fernbedienung hatten, sagen wir jetzt auch nicht mehr. Sollen sich doch die Nächsten drum ärgern. Mein Handtuch ist ja schließlich auch nicht wieder aufgetaucht. Herzlichen Dank auch, liebe übereifrige Putzfrau.

Die Sonne scheint, L. stolpert mal nicht über den Teppich vor dem Hotel und die Winterjacke erscheint fast ein bisschen zu dick für diesen Morgen. Da wir nichts weiter zu tun haben, als noch die restlichen Andenken und Geschenke zu besorgen, streifen wir erst einmal durch das Stratford Centre und landen dann – wie gewohnt – im Westfield Shopping Centre.

Die Zeit scheint still zu stehen. Wir sitzen herum. Warten. Streifen durch Läden und fassen dann einen Entschluss: Cupcakes kaufen und dann zum Hotel zurück. Die Dame wartet geduldig bis wir uns entschieden haben. Mit kleiner Papiertüte, gefüllt mit jeweils einem Cupcake, verlassen wir strahlend das Shopping Centre.
Aus Angst das Guthaben unserer Oyster Card, reiche später nicht mehr zum Flughafen, laufen wir die Strecke zum Hotel wieder zurück.

In der Lobby des Viking Hotels lassen wir uns auf die Sofa fallen. Wir warten und warten und warten. Ich lausche den Gesprächen der Leute, die sich mit dem Hotelmann unterhalten. Später überschwemme ich alles – ganz unauffällig – mit meiner Wasserflasche und krümle zu guter letzt mit meinem Cupcake alle erdenklichen Gegenstände voll. Genug Chaos angerichtet. Wir wollen nicht in den Feierabendverkehr kommen und schnappen uns deswegen unsere Koffer, um uns zum Flughafen auf zu machen.

Der Bus ist nicht so voll wie gedacht und der junge Mann an der Haltestelle zeigt noch einmal die feine englische Art, in dem er uns mit unseren schweren Koffern zuerst einsteigen lässt. Nach 2 Stationen geht es wieder hinaus, durchs Stratford Centre und hinein in die U-Bahn. Eigentlich wollte ich es keinem erzählen, aber: Wir haben ganze 6 Tage lange immer einen Umweg gemacht, nur weil wir zu doof waren, richtig zu gucken. Herzlichen Glückwunsch.

Heathrow Airport

Underground Station: Heathrow Terminal 1,2,3,4,5

Die U-Bahn ist ebenso leer wie der Bus und nach dem einem Mal umsteigen, habe ich das Gefühl wir würden nie ankommen. Ich weiß auch schon wieder gar nicht wirklich, wohin ich zuerst gucken soll. Zu dem gut aussehenden jungen Mann am Ende des Zugs, der lässig an der Tür lehnt (was für ein Rebell! Das ist verboten, junger Herr!), oder doch lieber zu dem niedlichen, uralten Ehepaar gegenüber. Diese vereisen wohl auch, denn sie fahren bis zum Ende mit uns mit. Lächelnd und halb schlafend, schaukelt der Opi hin und her, während die Omi in ihrer Zeitschrift liest. Eine Durchsage des Tubeführers (sau cooles Wort!) lässt den alten Herr aufschrecken. „WHAT DID HE SAY?“, brüllt er fast. Während ich noch krampfhaft überlege, was ich ihm darauf antworten soll, weil er komischerweise mich bei dieser Frage anguckt, antwortet seine Frau schon. Das „What did he say“ bringt mich allerdings zum lächeln. Ich muss daran denken, wie ich mit einem Freund Asterix und Obelix bei den Briten schaute, wir uns darüber beömmelten, dass einer der Briten immer wieder fragte, was gesagt wurde und wusste nun, woher dieses immer wiederkehrende Spruch kam. Ein Rästel war gelöst!

In Heathrow am Flughafen galt es nun erst einmal die Oyster Card wieder zurück zu geben. Der Mann hinter der Scheibe druckt einen ganzen Roman aus. Die Quittung mit den Haltestellen ist doppelt so lang, wie meine Ikea Rechnung, nachdem ich meine Wohnung neu eingerichtet hatte. Das sollte schon was heißen. Leider bekamen wir diese nicht als Andenken. Er warf sie ohne weiteres in den Müll. Dafür bekamen wir den Pfand und die restlichen Pounds wieder.

Am Flughafen in Heathrow ist ein einziges Getümmel von Menschen. Wir ließen uns auf einer der unbequemen Bänke nieder und warteten. Warten war das absolut Angesagteste an diesem Tag. Bald schon wusste ich nicht mehr, wohin ich gucken sollte. Ich kenne alles. Sogar den Shop gegenüber. Also krame ich mein Buch hervor und lese. Ich komme mir sogar ein bisschen mystisch vor, wie ich ein ausländisches Buch am Flughafen lese. Der Titel hat sogar ein „ü“ im Wort, das kennen die hier gar nicht. Muss das seltsam für die aussehen.
Unterbrochen wurde ich nur von L. die ab und zu auf etwas witziges aufmerksam machte, oder sich langweilte, von meiner Mahlzeit, dem zweiten Wrap des Tages, und von dem Typen, der sich links neben uns auf die Bank fallen ließ und den ich erst wahrnahm, nachdem ich mich fragte, woher dieser unglaublich leckere Geruch nach Männerdeo herkommt. So vergingen 3 Stunden Warten, bis wir beschließen endlich selbst einzuchecken.

British Airways

Das geht leichter als gedacht. Die Boardkarte wird ausgedruckt, wir bringen unser Gepäck zu der Frau, die uns nun auch keine komischen Fragen mehr stellt und huschen dann durch Tore hindurch, bei denen wir die Boardkarte einscannen müssen. Was für ein neumodischer Kram, aber cool ist es trotzdem. Bin ich ja leider immer ziemlich schnell von zu begeistern.
Hinter den magischen Schranken wartet die Gepäck- und Körperkontrolle auf uns. Und auf 1 Millionen andere Menschen, die heute noch einen Flug erwischen wollen. So verstauen wir unsere Flüssigkeiten in den Tüten und unsere Rucksäcke auf dem Band. (Ja, auch L. hat dazu gelernt. Kein Shampoo im Handgepäck!)
Ich komme ohne Probleme durch den Türrahmen, in dem die ganze Hoffnung auf Terrorbeseitigung liegt. Bin mir immer noch nicht sicher, ob man einem Türrahmen trauen kann, aber bis jetzt scheint er gute Arbeit zu leisten. Ebenso misstrauisch bin ich gegenüber dem Ding, was aussieht wie ein Schuhanzieher.

In der riesigen Wartehalle sitzen wir zwischen Geschäften und anderen Menschen. L. entdeckt die Steckdosen zum Handyaufladen. Leider funktioniert das ganze nicht so, wie sie es sich vorstellt. Der Ire, der uns gegenübersitzt, hat seinen Adapter nämlich schon stecken und ihrer ist einfach zu fett, um auch noch in die andere Steckdose zu passen. So verlässt sie mich und wandert ans andere Ende der Halle. Leider ist das keine gute Idee, denn wir schreiben weiterhin über das Handy und teilweise geben wir uns komische Handzeichen und durch ihre komischen Texte muss ich lachen. Der Ire mit der Gitarre schaut auf. (Ja ich weiß, dass es ein Ire ist, weil seine Gitarre nach Dublin will. Und wenn seine Gitarre das will, dann will er das sicher auch.) Ich schaue ihn an. Mit riesigen Augen und so, als wäre es ganz normal auf einem Flughafen loszuprusten, ohne ersichtlichen Grund. Er lächelt. Moment.. Er lächelt? Scheinbar sind die Iren genauso verrückt wie ich.

Time to walk to Gate: 15 Minuten. Wir rasen los. In einer enormen Geschwindigkeit. Biegen um die Ecke und – sind da. Nach 2 Minuten. Sagt mal Leute, habt ihr nichts besseres zu tun, als arme Touristen zu verarschen? Da hätten wir ja auch ganz normal gehen können. Und wieder heißt es warten. Unser Flieger wird leicht zu spät geboardet und irgendwie spricht kaum einer der Passagiere Deutsch. Sowieso sind das alles nur Britische Soldaten. Fast.
Trotz verspätetem boarden, heben wir pünktlich ab. Es kribbelt im B
auch und die Lichter unter uns glühen wie kleine Glühwürmchen. London ist riesig. Und genau in dem Moment wird mir bewusst: Wir reisen ab. Wir fliegen nach Hause. Mein Herz zieht sich etwas zusammen. Durch die Erschöpfung fühl ich mich noch 100 mal schlimmer. Oh nein, gibt es eine Handbremse? Ich will wieder zurück!
Ich mag das Highlife in Londons Straßen weiter leben, ich mag mich durch Passanten schlagen und weiter in der U-Bahn schaukeln. Ich mag Busfahren in vorderster Reihe und mich ständig für Dinge entschuldigen. Ich mag das mir an jeder Ecke Hilfe angeboten, oder mir Vortritt gelassen wird, einfach weil es sich so gehört. Liebe Engländer: Ihr seid bezaubernd. Ihr macht es richtig. Und London: Hier ein erneutes Versprechen, was ich hoffentlich bald einlösen werde: Ich komme wieder. Denn von dieser Stadt bekomme ich nicht genug. Sie ist seit dem ersten Tag, der ersten Reise in meinem Herzen und da wird sie keiner mehr herausbekommen. Ja, ich bin überzeugt, dass Liebe nicht nur von Mensch zu Mensch wirkt, sondern auch von Menschen zu Dingen und seien es nun mal Städte.

Ich esse meinen dritten Wrap an diesem Tag. Endlich mal ein gutes Flugzeugessen, was frisch und lecker schmeckt. Danke British Airways! Der Flug zurück ist wie der Hinflug. Starten, essen, landen. Angekommen. Regen empfängt uns, und jetzt möchte ich erst recht wieder umdrehen. Oder in mein Bett.

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Und zum Ende hin noch etwas Vorzeigbares… (London: Tag 6)

Kings Cross; Platform 9 3/4

Underground Station: Kings Cross St. Pancras

Gummistiefel an? Ja, oder nein? Ich hatte die Dinger doch nicht UMSONST mitgeschleppt. Nach England, der Hochburg des Regens (nur geschlagen durch Irland, wie ich hörte). Außerdem regnet es ja auch. Was also sollte ich sonst anziehen? Mit Winterjacke und Gummistiefeln verlasse ich das Hotel. Und ich bin froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe.

Irgendwie ist es immer merkwürdig am letzten Reisetag durch die Stadt zu fahren. Jede U-Bahnfahrt wird vollstens in einen aufgenommen. Ich werde das vermissen. Das schöne Umhergeschunkel am frühen Morgen. Die beschäftigten Menschen. Rechts stehen und links gehen.
Doch erst einmal machen wir einen Ausflug in die Welt der Magie.

Kings Cross. Ein riesiger Bahnhof, wie mir immer wieder scheint. Die Decke weiß, gestaltet mit neumodischen Strukturen. Es sieht aus, als würde dieses weiße Konstrukt versuchen die alten Häuserwände dahinter zu verschlingen. Wie ein großer Eimer Farbe, bei dem mitten im Ausschütten die Zeit stehen geblieben ist.
Natürlich sind wir nicht hier, um die Architektur dieses Gebäudes zu begutachten, sondern eher um uns bei der Schlange zum Gleis 9 ¾ anzustellen. Wie auch bisher haben wir Glück mit der Uhrzeit. Letztes Mal war das Ende der Schlange kaum zu sehen, und diesmal geht alles ganz schnell. L reiht sich ein, ich mache ein Foto von ihr, quatsche mit den Fotografen und dem anderem Kauz und schon sind wir auch wieder weg. Natürlich nicht einfach disapperiert, sondern nur in den Harry Potter Shop gestürmt. Ach, wenn man doch nur Geld hätte. Gern würde ich mir eine der schönen Ketten kaufen. Hermines Zeitendreher, oder doch das Symbol der Heiligtümer des Todes. Leider reicht mein Muggelgeld gerade einmal für 2 Packungen Bertie Bott?s Beans Every Flavour (ob die wirklich nach Ohrenschmalz und Dreck schmecken? Nachtrag: Ja, sie schmecken WIRKLICH danach!) und einen Schokoladenfrosch mit Zauberersammelkarte. Trotzdem fühle ich mich schon fast dazugehörig, zur Zauberwelt. Schließlich hat Ron auch nie Geld, um sich all die tollen Dinge zu kaufen – versteht sich, dass wir da ja immerhin etwas gemeinsam haben.

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Im Harry Potter Shop. Fast wie bei Olivander

Unser Aufenthalt im Kings Cross ist gar nicht lang. Gestern hatten wir noch verbissen überlegt, was wir an unserem letzten Tag so machen könnten und dann war es mir spontan eingefallen: Die Museen!
Genau dorthin waren wir nun auf dem Weg. Verfehlen konnte man diese trotz schlechten Wetter nicht. Denn alle Menschen hatten die gleiche Idee. Ein Regentag ist perfekt fürs Museum.

Natural History Museum

Underground Station: South Kensington

Das Natural History Museum erwartet uns. Durch strömenden Regen (ja mittlerweile waren meine Gummistiefel wirklich nützlich!) rannten wir fast zum Eingang. Hier hatten sich schon einige Menschen aufgestellt und warteten. Zum Glück dauerte es nicht lange und schwups waren wir im Trockenen. Das gute an den Museen in London: Viele, vor allem die Dauerausstellungen, sind kostenlos.
Gleich im Eingangsbereich schaute ich mit offenem Mund, staunend Richtung Decke. Dieser riesige Saal hatte eine wunderschöne Architektur. Der Blickfang, der mich eigentlich beschäftigt, ist jedoch das Dinoskelett in der Mitte. Wenn hier nicht ?Nachts im Museum? gedreht wurde, dann muss ich sagen: HIER wäre der perfekte Ort dafür!

Wir schlenderten durch die einzelnen Zonen. Die rote, die Grüne, die Blaue. Jede hat andere Schätze zum Vorzeigen. Die Dinosaurierausstellung ist leider gerade für einen Sommerputz geschlossen. Schade, drum. Deswegen sehen wir die Riesen auch nur vereinzelt in Glaskästen herum stehen.
Wenn ich ein Museum wählen müsste, welches für Schulklassen anschaulich gestaltet ist: Liebe Leute, hier ist es. Das Natural History Museum.
All die Geschichten zu den ausgestellten Sachen und all die informativen Selbstversuche, die man ausprobieren kann. Einfach klasse. Ich arbeite mich bei der ?der Mensch?- Ausstellung durch verschiedene Reaktions- und Optische Täuschung Tests. Manche Dinge funktionieren einfach nicht, ich hoffe, dass es nicht an mir liegt und ich somit trotzdem noch ein vernünftiger Mensch bin.

In den weiteren Teilen streichen meine Augen gierig an ausgestellten Vögeln und Wassertieren entlang. Schildkröten, Eisbären, der Fuchs, bunte Vögel, kleine Vögel, riesige Vögel. Mir war nicht einmal bewusst, das es so viele verschiedene Vogelarten gibt. Welche so winzig kleinen Eiern, die gerade mal so groß sind, wie mein kleinster Fingernagel. Wie groß muss das Küken darin nur sein?
In einer der Ausstellungshallen stehen und hängen die wirklich großen Tiere. Ein Wal baumelt (ob der mit dem Gewicht noch baumelt?) von der Decke. Daneben die verschiedenen Walskelette. Am Boden stehen die Giraffe, verschiedenen Elefanten, Nashörner, Nilpferde, einfach alles, was man auch in einem Zoo erwarten würde. Nur finde ich dies hier viel besser. 1. Weil die Tiere nicht echt sind und 2. Weil man viel näher heran gehen kann, um zu sehen, dass die Seekuh z.B. einen Bart hat. Anfassen kann man diesen jedoch nicht. Viele der Tiere sind hinter Glas und somit vor neugierig tastenden Finger geschützt.

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Hinter Glas: Schneewittchenpferd

Mit den Skeletten haben sie es hier auf jeden Fall. Ganz besonders faszinierend finde ich das Froschskelett und das Schlangenskelett. Wann bitte sieht man so etwas schon mal?
Auch die Darstellung des Frosches, der seine Babys auf dem Rücken transportiert, zieht mich in den Bann. Die einzelnen Fische, vor allem die Anglerfische und die Tintenfische, sind mir sehr suspekt. Denen möchte ich nicht im Meer begegnen. Die sehen schon ziemlich knauserig aus. Vielleicht war ihr Frühstück nicht so gut.
In der Abteilung der Meeresobjekte finde ich auch wirklich außergewöhnliche Muscheln. Diese kleinen Dinger aus dem Meer vor den Philippinen sehen aus, als hätte sie ein Künstler mit Farbe verziert. Aber falsch gedacht – hier hat die pure Natur gezeichnet.

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Knauseriger Anglerfisch

Echte Ameisen und Bienen bekommen wir auch noch zu sehen. Fraglich bleibt für mich, von was sich die kleinen Bienen, die ihr Nest unter der Decke des Museums gebaut haben, ernähren. Blumen oder ähnliches gibt es hier drin ja nicht wirklich. Und wenn, dann sind sie nicht echt. Vielleicht veräppeln uns die Leute hier auch und das Nest ist aus Plastik und die Bienen mit Batterien betrieben. Denen traue ich hier alles zu, so echt wie beispielsweise das galoppierende Pferd hinter der Scheibe aussieht.
Die Insektenausstellung bietet einen tollen Überblick über Schmetterlinge, Heuschrecken, Spinnen und wirklich alles andere, was so krabbelt und rumfleucht.
Eine riesige Skorpion -Nachstellung, die ihre Scheren auf und zuschnappen lässt und sogar den Stachelschwanz bewegt, verschreckt alle Kinder. Die Eltern müssen mit ihnen einen großen Bogen um dieses unecht
e Ungeheuer machen. Viele beginnen sogar zu weinen. Wirklich echte Kindstränen.

Leider erleben wir heute keine künstlichen Erdbeben. Wir haben auch ein Pech! Keine Dinos, kein Erdbeben. Vielleicht hängt das auch in irgendeiner Weise zusammen. Vorstellen kann ich es mir ja.
Dafür fahren wir mit der Rolltreppe noch in die Weltkugel hinein und schauen uns an, wie das Sonnensystem funktioniert. Ebenso, wie die Welt entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat. Ist ja so schon ganz schön komplex und recht schwierig zu verstehen, aber auf Englisch raff ich da schon fast gar nichts mehr. Man gut, dass wir nun im Shop angekommen sind und diesen schnell durchstreifen. An den beiden Menschenskeletten, die wohl schon etwas länger an ihrem Mittagstisch sitzen, geht es für uns nun wieder nach draußen. Ein weiteres Museum wartet auf uns. Auf ins Abenteuer!

National Gallery

Underground Station: Charing Cross

Wer mal etwas ganz Verrücktes machen will, etwas, wobei einen alle Menschen anstarren und man sich nicht so sicher ist, ob sie nun aus Anerkennung oder Empörung zu einem herüberschielen, der sollte unbedingt, wirklich unbedingt mit Gummistiefeln in die National Gallery gehen. Das kommt wirklich gut. Schon am Eingang gucken mich die Leute komisch an. All die Kunstkritiker und Künstler, die sich hier ihre Inspirationen holen. Sagt man nicht so, dass Künstler eh ein Rad ab haben und nur mit seltsamen Dingen und ausgefallener Kleidung herumlaufen? Vielleicht halten die mich ja auch für wen berühmtes und gucken deswegen so. Außerdem: Hallo, ich bin auch hier um zu kritisieren!

Und das tu ich auch. Es gibt eine Sonderaustellung, für die wir uns anstellen. Schon bald dürfen wir durch die großen Türen treten und alles auf uns wirken lassen. Ich bin ja ein großer Kunstfan und ich liebe es Bilder zu begutachten, selbst zu interpretieren was damit gemeint ist und so weiter und so weiter. Immerhin war ich mal auf einer Kunstschule. Aber Leute ehrlich: Hier kann ich einfach nicht anders, als zu lachen.
Da steht also ein Mädchen, klitschnass, mit Gummistiefeln, sich das lachen verkneifend, vor einer dieser Skulpturen. Alle anderen nehmen wenig Kenntnis von mir. Außer der Typ in der Jogginghose, dem das Ganze wohl auch nicht so geheuer ist. Ich würde ihm ja zuzwinkern, wenn mein Gesicht nicht eh schon verzerrt genug gewesen wäre. Wenn das mal kein Scherz ist hier, dann möchte ich bitte nächste Woche auch meine Sonderausstellung hier ausstellen lassen. Is that cool?

Die gemütlichen Sofa sind gar nicht so gemütlich. Und die Bilder sind außergewöhnlich. Klar, da gibt es die Sonnenblumen und Seerosen von wirklich berühmten Künstlern und ich finde, diese muss man auch gesehen haben. Aber der Rest erschließt sich mir nicht so ganz. Bin ich zum Kulturbanausen verkommen? Oder liegt es an der Atmosphäre hier? Die Menschen, die mit ernsten Mienen an den Bildern vorbei schreiten. Mit den Händen auf den Rücken oder an ihren Brillen. Diese Stille hier. Nur das Quietschen von meinen Gummistiefeln. Außerdem sollte hier mal jemanden einen Lageplan verteilen. Jeder Raum mündet in den nächsten. Ich brauche einen Rundgang, sonst seh ich die Hälfte der Kunstwerke hier doch gar nicht. Es kommt mir wie ein Labyrinth vor. L und ich irren weiter und weiter.

Irgendwann stolpern wir am Trafalgar Square wieder hinaus. Wahrscheinlich haben wir nur die Hälfte der Gemälde gesehen. Genauso wie die Hälfte der Menschen nur vorm Regen flüchten wollten und deswegen in der Galerie waren. Aber das soll uns ja egal sein. Wir wollen nun weiterziehen. Der Bohnergeruch klebt noch immer in meiner Nase und ich atme erst einmal tief die frische Regenluft ein. Ja, es hat tatsächlich etwas nachgelassen. Nicht nur von den Eindrücken her, sondern auch vom Regen.

Als wir dann in die U-Bahn zurück wollen, gibt unsere Oyster Card den Geist auf. Am Morgen hatten wir noch 7,80 Pounds drauf und ganz plötzlich sollten wir zu wenig haben. Es dauert ewig, bis wir begriffen haben, dass wir die Karte neu aufladen müssen. Und mindestens noch mal so lange, bis wir endlich den Kioskbesitzer von unserem Anliegen in Kenntnis setzen können. Zum Glück lässt uns die kleinen Schranken dann in den Untergrund.
Der Wind, den die Züge vor sich herschieben, dieser warme Wind, zersauste uns die Haare. Ach, wie werden wir das U-Bahn fahren vermissen!

Liebe
x In die Zauberwelt eintauchen.
x Die Geschichte und Natur entdecken.
x Total verrückt mit Gummistiefeln in die National Gallery

Ein typisch englischer Sonntag. (London: Tag 5

Tower of London; Tower Bridge; Docklands

Underground Station: Tower Hill

Es ist grau draußen. Wenn dies das Englische Wetter ist, dann ist das noch annehmbar. Allerdings habe ich nicht mit diesem Wind gerechnet. Als wir nach unserem Frühstück – langsam gibt es nichts mehr zu essen morgens, wir sind einfach zu verwöhnt – in den Bus und dann in die U-Bahn steigen und diese uns wieder einmal an einem neuen Ort raus lässt, peitscht der Wind uns um die Ohren. Er krallt sich in unsere Haare. Das finde ich gar nicht witzig, denn meine Haare sehen hier eh schon aus, wie die einer Vogelscheuche. Nicht nur die Haare greift das Biest an, auch der restliche Körper fröstelt unter dem dünnen Jäckchen.

Nun aber genug über das Wetter gequatscht, denn wir befinden uns in Tower Hill. Und wo gibt es mehr Sehenswürdiges auf einem Fleck, als hier? Okay, das ist Quatsch. Ganz London ist eine riesige Sehenswürdigkeit. Aber trotzdem: Hier  hat man, kaum ist man aus der Tube gestolpert, einen fantastischen Blick auf den Tower of London. Und auch auf unzählige Hinterköpfe und Fotoapparate der Menschen vor dir. Diesen Ausblick muss ich erst einmal wirken lassen. In den Bäumen über uns zwitschern die Vögel. Sie sind so laut, dass man annehmen könnte, sie würden streiten. Sind Vögel hier lauter als bei uns, oder haben wir einfach schon so lange keine mehr gehört, dass es mir jetzt so brüllend laut vorkommt? Wie traurig sich das anhört. Fast, als gäbe es in London keine Vögel. (Ziemlich viele davon gibt es hier – vor allem die schrägen Vögel, die in fremden Sprachen aufeinander einquatschen.)

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Tower of London

Nachdem wir den Tower lange genug angestarrt hatten, geht es weiter zur Tower Bridge. Was auch sonst. Die Brücke ragt schon von Weitem ganz schön hoch hinaus. Ein Blickfang, den keiner so schnell übersehen kann. Natürlich waren auch die Kameras sofort gezückt. Während wir auf die Brücke treten – wuhu ein ganz neues Erlebnis! – schauen alle Köpfe nach oben und trotzdem wird, wie selbstverständlich, links ausgewichen. An dieses Linksding gewöhnt man sich aber auch echt schnell. Oder wie L. gar nicht. Das ist so ein Ding wie: Entweder liebst du es, oder du hasst es. Mir macht es nichts aus, ich bin anpassungsfähig.
Zurück zur Brücke! Das Ding ist ziemlich groß (hatte ich glaube ich schon erwähnt) und sieht aus, als hätte es beim Bau eine Menge Ärger gemacht. Doch jetzt sind die Briten sicher sehr stolz auf dieses Schmuckstück. IMG_0886
Tower Bridge

Nach der Hälfte drehen wir wieder um. Hier schien nun endlich die Sonne durch die dicken Wolken. Mein Blick schweift über die Themse und dann in Richtung des Towers of London. Diesen Anblick kann ich irgendwie nicht so leicht wegstecken. Da türmen sich die Häuser fast aufeinander auf. Alt neben neu, Glas neben Stein. Es sieht so unordentlich aus, dass mir nur das Wort “Kuddelmuddel” in den Sinn kommt. (Und diesmal nicht, weil es eins meiner Lieblingswörter ist, sondern weil es tatsächlich wie ein solches wirkt.)

Zurück von der Brücke, biegen wir direkt ab in die Docklands. Letztes Mal war das Wetter eindeutig gemütlicher, oder zumindest war ich da wetterfester angezogen. Trotzdem sieht es auch nun wieder wunderschön hier aus. Die Schiffchen (na gut, es sind riesige Schiffe) schwanken leicht auf dem Wasser und alle sind mit kleinen Fähnchen geschmückt. Ich vermute mal ganz waghalsig, dass dies wegen dem Thamse Festival ist. Ja wohl. Auf jeden Fall sieht es bezaubernd aus. Dieser Ort, versteckt hinter hohen, teuren Häusern mit teuren, bestimmt riesigen Wohnung, taucht immer wie aus dem Nichts aus und ist wie eine fremde Welt. Hier frühstücken die Engländer in kleinen Cafes am Hafen. Für Kapitäne und Matrosen gibt es Geschäfte in denen aller möglicher Kram fürs Schiff und den dazugehörigen Menschen zu finden ist. Wir drehen eine kleine Runde und bewegen uns dann wieder hinaus. In die echt Welt. Die ohne Schiffe und mit einer Menge Touristen.

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Bei den Piraten und Halunken in den Docklands

Am Tower entlang, schleichen wir quasi einmal drum herum. Rein wollen wir nicht, denn irgendwie habe ich in Erinnerung, dass der Spaß ganz schön was kostet. Und so schauen wir durch das Tor des ältesten Turm hindurch und begutachten die Konstruktion dieser Gebäude. Man muss schon sagen, die Bauart ist nicht schlecht.
Schon bald sind wieder an der U-Bahn Station angelangt und beschließen zurück zum Hotel zu fahren und uns eine dickere Jacke zu holen.

Hyde Park

Underground Station: Hyde Park Corner

Gelacht habe ich und ein bisschen gesträubt habe ich mich auch, gegen die Winterjacke im Spätsommer. Aber nun, wo wir am Anfang des Hyde Parks (oder ist es das Ende? Ein Seitenausgang?) stehen, bin ich froh die dicke Jacke anzuhaben. Der Wind pustet noch immer eifrig durch die Gegend. Ohne großen Plan betreten wir diesen Park, setzen uns auf die nächstbeste Bank und beobachten die Vögel, die Menschen und die Eichhörnchen. Hier kann man es sich gut gehen lassen. Sogar auf die ganz normale englische Art. Mir kommt es nämlich vor, als wären Sonntags alle im Park unterwegs. Egal, was für ein Wetter. Egal, wie kalt es ist. Sie schlendern und plaudern.

Genug gesessen und gefroren. Es geht weiter zu einem der See. Oder gibt es hier nur einen? Tut mir leid, ich habe hier überhaupt keinen Überblick. Das Einzige was ich weiß ist, dass es ein Denkmal für Prinzessin Diana gibt, welches wir nicht zu Gesicht bekommen. Ebenso die Speakers Corner, an der ich mir UNBEDINGT die Reden anhören wollte, die wir aber nicht finden. Ist ja klar… Wenn man was sucht. Dafür finden wir uns in den Liegestühlen wieder, eingekugelt, weil die Kälte um sich beißt. Lange halten wir es nicht aus und so schlendern wir, ganz angepasst an alle anderen, weiter die Wege entlang. Auch einen Blick auf das Festivalgelände werfen wir. Erkennen tun wir nichts, bis auf viele Menschen und eine Bühne. Aber das war es dann auch schon. Schade, Jack Johnson hätte ich mir vielleicht sogar noch angesehen. Von hier hinten. Wo man ihn vielleicht so groß sieht, wie eine Stecknadel.
Der feine Nieselregen ist wieder da. Kapuzen werden in die Gesichter gezogen und Reißverschlüsse verschlossen. Nein, nein, das tun wir uns nicht mehr an. Lieber über einen kleinen Umweg durch den restlichen Park wieder zur U-Bahn und hin zu einem gemütlichem Abendessen und englischem Fernsehen im Hotelzimmer.

Liebe
x Die Tower Bridge zu überqueren.
x In den Docklands zwischen den Schiffen umherzustreichen.
x Im Hyde Park herumzulungern.

Buntes Markttreiben. (London: Tag 4)

Portobello Road Market

Underground Station: Notting Hill Gate

Was tut ein Tourist an einem Samstagvormittag in London? Na klar, nach dem Frühstück direkt in die U-Bahn und zum Portobello Road Market. Schon während wir in der Röhre sitzen, sacht hin und her geschaukelt werden, fällt uns der Andrang der Menschen auf. Ein entspannter Markttag wird das wohl nicht werden. Ich sollte Recht behalten.

Mit der Masse an Menschen geht es aus der U-Bahn heraus. Natürlich haben sich auch hier die Engländer wieder einen kleinen Scherz erlaubt. Die Schilder zeigen anfangs im Kreis und die meisten Touristen fallen gutgläubig darauf herein. Die ersten Geschäfte (vor dem eigentlichen Markt) tauchen schon ziemlich bald auf. Auch diese Gegend hier hat etwas. Die Häuser sind klein und bunt. Sie stehen in Reih und Glied. Ich würde sie eher mit einer kleinen Spanischen Stadt in Verbindung bringen, als mit dem aufgeweckten London. Doch London hat mich ja auch schon mit Little Venice positiv überrascht.

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Für Menschen, die es hektisch mögen: Samstags ist Markttag.

In den Geschäften bekommt man kein Bein an Land. Hier hängen jedoch die schönsten Kleider und T-Shirts. Geldbörsen und Mäppchen stehen ordentlich in den Regal und warten darauf gekauft zu werden. Sie werden durch die schatzsuchenden Hände der Menschen gereicht. Die Stoffe gleiten durch die Finger, wie auf einem Basar. Das Treiben ist enorm. Ich habe tatsächlich Mühe nicht ständig jemanden auf die Füße zu treten, oder im Weg zu stehen. Allerdings sind die meisten Menschen hier keine Engländer und haben daher nicht die feine englische Art an sich. Sobald ich merke, dass sie auch keine Rücksicht nehmen, ist meine mittlerweile übernommene Freundlichkeit auch dahin.

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Wir schlendern im Strom der Schaulustigen und Bummler die Straße hinab. Rechts und links noch immer die bunten Häuser. In den Schotten Shop müssen wir auch einen Blick hinein werfen. Meinen Augen bleiben an zwei kopflosen Gestalten hängen, die sich zwischen den Touristen tummeln.
Die ganze Zeit über haben wir uns gefragt, wo die ganzen Deutschen sind. Jetzt ist uns klar: Sie tummeln sich hier herum. Suchen nach Schnäppchen und Englischen Köstlichkeiten.

Auf dem Portobello Road Market gibt es alles. Für die Schatzsammler sind an jeder Ecke die Antiquitäten aufgestellt, zwischendurch findet man auch die ein oder andere neue Mode für die Modebewussten unter uns. Von Tassen, über Wandsticker, hin zu Nähmaschinen oder Schränken. Von 9 Uhr bis 16 Uhr ist hier das Stöbern angesagt. Ich streiche zaghaft über alte Uhren und Ringe, lasse meine Finger über altes Holz gleiten. Die Kräfte lassen langsam nach und ich will aus dieser Masse verschwinden. Wir tauchen ab in einen riesigen Laden, der aus ganz vielen kleinen besteht. Im Inneren – aufgebaut wie eine große Markthalle – finden wir die waren, urigen Engländer. Die, die ihr altes Kram loswerden wollen. Bei Mr. Purch’s Old Toys bleibe ich etwas länger stehen. Hinter der kleinen Theke häuft sich das ganze alte Holz- und Metallspielzeug auf. Mittendrin, zwischen all dem Kram, sitzt ein alter Mann mit riesiger Brille und schraubt an einem kleinen Auto herum. Er lächelt mir freundlich zu. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er mir eins der Spielzeuge geschenkt hätte, und ich Zuhause herausfinden würde, dass es eine magische Kraft hat – Dann würde die Märchengeschichte beginnen.

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Von Tassen bis zu kopflosen Menschen – Hier findet man einfach alles

Wieder raus aus der großen Halle, tummeln wir uns um Essenständen herum, bis wir etwas passendes gefunden haben. Sogar deutsche Küche wird hier angeboten. Ich vertraue diesmal lieber den Indern und hole mir einen Falafelwrap. Er fragt auch extra, was dort alles hinein soll. Ich sage immer nur ja, weil ich die Hälftevon dem was er sagt, seines Akkzents wegen nicht verstehe. So zupfe ich wenige Minuten später die Minzblätter aus der Teigrolle. Das kann ich ja gar nicht haben. Und was dieses Pinke sein soll, bleibt auch fraglich. Aber immerhin schmeckt es. Es ist sogar so viel, dass ich den Rest noch an L. abgegeben muss, damit ich das leckere Essen nicht noch wegschmeiße.

An den restlichen Ständen gibt es Kokosnüsse mit tollen Schnitzereien und Strohhalmen. Auch Teigsticks mit Schokolade, oder Cupcakes sind zu finden. Mann gut, dass ich satt bin. Das Laufen macht uns wirklich müde und dieser Markt ist einfach zu lang. Wir schaffen es doch noch bis zum Ende und laufen dann gemütlich wieder zurück. Die Straßenmusiker spielen Johnny Cash und die Stimmen von den beiden jungen Kerlen mit den Gitarren gehen einen unter die Haut. Das ist ein echter Markttag. Mit allen erdenklichen Dingen, Essen und guter Musik.
Doch irgendwann reicht es auch einmal und wir lassen die Touristen mit ihrem Kaufwahn alleine zurück.

Baker Street

Underground Station: Baker Street

Nach einem kurzen Hotelaufenthalt steigen wir erneut in die U-Bahn und fahren zur Baker Street. Immer wieder wundere ich mich darüber, wie die Leute sich in den U-Bahnen schminken können, lesen, oder sogar schlafen. (Schlafen ist gar nicht so unwahrscheinlich. Ich werde auch immer extrem müde, sobald ich in einen der Züge steige.)
In der Baker Street stolpern wir auf den Fußweg hinaus. Der Wind haut uns um die Ohren. Ich hatte noch vom letzten Mal im Hinterkopf, dass es hier günstige, schöne Postkarten und einen riesigen Andenkenladen gibt. Ich hatte mich nicht geirrt. Alles war an Ort und Stelle. Das Suchen ging weiter. Postkarten, Briefmarken und Tee wanderten in unsere Taschen. Die Kassierer plauderten kurz mit mir über Deutschland und schon waren wir glücklich und zufrieden.
Lange wollten wir uns hier auch nicht mehr aufhalten. Die Karten mussten  noch geschrieben werden und die Beine taten weh.
Ich lief mit den Augen im Himmel und zeitweise am Boden, durch die Straßen und hoffte, dass ich ewig hier bleiben könnte. Für immer. Das ich diese Sprache lernen würde, diesen Humor übernehmen könnte. Das Fernweh stellte sich schon fast ein, obwohl ich noch gar nicht wieder Zuhause war.

Liebe
x In dem Moment, als mich Mr. Purch mit seinem Lächeln in die Märchenwelt blicken ließ.
x Immer wieder neue Schätze auf dem Markt zu finden.

Kunstfreiheit. (London: Tag 3)

Rootmaster, der rote Doppeldecker

Schon in der Nacht war ich vom Regen aufgewacht. Auch am Morgen, als wir im Frühstücksraum sitzen und uns Toast mit Marmelade reinschaufeln, regnet es. Es nieselt einen ekligen Fisselregen. Doch wir haben ja einen Notfallplan entwickelt. Als wir also fertig sind mit unserem Frühstück laufen wir zur Bushaltestelle und steigen in einen der roten Doppeldecker ein. Da der Ansturm der Arbeiter wohl schon abgenommen hat, ergattern wir einen Platz oben in der vordersten Reihe. Das ist vielleicht ein Gefühl, sag ich euch. Dort oben schwankt der Bus und jedes Mal wenn er anfährt oder anhält, jammert er fürchterlich. Das ganze auch noch im Linksverkehr ist das ein wahres Abenteuer.

Stratford Centre; Westfield Shopping Centre

Underground Station: Stratford

Wir eilen durch den Regen in das Stratford Centre. Hier jedoch gibt es nur Essen, Supermärkte und billige Kleidung zu kaufen. Bis auf einen Laden, Tiger – in dem wir fast alles kaufen könnten, gibt es hier für uns nichts weiter. Und so hasten wir weiter ins Westfield Shopping Centre.

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Eine der unzählig netten Ideen im Shopping Centre.

Das Westfield erstreckt sich über 4 Etagen. Das ganze Einkaufszentrum kommt einem riesig vor. Da es noch früh am Morgen ist, haben viele Geschäfte noch geschlossen. Wir beginnen bei Primark und kämpfen uns dann immer weiter durch die unzähligen Läden. Im Erdgeschoss gibt es ein echtes Essenparadies. Hier vereinen sich Fast Food Ketten und Chinesische Nudeln mit ausgewählten Küchen der Region. Frisches Brot und Pasta und sogar Sushi werden hier angeboten. So weit ich das überblicken kann, nennt sich das ganze dann Great Eastern Market.
In den restlichen Etagen findet man Geschäfte wie Crocs (in dem man niemals zu tief Luft holen sollte, sonst könnte man von dem ganzen Gummigeruch glatt ohnmächtig werden), Disney (die denken auch, man könnte keine Pounds in Euros umrechnen?), Hollister (bloß schnell weiter), Office (für Schuliebhaber oder wer bei dem Wetter noch schnell Gummistiefel braucht), Tierra (Blümchen gibt es hier umsonst, und das obwohl man nur den Laden betreten hat – nach Schmuck zu schauen, lohnt sich hier!). Selbstverständlich kommen auch die Menschen mit Baby nicht zu kurz. In unserem Fall schauen wir gerne auch ohne Kind in solche Läden, um immer wieder festzustellen, wie süß Kinderklamotten sein können. Wer sich die Nägel machen lassen möchte, oder einen Bubble Tea trinken will – alles da. Dieses Einkaufszentrum erfüllt alle Wünsche.

Wir halten uns den halben Tag hier auf und staunen immer wieder über all die Dinge, die es hier zu kaufen gibt. Viele Läden sind sehr teuer, aber die meisten bieten wirklich originelle Kleidung, tolle Souvenirs und Alltagsgegenstände an. Karten, Reisepasshüllen, Monsterrucksäcke, einfach alles. Wirklich ALLES.

Brick Lane; Shoreditch

Overground Station: Shoreditch High Street

Fix uns Fertig bringen wir unsere Erbeutungen zum Hotel zurück und ruhen uns eine Weile aus. Schnell wird uns langweilig und wir bemerken, dass der Regen endlich aufgehört hat. Mit erneuten Kräften und vorsichtshalber auch der Regenjacke im Gepäck, fahren wir mit dem Bus zur Underground Station Mile End und wagen uns in die U-Bahn, um nach Shoreditch zu fahren.
Hier erwartet uns die Brick Lane. Das Street Art und Vintage Viertel. Sobald wir aus der U-Bahn heraus sind, sehen wir die Grafittis und Kunstwerke an den Wänden der Häuser, an Türen und an Mauern. Es ist als wäre man aus London, dem ordentlichen London, herausgefahren, um sich in das Viertel der jungen Künstler zu begeben.

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Vintage Laden/ Brick Lane

Selbstverständlich laufen wir erst einmal in die falsche Richtung. Als wir dann aber die Vintage Läden erspähen, durchstöbern wir sie von oben bis unten. Die Kleidung ist hier ziemlich teuer. Oft sind die Läden voll gestopft mit alten Dingen. Schuhe, Schränke, Jacken, Hemden. Ich fühle mich ein bisschen wie auf einem riesigen Flohmarkt. Den finden wir auch. Im Keller eines Gebäudes ist heute ein riesiger Vintagemarkt. Die Kleidung kommt mir nicht so Recht hübsch vor, dafür finden wir allerdings coole Sonnenbrillen, Ringe und Rucksäcke.
Wir biegen dann in eine Straße ab, die ein bisschen wie ein Hinterhof aussieht. Hier wird frisches Essen verkauft. Klamotten Läden quetschen sich ebenfalls aneinander. In einen der Shops versteckt sich ein Cafe mit riesigem Plattenladen. Die CD’s und Schallplatten stehen artig an ihren Plätzen und die Menschen fahren mit ihren zaghaften Fingern darüber, immer auf der Suche nach guter Musik , oder einem kleinen Schatz.

Das Shoppen laugt uns jedoch aus. Den ganzen Tag in Läden herumhängen ist anstrengend. Sobald wir all die feinen, außergewöhnlichen Shops durchstöbert haben, geht es wieder zurück nach Stratford. Wir lassen den Tag mit Wassermelonensaft und Stolperfallen ausklingen.

Bärenfellmützenmänner lieben freche Fotos. (London: Tag 2.2)

 St. James Park; Guards

Underground Station: Charing Cross

Auf der anderen Seite der Mall laufen wir am St. James Park wieder zurück. Unser Auge entdeckt die Bärenfellmützenmänner plötzlich ganz nah. Das rot ist ein wahrer Blickfang und die Kommandos klingen in unseren Ohren. Auch die restlichen Schaulustigen stehen erwartungsvoll hinter der Absperrung und schauen dem Spektakel zu. Als sich die Menschen etwas zerlaufen haben, stellen wir uns bereit zum Fotos machen. Hinter das Band trauen wir uns dann aber doch nicht zu steigen und so machen wir ca. 2 Meter vor den beiden Männern unsere Faxen. Immer wieder schielen sie aus den Augenwinkel zu uns herüber. Die Armen. In einem der kleinen Häuschen steht eine Tasse und ich frage mich sofort, wann die mal zum Trinken kommen, wo sie sich doch nur zum Marschieren und für den Armwechsel rühren dürfen. Auch fällt mir auf, dass immer nur einer der beiden das Kommando hat.

Paddington; Little Venice

Underground Station: Paddington, Warwick Avenue

An der Charing Cross Station steigen wir wieder in U-Bahn ein und machen uns auf den Weg nach Paddington. Der kleine Bär mit den roten Gummistiefeln läuft uns nicht über den Weg, aber ich denke das ist auch einfach nicht das Wetter für einen Bären.
Wir haben uns tatsächlich etwas verfahren. Das fällt uns auf, nachdem wir in Paddington ausgestiegen sind und vergeblich nach dem kleinen Venedig gesucht haben. Auf einem der Circle- Schautafeln, sehen wir, dass die nächste Station schon eher in Frage kommt.

Warwick Avenue. Sobald wir hier aussteigen und das Sonnenlicht zurück erblicken, wissen wir, dass wir hier im Viertel der Reichen gelandet sind. Die Häuser sind majestätisch. Weiß und groß zieren sie die Straße. Menschen sind hier kaum unterwegs. Dafür stehen auf den Parkplätzen die tollsten und teuersten Autos. Wir laufen staunend die Straße entlang und über eine der Brücken hinüber. Unter uns erstreckt sich einer der Little Venice Kanäle. Am Ufer steht ein Maler. Mit konzentrierten Pinselstrichen malt er die Landschaft nach. Es sieht beinahe wie eine Fotografie aus. Beneidenswert. Ein Stück weiter landen wir dann in einem Park am Ufer. Hier ruhen wir uns die nächste Stunde auf einer Bank im Schatten aus und lächeln über die frechen Kinder, die auf dem Rasen tollen.

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Das kleine Venedig / Little Venice

Ein Stück weiter kommt man direkt zum Kanalufer hinunter. Das Wasser glitzert wunderschön in der Sonne und die Luft riecht nach Wassermelonen. Ich würde mich liebend gern in das Bootscafe setzen und einen Cafe in der Sonne trinken. Das Hausboot mit unzähligen roten Blumen auf dem Dach ist jedoch schon voll. Hier verzehren die Leute ihre Scones und trinken einen schwarzen Afternoon Tea dazu. Ach, wie gern wäre ich nun Engländerin. Mit einem Haus und Hausboot in diesem Viertel. Am Kanal entlang wird der Weg immer enger und so müssen wir uns quasi an eins der kleinen schiefen Häuschen vorbeiquetschen. Hinter der Kurve haben sich die Hausboote versteckt. Sie liegen wie bunte Schuhkartons am Ufer, teilweise an zweiter Reihe. Durch die kleinen Fenster kann man in die Kabinen gucken. So gut wie alle Boote haben Blumentöpfe mit Pflanzen auf den Dächern stehen. Vereinzelt findet man auch Fahrräder an Deck, oder kleine bunte Fähnchen vor den Türen. An jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Jedes Boot ist anders und ich könnte Stunden schauen und die Unterschiede heraussuchen. Leider endet der Kanalweg ziemlich schnell. Auch auf der anderen Seite geht es nur ein kleines Stück weiter, vorbei an einem Restaurant und vielen kleinen Appartementhäusern, bei denen sie teilweise sogar Weintrauben auf dem Balkon anpflanzen. Hier ist der Trubel der Großstadt vergessen. Die Ruhe legt sich über einen, das Wasser plätschert und vereinzelnde Kähne tuckern auf dem Kanal entlang. Wir lassen dies alles auf uns wirken und drehen um, um mit der überhitzen U-Bahn aus Little Venice wieder zurück zum Hotel zu fahren.

London Eye (Fahrt)

Underground Station: Westminster

Es wird langsam dunkel in London, doch diese Stadt, diese wunderbare, einzigartige Metropole schläft nie. Als wir aus der U-Bahn Station gegenüber des Big Bens treten, beginnt die Dämmerung einzusetzen. Wir schlendern mit dem Strom über die Brücke und sind wie verzaubert. Auf der anderen Seite der Themse, mit Blick auf den Glockenturm, ergibt das ein wundervolles Fotomotiv. Der Ben wird von warmen Licht umhüllt und steht ruhig und edel an seinem Platz.

Unser Ziel ist jedoch das London Eye. Diesmal wollen wir eine Fahrt wagen. Schon etwas spät dran, hoffen wir überhaupt noch eine Runde zu erwischen. (Die letzte Fahrt geht um 21 Uhr.) Die Anstehschlange an den Kassen im Gebäude gegenüber, sind verhältnismäßig kurz und es dauert gar nicht lange, da haben wir unser Ticket für 19,20 Pounds in der Hand.

Zuerst geht es in das 4D Kino. Hier wird erst einmal ein Foto gemacht, auf dem wir ziemlich schräg aussehen, weil wir leider nicht so schnell verstanden haben, was der junge Mann eigentlich von uns will. Ein bisschen weiter ist dann der große Raum und wir suchen uns ein paar gute Plätze. Um diese Zeit ist das Kino nicht mehr so voll und der Film beginnt recht schnell. Schon bald strömt Nebel durch den Raum und nass werden wir auch. Sogar Seifenblasen schwirren zwischendurch vor unseren Brillen umher. Der Film geht ca. 10 Minuten und veranschaulicht London und das London Eye.

Wieder draußen bewegen wir uns voller Euphorie auf das Riesenrad zu. Auch hier ist nicht mehr viel los und die Schlange schreitet schnell voran. Die Taschenkontrolle am Eingang passieren wir etwas verwirrt. Dorthinter stehen schon die nächsten Spaßvögel bereit. Auch sie wollen wieder ein Foto machen und bitten uns vor die Wand. Als auch sie herausbekommen haben, woher wir kommen, höre ich eine weitere Abfolge deutscher Wörter wie „jawohl“, „sehr gut“, „danke“, „das war gut“ u.ä.
Ich liebeliebeliebeliebeliebe es ja, wenn Engländer deutsch reden, weil der Akzent sich dann so zuckersüß anhört. Leider ist keine Zeit, ihm weiterhin zu lauschen, denn wir werden weiter nach vorne gedrängelt und müssen uns nun einreihen. Die kleinen silbernen Tore vor uns erinnern eher an einen Achterbahneingang, als an die Türen zu einem Riesenrad. Aber was sollte schon schief gehen?

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Die wahrlich schöne Fahrt im London Eye.

Wir bemerken recht schnell, dass wir im Fahren einsteigen müssen. Allerdings stellt sich dies als kein Problem heraus. Mit einem kleinem Schritt und ein bisschen Überwindung, stehen wir schon im Inneren der geräumigen Kabine. Mit uns ca. 10 andere. Und dann geht der Spaß los. Langsam hebt uns das Eye in die Höhe. Mittlerweile ist es dunkel draußen und uns erwartet ein wahres Lichtermeer. Es glitzert und glänzt überall, wohin das Auge nur reicht. Hier und da tauchen berühmte Gebäude auf. Unter uns das House of Parliament. Es scheint als würde mir die Stadt mit Millionen Augen zuzwinkern. In der Themse s
piegeln sich die Farbspiele. Umso höher wir steigen, umso wundervoller erstreckt sich London unter uns. Ach, was bist du nur für eine schöne Stadt. Verehrtes London, ich bewundre dich. Egal, ob ich zu Fuß durch deine Straßen wandre, oder in einer Gondel durch die Nacht schwebe. Großstädte tun‘s mir an. Ich schieße unzählige Fotos, und möchte eigentlich, dass diese Fahrt niemals endet. Doch nach einer halben Stunde ungefähr, lautet die Ansage, sich langsam an der Tür aufzustellen, um wieder in die anbrechende Nacht zu starten. Ohne Gondel und ohne Flügel. Nur mit unseren Füßen und unseren Augen, die trotzdem jedes Detail versuchen aufzunehmen.

Liebe

x Die Guards von Nahem zu sehen.
x Durchs kleine Venedig zu schlendern & das Leben zu genießen.
x Die Fahrt im London Eye bei Nacht & die 1 Mio. Lichter

Teetrinken mit der Queen. (London: Tag 2)

Piccadilly Circus

Underground Station: Piccadilly Circus

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                                                                 Piccadilly Circus

Auch an unserem zweiten Tag erwartet uns Sonnenschein und warmes Wetter. Die kurze Hose wird wieder angezogen, passend zum Top. (Luftig genug kann es bei diesen Temperaturen gar nicht sein.) Vor allem in der U-Bahn geht man im Laufe des Tages irgendwann ein, wie ein Eisbär in der Sahara. Die Menschen stehen so dicht aneinander, dass die höchste Aufmerksamkeit darauf besteht, nicht an jemanden kleben zu bleiben. Wir wählen nun zuerst den Bus und steigen dann – nach kurzem Fußweg- in die U-Bahn ein. Diese Schlange voller Arbeitswütigen Menschen in Anzügen und mit uns irgendwo dazwischen, spuckt uns am Piccadilly Circus wieder aus. Und siehe da! Der Brunnen ist endlich ausgepackt. L. sagt das ganze gar nichts, und so findet sie das auch weiterhin augenscheinlich nicht so spannend. Ich freue mich jedoch, dieses Ding endlich mal ohne Hülle zu sehen. Die Touristen sitzen auf den Stufen rundherum und beäugen meine Kamera misstrauisch. Ja, ich würde den Brunnen auch gerne ohne euch fotografieren, aber leider ist mir das kaum möglich, wenn ihr alle im Weg sitzt.
Nachdem ich die Leute so gut es geht ignoriert habe, schlendern wir weiter. Am “Great Britain Shop” kommen wir natürlich nicht vorbei und obwohl wir bei diesem Wetter ausdrücklich gesagt haben, nicht shoppen zu gehen, finden wir uns kurze Zeit später in dem riesigen Laden wieder. Wer etwas als Souvenir oder Geschenk für zu Hause sucht, ist hier genau richtig. Es gibt Tee, Tassen, T-Shirts, Kuscheltiere u.ä. Eigentlich alles, was das Touristenherz begehrt.
Auch im nächsten Laden – die scheinen hier aus dem Boden zu sprießen – gibt es die unzähligen Dinge. Die Ganze Straße scheint mit Geschäften dieser Art gesäumt zu sein. Am Vormittag ist die perfekte Zeit, um sich hier genauer umzuschauen. Die meisten Engländer sind auf der Arbeit und die Touristen noch beim Frühstück. Im Gegensatz zum letzten Mal wirkt dieser Teil der Stadt nun fast ausgestorben.

China Town

Underground Station: Piccadilly Circus

Der ursprüngliche Plan war vom Piccadilly Circus zum Trafalgar Square zu laufen. Allerdings ließ mich meine Orientierung etwas im Stich und so landen wir dann doch in China Town. Aber auch nur, weil ich immerhin noch wusste, wo das ungefähr lag. Hier ist ebenso wenig los, wie in der Umgebung. Vereinzelt werden Lastwagen ausgeladen und Restaurants beliefert. Die kleinen Supermärkte mit etlichen bunten Kram, hüten heute kaum Menschen. Am Abend würde dieses Viertel erwachen, da bin ich mir sicher. Die Restaurantbesitzer würden vor den Türen stehen und die Leute versuchen hineinzulocken. In den Schaufenster baumeln wie immer die gebratenen Tiere: Gänse, Tintenfische, Hühner, evtl. auch die ein oder andere Ratte.
Wir durchstöbern erst einmal die Läden und werden glatt fündig. Eine Tasche und ein Top wandern direkt in den Einkaufsbeutel. China Town eignet sich wirklich, wenn man ein bisschen Geld sparen möchte und nicht unbedingt groß darüber nachdenkt, wie die Qualität der Ware ist.
Auch beim Essen wäre ich da vorsichtig, daher lasse ich L. alleine von einem der vielen Snackshops probieren und hole mir lieber einen warmen Wrap bei Pret.

Trafalgar Square; St. James Park; Buckingham Palace

Underground Station: Charing Cross

Das Wetter lädt uns ein unser Essen im Park auf der Wiese zu essen und so schlendern wir aus China Town wieder hinaus, Richtung Trafalgar Square und lassen uns dort auf der Wiese nieder. Als wir da so sitzen und die Menschen beobachten, mit dem Essen kämpfen und die Karte studieren, fällt mir auch prompt der Weg zum Trafalgar Square wieder ein. (Man muss dazu sagen: Letztes Mal war es dunkel und wir haben eine geführte Pubtour mitgemacht. Der Typ hat uns umhergeführt, dass es am Ende ein Wunder war, überhaupt etwas wieder zu erkennen.)
Nun startten wir also den Weg hinunter zum Nelson. Der thront noch immer auf seiner Säule und überblickt London. Zu seinen Füßen die riesigen Löwen und der Brunnen. Es ist schon verlockend die Füße in das Wasser zu halten, doch wir beherrschen uns und schlendern lieber die The Mall entlang.

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Trafalgar Square & St. James Park

Der St. James Park taucht neben uns auf. Das perfekte Sommerwetter für einen Parktag. Hier liegen die Menschen in Sonnenstühlen und dicken Sitzkissen auf den Wiesen verteilt und genießen die Sonne. Vereinzelt tauchen auch die Eichhörnchen wieder auf. Selbstverständlich immer mit einer Erdnuss im Maul, die sie wenige Meter weiter heimlich einbuddeln. Ich glaube nicht, dass ihr “Herbstvorrat” bei den ganzen Eichhörnchen hier auch wirklich bis zum Herbst reicht. Aber erzähl das mal den kleinen, knuddeligen Dingern. Meine Augen kann ich gar nicht von den Knopfaugen und dem buschigen Schwänzchen lösen. Die Tauben und Wasservögel warten geduldig daneben, ob für sie nicht doch noch etwas abfällt. Mir tun sie etwas Leid, wie sie dort so betröpfelt stehen und gar nicht beachtet werden.
Der St. James Park ist riesig und bietet viele Schattenplätze, doch wir verlassen ihn wieder durch eins der großen Tore und strömen in Richtung Queen.

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                                                              Buckingham Palace

Diese ist gar nicht zu Hause. Die englische Fahne weht vom Dach des Buckingham Palace. Das golden verzierte Tor glänzt in der Sonne. Überall werden Fotos gemacht. Wir müssen jedoch erstmal über die Straße kommen. Weil wir uns selbstverständlich schon an die Engländer angepasst haben, huschen wir einfach an der Laterne entlang und überqueren den riesigen Kreisel. Der Buckingham Palace ist kein schönes Schloss. Ein grauer, schmuckloser Kasten steht vor uns und das einzig schöne daran ist der Zaun davor. Die Bärenfellmützenmänner stehen stocksteif vor ihren kleinen Häuschen und zerlaufen sicher in ihren Uniformen. Ab und an marschieren sie hin und her. Wie lange sie wohl dort stehen und versuchen nicht ohnmächtig zu werden? Man weiß es nicht.

Liebe
x Den Brunnen unverhüllt sehen.
x Den Sommertag im Park genießen.

Wo Seifenblasen auf Hektik treffen. (London: Tag 1)

Letztes Jahr habe ich ein Versprechen abgegeben: Irgendwann werde ich wieder in diese Stadt zurückkehren. Und zwar bald. Dieses Versprechen habe ich ziemlich schnell eingelöst. Schon ein halbes Jahr später sitze ich im Auto zum Flughafen. Mitten in der Nacht natürlich. L. neben mir. Langsam beginnt die Nervosität doch in einem empor zu klettern. Es kribbelt leicht im Bauch und die Müdigkeit von vorhin ist komplett verschwunden.

Als wir am Flughafen ankommen, heißt es wie immer erst einmal warten. Allerdings verfliegt die Zeit ziemlich schnell und so können wir schon wenig später unser Gepäck am Schalter abgegeben und einchecken. Fensterplätze, juhu. Hinter uns stehen und lauern ungeduldige Deutsche. Fremdschämen ist angesagt.
Nach dem kleinem Trubel am Schalter, geht es zur Passkontrolle. Der Herr wünscht uns viel Spaß beim Shoppen. Wenn man denn noch Platz im Koffer hätte, dann hätten wir den ganz bestimmt, doch so müssen wir bei jedem Kauf immer den verbleibenden Platz mit einberechnen, damit am Ende nichts zurückbleibt.
Der Pass wird gecheckt, wir werden weiter gewunken. Ich komme mir vor wie auf einem Fließband, an dem die Ware nach Qualität geprüft wird. Jacken ausziehen, Gürtel herausziehen, alles in die kleinen Kisten packen. Ab durch die Kontrolle. Kein Gepiepse. Alles wieder einsammeln. Als ich nach meinem Sachen greife, sehe ich, dass L. angehalten wurde. Sie muss ihren kleinen Schminkkoffer öffnen und siehe da: Der Wachmann hat direkt etwas gewittert. Hier fliegen Shampoo, Zahnpasta, Cremes und Duschgel durch die Gegend. Selbstverständlich nicht in kleinen Tüten verschlossen, sondern lose im Handgepäck. Alles wird aussortiert, bis auf die Medikamente. So beginnt die Reise mit einer kleinen Überraschung und ohne sämtliche Waschutensilien für L.

British Airways; Airport London Heathrow

Nach längerem Warten beginnt das boarden. Die Crew scheint sehr freundlich, das Flugzeug ist recht klein, aber noch ziemlich neu. Wir sitzen weit hinten, jedoch haben wir das Glück, dass wir die 3er Reihe mit niemanden teilen müssen und hinter uns niemand sitzt. Gepäck verstauen, Sicherheitsanweisungen lauschen, anschnallen. Schon rollen wir auf die Startbahn. Das Flugwetter wurde als gut angepriesen, aber so ganz glauben kann ich das noch nicht. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt sowieso nicht. Das Flugzeug startet in die Lüfte und durchbricht die Wolkendecke. Alles wird rosa und orange. Ein wundervoller Sonnenaufgang erwartet uns. Wie wunderschön ist es hier oben. An den kleinen, runden Fenstern drücken wir uns fast die Nasen platt.
Gefühlte 10 Minuten nach Start kommen schon die Stewardessen durch den Gang und verteilen das Frühstück. Dieses besteht aus einem gummiartigen Croissant, belegt mit Wurst. Nachdem ich meine Packung aufgerissen und die Wurst heruntergesammelt hatte, fragte ich, ob es dieses auch in vegetarisch gab. Gab es. Aber ich war ja schon zu voreilig gewesen und musste unbedingt  ungeduldig die Packung aufreißen. Im Nachhinein, drückte sie mir dann doch noch ein Tomaten- Käse- Croissant in die Hand und reichte mir meinen schwarzen Tee. Das Frühstücken ließen wir uns dann so gut schmecken, wie es in einem Flugzeug nun mal geht. Also fast gar nicht.

Die Landung verläuft einwandfrei und problemlos. Wir setzen sachte auf, werden hinausgeleitet und dann kommt – hinter der Passkontrolle- das kleine Wunder: Unsere Koffer stehen, fertig ausgeladen, NEBEN dem Gepäckband bereit. Was für eine Freude! Wir greifen uns die Teile und machen uns auf zum Ticketautomaten für die U-Bahn. Achtung! Hier wird einfach irgendetwas gedrückt und am Ende zahlt man für eine Tageskarte 16,40 Pounds. Da kann doch irgendwas nicht stimmen. Wir sind natürlich viel zu kaputt, als das wir uns darüber noch Gedanken machen können. Vom Flughafen Heathrow fahren alle 15 Minuten Züge in die Stadt (schnell, aber teuer). Wer die einfachere, aber längere Variante nehmen möchte, nimmt die Tube/ U-Bahn. Das U-Bahn Netz führt dich überall hin, ist leicht zu überschauen und macht wenig Probleme. In ca. 30-45Min. ist man in der City angelangt.
Hinein in die U-Bahn und los geht der Spaß. Da wir nicht direkt ins Hotel fahren können, sondern über Westminster fahren müssen (da wir bis dahin noch Bargeldlos sind), dauert unsere Reise eine gefühlte Ewigkeit. Etliche Male umsteigen, hinein in den Zug, hinaus. Eingekeilt zwischen etlichen Menschen. Rolltreppen hinauf und hinunter. Zum Glück sind die Briten ja alle Gentlemen (ich wusste sie würde sich noch irgendwo verstecken), und helfen hilflosen Frauen gerne mit dem Gepäck die Treppen hinauf.

Am Westminster schlägt uns die Hitze dann vollkommen ins Gesicht. Wie eine Faust donnert sie auf uns hinunter. Die Kleidungsstücke werden so gut es geht vom Körper gerissen und im Koffer verstaut. Die schweren Gepäckstücke ziehen wir dann einmal um die komplette Kreuzung herum, um bei der HSBC Bank ohne große Kosten Bargeld abzuheben (pro Abhebung 5€). Ein Blick auf die Westminster Abbey und den Big Ben. Hallo, alte Freunde, ich bin wieder da! Und schon geht es über die Ampeln zurück zur Underground. Die Bordsteine stellen hier wahre Tücken da, wie wir merken. Zwei junge Männer laufen an uns vorbei und zuerst denken wir, dass sie über ihre eigenen Füße stolpern, doch es gibt eine winzig kleine Erhebung, wo die beiden Engländer mit ihren teuren Schuhen hängen bleiben und aus ihrem hektischen Schritt gerissen werden. Durch die Übermüdung finden wir das selbstverständlich zum Kreischen. Doch schon bald erweckt etwas anderes meine Aufmerksamkeit. Und von da an fühle ich mich heimisch und wohl. Das British English klingt in meinen Ohren. Von allen Seiten und von überall her. Ich möchte gar nicht mehr weghören.

Viking Hotel; Stratford

Undergroundstation: Stratford / Buslinie 25 oder 86 Richtung Ilford

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Blick aus dem Fenster des Hotels.

Die restliche U-Bahnfahrt vergeht relativ schnell und wir landen dann in Stratford am Bahnhof. Hier irren wir durch die Gegend und finden nach langem Suchen die Bushaltestelle. Die roten Doppeldecker warten schon. Wir quetschen uns mit vielen anderen in den Bus 25 (wahlweise 86) hinein und verkeilen uns irgendwo zwischen Menschenmassen und Tür. Zum Glück machen die Engländer immer Platz, wenn man aussteigen möchte. Wieso sind wir Deutschen nur so verzogen und egoistisch?
Das Hotel liegt direkt gegenüber der Bushaltestelle. Viking Hotel, 3 Sterne. Frühster Check-in 12 Uhr. Es ist 10:40 Uhr. Wir sind fertig und schleppen uns in die Lobby. Einchecken, please. Und zu unserer Überraschung passiert genau das: Wir bekommen den Schlüssel und die Anweisung mit dem Lift nach oben zu fahren. Unser Zimmer ist ein 3-Bettzimmer und ziemlich groß. Das Bad ist sperrlich und karg, reicht aber vollkommen aus. Das Schlafzimmer hat ein Einzelbett und ein Doppelbett, einen Fernseher, einen Schrank und einen Schreibtisch. Sogar ein Ventilator hängt an der Wand und einen Wasserkocher mit Tee und Tassen, stehen bereit. Die Fernbedingung bleibt bis zur Abreise verschollen. In der Nähe des Hotels liegen gleich zwei Supermärkte und das Stratford Centre ist nicht weit.
Großzügigerweise darf ich das Doppelbett belegen. Endlich sitzen! Die Zimmer haben einen etwas gewöhnungsbedürftigen Stil, doch das stört uns nicht weiter. Wir sind froh uns endlich etwas frisch machen zu können und kurz auszuruhen.

Nach der Verschnaufpause laufen wir die komplette Romford Road entlang um ein Internet Cafe zu finden. In einer Seitenstraße werden wir fündig. Achtung, wer frühmorgens Internet benötigt: Beide Cafes öffnen erst gegen 9 Uhr. Etwas erschöpft steigen wir in den Bus. Dieser sollte uns eigentlich zum Stratforder Bahnhof zurückführen, doch irgendwie fuhr er immer weiter und weiter. Wir steigen dann bei der nächsten Underground Station Mile End aus und fahren von dort zum altbekannten Westminster.

Westminster Abbey; London Eye; House of Parliament

Undergroundstation: Westminster

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Westminster Abbey; Big Ben

Hier kocht noch immer die Hitze, die Sonne scheint unerbittlich auf uns herab und wir suchen verzweifelt nach einem Schattenplätzchen zum Sitzen. Vorbei am Big Ben, Richtung London Eye wurden wir an der Themse fündig. Die Stufen bieten unter der breiten Allee einen ruhigen Platz. Das Sitzen tut wahnsinnig gut. Wir beobachten Menschen, starren in den Himmel und schauen, wie sich das Riesenrad in Zeitlupe im Kreis bewegt. Wie kann es sein, dass diese Stadt so voller Hektik und Business ein Riesenrad aufstellte, wo die Zeit still zu stehen scheint? Wo sich alles in Zeitlupe dreht und die Welt unter einem vorbeihetzt?
Nun wollen wir dieses Ding aber auch mal vom Nahem sehen. Und so schleppen wir unsere müden Körper an der Themse entlang, über die Brücke hinüber. Hier spielen Menschen alle erdenklichen Instrumente. Die Luft ist voll von Musik und das Auge huscht über das Wasser von links (dem London Eye) nach rechts (zum House of Parliament). Am Ende der Brücke, die Stufen wieder hinunter, steht noch immer das alte Karussell und dreht sich munter im Kreis. Nichts hat sich hier verändert. Alles am alten Fleck. Das London Eye ragt über uns empor. Menschen tummeln sich umher. Sie liegen im Park auf den Wiesen, die so ein unvorstellbar sattes Grün haben. Manche hören den Straßenmusikern zu, andere schauen sich den Seifenblasenkünstler an. Die riesigen, zarten Blasen fliegen über die Themse davon und zerplatzen. Ein wundervoller Ort um in einen Urlaub zu starten. Vorbei am Riesenrad, dem London Dungeon und Sea Life, finden wir uns dann in einem der berühmten Fast Food Restaurants wieder, um ein Eis zu schlecken. Auf dieses werde ich auch direkt angesprochen. Lecker ist es. Es gibt meinen ausgezehrten Körper wieder genug Energie, um über die Brücke zurück zum Big Ben zu laufen. Hier entschließen wir uns kurzerhand für die Wiese vor der Westminster Abbey, um dort eine Weile zu ruhen. Die graue, riesige Kirche ist von Menschen umzingelt. Sie strömen hinein und hinaus und fotografieren wie wild.
Unsere Energie lässt soweit nach, dass wir nun endlich wieder in die U-Bahn zurück taumeln und uns auf den Heimweg machen. Die Dusche im Hotel und das Bett rufen schon.

Liebe

x Wann immer jemand Englisch spricht.

x Endlich im Hotel anzukommen.

x Als alles Bekannte wieder auftauchte.

x Das Eis am Themseufer schlecken.

London (Tag 4) – Piratenland, ahoi!

Docklands

Am letzten Tag begrüßte uns der Himmel mit einem besonderem Geschenk: Die Sonne strahlte und es war kein einziges Wölkchen zu sehen. Um 9:30 Uhr ging es für uns endlich los. Auf die Docklands hatte ich mich besonders gefreut. Gerade bei diesem Wetter schien es viel versprechend. Die Docklands waren lange Zeit vor uns verborgen geblieben. Unser Bus rumpelte in eine enge Gasse hinein, blieb stehen und ließ uns aussteigen. Wir wurden zum hafen hinunter geführt. Ich schnappte nach Luft. Nicht wegen der Kälte, die im Schatten zu spüren war, sondern wegen der Schiffe, die dort lagen. Jachten, kleine und große. Die Häuser alle neu, Penthouse Wohnungen, Appartements. Ich fühlte mich wie an einem kleinen Ort an der Ostseeküste und nicht wie mitten in einer Metropole.

Das Wasser glitzerte im Sonnenschein. Einst Wohnungen für Arbeitslose hatte sich das Viertel nun zur Wohngegend der Neureichen heraufgesteigert. Die Wohnungen unbezahlbar, die Boote ebenfalls. Schön ruhig war es hier. Oft kommen im Sommer die Scheichs mit ihren kompletten Familien und ihren dicken Jachten angereist. Die Schiffe passen dann kaum durch die Schleusen hindurch und es muss auf hohes Wasser der Themse gewartet werden. Ach, was wäre das für ein Leben! Ich würde auf den Balkonen sitzen, die Stadt beobachten, ein Guinness trinken und die Welt genießen.

Wir hetzten weiter durch die Docklands. Immer noch fragte ich mich, wie diese Schiffe alle in die Hafenbecken gekommen waren. Ich sah keinen vernünftigen Ein- oder Ausgang. Alles war verwinkelt und entzog sich meinen Blicken. Wir hielten wieder an. Dachgeschosswohnung, 2.5 Millionen Pfund, ein Schnäppchen, doch leider schon verkauft. Der rote Kran vor dem Fenster, denn all diese Gebäude hier wurden damals als Lagerhallen genutzt. Nun ging es hier wesentlich ruhiger zu. Bis jetzt waren wir keinen anderen Menschen begegnet. Ein Blick in das teure Restaurant und ab um die Ecke. Auch hier Boote und hohe Lagerhäuser die nun Wohnungen beherbergten. Eine verlorene rote Telefonzelle stand an der Wand. Alles sah so wundervoll idyllisch aus. Nun lag ein kleiner weißer Pavillion direkt vor uns. Einst für die Queen gebaut, hatte sich nun Starbucks darin eingenistet. Unfassbar. Schräg dahinter waren die alten Kähne zu bewundern. Mit langen Armen griffen sie in den Himmel. Wer solch einen alten Kahn besitzt, darf ihn sogar kostenlos in den Docklands abstellen, alle andere Boote mussten zahlen.

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Über Brücken und Stege kamen wir an eine Art Aussichtspunkt an, von der aus man die Tower Bridge betrachten konnte. Sie wirkte viel pompöser als vor ein paar Tagen. Die Sonne machte alles möglich. Selbst die müden Gemüter erweckte sie aufs neue. Ein paar Schritte weiter kamen wir an dem besagten Haus vorbei, in dem Charles seine Diana betrogen hat. Die Wohnung eines Freundes, die für die Schäferstündchen bereitwillig zur Verfügung gestellt wurde. Für uns ging es weiter an den Häuserfronten entlang. Vorbei an blauen Dachrinnen und braunen Türen, kleinen Wohnanlagen und netten Hinterhöfen. Als wir um eine Ecke schritten stand plötzlich unser Bus vor uns, der uns einsammelte. Hinein, ein paar Meter weiter wieder hinaus. Einen Blick auf das Pub des Captain Kidd. Der berühmteste Pirat hier. Auch hier fanden wir wieder ein sehr, sehr altes Pub. Bei Betreten sollte man wohl schon beim Einatmen ein paar Promille eingeflößt bekommen. Doch das war uns zu früh am Morgen. Hinter einer weiteren Ecke konnten wir auf die Themse blicken. Das Lieblingsfolterinstrument unseres Reiseleiters war leider nicht mehr zusehen. Dafür aber die verrosteten Ringe an der Mauer. Hier wurde die Piratencrew befestigt, nachdem man sie in Teer getunkt hatte. Ihnen drohte der Tod durch ertrinken, bei stetig steigendem Wasserpegel der Themse. Der Captain hatte einen schnelleren Tod: Er wurde gehängt.

Greenwich; Cutty Sark

Unsere Verabschiedung von den Docklands war hingen viel schöner. Wir wurden mit dem Bus noch ein paar Meter durch die Gegend gefahren. Dann erreichten wir das, was aussah wie das Frankfurter Börsenviertel, nur viel, viel größer. Gläserne Häuser, Hochhäuser, die Straßen blitzblank geputzt, Polizisten an den Eingängen des Viertels. Hier gab es überall etwas zu sehen. Mit staunenden Gesichtern schauten wir uns das ganze Geglitzer an. Nachdem wir auch dieses Viertel hinter uns gelassen hatte, kamen wir nach Greenwich. Hier bot sich erst einmal gar nichts. In einem Park versammelten wir uns wieder und schauten auf das Wasser der Themse. Der Reiseleiter gab bekannt, was es hier alles zu sehen und zu bestaunen gab. Das Nullmeridian, direkt da auf der anderen Seite.

Als wir uns an das helle Licht auf der anderen Uferseite gewöhnt hatten, erblickten wir das riesige Schiff, welches vor uns an Land lag. Die Cutty Sark.  Schick sah es aus, der Dreimaster. Majestätisch in die Höhe gereckt. Ich konnte die Piraten förmlich darauf entlang spazieren sehen. Die schwarze Nase, die weiße Frau die ihre Arme weit nach vorne streckte. Keine Zeit zu verlieren! Wir wollten noch viel sehen. Unsere Gruppe löste sich hier sowieso gerade auf. Also ab zur nächsten U-Bahn Station. Eine Karte gekauft und hinein in die Bahn, die gar keine U-Bahn war. Sie fuhr oberhalb der Erde und direkt durch das Bankenviertel hindurch. So hatte sich das Ticket wenigstens gelohnt. Nach dem Umsteigen kamen wir endlich am Ziel an.

Big Ben; Neujahrsparade

Wir stolperten mit dem Strom hinaus auf die Straße und ein alter Bekannter stand direkt vor uns: Der gute alte Big Ben. Er begrüßte uns. Im Sonnenschein so wunderbar glänzend und pompös wie ein König. Klein sah er nun gar nicht mehr aus. Wir registrierten, dass die Straße auf der wir nun standen immer noch gesperrt war. Warum? Die Neujahrsparade! Wir quetschten uns zwischen die Menschen und beobachteten die lustig, freudig umherhampelnden Cheerleader und andere Gestalten. Doch schon bald kam und das ganze eher wie ein Schützenumzug vor und so strömten wir mit der Masse am House of Parlament vorbei, bis wir in einem kleinen Park standen (-verhältnismäßig klein versteht sich). Da wir eigentlich den Hyde Park gesucht hatte, drehten wir schnell wieder um. Wieder am Big Ben vorbei. Unzählige Fotos von ihm und der Westminster Abbey auf der andern Seite geschossen. Nun standen wir wieder an der Absperrung der Parade, die die Stadt in zwei Hälften teilte. Wie eine abenteuerliche Aktion kam es uns vor. Es bliebt uns jedoch nichts anderes über. Um in den Hyde Park zu gelangen, mussten wir auf die andere Seite.

Buckingham Palace; St. James Park; Trafalger Square

Unser Hunger war zum Glück nicht so groß und der Buckingham Palace nicht mehr weit. Dachten wir. Mit einem neuen Blick auf die Karte, wurde uns ziemlich schnell klar, dass wir schon wieder falsch gelaufen waren. Nun aber endlich die richtige Richtung, bitte! Links abbiegen, immer weiter durch die Gegend. Immerhin war die Parade beendet und die Absperrungen wurden wieder aufgehoben. Die ganzen Straßen sahen wie verwüstet aus. Überall Müll, weil es so selten Mülleimer gab. Alle paar Meter fuhr stattdessen ein kleines Reinigungsfahrzeug und saugte den ganzen Kram auf. (Ob die viel Geld dabei einsammeln?) Wir liefen nun ein paar Stufen hinunter, direkt auf die Mall. Hier hörten wir einen Vater mit seinen Kindern sprechen. Wie der Zufall es so wollte, wollten die drei auch zum Buckingham Palace. I follow. We follow. Immer hinterher. Der Herr hatte leider einen ziemlich krassen Schritt drauf und wir verloren ihn aus den Augen, nur um ihn kurze Zeit später fotografierend wiederzufinden. Doch dann entdeckten wir den St.James Park. Wie wir ihn erkannten? An den Eichhörnchen. Ja, tatäschlich. Sie saßen überall. Auf den Wegen, auf den Bäumen, dem Gras. Dicke, graue Eichhörnchen. Riesige Viecher. Alle waren am futtern.  Wir waren ganz hingerissen von ihnen.  Es wurden unzählige Fotos geschossen, etliche Leute versuchten die Tiere zu füttern. Da waren die Gänse und Tauben nun wirklich nicht so spannend dagegen. Ob das wieder ein Streich der Queen war? Ausgesetzte zahme Hörnchen?

Und endlich, nach ungefähr 15 Kilometer Umweg, waren wir auch endlich am Buckinham Palace angekommen. Auch hier tummelten sich die Leute mit ihren Kameras. Sie steckten sie durch die riesigen Tore, um Fotos von den Guards zu machen. Zwei kleine, ja gar winzige Männer standen in weiter Entfernung. Beide grau gekleidet anstatt rot. Ihre Hüte wie festgeklebt. Sie marschierten gerade synchron von rechts nach links, von links nach rechts. Nach ein paar Minuten standen sie wieder still am Anfangspunkt. Ist das alles? Wo sind die Guards in rot? Wir waren extra für ein Foto mit ihnen hier her gekommen und nun standen diese beiden dort in 2 Kiliometer Entfernung, hinter dicken Toren. Wow. Was für eine Verarschung. (Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass man IN den Buckingham Palace HINEIN muss, um die Guards ärgern zu können. Mann, mann, mann. 

Richtung Guards Museum (das zu hatte! Unfassbar..), liefen wir die rote, breite Straße am St.James Park zurück. Mit hängenden Köpfen und schweren Beinen, leeren Mägen und müden Köpfen schlurften wir zum Big Ben zurück. Hier wurde uns erst richtig bewusst, was für einen Umweg wir gelaufen waren. Immerhin war es jetzt nicht mehr weit bis zum Trafalger Square.

Themse; London Eye;

Glücklich, aber immernoch müde, machten wir uns gegen 18 Uhr auf den Weg. Wir durchstöberten alle Touristenläden am Trafalger Square (12 Postkarten für 1 Pfund, juhu!). Schon in Paris hatten wir immer wieder den starken Kontrast von totaler Übermüdung zu plötzlicher Überdrehung erlebt und auch das war nun wieder der Fall. Lachend, aus sinnlosen Gründen, liefen wir die Straße entlang, mit Ziel auf das London Eye. Nur noch die Brücke überqueren. Mittlerweile sprachen wir sogar schon Englisch. Oben auf der Brücke verschlug es uns jedoch jegliche Sprachen.

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Wir schauten auf die Themse. Dunkel, wie ein Fluss aus schwarzer flüssiger Seide, floss sie unter uns dahin. Die Lichter der Stadt spiegelten sich in ihr. Meine Augen wussten nicht wohin sie zuerst gucken sollten. Links das Ufer mit dem blauen London Eye, oder doch lieber rechts mit dem hell erleuchtetem House of Parliament und dem Big Ben. Warum waren wir nicht früher auf die Idee gekommen uns abends auf eine Brücke zu stellen?! Jetzt wollten wir erst recht nicht mehr aus dieser Stadt verschwinden. Diese Stadt mit den vielen Sehenswürdigkeiten, mit all dem Lärm, den kleinen Überraschungen und den wundervollen Augenblicken. Schweigend überquerten wir die Brücke. Ein Abschiedsgedanke schon im Hinterkopf. Immer wieder ein Blick zum Big Ben, zum London Eye. Hinter dem Karussell wuchs es empor. Jetzt endlich standen wir direkt davor. Die Gondeln des Riesenrads bewegten sich kaum. Die blaue Farbe ein Blickfang. Auf einem Monitor war ein Panoramavideo aus den oberen Kabinen gezeigt. Und plötzlich wollte ich doch mitfahren. Ich wollte einsteigen und all die bunten, glitzernden Lichter sehen. All die Farben im Dunkeln. Doch nun war es zu spät. Die Schlange noch immer lang. Mit traurigen Blicken lösten wir uns vom Rad, mit der Musik des Straßenmusikers in den Ohren, liefen wir nun duch den Jubilee Garden. (Der aussah wie das Auenland nur ohne Hobbits. Dieses Grün immer…)

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Lichterfahrt; Leadenhall Market

Wir rumpelten los zur Lichterfahrt. Hinein in die beleuchtete Stadt an dem schwarzen Fluss.
Viel kann ich davon nicht mehr wiedergeben. Unser erste Stopp war zumindest an einer breiten Straße. Hier sollten wir uns die Winkelgasse aus den Harry Potter Filmen anschauen. An Häusern vorbei, an denen die Strom- und Wasserleitungen an der Außenfront waren und nicht, wie gewöhnlich im Inneren, ging es um viele Ecke. Und plötzlich standen wir mittendrin –  Leadenhall Market. Fantastisch schön. Wenn man sich die bunte Weihnachtsbeleuchtung, so wie den Tannenbaum in der Mitte wegdachte, kam es der Winkelgasse schon nahe. Als Harry Potter Fan fühlte ich mich hier richtig wohl. Das Beste: Nur ganz wenig andere Menschen waren am Herumstromern. Wir hatten noch kurz Zeit um uns umzuschauen. Das hohe gewölbte weiße Dach, die Fassaden in weiß, rot und grün. Fehlte nur noch der Zauberstab, den ich auf Platform 9 ¾ vergessen hatte. Ich schlich um die Ecken wie eine Katze, um ja die Atmosphäre nicht zu zerstören.

Nach einem kurzen chinesischen Fotostopp an der Tower Bridge (über die wir dann auch endlich mal drüber fuhren), erzählte sie eine neue Geschichte vom Harrods. Hell erleuchtet, unzählige Lichter an der Fassade. Wie ein Leuchtturm wies es uns den Weg. (Auch hier kurzer Stopp, an dem ich mittlerweile schon zu faul war um auszusteigen.) Sie plauderte und plauderte und tatsächlich vergingen die 2 Stunden wie im Flug. Am London Eye zurück warf sie uns aus dem Bus und wir warteten, bis wir in unsere alte Kiste einsteigen konnten.

Und tatsächlich: Die Rückfahrt verging wie im Flug. Auf der Fähre wurde, mit dem Kopf auf der Tischplatte, ein Nickerchen gehalten. Als ich kurz wach wurde und mich verschlafen umschaute, hätte ich am liebsten ein Foto geschossen. Alle Passagiere um uns herum lagen mit den Köpfen auf den Tischen und schliefen. Wäre ich nicht so müde gewesen, hätte ich gelacht. (Das tat ich dann im nachhinein noch.)
Als wir zurück in Deutschland waren, überkam mich das dringende Bedürfnis umzukehren und zurück nach London zu fahren. Der ganze Stress kam wie eine Flutwelle auf mich zu. Ich wäre ihr nur entkommen, wenn ich zurück in diese fantastische, grandiose, sehenswerte Stadt zurück flüchten hätte können. Keine Chance, doch mein Plan ist es, so schnell wie möglich wieder umzudrehen. See you soon, London!

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London (Tag 3) – Prinz Harry und der Knallfrosch

Eton; Windsor

Der Himmel zeigt graue Wolke, wohin man nur schaut. Selbst als wir im Bus saßen, sahen wir nur das Grau. Etwas eintönig. Der Wind hatte uns komplett durchgepustet. Wenn es zu regnen beginnen würde, würden wir mit den Schirmen keinen Spaß haben.
Diesmal dauerte die Fahrt nur ca. 45 Minuten, worüber wir sehr glücklich waren, da die angenehme Wärme und das Schunkeln des Busses zum Einschlafen einluden. Als wir nach Eton hinein fuhren, fielen mir wieder die kleinen Cottages auf. Rote Häuser, in kleinen engen Straßen. Wie gerne hätte ich so ein Häuschen mal von Innen gesehen! Ich starre aus dem Fenster und verliebte mich immer wieder aufs Neue. Unser Bus hielt an einer Ecke und unvorbereitet wurden wir hinausgescheucht.

Gegenüber des Eton Colleges blieben wir stehen.  Dieses Gebäude, was eigentlich wie eine kleine Burg aussah, hatte auch schon Prinz Harry und Prinz William beherbergt. Außerdem ließen alle reichen Scheichs ihre Söhne hier ihr Abitur machen. Das Eton College ist eine reine Jungenschule. 25.000 Pfund werden pro Trisemster geblecht. Hinzu kommen die 1.500 Pfund Einschreibungsgebühr jedes Jahr, ebenso wie die 800 Pfund für verschiedene Sportkurse. Also wenn ich ein Junge wäre, würde ich natürlich auf der Stelle mein Abi hier machen. Die Älteren werden von den Jüngeren quasi bedient und es wird Wert auf Teamfähigkeit gelegt. Bei den 7-11 qm großen Zimmerchen, muss man das wahrscheinlich auch sein. Die Reichen lernen hier also das „primitive“ Basisleben der normalen Gesellschaft kennen. Kein schlechtes Prinzip. Trotzdem studieren sie in Anzügen. Eine Pinguininsel ist das hier also.

Wir schreiten durch einen Torbogen auf verbotenes Gelände. Nur einen kurzen Blick in den Innenhof, hinein in die Fenster schauen und sehen, dass die Schulbänke aussehen wie aus Uromaszeiten. Zum Glück gibt es in normalen Schulen vernünftige Stühle und keine Schulbänke auf denen selbst ich mich wie ein Riese fühlen würde. Es geht weiter in den kleinen Ort. Die Kapuzen werden tiefer ins Gesicht gezogen, der Regen prasselt auf uns nieder. Er lässt die kleinen Häuschen glänzen, trotz der grauen Wolken. Bunte Häuser die Wohnungen, Geschäfte und Friseure beherbergen. Für einen Touristenanlaufpunkt ist es hier sehr ruhig. Kaum andere Menschen sind unterwegs. Für uns geht es nun über eine breite Brücke. Da fließt sie dahin, die Themse, immer Richtung London. Am Ufer tummeln sich weiße Gestalten. Unzählige Schwäne. Ich habe noch nie so viele Schwäne gesehen.

Wie es so ist, stehen Schlösser ja meist auf Bergen. Windsor konnten wir schon von Weitem entdecken. Die graue Mauern der Festung ragten über der Stadt und umso näher wir kamen, umso größer wurden sie. Das Schloss lag auf der höchsten Ebene. Kaputt vom Laufen kamen wir oben an. Zum Besichtigen war uns nicht zu Mute, da der Eintritt wieder happig teuer erschien. Die erste Straße die sich uns anbot, liefen wir entlang. Welch Wunder, die Fußgängerzone! Na, da schauen wir doch mal wieder in die unzähligen Boutiquen. Im Winterschlussschnäppchenkauf waren wir ja mittlerweile geübt. Teilweise wunderten wir uns jedoch über den komischen Geschmack der Engländer. Ich hielt bunte Hosen und Stücke von Stoffen hoch, ohne das ich wusste, wie man das eigentlich anziehen sollte. Geschweige denn zu welchem Anlass. Auch hier liefen die abgehärteten Briten wieder in kurzen Sachen durch die Gegend. Als wäre es Sommer, unglaublich.
Zwei Stunden hatten wir nun Zeit, in denen wir weiter bummelten. Unser nächster Stopp war eine Einkaufshalle, unter der sich kleine Geschäfte, Cafes und Marktstände befanden. Wir blickten kurz in einen engen Süßigkeitenladen hinein. Nachdem uns schon vom Gucken und Riechen der Magen grummelte, strebten wir wieder den Treffpunkt an.

Baker Street

An der Baker Street spuckte uns der Bus wieder aus. Der Regen klatschte einem ins Gesicht. London hatte seinen Reiz für zwei Sekunden verloren. Nun noch schnell die paar Andenken in den Geschäften kaufen. T-Shirts, Schlüsselanhänger, Jacken. Ein Regenschirm, der den englischen Wind stand hält, wäre nicht schlecht. Die Zeit lief doppelt so schnell, unsere Beine waren kaputt vom vielen Laufen. Die Entscheidung war schnell gefasst: Ab in die Tube und erstmal zum Hotel.

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Silvester; Walkabout

Frisch geduscht, ausgeruht und mit den Tickets für den Pub, saßen wir ein paar Stunden später wieder in der Tube. Das Walkabout lag direkt an der Themse. Wir hatten uns zu der geplanten Silvesterparty entschlossen, um nicht 5 Stunden an der Themse in der Kälte zu stehen und auf das Feuerwerk zu warten. Außerdem hatte unsere Reiseleitung versprochen man könne direkt an den Fenstern sitzen und von dort aus auf das London Eye schauen. Da haben wir aber gelacht. Besagte Fenster gab es, doch die waren im VIP-Bereich. Silvesterabend, 20 Uhr im Pub, das eher eine Diskothek war. Eine Kette aus Australien. Wir drängelten uns hinein, gaben unsere Jacken ab und ergatterten einen Tisch im Nebenraum. Dort wurden erstmal sämtliche Getränke getestet. So langweilten wir uns bis 22 Uhr, bis wir dann beschlossen doch noch mal in den brechendvollen Hauptraum zu gehen und mitzutanzen. Die Musik war schlecht. Boybandlieder bis zum Abwinken. Wir tanzten trotzdem halbherzig mit, um das beste draus zu machen. Um 23:00 Uhr wurde den Freunden in Deutschland ein frohes neues Jahr gewünscht. Um 23:40 Uhr holten wir unsere Jacken aus dem nun schon überfüllten Ankleideraum. Bis wir draußen auf dem Bürgersteig den besten Platz zwischen den Millionen Menschen gefunden hatte, waren es dann auch nur noch 10 Minuten bis Mitternacht.

Aus den Lautsprechern tönte Musik und über uns kreisten die Helikopter. Wir zählten den Countdown runter. 5, 4, 3, 2, 1… Das London Eye spukte Feuer. Ich war wie in einen Bann gezogen. Alle begannen zu jubeln und johlen. Ein Lächeln stahl sich auf unsere Gesichter. Die Farben explodierten in der Luft. Rot, Blau, Grün. Immer wieder neue Feuerwerksformationen. Das Riesenrad sah man nach kurzer Zeit vor lauter Qualm nicht mehr. Als die letzten Raketen verloschen waren, war es 00:30 Uhr. Ich schaute mich um und entdeckte regungslose Menschen in den Bäumen, auf den Laternen, auf Dächern von Pavellions. Alle hatten sie das fantastische Feuerwerk gesehen. Und alle drängten nun los, um mit den U-Bahnen zur nächsten Party zu fahren. Manche Ausgänge auf die Nebenstraßen waren verschlossen. Die U-Bahnen fuhren nicht. Uns graute Schlimmes. Immer wenn wir die Security Männer nach der nächsten OFFENEN U-Bahn Station fragten, schickten sie uns in andere Richtungen. 30 Minuten nach rechts, 20 nach links. Wir liefen an der Themse auf uns ab, bis wir endlich einen vernünftigen Weg einschlugen. Immer den Menschengrüppchen vor uns hinter her. Gegen 2 Uhr fanden wir endlich an der St. Pauls Church eine offene U-Bahn Station. Wir trennten uns von T., für den es nun schon wieder nach Hause ging. Als wir am Bahnsteig standen und ich den Windstoss und das laute grölen der ankommenden Bahn in mich auf nahm, wollte ich diese Stadt nicht mehr verlassen. Trotz all der Strapazen und die lange Suche nach der richtigen U-Bahn, wollte ich nicht mehr Heim. Zum Glück hatten wir noch  einen letzten Tag.

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