Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green hat ein neues Buch geschrieben. (Kleiner Jubel meinerseits.) Bisher habe ich all die anderen von ihm aufgesaugt. Mir fällt es wirklich schwer, eins dieser Bücher wieder zur Seite zu legen, sobald ich die ersten Worte gelesen habe. Dieses Mal war es besonders schön. Ich leihe mir die Bücher aus Platzgründen in der Bibliothek aus. Jetzt hielt ich also vor ein paar Tagen ein vollkommen neues Buch in der Hand. Eins, das noch keine Eselsohren hatte. Eins mit strahlend weißen Seiten ohne Flecken. Es roch sogar noch ganz neu. Aber mein Erlebnis eines ausgeliehenen und trotzdem nagelneuen Buches, wollte ich eigentlich nicht mit euch teilen. Es geht schließlich viel mehr ums Innere.

„Ich war so gut darin ein Kind zu sein, und so grottenschlecht darin, was immer ich jetzt war.“

-Johne Green: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

Das Innere ist fabelhaft. Mehr muss ich gar nicht sagen, oder? Reicht das nicht vollkommen aus? Es geht um ein junges Mädchen, welches unter Ängsten und in dessen Folge unter Zwängen leidet. Wahrscheinlich fand ich es deswegen so gut. Außerdem ist eine Liebesgeschichte darin versteckt. Lange danach suchen muss man allerdings nicht, die kommt schon ziemlich schnell zu Tage und fesselt einen wirklich.

„Ich hätte ihr gesagt, dass Davis und ich nie viel geredet oder uns angesehen hatten, aber das war egal, weil wir zusammen denselben Himmel sahen, was viel intimer ist, als einander in die Augen zu sehen. In die Augen kann man jedem sehen. Aber jemanden zu finden, der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.“

– John Green: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

Greens Schreibstil ist immer wieder ein kleines Erlebnis. Man fühlt so sehr mit. Man lebt die Charaktere fast. Ganz besonders wunderbar finde ich allerdings den ständigen Einbezug des Himmels. Er spielt schon eine etwas größere Rolle im Buch. Vielleicht bin ich auch die Einzige, die sich damit identifizieren kann, aber habt ihr als Kind nicht auch gerne auf der Wiese gelegen und Wolken beobachtet? Was heißt eigentlich als Kind… Heute mache ich das noch genau so. Die Wolken beruhigen irgendwie. Außerdem malt der Himmel ja doch oft wunderschöne Kunstwerke dort oben.

Um abschließend noch einmal klar zu stellen: Ich habe viel unwichtiges abseits des eigentlichen Buches in diesem Eintrag geschrieben, aber meine Aufforderung ist dennoch nur eine. Nämlich, dass ihr dieses Buch unbedingt lesen solltet.

 

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Zweiunddreißig auf einen Schlag

Es rascheln in letzter Zeit viel zu selten Buchseiten unter meinen Finger. Immer sind es nur Bücher für die Uni-wenn überhaupt. Ich komme nur noch selten dazu mal etwas für mich zu lesen. Das vermisse ich gerade sehr. Dieses abtauchen in fremde, ferne Welten. In Lebensgeschichten, die so tieftraurig sein können, dass sie einem lange im Herzen bleiben. Oder sie sind so wunderschön, dass man sich einfach gerne daran zurückerinnert.

Auch in diesem Jahr habe ich wieder ein paar Bücher gelesen. 32 genau genommen. Bis jetzt. Ein paar meiner Lieblinge habe ich euch hier mal wieder zusammengestellt. Habt ihr jemanden, den ihr sehr gerne lest oder könnt ein Buch ganz besonders empfehlen: Dann immer her damit.

H. Mankell: Die schwedischen Gummistiefel

Mankell ist jemand, der aus dem Herzen raus schreibt. Auch wenn es fast 12 Monate her ist, seit dem ich das Buch gelesen habe. Einiges ist noch sehr gut hängen geblieben. Vor allem das Gefühl, welches ich beim Lesen hatte. Das Mitgefühl mit dem kleinen Sturkopf Fredrik Welin.

„Die plötzliche Liebe ist das Einzige, worauf wir hoffen können.“

Inhalt: Seit Fredrik Welin als Chirurg ein Kunstfehler unterlief, lebt er allein auf einer einsamen Insel in Schweden. Ihm ist nach dem Brand seines Hauses so gut wie nichts geblieben. Nur wenige Menschen, die ihm nahestehen: Jansson, der pensionierte Postbote, die Journalistin Lisa Modin, in die er sich verliebt, und seine Tochter Louise, die schwanger ist und in Paris lebt. Als sie wegen eines Diebstahls in Untersuchungshaft gerät, ruft sie ihn zu Hilfe. Während er in Paris über ihre Freilassung verhandelt, erfährt er, dass auf den Schären schon wieder ein Haus in Flammen steht. Mankells letzter Roman, der Nachfolger des Bestsellers „Die italienischen Schuhe“, ist ein sehr persönliches Buch und beschwört die Möglichkeit menschlicher Nähe angesichts von Einsamkeit, Alter und Tod. (Quelle: Amazon)


O. Bordeaut: Warten auf Bojangeles

Französische Bücher haben mich schon immer in den Bann gerissen. Auch dieses. Ab der ersten Seite ist es eine Achterbahnfahrt mit der manisch-depressiven. Man feiert mit. Man trauert mit. Vielleicht lacht man auch mal sehr laut und weint bitterlich. Bei diesem Buch ist einfach alles drin. Und dabei bin ich nur durch Zufall über dieses Buch gestolpert.

„Ich war also an diesem besonderen Punkt angekommen, an dem man noch wählen kann, an diesem Punkt, an dem man über die Zukunft seiner Gefühlswelt entscheidet. In diesem Moment stand ich oben auf der Rutsche. Noch konnte ich mich dafür entscheiden, die Sprossen wieder hinabzusteigen, fortzugehen, weit weg von ihr.“

Inhalt: Sie tanzen zu »Mr. Bojangles«, sie mixen sich Cocktails, gemeinsam mit ihrem Sohn reisen sie in ihr Schloss nach Spanien. Sie ist charmant und charismatisch, nimmt alle für sich ein mit ihrer extravaganten Art. Georges liebt sie hingebungsvoll, die beiden feiern das Leben, wann immer es geht, denn sie kennen auch seine dunklen Momente: Georges‘ schillernde Frau ist manisch-depressiv. Als diese bittere Wahrheit ihr Paradies zu zerstören droht, entführen Vater und Sohn die Frau, die sie lieben, kurzerhand aus der Psychiatrie. In einem englischen Oldtimer nehmen sie Kurs auf Spanien, in der Hoffnung, dort so weiterleben zu können wie bisher. (Quelle: Amazon)


M. Lande: Die Geschichte der Bienen

Ein Roman, der nicht aktueller sein könnte. Mich hat er wirklich tief erschüttert. Ich habe sehr viel über Bienen gelernt und weiß jede nun ein bisschen mehr zu schätzen. Sie müssten so viel mehr beachtet und geschätzt werden. Ich hoffe das es nicht so weit kommt, wie in dem Buch. Das wir vorher die Notbremse ziehen und diese Geschichte nicht wahr wird. Umwerfend gut geschrieben. Rüttelt hoffentlich jeden wach.

Dazu passt ein Zitat, welches nicht aus dem Buch stammt:

Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht? Sie ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?
-Herbert Grönemeyer

Buchklappentext: England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.

Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.

China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.


J. Picoult: Small Great Things

Es ist nicht verwunderlich, dass Picoult als einer meiner Lieblingsautorinnen wieder mal dabei ist. Wenn sie ein neues Buch hat, ist das meistens auch auf meiner persönlichen Bestsellerliste. So auch diese. Aktuelles Thema, aus dem Leben gegriffen. Ich könnte mir vorstellen, dass es genau so auch hätte passieren können. Man setzt sich wie immer mit jedem Charakter auseinander, leidet mit ihm und fühlt mit ihm.

Den Inhalt findet ihr hier.


J. Strelecky: Das Café am Rande der Welt

Dieses Buch hat mich tagelang beschäftigt. Eigentlich habe ich es an zwei Tagen durchgelesen und eigentlich denke ich noch heute darüber nach. Direkt nach dem Lesen war ich erst einmal kurz von mir selbst enttäuscht: Warum mache ich so wenig von dem, was mit Spaß macht oder was mir gut tut? Worauf warte ich?
Ich habe darüber sehr lange nachgedacht und falls ihr noch einmal nachlesen wollt, gibt’s den Beitrag von mir, meinen persönlich Senf quasi, hier. 


S. Fitzek: Achtnacht & Flugangst 7a

Gleich wieder zwei Bücher, die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte, wenn ihr auf Thriller steht. Ich freue mich ja immer wie eine Schneekönigin, sobald ein neues Buch von ihm raus ist. Reiße es mir unter den Nagel und verschlinge es. Bei Achtnacht wird die Gesellschaft kritisch betrachtet. In Flugangst 7a habe ich einige gute Freunde von mir wiedergefunden (wegen der Flugangst versteht sich). Denen würde ich das Buch allerdings nicht empfehlen.


J. Meyerhoff: Allte Toten fliegen hoch. Amerika.

Damit bin ich nun wirklich, wirklich spät dran. Ich weiß! Aber besser spät als nie. Wer Meyerhoff bisher, so wie ich immer verpasst hat, der sollte unbedingt mit Lesen anfangen. Herzlich, lustig und eine wirklich unglaubliche Lebensgeschichte, die er da zu erzählen beginnt. Ein toller Autor mit ganz viel Talent, etwas zu verbildlichen.

Inhalt: Von der ersten Seite an folgt der Leser gebannt Meyerhoffs jugendlichem Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadt-Jugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming, wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains.
Der drohende Kulturschock bleibt erst mal aus, der Stundenplan ist abwechslungsreich, die Basketballsaison steht bevor, doch dann reißt ein Anruf aus der Heimat ihn wieder zurück in seine Familie nach Norddeutschland – und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann. (Quelle: Amazon)

Möchten Sie lesen? >>Ok<<

Könntet ihr euch vorstellen, mit einem kommunistischen Känguru zusammen zu leben? Wenn ich Marc-Uwe Kling so höre, dann lache ich zumindest laut über dieses australische Tier, was seinen eigenen Kopf hat und irgendwie auch immer ein bisschen auf Krawall gebürstet ist. Alle Känguru-Teile habe ich mittlerweile hoch und runter gehört. Auf langen Autofahrten ist das einfach ein Begleiter, den man dabei haben muss.

Nun war ich aber letzte Woche bei einer Lesung von Kling. Damals in Berlin wollte ich ihn bei der Lesedüne schon sehen, hat aber leider zeitlich nicht gepasst. Endlich, endlich hat es funktioniert. Obwohl die Woche super anstrengend war, durfte ich mir das einfach nicht entgehen lassen: Zurecht. Denn was er uns da servierte, war feinster Kaviar.

„In QualityLand lautet die Antwort auf alle Fragen >>ok<<.“

Zwei Stunden liest Kling auf der Bühne aus seinem neuen Buch QualityLand. Zwei Stunden bin ich eigentlich durchgehend am Lachen, oder zumindest am Schmunzeln. Selbst das Känguru hat eine kleine Rolle. Es muss also nicht darauf verzichtet werden. Wer also mal wieder lachen möchte, dem seien die Bücher (auch das neuste) wärmstens empfohlen. Denn eine Reise ins QualityLand ist zwar ziemlich grotesk, weil man immer im Hinterkopf die Befürchtung hat, dass es wirklich mal so kommen wird und gleichzeitig ist es sehr, sehr witzig, sodass man das ganze eigentlich kaum ernst nehmen kann. Ein ernstes Thema wunderschön verpackt.

Ob es nun das QualityPad mit TouchKiss ist oder das Hitler Musical. Lesen oder hören sollte man auf jeden Fall. Herzlich Willkommen in QualityLand.

 

Kaffee mit dem Leben

Warum warten wir mit den Sachen, die uns Spaß machen und erfüllen, bis wir in Rente gegangen sind? Wieso arbeiten wir auf die Rente hin, obwohl wir schon jetzt anfangen können, Dinge zu tun, die uns glücklich machen? Was erfüllt uns überhaupt?

Am strahlend blauen Himmel fliegen ganz weit oben die Greifvögel ihre Kreise. Ich blättere die Seite um und versinke in Gedanken. Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, was mich so zum Nachdenken gebracht hat. Das Cafe am Rande der Welt. Ein Geburtstagsgeschenk mit 127 Seiten. Ein paar davon sind Bilder. Ich habe es an zwei Tagen verschlungen. Und sitze nun da: Mit den ganzen Fragen. Warum bin ich hier? Was erfüllt mich? Und wieso warte ich damit so lange?

„Sie würden sich wundern, John. Manchmal weiß man gar nicht, wie bereit man für etwas ist, was einen ausfüllt.“
John Strelecky//Das Cafe am Rand der Welt

Wir warten immer darauf, das sich etwas in unserem Leben tut. Bis wir genug Geld haben. Bis jemand anders für uns entschieden hat. Bis wir diesen doofen, langweiligen Job nicht mehr machen müssen. Nur noch ein bisschen aushalten, die Ausrede nutzen, dass das alles nur vorübergehend ist. Dabei geraten wir so sehr in unseren Alltagstrott, dass wir ganz vergessen, dass wir eigentlich die Drehbuchautoren unseres Lebens sind. Wir können entscheiden, ob wir das ganze Geld wirklich brauchen; ob die eigenen Entscheidungen nicht besser sind, als die von anderen; ob wir den Job nicht langsam mal an den Nagel hängen wollen. Wer uns gut tut und was uns gut tut. Und vor allem: Ob wir nicht endlich das tun wollen was uns glücklich macht. Jeden Tag ein bisschen mehr davon.

Mal einen Kaffee mit dem besten Freund trinken oder eine Runde Minigolf spielen, anstatt Überstunden zu machen. Abends einfach noch mal spazieren gehen, Wolken beobachten, Seifenblasen machen, Unmengen an Kuchen essen. Etwas austesten, was man vorher als doof abgestempelt hat. Sich mit Leuten austauschen.
Der Frage nachgehen, was einem gut tut und sich auch mal mit sich selber auseinandersetzen. Denn jeder für sich, ganz alleine, kann nur wissen, was richtig ist. Selbst dann, wenn es für andere falsch erscheint.

Die Liebe zu Wörtern

Seit ich einigermaßen flüssig lesen kann, lese ich. Manchmal verschlinge ich Bücher einfach so am Stück. Andere lege ich zwischenzeitlich wieder zur Seite, um ein anderes lesen zu können. Es gibt Bücher die fesseln mich und es gibt Bücher die langweilen mich. Als Jugendliche war es für mich ein Verbrechen ein angefangenes Buch zur Seite zu legen. Mitten drin aufzuhören, obwohl ich das Ende nicht kannte, war für mich einfach unmöglich-da konnte das Buch noch so dick und langweilig sein, ich quälte mich eben dadurch. Mängelexemplare gab es nicht.

Psychothriller lese ich gerne, damit ein bisschen Action in mein Leben kommt.  Action, die weit entfernt ist und die ich beenden kann, sobald ich genug davon habe. Mit Romanen geht es mir ähnlich. In fremde Geschichten, Leben, Personen einzutauchen ist immer auch ein kleiner Selbstfindungstrip. Es ist wie auf Reisen gehen und nach dem letzten Kapitel gelehrter wieder zuhause anzukommen.

Letztes Jahr habe ich 52 Bücher gelesen. Traurige, spannende, lustige und bildende. Denn obwohl Bücher so vieles gemeinsam haben (Seiten, Wörter, Sätze, einen Autor, …), gleicht keines dem anderen. Selbst die, die sich vom Inhalt her ähneln. So wie die Lebensgeschichten der Menschen.

Ohne große Rezensionen zu schreiben, möchte ich doch kurz die auflisten, die mich am meisten bewegt oder in den Bann gezogen haben. Vielleicht mögt ihr in ihre Geschichten genau so eintauchen, wie ich es getan habe. Oder ihr habt sie vielleicht sogar schon gelesen und erzählt mir, ob ihr sie auch so gut fandet.

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Buchrückentext: ‚Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.‘ Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.

In Wells Schreibstil habe ich mich schon nach den ersten Seiten verliebt. Locker, lustig und gleichzeitig ernst, wenn es darauf ankommt. Das Buch habe ich während einer langen Zugfahrt verschlungen, nur um danach noch mehr davon lesen zu wollen. Traurigschön.

„Die Einsamkeit in uns können wir nur gemeinsam überwinden.“

Wolfgang Herrndorf

Tschick, Bilder deiner großen Liebe, Arbeit und Struktur. Ich kann mich wirklich nicht entscheiden, welches der Herrndorf Bücher am besten war. Am meisten bewegt hat mich ganz klar Arbeit und Struktur-einfach weil’s ein langer Abschiedsbrief während seines Krankheitsverlaufes ist. Ich weiß nicht mal, ob es da nicht doch legitim ist, danach ein bisschen zu trauern. Um einen sehr großen, bemerkenswerten Schriftsteller.

„Verrückt sein heißt ja auch nur dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.“
(aus Bilder deiner großen Liebe)

Michael Robotham

Ist genau so ein Spezialist der Wörter. Ob Watching You, Life or Death, Lost oder Close Your Eyes, in all diesen Büchern wird Spannung aufgebaut. Auf das nächste Buch warte ich zumindest ziemlich sehnsüchtig. Vor allem, weil ich die so gut in Englisch runterlesen kann.

„Bertand Russel once said that the problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, and wiser people so full of doubts.“
(aus Close Your Eyes)

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

Inhalt: Vor der Tür des Erzählers steht ein Mann, der ihm ähnlich sieht und behauptet, er sei der Tod und wolle ihn mitnehmen. Er habe noch ungefähr drei Minuten zu leben. Zwischen den beiden entspinnt sich eine absurd-witzige Diskussion, in der es um Kopf und Kragen, um die Insel Juist, den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Zu seiner Verwunderung gelingt es dem Tod nicht, den Erzähler sterben zu lassen. Ein spektakulärer Roadtrip beginnt. Gemeinsam mit seiner Exfreundin Sophia und dem Tod macht sich der Erzähler auf den Weg zu seiner Mutter und zu seinem sieben Jahre alten Sohn, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, dem er aber Tag für Tag eine Postkarte schreibt.
Es geht auf eine Reise zwischen Himmel und Hölle – und um die Frage, ob es das alles überhaupt gibt. Eine Reise, die geprägt ist durch die Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen wie: Muss der Tod pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? – Und die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«.

Was ich dazu sagen kann? Sobald ich es aus der Hand gelegt hatte, wollte ich es noch einmal lesen. Und dann hätte ich es nochmal gelesen und nochmal und nochmal. Denn das ist ein wahres Meisterwerk an Lebensgeschichte, Traurigkeit und trotzdem auch zum herzlich lachen. Bitte lest es.

„Dieses verbündende Lachen, wenn man die Absurdität der Zustände erkennt. Schulterzucken durch den Mund sozusagen. Kopfschütteln mit dem Bauch.“

Sarah Kuttner: 180° Meer

Klappentext: Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.

Durchgeschlungen, verschlungen. Ich liebe das Meer und ich liebe Kuttners Stil. Ob Mängelexemplar, Wachstumsschmerz oder eben nun das neuste Ding. Geht immer.

„Abstand gibt Platz zum Denken und Nachfühlen, aber Denken ist der Feind von Fühlen, und ich kann nicht noch mehr Feinde gebrauchen.“

Sebastian Fitzek

Last but not least, Herr Fitzek. Wer abends mal nicht schlafen will und sich lieber in eine Geschichte verstrickt, der sollte zu seinen Büchern greifen. Suchtgefahr ist für mich hier jedes Mal garantiert. Immer wenn ich denke, dass ich ihn endlich durchschaut habe, passiert doch wieder irgendwas abwegiges. Er ist nicht nur Autor sondern auch Spannungsbogenaufbauer und dich-auf-die-Folterspanner. Nervenkitzel und Mitfiebern bis zur letzten Seite.

Sein neustes Buch ist übrigens Das Paket. Aber ich habe schon ein bisschen recherchiert und bin zufällig darauf gestoßen, dass er uns nicht allzulange warten lässt. AchtNacht ist auf dem Weg! Heidewitzka! Fast wie Weihnachten.