Shutdown

Eigentlich wollte ich nächste Woche mit meinem Bruder und einer Freundin ins Reisebüro. Wir hatten sogar schon einen groben Zeitraum festgelegt, die Strecke des Roadtrips war ebenfalls gesetzt. Dieses Jahr sollte es für mich mal wieder eine größere Reise werden. Die USA habe ich lange nicht gesehen. Der grobe Plan war, die zweite Hälfte des Pazifik Coast Highways von San Francisco nach Seattle zu fahren. Wir haben lange nicht gewusst, ob das möglich sein wird, da die Waldbrände einiges vernichtet haben. G, der nun wieder zurück in Amerika ist, hatte aber bereits entwarnt: Alles wieder unter Kontrolle. Man hätte ihm einen Besuch abstatten können.

Ich vermisse die Freiheit auf den unendlichen Straßen, die ständig wechselnde Landschaft. Die hohen Berge, das große Meer, die Sonne, die spektakuläre Natur und vor allem die Nationalparks mit ihren vielfältigen Tier- und Pflanzenwelten. Und genau das ist der Punkt. Heute Morgen lese ich die Süddeutsche Zeitung und meine Pläne kippen.

„Wer wissen will, wie sich Menschen aufführen, wenn niemand auf sie aufpasst, der sollte in einen der Nationalparks fahren. Die Leute fahren mit den Autos von den Straßen ab und in die Wildnis, weil sie wissen, dass sie niemand kontrollieren wird. Berichten zufolge bietet sich ein postapokalyptisches Szenario.“
– Süddeutsche Zeitung. Der Originalartikel findet sich hier: Shutdown Nationalparks

Mir wurde das Herz schwer. Wirklich, wirklich schwer. Und mir ist erneut bewusst geworden, wie sehr die Menschheit sich ihren Planeten selbst zerstört. Es tut schon physisch weh, das zu lesen. Wie wäre es wohl erst, wenn man es direkt vor Ort sieht?  Ich kenne den Yosemite NP selbst, habe vor einigen Jahren mal im Camp für zwei Nächte geschlafen und stand ganz oben auf dem Glacier Point. Auch durch die Mammutbäume bin ich gewandert, immer in der Hoffnung, nicht nur riesige Bäume, sondern auch riesige Bären zu sehen. Hier lief noch alles geordnet ab. Die Menschen wussten die Natur zu schätzen.

Wenn sich an den Zuständen vor Ort in den nächsten Monaten nichts ändert, wird sich zumindest eines ändern: Mein Reiseziel.

yosemite

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10 Kommentare zu „Shutdown

  1. Mir geht es wie PACHT. Ich versuche zwar immer noch Hoffnung zu bewahren, aber jener Satz : „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.“, scheint mir immer wahrhaftiger zu werden.

    Deine kritische Sicht, lässt sie weiter glimmen. Und, dass Du mit dieser Sicht nicht die Einzige bist.

    Ich habe schon viele „moderne“ Reiseformen und -ziele für immer gestrichen, für mich ganz persönlich. Es geht mir nicht darum, insoweit „besser“ zu sein als andere, und meine Zweifel werden deshalb auch nicht geringer. Ich weiß schon, dass ich allein oder halt am Ende zu Wenige auch nichts bewirken.

    Aber ich stehe jeden Morgen vor dem Spiegel. Und dabei ich muss mich aushalten können …

    Noch einmal viele liebe Grüße, liebe Ines!

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    1. Das geht mir ganz genauso. Natürlich könnte ich sagen: Klar, ich fahre da trotzdem hin. Aber dann würde ich indirekt (oder vielleicht sogar direkt) all das Schlechte unterstützen. Weggucken kann ich auch nicht. Und es wäre auch nicht von Vorteil zu sehen, wie es vor Ort wirklich ist-dann fühlt man nur noch mehr die Machtlosigkeit. Es ist einfach nur traurig…

      Liebe Grüße!

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  2. Das ist wirklich schlimm, wir waren auch vor vielen Jahren im Yosemite und haben die Natur bewundert und im Sequoia sind uns tatsächlich mehrere Bären begegnet, wovon ich heute noch eine Gänsehaut bekomme. Es tut wirklich weh wenn man liest wie respektlos die Menschen mit unserer Natur umgehen.
    Ich wünsche dir dennoch, dass du in diesem Jahr eine tolle Reise mit großartigen Eindrücken erleben wirst.
    Ganz liebe Grüße 🤗

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  3. Hallo Ines,
    trotz aller Probleme, die menschliches Verhalten mit sich bringen kann, sagt mir meine Erfahrung, dass zwischen einem Zeitungsartikel und der Realität eine große Lücke klaffen kann. Ich würde meine Entscheidungen nie von einem Artikel abhängig machen, außer der Autor wäre mir bekannt, das heißt einschätzbar.
    Ich persönlich würde derzeit jedoch aus politischen Gründen die USA nicht besuchen.

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    1. Hallo Horst,
      da gebe ich dir absolut Recht. Ich habe allerdings Freunde in Kalifornien, denen ich die Geschichte abkaufe. In Zeitungen wird sicher noch einmal ein bisschen dramatischer beschrieben, aber dennoch decken sich die Artikel mit den Berichten meiner Freunde leider sehr. Und da das alles politisch bedingt ist, stimme ich dir absolut zu.
      Liebe Grüße!

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