Rügen II

Kap Arkona

Am nächsten Tag zog ich alleine mit dem Rad los. Mittlerweile bin ich ein großer Fan von Ausflügen bei denen ich für mich bin. Alleine durch die Felder fahren, dort anhalten, wo ich es schön finde. In meinem eigenen Tempo fahren, Ruhe genießen. Und so war es auch dieses Mal. Bis zur Abzweigung wusste ich erst einmal nicht, ob ich noch einmal Richtung Kap Arkona fahren sollte oder lieber doch die andere Richtung einschlagen. Ich entschloss mich für die Leuchttürme-dieses Mal ohne Halt in Vitt.

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Die beiden Türme sind ein Fixpunkt hier oben in der Nordspitze. Auch von anderen Ecken aus konnte ich mich immer vage daran orientieren, wohin ich so ungefähr fahren musste. Ganz ruhig und souverän stehen sie da. Seit vielen, vielen Jahren immer am gleichen Fleck. Bestimmt zwinkern sie sich abends ab und zu mal zu.

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Für mich ging es weiter auf dem Fahrradweg. Durch die Wälder, an der Küste entlang. Und siehe da, schon bald tauchte der erste Aussichtspunkt mitsamt nördlichster Spitze auf. Von hier aus gab es einen bezaubernd schönen Blick auf das strahlend blaue Meer und an der Küste entlang. Eigentlich dachte ich, dass es nicht viel schöner werden könnte. Hier alleine hätte ich schon Stunden stehen können.

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Märchenwald

Doch es kam schöner. Die Menschen wurden weniger. Ich radelte auf dem Weg weiter. Links die Felder, von oben die Sonne und rechts das Meer. Überall Stille und fast kein Wind mehr. In mir breitete sich ganz viel Wärme aus. Das war Urlaubsgefühl. Ich radelte also in Schneckengeschwindigkeit vor mich hin. Hielt alle 4 Meter an und schaute kurz auf’s Meer und in den Himmel und ab und zu auf die Felder und Wildblumen. Dann wechselte der Weg noch einmal. Vor mir lag der Märchenwald. Nun war ich wirklich die einzige Person auf der ganzen Welt. Die Stille war ohrenbetäubend laut. Nur das Meer flüsterte leise zur Rechten.

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Der Märchenwald hat sich seinen Namen auf jeden Fall verdient. Ich habe auch ganz sicher ein paar Feen gesehen. Knorrige alte Bäume wechselten sich mit verschlungenen jungen Bäumchen ab. das Gras sah weich wie Watte aus. Ich fuhr noch langsamer, obwohl ich eigentlich nicht dachte, dass das möglich wäre. Zwischen den einzelnen Waldabschnitten führte der Weg wieder in die Sonne hinaus und entlang der Felder. Mehr Abwechslung konnte es einfach nicht geben.

Ich tuckerte also weiter die Feldwege entlang, verfuhr mich dann in kleinen Dörfern und blieb mit dem Rad im Sand stecken. Fast die ganze Zeit hätte ich einfach nur vor Glück und Freude lachen können.

Nordstrand

Schon kurz hinter dem nördlichsten Punkt machte ich einen Abstecher zum Nordstrand runter. Fahrrad angeschlossen und unten einmal kräftig durchpusten lassen. Ein kleiner Spaziergang war wohl drin. Ebenso ein Stündchen auf dem Stein. Mit Meerbeobachtung, Gesicht bräunen, Frise richten lassen und lesen. Abends fuhr ich dann noch mit dem Auto und F an den Strand. Nur um noch einmal einen Spaziergang zu machen und sagen zu können, dass ich auch wirklich alles abgelaufen bin.

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Lie

  • Alleine unterwegs sein
  • Anhalten wo es einem gefällt
  • Frei fühlen und glücklich sein
  • Märchenwald und Lieblingsstrand entdecken
  • Verfahren und stecken bleiben
  • Lesen und innehalten
  • Strandspaziergänge

 

 

 

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6 Gedanken zu “Rügen II

  1. Das ist so eine schöne Beschreibung. Ich habe Bilder im Kopf – so, wie wenn jemand mit einer Kamera einen Weg langgefahren ist und ich auf diese Weise mitfahren durfte. Und die ruhige Lesestunde am Meer – wenn ich mir die vorstelle, wenn ich mir Dich darin vorstelle, dann ist das wie Frieden empfinden. Nichts ist mehr böse.

    Ich wünsche Dir diesen Frieden ganz oft, ich wünsche Dir, dass er Dich eines Tages ganz und gar ausmachen wird.

    Du wirst es mir kaum glauben. Aber ich war als „Nordlicht“ noch nie auf Rügen. Und auch noch nie auf Hiddensee. Das ist schon total paradox. Nie hat es sich ergeben …

    Manchmal denke ich an einen Kurzurlaub, den ich mal ganz alleine mache. (Deine Schilderung hat diesen Wunsch neu aufleben lassen.) Dann könnten Rügen oder Hiddensee durchaus ein Ziel sein. Bislang habe ich es nie realisiert – ich will meine Familie nicht einfach zurücklassen, und ich möchte die so wenigen Kurzurlaube, die ich mir organisieren kann gern auch mit den wenigen Freunden, die ich habe verbringen. Und die wohnen alle ein ganzes Stück weg.

    Danke aber für Deine Zeilen heute, für diesen schönen Bericht.

    Träum vom Meer heute Nacht, liebe Ines, und von einer Mohnblumenwiese hinterm Küstenwald!

    Liebste Grüße!

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    • Das ist ein sehr schönes Kompliment, und ich freu mich, dass ich dich so „mitnehmen“ konnte 🙂
      Vielen lieben Dank auch für den Wunsch!

      Da wirst du sicher noch die Chance zu haben. Denn Rügen an sich, da verpasst man schon ein wenig schöne Natur-gerade wenn man vorher noch nicht da war. Aber meine erste Wahl zum immer wieder hinreisen wäre es auch nicht. Hiddensee dagegen immer!

      Alleine reisen, so ganz alleine, das habe ich mich bisher auch nicht getraut. Alleine Ausflüge machen ist kein Problem. Aber ich finde ja auch erst gerade zu meinem Mut. Wer weiß, wie es in einem Jahr aussieht. Ich würde dir wünschen, dass du die Zeit findest und auch guten Gewissens mal eine kleine Reise alleine unternehmen kannst. (Obwohl sie mit der Familie sicher auch schön werden würde.)

      Ich wünsche dir eine ganz schöne Woche und vor allem, dass es aufhört zu regnen und sich die Sonne wieder zeigt. Im Herzen und am Himmel. Liebste Grüße!

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  2. Alleine reisen kann doch auch wirklich schön sein!
    Ich finde es toll, wie sich das Drumherum in Deinem Befinden widerspiegelt und wie Du das rüber bringst.

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    • Es hat auf jeden Fall was für sich, mal ganz alleine unterwegs zu sein. Man konzentriert sich ja doch irgendwie viel mehr auf sich. Aber die Zeiten werden auch bei dir sicher wieder kommen. Nun kannst du erst einmal den kleinen Knirps genießen 😛

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