Angstmonster

Mit dem Stift klopfe ich unruhig auf den Stapel Papier vor mir. Angsterkrankungskriterien auswendig lernen. Ich sitze da, starre auf die Buchstaben, Wörter, Sätze und bemerke plötzlich viel zu spät meinen Fehler. Niemals hättest du dich öffnen können. Die Angst in dir ist ein kleines Monster. Selbst wenn du es gewollt hättest, du hättest es nicht geschafft, das kleine Mistding zu besiegen. Und du hast es gewollt. Du hast es versucht. Hast mich ein bisschen an deiner Angst teilhaben lassen. Nur ich war damit schlitchweg überfragt. Mit meinem Angstlatein am Ende, denn in mir tobte mein eigenes kleines Angstmonster und zeigte deinem eine lange Nase.
Wäre das heute passiert, würde ich sie beide mit Pfeil und Bogen, mit Krallen und Zähnen bekämpfen. Für dich. Für uns.

Mittlerweile betrachte ich dich nur noch aus der Ferne. Alle paar Wochen mal ein belangloses Whats App Gespräch. Aus der Distanz sieht man so viel klarer. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte wieder etwas näher herangehen, mal genauer nachfragen. Nachfragen, ob es das Monster noch gibt, ob es da ist und tobt, schreit und dir den Alltag zur Hölle macht oder ob es ruhig da sitzt und gerade mit dir Kaffee trinkt. Jemand anders wird diesen Part übernehmen. Eine, ohne Angst und mit viel Offenheit. Eine, die dem Monster eins hinter die Ohren gibt, wenn es wieder einmal zu groß wird. Die dich auffängt und bei der du dich fallenlassen kannst.

Ich werde hier sitzen und mit dem Stift weiter auf dem Stapel Papier klopfen. Werde aus der Distanz schauen, wie du Tag für Tag ein bisschen aufrechter gehst und das Monster irgendwann verschwindet. Schritt für Schritt versuchen wieder etwas näher zu kommen, aber nur solange wir uns nicht gegenseitig ungut tun. Und vor allem, wenn du mich lässt. Denn bisher ist die Angst vor mir viel zu groß. Die Angst davor, dass du die Kontrolle über die Situation verlierst und alles wieder von vorne beginnt. Dass ich dir zur nah komme und wir uns wieder verheddern. In Ängsten. In Gefühlen. In zwei Jahren.

 

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