Way down

Die Sonne war bereits untergegangen. Sterne waren hier keine zu sehen. Der Flughafen spuckte mich aus-direkt hinaus in Palmas warme Frühlingsabendluft. Bevor ich mich zu dicht hinter die anderen Menschen stellte, die alle auf den lauten, brummenden Bus warteten, nahm ich noch einmal schnell einen tiefen Atemzug. Es konnte losgehen.

Mein Zeigefinger hielt den Knopf am Handy gedrückt. Ausschalten. Als ich das Handy runterfuhr, wurde auch ich ruhiger. Die letzten Tage waren meine Gedanken gekreist wie bekloppt. Als würden sie versuchen sich gegenseitig zu überholen. Das Problem daran war nur, dass es keine Ziellinie gab. Nur einen Kreis, in dem sie sich immer weiter drehten und drehten. Ich kam von Stöckchen zu Ästchen. Neue Arbeit, halbe Stelle, Vollzeitstudium. Doch diese Gedanken durften rennen so viel sie wollten, sie machten mir nichts aus. Der einzige Gedanke, einer ganz alleine, der hatte sich festgesetzt und stelle den anderen ein Bein. So bald die anderen fort waren, trumpfte er auf. Zog sein Ass aus dem Ärmel und zeigte mir eine lange Nase.

Freu dich nicht zu früh. Schon sehr früh habe ich mich an dieses Sprichwort gehalten. Denn es ist einfach schöner, wenn man vom Schlimmsten ausgeht und sich dann freuen kann, als wenn man sich zu früh freut und das Schlimmste dann noch folgt.

Fast acht Tage sind vergangen, in denen ich mit jedem Tag ruhiger wurde. Bis gestern. Als ich meinen Koffer im Hotelzimmer packte, wurde ich wieder nervös. Meine Hände stopften meine Laufschuhe zwischen Tüten voller Schmutzwäsche. Sie taten das selbstständig. Mein Kopf war bereits woanders.

Heute bin ich in Frankfurts feuchten Frühlingsmorgen hinaus gespuckt wurden. Mein Handy ist wieder an. Meine Gedanken nehmen ein bisschen an Fahrt auf. Ich kenne mich selber gut genug, um zu wissen, dass sie morgen wieder ruhig sind. Denn Weglaufen (Urlaub nehmen) und sich in den Alltag stürzen, das sind zwei Dinge, die vieles zum Schweigen bringen können. Das eine auf eine effektivere Art als das andere.

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