Lasten abwerfen

Wolkenfetzen ziehen an mir vorbei. Sie verheddern sich in den Baumkronen. Der Wind fährt durch die Äste der Fichten und hinterlässt den Klang des Meeresrauschens. Wenn ich die Augen schließe höre ich die Wellen. Die Regentropfen fallen in ihrem eigenen Takt vom Himmel, landen mit leisem Klopfen auf meiner Kapuze und perlen dann ab. Sie finden den Weg auf den Waldboden. Ich bleibe stehen, höre die Geschichten der Natur und strecke mein Gesicht dem Regen entgegen. Die Tropfen fallen ganz leicht, sie sehen aus wie aus Glas. Wenn ich die Hände aufhalten würde, wäre ich Königin der gläsernen Perlen.

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Ich weiß nicht, wie lange ich so dastehe und mich beregnen lasse. Der Nebel schiebt mich weiter. Er wickelt mich ein. Die Zeit steht still in solchen Momenten. Vor mir taucht der See auf. Das Wasser ist dunkel wie der Himmel. Umso grüner sticht die Waldlichtung dahinter hervor. Lautlos folge ich dem Trampelpfad am Ufer entlang; weiter über die Wiese, vorbei an den sich im Wind wiegenden Blumen, die sich nicht sträuben, sondern einfach mitschwingen; wieder hinein in den Wald.

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Regnerische Sonntage. Alles ist frisch, jeder Dreck abgewaschen. Auch von mir löst sich der Gedankendreck, die Lasten der Woche fällt hinter mit in den Matsch. Die Schultern werden leichter. Mit jedem dumpfen Schritt auf dem weichen Boden, mit jedem Regentropfen, der anklopft und mit jedem Schlag meines rastlosen Herzens.

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4 Gedanken zu “Lasten abwerfen

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