Zurück in die Zukunft

Viele Leute sehen die Zukunft als Malbuch. Freie Seiten, weiß wie frisch gefallener Schnee und alles unentdeckt. Du hast die Zeit und die Chance all diese Seiten mit deinen Lieblingsfarben zu füllen, sie kunterbunt werden zu lassen. Irgendwann kannst du zurückblättern und all die farbenfrohen Geschichten sehen, die du selbst geschrieben hast. Vielleicht sind auch mal ein oder zwei graue bis schwarze Seiten dabei. Sie gehören zu dir. Irgendwie zwischen den Farben. All das gehört dir. Die ganze Zukunft.

Manche Menschen sehen die Zukunft jedoch auch als Horrorfilm. Sobald sie an die weißen, ungefüllten Seiten denken, wird ihnen ganz komisch zu Mute. Sie fühlen sich bedroht von ihrer eigenen Zukunft.

Bei mir ist es gerade eine Mischung aus beidem. Ich hänge so in der Schwebe, dass ich längst hätte fliegen lernen müssen. Jetzt wo der September immer näher rückt und ich genau weiß, dass ich die Klinik verlassen muss. (Keine Frage, ich bin mittlerweile sehr froh, wenn ich gehen kann, wo doch zurzeit alle das Weite suchen.) Ich weiß nur einfach nicht, wohin. Ich weiß nicht, wo das Weite ist. Das Weite ist zu weitläufig. Seit zwei Monaten bewerbe ich mich bei sämtlichen Kliniken.  Ich bin noch jung. Ich könnte jetzt noch mal von vorne anfangen. Feuerwehrfrau, Journalistin oder Psychologin werden. (Wenn ich mich anstrenge vielleicht sogar Glücksbärchi.)

Das Gute an der Zukunft: Keiner weiß was kommt. Keiner weiß wie bunt oder einfarbig sie wird. Irgendwann ist die Zukunft die Gegenwart und sie wartet nur darauf endlich entdeckt und von dir gelebt zu werden.

Eigentlich müsste ich langsam nervös werden. Stattdessen warte ich ab. Ziehe feine Linien in mein Buch und gehe Weggabelungen, die ich vorher unbeachtet gelassen habe. Irgendwann werde ich sehen, ob der Weg der richtige war. Und wenn er lang ist, dann kann ich mich in der Zeit des Gehens immerhin noch ein bisschen umschauen. Neue Abzweigungen nehmen oder mich umentscheiden. Nur zurück geht es nicht mehr.

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10 Gedanken zu “Zurück in die Zukunft

  1. Ja, das stimmt. Ein Zürück gibt es nicht, gibt es nie. Selbst, wenn es manchmal scheint, dass man zurück sei, ist es das dennoch nicht. Denn dann wäre Zukunft mindestens ein Stück Wiederholung. Aber in einem Leben wiederholt sich nichts.

    Deine Gedanken sind sehr nachvollziehbar für mich, und sie sind ziemlich tiefgehend. – Ich bin sehr nachdenklich geworden über die Frage wieviel Gestaltung der Zukunft tatsächlich in der Hand des Einzelnen liegt. Allgemein und auch „nur“ für sich selbst.

    Ich wünsche mir für Dich, dass Dir entsprechende Nachdenklichkeit leichter ist als mir, viel leichter.

    Das Potenzial dazu steckt in Dir – die Idee mit dem Glücksbärchi hat mich davon schlussendlich überzeugt! 😉 – Die ist total süß, wenn ich das mal so sagen darf …

    Liebe Grüße an Dich!

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    • Ich freue mich drauf, auf das was dort kommen mag, auch wenn ich nicht weiß, was es ist. Aber nun steht wieder alles offen und ich kann mir meinen Weg noch einmal neu aussuchen. Vielleicht komplett was anderes machen-also ein bisschen von der Gestaltung liegt da schon in meiner eigenen Hand. Den Rest übernimmt das Schicksal. (:
      Vielen Dank und liebste Grüße!

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  2. Glücksbärchi… ist das ein Ausbildungsberuf oder fällt einem das in den Schoß? 🙂
    Ich glaube, Du bekommst Dein Malbuch gut gefüllt, ganz sicher. Auch nach September geht es weiter und Deine Nachdenklichkeit wird Dir helfen, den für Dich richtigen Wegen zu folgen oder neue zu gehen. Ich drück Dir die Daumen!

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  3. Ich selbst stand beruflich ja auch schon öfter mal vor dem Aus und es gab immer wieder einen Weg, bei dem ich nie dachte an ein Ziel zu kommen. Nun habe ich das, was ich immer wollte, stehe immer wieder vor der Frage, wie es nach meinem Vertragsende weiter geht. Darf ich bleiben? Werde ich von den Obersten rausgekickt? Aber dennoch bin ich trotzdem mittlerweile sehr von überzeugt, dass es immer irgendwie weiter geht und das Leben immer irgendwas im Peto hat, Dinge, mit denen man vielleicht im ersten Moment nicht rechnet. Manchmal sind es auch Geistesblitze (siehe meine Spontanentscheidung zum Fachwirt), die einen weiteren Weg bereiten. Aufeinmal entscheidet man sich für den Weg nach rechts, anstatt der Kurve der fortführenden Vorfahrtsstraße zu folgen, wie man es eigentlich vor hatte. Man weiß nicht, was wartet, aber wenn man es selbst möchte, bleibt man nicht auf der Strecke.
    Ich glaube an dich, dass du deinen Weg finden wirst, vielleicht mit anderen Abbiegungen, als du ursprünglich dachtest, aber ein anderer Weg muss nicht zwingend schlecht sein, vielleicht holpriger, aber nicht schlecht 🙂

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    • Wir haben in der heutigen zeit wirklich ein komisches Los gezogen, wo alles so unsicher ist und sich ständig wieder ändern kann. Wenn einem dann noch die Arbeit gefällt ist es umso ärgerlicher, wenn man sie ändern muss. Aber du hast das bisher sehr gut gemeistert. Ich werde mir einfach ein Beispiel an dir nehmen. (:
      Danke für die lieben Worte!

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