USA, the end

Dieser Reisebericht beginnt ausnahmsweise mal mit dem Ende. Denn das ist das, weswegen ich jetzt am liebsten den ganzen Tag durchgehend heulen würde. Eigentlich wäre ich erst am Freitag wieder zuhause gewesen. Eigentlich würde ich jetzt in Nassau durch Downtown laufen und Briefmarken suchen, um verspätete Postkarten abzuschicken. Eigentlich, eigentlich.

Stattdessen liege ich in meiner Wohnung auf der Couch und habe kein einziges Kleidungsstück mehr. Mir fehlen sämtliche Ladekabel, alle Postkarten, die ich verschicken wollte sind weg-aber nicht auf dem Weg zum Empfänger. Mein kompletter Kulturbeutel ist verschwunden. Vor allem sind meine Nerven auch irgendwo flöten gegangen. Irgendwo zwischen Miami und Frankfurt am Main.

Am 23.05 sind wir von Fort Myers nach Miami gefahren. Drei Stunden mit dem Auto, quer durch Florida um 6 Uhr morgens. Dann irgendwann wurden wir für Nassau, Bahamas geboardet und saßen in dieser winzig kleinen Maschine von American Eagle. Ich hatte sowieso schon kein gutes Gefühl, weil es ständig Eis durch die Seitenschlitze des Flugzeuges rieselte. Aber gut: Gestartet, losgeflogen, Bahamas gesehen. Von oben. 2 Minuten später sah ich dann auch das Gewitter. Unser Miniflieger schleuderte umher wie ein Papierflieger. Ich habe nie so ein scheiß Gefühl beim Fliegen gehabt wie da. Irgendwo im Meer schlug der Blitz ein. Wir flogen 20 Minuten im Kreis, weil Nassau den Flughafen dicht gemacht hatte. Und dann? Flogen wir zurück nach Miami.

Weil es nicht klar war, ob wir heute noch auf den Bahamas ankommen würden, sind wir ausgestiegen. Ich konnte auch nicht länger in diesem Flieger sitzen. Wollte nur noch nach Hause, vor dem nächsten Flug hatte ich keine Angst. Setzt mich noch mal 10 Stunden ins Flugzeug, alles besser als der Flug vorhin. Und so kam es: Wir flogen 3 Stunden später mit British Airways nach London und von dort nach Frankfurt. 40 Stunden unterwegs gewesen.

In Frankfurt am Kofferband wurde unsere größte Sorge und Angst bestätigt. Die Koffer sind weg. Wahrscheinlich weiter nach Nassau geflogen, ohne uns. Oder zurück nach Miami. Vielleicht stehen sie irgendwo verlassen am Flughafen in einer Stadt, in der wir nie waren oder jemand hat sie mitgenommen. Hoffnung, dass sie irgendwann doch wieder auftauchen, habe ich mittlerweile keine mehr.

Nun bin ich ein Mensch mit Verlust. Es ist nur ein Koffer, ich weiß, aber dennoch sind da Lieblingsstücke von mir drin. Auch mein Kalender mit sämtlichen Adressen und Terminen. Dafür besitze ich nun eine riesige Rechnung an Hotels, Flügen und Mietwagen. Heulen ist vielleicht die beste Lösung.

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15 Gedanken zu “USA, the end

  1. Was für ein Albtraum!

    Einerseits bin ich froh, dass Du diesen fürchterlichen Flug letztlich unbeschadet überstanden hast, andererseits empfinde ich Dein Verlustgefühl, Deinen realen Verlust, sehr mit und nach.

    Icvh wünsche Dir sehr, dass sich alles doch noch irgendwie anfindet. Und ich wüsnche Dir, dass Du den Schmerz, das Trauma, die Traurigkeit bald ein bisschen zu überwinden vermagst.

    Mein Herz möchte Dir beistehen, liebe Ines!

    Freundliche, trösten wollende, liebe Grüße an Dich!

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    • Ich denke mir auch: Solange nichts schlimmes passiert ist und ich heile zurück bin, ist alles gut.

      Und die beste Nachricht kam gestern noch zur später Stunde: Der Koffer wurde in Nassau gefunden und wird nach Hause geschickt. Wird zwar dauern, aber er wird irgendwann ankommen! (:

      Liebste Grüße und danke!

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  2. Als ich vorhin den Kommentar von dir bei mir gelesen hatte, hatte ich mich erst gefreut, dass du wieder da bist. Dann lese ich hier und denke mir nur: Ach du scheiße. Und das ist noch gar kein Ausdruck. Eine solche Reise sollte nicht so ein beschissenes Ende nehmen. Es tut mir so leid /:

    Meinem Papa ist auch mal der Koffer abhanden gekommen, allerdings beim Hinflug. Er hatte sich dann ans Reisebüro gewendet und an den Reiseveranstalter. Wochen später, als er schon längst wieder Zuhause war, kam der Anruf, dass er ihn in München am Flughafen abholen kommen kann. Und einer Arbeitskollegin ist das auch mal passiert, die hat sich ebenfalls ans Reisebüro gewendet und ungefähr eine Woche später wurde dieser dann sogar per DHL nach Hause geschickt. Vielleicht können die, bei denen du gebucht hast, irgendetwas tun. Oder wenn die Adresse auf dem Koffer vermerkt ist, vielleicht kommt er dann trotzdem zurück. Ich wünsche es dir so sehr!

    Aber in erster Linie ist es nun wichtiger, dass bei diesem turbolenten Flug nicht mehr passiert ist und du zumindest gesundheitlich wohlbehütet Zuhause angekommen bist.

    Fühl dich gedrückt! ♥

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    • Es war wirklich ein wahres Abenteuer. Eigentlich würde es mich gar nicht so sehr stören, wenn die Rechnung nun nicht so hoch wäre. Aber irgendwie bekomme ich das schon hin, mal sehen.

      Wir haben uns direkt an die Airline gewendet und die meinten, wenn man sie sich innerhalb 24 Stunden nicht melden, wird’s eng. Nach 23 Stunden haben sie mir eine SMS geschrieben, der Koffer wurde in Nassau gefunden und wird mir nach Hause geschickt. Bin der glücklichste Mensch, wenn der Paketmann mit dem Koffer vor der Tür steht. 😀

      Vielen lieben Dank für die Wünsche, sie haben ja anscheinend gut was bewirkt. (:
      Ich drück dich zurück ❤

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      • Und ich jetzt freue ich mich total mit dir, dass der Koffer auf dem Weg zu dir ist! 🙂 Ah, sehr schön 🙂

        Und die Rechnungen lassen sich sicherlich auch irgendwie stemmen. Aber ich kann dich verstehen. Machbar ist es aber dennoch bestimmt irgendwie 🙂

        Aaah, ich freu mich so mit dir 🙂 ♥

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      • Ich weiß noch, wie mein Papa sich damals gefreut hat. Der hat den Koffer erst nach einem Monat oder so wieder bekommen 🙂 Das ist aber auch immer meine größte Sorge, dass der Koffer nicht auf dem Band mit im Kreis fährt. Und meiner ist natürlich auch immer so mit der Letzte, damit ich ja lange warten muss 😀

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      • Aber immerhin kommt er dann irgendwann angefahren-ich drück dir die Daumen, das er auch weiterhin auftaucht, selbst wenn’s der letzte auf dem Band ist 😉
        Meiner soll angeblich schon in Frankfurt gelandet sein und morgen nach Hause geliefert werden-juhuuuuu!

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  3. Mich kriegste ja sowieso in kein Flugzeug und wenn ich Deinen Flug nach Nassau lese, fühle ich mich bestätigt.
    Schön, daß Du das alles überstanden hast. Und daß Dein Koffer kommt, hoffentlich ist noch alles drin. Gerade diese ideellen Verluste wären doch heftig.
    Und die Rechnung? Findet sich bestimmt ’ne Lösung, oder? Ich hoff’s für Dich!

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    • Eigentlich habe ich nie schlimme Erfahrungen mit dem Fliegen gemacht. Aber dieser Flug war echt hart.
      Ich hoffe auch sehr, dass der Koffer möglichst schnell ankommt und alles drin ist. (:
      Wir sind gerade dabei Beschwerden überall hin zu schreiben, aber meist das ja nicht viel Wirkung… Abwarten.

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  4. Oh je!
    Ich habe nicht wirklich Angst vor dem Fliegen, aber ein wenig mumlig ist mir schon jedes mal zumute.
    Wenn ich jetzt so lese was dir da passiert ist, gruselt´s mich richtig.
    Wenigstens ist dein Koffer wieder aufgetaucht. Das wird schon werden!
    LG

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    • Ich war eigentlich nie die ängstliche Person vorm Fliegen, aber in so kleine Flieger steige ich nun auch nur noch äußerst ungern ein. ):
      Hoffe sehr, dass der Koffer demnächst ankommt. So langsam könnt ich die Klamotten ja doch mal wieder gebrauchen. 😀
      Liebste Grüße!

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