Wutverständnis

Seit Donnerstag weiß ich, welche Menschen in meinem Bekannten- und Freundeskreis wirklich hinter mir stehen. Donnerstag habe ich die Mitteilung erhalten, dass ich die ausgeschriebene Stelle in der Klinik nicht bekommen habe. Zuerst war ich am Boden zerstört, habe den Donnerstagabend wie ein Tiger im Käfig verbracht und bin dann zu einer Freundin gefahren. Seitdem geht es wieder.

Wäre meine Arbeit kritisiert wurden, hätte ich das verstanden. Stattdessen wurde ich persönlich kritisiert und beinahe rausgeekelt. Ich habe es immer als Witz abgetan, dass mir von verschiedenen Leuten gesagt wurde, ich wäre keine klischeehafte Sozialarbeiterin und würde mich zu gut mit den anderen Berufsgruppen verstehen. Stimmt ja auch, habe mich nie dem Sozialdienst  voll und ganz zugehörig gefühlt. Aber was ist schlimm daran sich mit seinem Stationsteam und den Ärzten gut zu verstehen?

Es war ein Schlag ins Gesicht. Niemand sonst hat es verstanden, am wenigsten ich. Obwohl (Ober-) Ärzte, Psychologen und Pflegeteam sich eingesetzt haben, wurde mir quasi das Messer von den anderen in den Rücken gerammt. Von denen, die eigentlich solidarisch sein sollten-die eigene Berufsgruppe.

Nun bin ich auf Arbeitssuche, um nicht noch 6 Monate mit denen arbeiten zu müssen. Am liebsten würde ich direkt Montag gehen, aber das würde finanziell nicht klappen. Es wird mir trotz allem schwer fallen, dort zu aufzuhören. Denn die Patienten werde ich vermissen. Und die Leute, die jetzt zu mir halten, sich nach Stellen erkundigen und mich mit kleinen Scherzen wieder aufgemuntert haben.

Mir geht es besser seit gestern. Eigentlich ist da nur noch Wut. Aber weil meine Wut bei so vielen auf Verständnis trifft, fühle ich mich damit nicht alleine gelassen. Ich fühle mich gut damit. Vielleicht ist das ganze eine gute Chance, um irgendwo anders noch einmal neu zu starten. Zumindest rede ich mir das jetzt einfach mal ein. Nach der Wut kommt die Angst vor der Zukunft.

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9 Kommentare

  1. Nichts ist enttäuschender, berüblicher und ungerechter als heuchelnde Menschen. Es schmerzt mich sehr, liebe Ines, dass Du das im Kontext Deiner Bewerbung auf die Stelle erleben musstest.

    Vor etwa sieben haren, nachem eine liebe Kollegin von mir gestorben war und ich mich nachher auf ihre Stelle in der Landeshauptstadt bewarb, habe ich so etwas auch erfahren. – Es mag schlimm klingen, wenn ich das so sage, aber so sehr ich Menschen stets freundlich, stets rücksichtsvoll begegne, und so sehr mir denn doch immer wieder der fehler unterläuft, zu gutmütig und zu gutgläubig zu sein, so sehr ist aufgrtund derartiger Erfahrungen in mir dennoch etwas zerbrochen, was nicht mehr zu kitten ist. – Es ist das Urtvertrauen in die Menschheit. – Das klingt sehr pathetisch, ich weiß. – Aber es ist viel weniger „hoch“ – es macht, dass man weniger enttäuscht ist. Vielliecht insgesamt in sich gekehrter, aber weniger enttäuscht.

    Und eins bleibt dennoch: Wenn man bereit ist, auf der Suche zu bleiben, findet man die wenigen Menschen, denen man wirklich vertrauen kann, die zu einem stehen.

    Du bist so eine Suchende, eine sehr liebe, eine sehr aufrichtige, eine die ich mag wie sie ist, auch und gerade dafür, dass sie in vielem anders ist als ich.

    Liebste Grüße!

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    • Es ist echt schlimm zu hören, dass das schon so viele menschen durchgemacht haben. Immer wieder enttäuscht wurden, von Leuten, von denen man es am wenigsten erwartet.
      Ich bin schon immer ein skeptischer Mensch gewesen, muss ich sagen und das Vertrauen in Menschen an sich wird auch immer weiter eingeschränkt, nach solchen Erlebnissen.
      Liebste Grüße an dich!

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  2. Sowas ist Mist /: Und irgendwie kommt es mir auch so bekannt vor. Eins zu eins. Die Gedanken. Das Drumherum. Der Auslöser. Das alles. Ich glaube es ist etwas, was man nicht verstehen muss und das Kopfzerbrechen darüber zu keinem Punkt führt.
    Auch, wenn man Angst davor hat, so kann so ein Neuanfang aber auch gut tun. Neue Leute, neues Umfeld, neue Arbeit, neue Patienten. Es kann auch die Tür für eine ganz neue Welt sein und etwas positives mit sich bringen. Ich wünsche es dir!

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    • So ist es leider-einfach hinnehmen, denn drüber grübeln bringt nichts. Nun ist es so gekommen und man muss das beste daraus machen. Trotz Angst. Ich hoffe sehr, dass so ein Neuanfang irgendwo schnell möglich ist und vielleicht eine Chance birgt, dass alles besser wird.
      Vielen Dank!

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  3. Das tut mir leid für Dich! – Aber Du sagst es ja schon selbst: zwei positive Dinge sind da: a) Du weißt nun, was Du von manchen Leuten halten kannst (auch wenn das Ergebnis schmerzt) und b) die Chance, neu anzufangen irgendwo. Warum sollte Dir das nicht gelingen? Drücke Dir die Daumen!

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  4. Oh je, das ist wirklich Schade! Aber lass den Kopf nicht hängen! Wenn sich irgendwo eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Vielleicht bietet sich jetzt für dich eine viel bessere Chance.
    Ich arbeite in einem ziemlich großen Unternehmen. So ein Unternehmen, wo man die obersten Chefs nie persönlich trifft. Und das merkt man auch. Hier ist alles so unmenschlich. Es zählen nur Daten, Zahlen und Statistiken. Da werden Standorte für die Kostenoptimierung geschlossen und Kollegen müssen weit über 100 km Fahrtstrecke auf sich nehmen, aber in der Geschäftsleitung interessiert das niemanden. Echt traurig! Leider ist das so in der Arbeitswelt.
    Ich wünsche dir viel Glück und hoffe, dass du schnell wieder etwas findest!

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  5. Oh nein 😦 das ist ja echt blöd! Aber wer weiß wozu es gut ist..Mama sagt immer „auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“ und immerhin weißt du jetzt woran du bist..ich wünsche dir viel Erfolg bei der Jobsuche und, dass du etwas findest, wo es die gefällt UND du dich auf die Kollegen verlassen kannst!

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