Meerwert

Koffer zu. Ein Blick auf die gepackten Sachen und die Herzen an meiner Wand. Ich habe Fernweh. Nach Orten, an denen ich Luftholen kann. Nach Orten, an denen ich das Meer sehe. Jetzt stehe ich vor der Collage aus Papierherzen. Irgendwo darin will ich mich verlieren. Denn in dir verlieren, das geht nicht mehr.

„Meer ist nichts wert, wenn es sich nicht zu 180° vor mir erstreckt.“
-S. Kuttner//180° Meer

Das Meer ist ein Alleskönner. Wundermittel gegen alle Wehwehchen und Sorgen. Mit den Füßen im Sand und auf den Horizont starren. Minuten oder Stunden. Alles ist egal. Alles ist unwichtig, wenn nur das Wasser sich vor mir ausbreitet, wie ein riesiger, großer Teppich. Tosend laut und unruhig. In den Haaren verfängt sich das Salz, es bleibt auf Lippen und Wangen hängen. Eine dicke Schutzschicht zum Abkratzen.

Wenn ich könnte, würde ich das Meer in kleine Flaschen füllen. Sie mit kleinen Korken verschließen und sie im Regal aufreihen. Dann hätte ich meinen eigenen Ozean und vor allem meinen eigenen kleinen Horizont immer bei mir. Ich müsste nicht mehr vor Papierherzen stehen und mich fragen, wann ich das nächste Mal in einen dieser Orte in ganz echt hineinschlüpfen kann. Nicht nur zaghaft mit dem Finger die Linien auf dem Papier nachziehen muss.

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Manchmal stelle ich mir vor, wie du am Strand aussehen würdest. Da wo sich meine zwei Lieben treffen würden. Der stürmische Wind würde dir durch die Locken fahren, mit ihnen spielen. Du würdest lächeln, weil du das immer tust, wenn du unsicher bist. Und du wärest unsicher, denn umso sicherer ich bin, desto mehr gerätst du ins Wanken. Sicher fühle ich mich nur am Meer.

Vielleicht würdest du mich noch einmal direkt anschauen und nicht, wie so oft, meinem Blick ausweichen. Wir würden nicht mehr die Hände nacheinander ausstrecken, weil wir das eben nicht mehr tun. „Freunde?“ würden wir uns fragen und wir würden beide „Freunde!“ flüstern, nur um uns zu bestätigen, dass wir das Knistern zwischen uns ignorieren können. Solange die Wellen hochschlagen, können wir alles ignorieren.

Morgen fahre ich ans Meer. Ohne dich. Meine Entscheidung steht noch immer: Dein Fehlen tut weh, aber wenn wir als Freunde laut genug zusammen lachen, übertönt das auch ohne Meeresrauschen das Knistern zwischen uns. Und ich hoffe das ich morgen sagen kann:

„Ich bin vollkommen okay.
Und am Meer.“
-S. Kuttner//180° Meer

 

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5 Gedanken zu “Meerwert

  1. was für eine schöne idee, diese herzen! ♥ ich wünsche dir, dass du genau das morgen sagen kannst, was du dort heute noch zitierst. frohe ostern und schöne tage am meer!

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