Menschenkinder

Man ist das Kind seiner Eltern. Ob man will oder nicht.

Beziehungen zu den Alten sind facettenreich, unterschiedlich und vielfarbig wie nichts anderes. Dennoch gibt es nur ein „ja, wir verstehen uns gut“ oder „nein, keine Chance!“. Ein Meine-Eltern-sind-mir-egal wird zwar oft dahingesagt, aber wer meint das auch wirklich so? Ganz ohne Wertung. Nur jemand, der seine Fassade so gut aufgestellt hat, dass die Eltern keine Chance haben an denjenigen heranzukommen.

Streit, Zwietracht, Glücksmomente oder Geborgenheit. Alles möglich. Alles kann, nichts muss.

Und dann steht man plötzlich zwischen der Beziehung der Eltern und ist als Kind aufgeschmissen. Die Fetzen fliegen im Geheimen oder ganz offensichtlich und die Welt des kleinen Würmchens gerät ins Wanken. Scheidung. Alleine sein.
Und dann wird man in den Arm genommen. Einfach eingeschlossen von der mütterlichen Wärme. Ein Kompliment vom Vater, mit einem anerkennenden Blick oder einfach nur der Satz: Wir sind da, egal was passiert. Wir stehen hinter dir, denn du bist unser Kind.

Wie viele Gemeinsamkeiten man mit seinen Eltern hat, merkt man immer nur beiläufig. Wenn zum Beispiel der Tee exakt 3 Minuten ziehen muss, weil sonst schmeckt der ja nicht mehr. Immer wenn ich auf die Uhr gucke und eine Schnapszahl sehe (12:12 Uhr o.ä.) freu ich mich kurz. Mittlerweile weiß ich woher ich beide Angewohnheiten habe: Von meinem Vater. Selbst die Aussprache mancher Wörter, die Übernahme von Dialekten, all das lernt man von seinen Eltern.

Höflichkeitsformeln, Benehmen, Essmanieren. Das Herangehen an Probleme. Stressresistenz. Selbst die Persönlichkeit wird in Kindertagen von den Eltern geformt. Bis man bereit ist selbst abzuwägen. Zu lernen, was für einen richtig oder falsch ist. Denkweisen zu überdenken. Und seinen eigenen Weg zu gehen. Irgendwie wird man doch ein bisschen rebellisch mit der Zeit. Umso mehr freut man sich, wenn man die Gemeinsamkeiten widerentdeckt („witzig, du sagst ja auch Kirsche und nicht Körsche“) oder feststellen kann: Stimmt, das hat mir Muddi damals beigebracht.

Denn einmal Kind seiner Eltern-immer Kind seiner Eltern.

Advertisements

9 Gedanken zu “Menschenkinder

  1. „Muddi“, das ist süß. Sagt mein Sohn auch oft, oder zu mir halt „Vaddi“.

    Ich denke auch, dass ich stark durch meine Eltern geprägt bin. Aber es bleiben doch Fragen:

    Warum ist mein Bruder so ganz anders als ich, und war es auch immer schon? Und warum ist mir das Leben irgendwann so schwer geworden, wie es das seit ein paar Jahren ist? – Ist die Farge danach, wieviel davon meine Eltern (mit) zu verantworten haben, fair? Und würde mich eine Antwort auf diese Frage weiterbringen? Daran zweifle ich.

    Die Eltern haben uns geprägt, uns etwas von sich auf den Weg gegeben. Aber die Umwelt, die sonstigen sozialen Beziehungen und unser immer mehr gewachsenes und ureigen gewordenes Selbst haben uns zunehmend mehr beeinflusst. – Die Kombination aus beidem, das sind wohl wir.

    Ein anregender Text, lässt mich viele Gedanken in viele Richtungen denken …

    Auch hier wieder und sehr gern: Ganz viele liebe Grüße an Dich!

    Gefällt 1 Person

  2. Ich muss sagen, dass ich das aber schön finde, dass man seinen Eltern ähnlich ist und weiß wo man her kommt und wo man hin gehört.. Und der Gedanke, dass deine eigenen Kinder ein Teil von dir mit raus in die Welt tragen und das Omas und Opas, auch wenn sie eventuell schon verstorben sind, in dir weiterleben, finde ich sehr schön.

    Gefällt mir

  3. Mir wird mit dem Älter werden immer mehr bewusst, welche Eigenschaften ich von meiner Mama und welche Eigenschaften ich von meinem Papa übernommen habe bzw. mit auf den Weg bekommen habe. Ich finde das aber auch ziemlich schön, weil durch die verschiedenen Eigenschaften, die bei einem „neuen Menschen“ wieder zusammen kommen, entsteht wirklich wieder ein Individuum. Auch Geschwister sind nicht komplett gleich, vielleicht ähnlich, aber nicht gleich. Und das finde ich schön, denn so ist die Welt wirklich ein kunterbunter Fleckenteppich, der eigentlich im Grunde genommen schon interessant ist. Das ist den Menschen zu verdanken, die sich dazu entscheiden Eltern zu werden.

    Gefällt mir

    • Das hast du wieder einmal wunderschön beschrieben (ein kunterbunter Fleckenteppich, tolle Metapher! :)).
      Komischerweise fallen mir gerade im Moment so viele Eigenschaften auf, in denen ich mich mit meinen Eltern gleiche. Früher war mir das gar nicht so bewusst.

      Gefällt mir

  4. Eigentlich habe ich nicht so die gute Beziehung zu meinen Eltern, aber seit dem Auszug wird es immer besser. Ich finde es auch echt unglaublich was ich mit meinen Eltern alles gemeinsam hab. Witzigerweise bin ich Krebs, wie meine Mama, und im Aszendenten Schütze, wie mein Papa. Eigentlich „glaube“ ich nicht an sowas. Aber es ist echt überraschend wie das alles passt bezüglich der Sternzeichen 🙂

    Gefällt mir

    • Das freut mich, dass es nun bergauf geht mit der Beziehung! Manchmal braucht es ein bisschen Abstand, um sich näher zu kommen.
      Das kannst du laut sagen, eigentlich habe ich da auch nicht so sehr dran geglaubt, aber oft trifft es dann doch irgendwie zu und umso überraschter ist man. (:

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s