Von Liebesgeschichten

Der Schnee fällt wild und stürmisch. Das ist das Beunruhigendste und Beruhigendste zugleich. Obwohl ich meine Bindungsphobie gerne als Schutzschild nehme, wäre ich jetzt gerne da draußen. Nicht alleine, sondern mit jemanden. Irgendjemanden den ich mehr als gerne habe und mit dem ich durch die dicken Flocken tanzen könnte. Unsere Lächeln wären breiter als jemals zuvor; die dicken Jacken würden uns vor der Kälte schützen. Die Eiskristalle würden sich in unseren Mützen, seinem Bart und in meinen Haaren verfangen. Es gäbe eiskalte Küsse und warmes Lachen.

Das Leben ist allerdings kein Wunschkonzert. Es ist kein Ponyhof. Es ist weder so leicht wie Seifenblasen, die im Sommer durch den Garten gepustet werden; weder so bunt wie einer der kräftigsten Regenbögen; noch so wild wie eine Schneeballschlacht im Winter.
All das ist das Leben nicht-klaro, jeder macht aus seinem Leben das, wie er es gestalten will. Ich versuche allerdings oft etwas lockeres, bunte Farben und wilde Ideen hinein zu klatschen, aber es funktioniert dennoch häufig einfach nicht. Obwohl das ganz ungezwungen passiert.

Vor allem aber ist das Leben kein Liebesroman.
Denn mal ehrlich Leute, seit wann entwickelt sich aus einer komplizierten Affäre doch plötzlich mehr? Als gäbe es wirklich schicksalhafte Begegnungen in der Bahn, nach denen man sich wieder aus den Augen verliert und 20 Jahre später trifft man sich zufällig am gleichen Bahnhof wieder. Da kann ja auch direkt der Ex-Freund mit seiner glücklichen Beziehung Schluss machen, nur um doch wieder zu dir zurückzukommen-denn das ist doch das, worauf du 5 Jahre gewartet hast.

Happy endings gibt es doch nur aus Erzählungen von der Freundin, die eine Freundin hatte, die mal jemanden kannte…
Vielleicht gibt es die große Liebe tatsächlich. Vielleicht überfordern einen die eigenen Gefühle wirklich häufig so sehr, dass man nur noch Mist baut. Vielleicht ist sogar die Bindungsangst echt. Aber wenn all das existiert, dann ist das Leben einfach kein Liebesroman. Denn in einem solchen würde für all das eine Lösung gefunden werden-es würde sich ganz plötzlich so ergeben. Wie zugeflogen. Man müsste gar nichts tun, außer abwarten.

Ich bin kein geduldiger Mensch. Womöglich liegt der Fehler genau dort.

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9 Gedanken zu “Von Liebesgeschichten

  1. Man müsse gar nichts tun außer abwarten – ich bin so frei zu behaupten, dass es tatsächlich so etwas gibt. Vielleicht ist es nicht die Regel. Aber wir haben wirklich nichts getan, außer unser Leben gelebt und plötzlich haben wir es zusammen gelebt.
    Ich wünsche dir, dass du den Schnee und alles andere da draußen auch mit jemanden teilen und erleben darfst, vielleicht auch einfach so, nur mit abwarten.

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  2. Da muss ich Regenbogenleben zustimmen. Irgendwo da draußen gibt es den Einen für dich. Ich hoffe, dass du bald die Liebe findest. Ich muss zugeben, dass ich in meinem Leben nicht oft Herzschmerz hatte. Ich bin auch immer schnell drüber hinweg gekommen, weil ich meist schon tief im Inneren wusste, dass ist nicht der Eine. Trotzdem bin ich auch über diese Erfahrung in meinem Leben froh.
    Immer wenn ich Menschen von meiner/unserer Liebesgeschichte erzählt habe, meinten alle, das ist ja wie im Hollywood Film. Mein Freund und ich kennen uns bereits seit 16 Jahren. Wir waren eine lange Zeit Brieffreunde. Dann hatten wir uns aus den Augen verloren, aber nach ca. 10 Jahren ohne Kontakt zueinander, sind wir zusammenkommen. Ich habe mein altes Leben hinter mir gelassen, meine Koffer gepackt und bin nach ca. einem halben Jahr zu ihm gezogen. Das ist jetzt bald 3 Jahre her.
    Gib die Hoffnung nicht auf! Manchmal ergeben sich Chancen woran man nie gedacht hätte.

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  3. Ich glaube auch, dass es für Dich (mindestens) einen Menschen dort draußen gibt 😉
    Wunder geschehen immer wieder, und das nicht nur in den Erzählungen der Freundin der Freundin ! 😉
    Deine Beschreibung des Sch eefalls war wieder wunderschön, und wenn wir Leser das so empfinden, dann wird es auch jemanden geben, der das MIT DIR empfinden und erleben kann und wird !

    Liebe Grüße aus dem verschneiten Berlin,
    Bärlinerin

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    • Oh ja, ein paar Wunder gibt es schon. Nicht unbedingt in der Liebe und vor allem nicht bei mir, aber Wunder nehme ich auch gerne in allen anderen Bereichen. 😉
      Du bist eine ganz Liebe, weißt du das? Danke dir! (:
      Liebste, sonnige, aber kalte Grüße
      Ines

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      • Ich danke Dir auch !
        Wie Du weißt, bin ich schon lange begeistert von Deiner Fähigkeit das Schöne zu sehen und in Worte zu fassen.
        Deshalb wäre es doch ein „Wunder“ (im negativen Sinne), wenn das nicht jemand mit Dir teilen wollte !

        Sonnig und kalt ist es hier auch …

        Liebe Grüße,
        Bärlinerin

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