Ratschläge geben & nehmen

Ratschläge. Jeder gibt welche. Jeder bekommt welche. Kaum einer nimmt sie ernst.

Geh doch heute mal joggen, dann sind die Kopfschmerzen bestimmt weg. Würde man selber nie machen, wer geht auch schon krank zum Sport?
Ja, das Kleid würde ich mir kaufen, das hat bestimmt sonst niemand. Genau, weil es nämlich hässlich ist.
Ich würde mich nicht mehr bei ihm melden, der hat’s nicht verdient. Selber aber dem eigenen Typen hinterherrennen.
An deiner Stelle würde ich mich jetzt mal zusammenreißen! Machst du doch auch nie!

Wir geben Ratschläge ohne groß darüber nachzudenken, was wir da eigentlich sagen. Selber würden wir sie niemals einhalten. Niemals. Denn objektiv betrachtet, ist das Ganze nicht so schlimm. Objektiv betrachtet leidet man subjektiv am meisten. Wir sind kleine Egoisten, die sich gerne in das Leben anderer einmischen, aber selber nichts gebacken bekommen.

Und dann höre ich mir die Kommentare meiner Freunde an
Weil ja Jeder was dazu sagen kann
Aber eigentlich will ich das alles gar nicht hörn‘
Weil mich diese Ratschläge störn‘
– Annenmaykantereit//Nicht nichts

Sätze, die einfach so dahingesagt werden. Alles wird gut, du musst nur warten. Danke, das ist genau das, was man hören möchte. Da wäre ich ja nie drauf gekommen. Ich dachte, ich spule jetzt mal die Zeit vor, damit’s besser wird. Irgendwann wird alles gut. Mittlerweile muss man ganz genau schauen, welche Ratschläge wirklich ernst gemeint sind und welche nur so daher gesagt. Welche einen weiterbringen und welche nur von den kleinen Monstern, die überall ihren Senf zugeben, gesagt werden.

Ratschläge sind gut, um Abstand von dem Problem zu bekommen. Einen Perspektivenwechsel zu machen. Andere Sichtweisen anzunehmen und zu sammeln. Aber macht man am Ende nicht doch genau das Gegenteil von dem, was einem geraten wird? So wie kleine Kinder, denen man sagt, dass sie die heiße Herdplatte AUF GAR KEINEN FALL anfassen sollen? Und wer gibt eigentlich die besten Ratschläge? Die eigene Mutti, die beste Freundin oder man sich doch lieber selbst.

Da hört man sich stundenlang die Meinung eines anderen an, nur um dann doch so zu handeln, wie man es selber für richtig hält. Ganz eindeutig logisch, denn man selbst weiß doch immer noch am besten, was für einen richtig ist. Nur man selbst kennt die Situation vollständig ohne Lücken. Macht euch keine Gedanken, denn wenn es sich in dem Moment richtig angefühlt hat, dann war es das auch. Das ist mein Ratschlag für alles.

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2 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Text, wobei ich zugebe, dass er mich an mancher Stelle etwas zum Widerspruch „gereizt“ hat.

    Ich denke, das Fatale an so manchem Ratschlag ist, WIE er geäußert wird. Belehrend, besserwisserisch, von oben herab oder wie eine platte Floskel? Oder empfehlend, eine vielleicht mögliche Alternative ins Gespräch bringend, zur weiteren oder überhaupt zur Suche anregend? – Ratschläge der letzten Art sind mir wertvoll, ich bin dankbar, wenn ich sie bekomme. – Ja, rücvkwärts betrachtet, hätte ich mir an mancher Stelle meines bisherigen Lebens solche bzw. mehr solche Ratschläge gewünscht. Manchen Fehler hätte ich dann wohl nicht begangen, manche Richtung hätte ich eher korrigiert.

    Natürlich ist letztlich jeder seines eigenen Glückes Schmied. (Obwohl das so absolut gar nicht stimmt) – Aber zumindest für mich stimmt Dein vorletzter Satz nicht bzw. hat nicht immer gestimmt. Für mich haben sich schon Dinge richtig und gut angefühlt, die mir im Folgenden gar nicht gut getan haben.

    Und ich bin bis heute nicht davor gefeit, dass das immer wieder einmal geschehen kann.

    Tja, also ich bin für so manchen Rat dankbar. Wenn er so, wie oben beschrieben geäußert wird, wenn er dann noch von einem Menschen kommt, dem ich glaube oder weiß, vertrauen zu können – dann versuche ich wirklich ernsthaft und bewusst nicht das Gegenteil von diesem Rat zu tun, sondern ihn mir, so gut ich es vermag, anzunehmen. – Das freilich ist auch, wenn es sich um so einen wirklich guten Rat handelt, bisweilen schwer, und es gelingt mir bei weitem nicht immer, schon gar nicht vollständig. – Aber ich bemühe mich, ich versuche, das Gegenteil bewusst so weit als möglich zu vermeiden.

    Ich weiß leider (immer noch) nicht immer, was für mich das „Richtige“ oder „Beste“ ist, und wenn ich DAS mal halbwegs weiß, dann weiß ich oft noch lange nicht, wie ich tatsächlich dahin zu gelangen vermag. Paradoxerweise wohl häufig deswegen, weil mir ausgerechnet das, was ich eigentlich als gute Werte und Prinzipien ansehe, im Wege steht.

    Du siehst, liebe Ines, für mich ist das wirklich ein ziemlich schwieriges, komplexes und sehr zu differenzierendes Thema. -. So, wie es halt bei mir oft ist. 😉

    Und Du kennst mich ja schon ganz gut …

    Allerliebste Grüße an Dich!

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    • Ich gebe dir selbstverständlich recht: Wenn jemand einen Ratschlag nicht so von oben herab oder besserwisserisch kundtut, dann nimmt man ihn viel leichter an. Mir geht es trotzdem immer so, dass ich erst einmal alle Ratschläge von vorne bis hinten zerdenke.
      Oh je, ja, oft fühlt es sich im Nachhinein falsch an. Aber hätte es dann groß was geändert, wenn man in der Situation anders gehandelt hätte? Man ist sich doch so sicher gewesen, dass das hier einzig und alleine richtig ist. Nichts anderes.
      Ich finde es sehr bemerkenswert von dir, dass du Ratschläge wirklich beherzigst-vielleicht bin ich einfach zu oft zu stur dazu. 😀
      Liebste Grüße!

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