Teneriffa: Wanderlust

Wandern ist gut um den Kopf frei zu bekommen. Einfach laufen und die Schönheit der Natur wahrnehmen, sich umschauen, neue Orte entdecken. Vor allem Gegenden erkunden, die man mit dem Auto nicht erreichen würde. Teneriffa ist Wandergebiet, ganz klar. Allerdings sind die Temperaturen entweder so warm, dass es zum Wandern schon zu heiß ist oder die Gegend ist so bergig, dass man nach 5km schon nach Luft schnappt. Wenn das noch nicht reicht, kann man ja mal oben auf dem Teide ein bisschen laufen.

Höllenschlucht (Adeje)

Das ist gelogen. Unser ursprünglicher Plan war es die Höllenschlucht (Barranco de infierno) zu durchwandern. Wie schön wäre es gewesen, die hübschen Wasserfälle am Ende des Weges zu begutachten. Doch schon direkt in Adeje kam uns ein aufgeregter Spanier entgegen. Die Schlucht sei gesperrt, da jemand gestorben war. Wieder einmal. War sie doch von 2009-2015 wegen eines Todesfalles geschlossen, war sie gerade mal ein halbes Jahr wieder geöffnet, da passierte im Oktober 2015 wieder soetwas.

Jeder normale Mensch würde da gar nicht erst weitergehen wollen. Mich reizte es nur umso mehr. Allerdings riet uns der Spanier (ich verstand ihn nur anhand der Zeichensprache) dringend davon ab und wies uns dann einen anderen Weg. Bei gefühlten 30 Grad im Schatten ging es neben der Höllenschlucht nun also den Berg hinauf. Ohne Schatten. Zumindest waren wir nicht die einzigen, die hieran zu knusen hatten.

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Eine Stunde hatte er gesagt. Wo das Ziel war, ließ er einfach offen. Irgendwann gaben wir auf und drehten um, so wie die Deutschen vor uns, so wie die Russen und die Franzosen hinter uns. Der Ausblick war auch so schon ziemlich gigantisch.

Teide

Wenn wir hier schon am schwitzen waren und uns fragten, wieso wir so null Kondition hatten, wurde es für mich auf dem Teide nur noch schlimmer. 2800m Höhe und mein Herz spielte ein bisschen verrückt. Zeitweise kam ich mir ein bisschen vor, als wäre ich der einzige Mensch in einer Wüste aus Staub und Hitze. In the desert sun you can’t remember your name. Ich übertreibe natürlich.

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Dennoch 10km ohne Schatten durch ein ausgetrocknetes Gebiet sind genug für einen Tag. Da wären die Alpen sicher angenehmer. Oder eben der Spaziergang. Letzendlich ist mir klar: Ich werde vielleicht auch einfach nur alt.

Montana Roja (El Medano)

Auf den nächsten Vulkan, ganz entspannt und ohne großen Höhenkollaps kann man übrigens in El Medano wandern. Das lohnt sich wirklich. Bis nach oben hinauf, hat man von hier aus einfach eine unbeschreiblich schöne Aussicht. Aufs Meer, auf den Teide, auf die Stadt. Inklusive erfrischenden Höhenwind. In den Vulkan hinein, kann man leider nicht schauen, trotzdem: Hinauf muss man einfach. Wer lieber gerade laufen will, kann sich auch einfach an der Küste von El Medano aufhalten-lohnt sich mindestens genau so.

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Aguamansa/Orgelpfeifen

Ein bisschen oberhalb dieses kleinen Ortes gehen unzählige Wanderwege ab. Allerdings ist die Insel so gut wie gar nicht mit Wanderwegweisern beschildert, viele Wege sind gesperrt, andere findet man erst gar nicht. So irrten wir mit einer riesigen Gruppe Deutschen durch die Gegend. Einfach immer der Nase nach. Wenn man Glück hat trifft man zwischendurch die Wegbegleiter wieder-oder gar den Ranger.

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Durch’s Unterholz, als wäre man im Urwald oder auf schmalen Pfaden am Abhang entlang. Ich muss gestehen: Das war weitaus die beste Wanderung. Trotzdem es ganz schön bergauf ging, alle Wege gesperrt waren, die wir ursprünglich gehen wollten, war das die beste Wanderung. Schatten war da, Wetter stimmte und die Leute waren nett und aufgeschlossen. Was willste mehr? Vielleicht lag es auch daran, dass wir ohne jegliche Orientierung den Parkplatz am Ende wiederfanden, ohne den kompletten Weg wieder zurücklaufen zu müssen.

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5 Gedanken zu “Teneriffa: Wanderlust

  1. Wandern ist wirklich schön, um den Kopf frei zu bekommen und die Natur zu genießen – WENN es nicht in einen „Gewaltmarsch“ ausartet, wie bei euch ! 😉
    Ich kenne solche Erlebnisse aber auch; aus einem „Spaziergang“ wird schnell ein riskantes Erlebnis 😉
    Aber ihr wurdet ja belohnt – mit tollen Eindrücken von der erstaunlichen Natur… Der Urwald hat mich auch überrascht.

    Schön, dass Du HEIL zurück bist !

    Liebe Grüße,
    Bärlinerin

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