Zorniger Wütender

Wut. Laut Google „ein Gefühl, das von starkem Ärger und Zorn bestimmt ist und bei dem man häufig laut wird oder schreit“. Von der Wut habe ich im Moment genug. Ich weiß nicht, woher sie kommt und wie ich damit umzugehen habe. Aber ich bin gerne wütend-lieber so als traurig zu sein. Dieses Gefühl, welches langsam im Bauch heranwächst, was immer stärker wird. Wie ein Luftballon der stetig aufgepumpt wird und irgendwann platzt. Ob Wut immer aus verletzten Gefühlen herrührt? Persönlich angegriffen, kritisiert und missverstanden zu werden sind gute Trigger für Ärger und Zorn.

Im Moment macht mich so viel wütend. All das, was gerade in der Welt passiert. Vor allem aber auch die passiv-aggressiven Kommentare von meiner Arbeitskollegin. Der Tratsch in der Klinik. Menschen, die sich kein eigenes Bild über andere machen, sondern einfach direkt schlecht über die Person reden. Intoleranz. Dieser Typ, aus dem ich nicht schlau werde. Die Spitzen meiner Kollegen diesbezüglich, wenn ich mit ihnen beim Mittagessen sitze. Dieses scheinheilige. Dieses „wir sind alle ganz freundlich zueinander, aber sobald sich die Person wegdreht, stechen wir mit dem Messer zu.“
Ich glaube mein Trigger für Wut ist ganz einfach, dass ich so vieles nicht nachvollziehen und verstehen kann. (Manchmal komm‘ ich mir da wie ein trotziges Kind vor, aber hey, was soll’s! Die können immer noch am besten mit Blicken töten.)

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Bildquelle: Oldskoolman

Wenn man das ganze psychologisch betrachtet, ist Wut ein Gefühl welches super zu verarbeiten ist. Wütend sein ist klasse! Sagen auch meine Psychiater-Kollegen.
„Wenn ich auf sie so wütend bin, was sagt das dann über mich aus?“ Die Antwort kam prompt: „Das du gesund bist!“ Na immerhin etwas.

Eigentlich gibt es nur drei Kategorien wie mit Wut umgegangen wird.
Kategorie eins ist wohl derjenige, der einfach losschreit. Der förmlich alle Wut aus sich rausschreit, richtig laut wird und alle damit eher verängstigt, als die Situation damit wieder zu klären. Meist wirft er dann noch einen Kugelschreiber oder das Telefon gegen die Wand und verlässt dann aufgebraust den Raum. Inklusive Türen knallen, sodass dir die Ohren klingeln. Eigentlich das was man erwartet, wo doch „Wut“ schon zu „wüten“ passt.

Kategorie zwei ist die stille Variante. Jemand zu denen ich auch zähle. Höre mir alles an, sammle alle Argumente und Rechtfertigungen, sodass ich mit gutem Grund wütend auf die Person sein kann und sage dann was? -Genau nichts. Ich schweige. Kalte Schulter zeigen und ab und an mal ein bissigen, knappen Kommentar. So haben die Schweiger wesentlich länger was von der Wut. Sie tragen sie von der Arbeit mit nach Hause oder von dort aus zum Treffen mit Freunden. Bis es am Ende doch eskaliert. Weil man eben so sauer ist.

Kategorie drei ist wohl die gesündeste. Da wird nicht sofort losgeschrien und schon gar nicht in sich hineingefressen. Das sind die Menschen, die von den Psychologen immer wieder bekräftigt werden. Die bringen ihre Wut einfach ganz sachlich und ruhig rüber. Äußern ihren Missmut und klären die Situation meist ohne Problematik. Sind die eigentlich jemals richtig wütend?

Wütend sein ist klasse. Wirklich. Mit projizierter Wut kann man einfach am meisten erreichen. Es ist effektiv. Und wie schon angemerkt: Besser als melancholisch zu werden. Denn im Grunde ist das ja auch nur eine Art von Emotionen. Nur langanhaltender Zorn ist schädlich.

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2 Kommentare

  1. Wütend sein will gekonnt sein. Wahrlich. – Ich zähle auch definitiv zur Kategorie 2, in Extremausprägung freilich. Und Du ahnst (weißt) nun wahrscheinlich, was diverse der mich behandelt habenden und behandelnden Psychologen dazu meinen. – Ich höre das schon länger, aber wirklich lernfähig bin ich offenbar nicht, obwohl ich meine, mir viel Mühe zu geben.

    Ich denke auch nicht, dass das nur an mir liegt, sondern auch an der Vielzahl und der Vielfalt dessen, was einen aufgewühlt, nicht einverstanden, zornig sein oder werden lässt. Ein kleines Spektrum davon hast Du ja hier auch aufgezählt.

    Meinerseits habe ich erfahren müssen, dass es von Kategorie 2 hin zu Melancholie oder noch etwas „Heftigerem“ gar nicht so weit ist. Mir kam es mitunter gar so vor, als wenn meine Melancholie mich irgendwie schützte…

    Das soll um Himmels willen keine „Empfehlung“ für Dich sein,liebe Ines. –

    Ich wünsche und hoffe für Dich, dass Du das mit der projizierten Wut wirklich so positiv für Dich hinbekommst, wie Du es allgemein hier signalisiert hast.

    In diesem Sinne einen „Knuddelgruß“! 😉

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    • Ich verstehe auch nicht, wie Menschen das schaffen, so zu explodieren oder dabei sachlich zu handeln-es ist mir ein Rätsel. 😀
      Nein, ganz gewiss liegt das nicht nur an dir! Ganz sicher nicht.

      Ist mir auch schon aufgefallen. Melancholie und Wut liegen nah beieinander. Fast wie Hass und Liebe. Warum dies so ist, weiß ich nicht. Aber melancholisch mag ich nicht mehr sein. Ich bin froh, dass ich nun erstmal wütend bin. Melancholisch war ich die letzten Wochen zu oft.

      Einen lieben Guß von Herzen!

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