Andersartigkeit

Jeder hat irgendwelche Macken. Es gibt immer eine, egal wie noch so klein sie sein mag. Der eine schläft nur ein, wenn er vorher Melissentee getrunken hat. Der andere wirft die Milch schon weg, obwohl sie noch nicht abgelaufen ist, nur weil er mal eine schlechte erwischt hat. Kuchen wird mit dem großen Esslöffel gegessen, damit man schneller mehr davon in den Mund schaufeln kann. All diese kleinen Andersartigkeiten macht den Mensch erst zu einer Person. Einer eigenständigen. All diese Macken entstehen aus Lernen. Aus Fehlern, die man mal gemacht hat, aus der Erziehung der Eltern oder aus Gewohnheit.

Hat man sich erst einmal verschiedene Dinge angeeignet, ist es ab einem bestimmten Alter doch recht schwierig diese wieder zu ändern. Egal, wie abwegig die sind. Da lernt man dann weder aus Fehlern, noch von anderen.

Meine Macken kann ich glaube ich nicht mehr flicken. Ich lese nun mal die Anleitung der wiederverschließbaren Käsepackung und ärgere mich dann im Nachhinein darüber, dass die Packung keineswegs wiederverschließbar ist. Weil sie nämlich genau in der Mitte gerissen ist, da wo der Käse eigentlich hätte eingepackt sein sollte-und das TROTZ beachten der Anleitung.
Man wird mich auch nicht mehr davon abbringen können Bettwäsche immer zweimal zu kaufen. Könnte ja Besuch kommen und wie sieht das dann aus, wenn die Bettwäsche nicht zusammen passt?

Das alles sind kleine Macken, die stören niemanden oder es wird darüber nur gelacht. Aber was ist mit den großen Macken? Denen, die man erst nach einiger Zeit herausfindet und merkt, dass man damit bei anderen kollidiert. Wie bei einem Unfall zweier Autofahrer, die sich beide sicher sind, dass sie an der Kreuzung als erstes abbiegen dürfen. Krawumms.

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Bildquelle: Rouchellemouton

Beziehungen sind solche Kreuzungen des Lebens, an denen es zu Zusammenstößen kommen kann. Es gibt so viele Dinge, die man in den Augen des anderen „falsch“ machen kann. Angefangen beim Frühstücken bis hin zum Schlafen. Macken sind nicht angeboren-das ist nicht das laute Atmen, wogegen man nachts nichts tun kann, sondern eher die Gewohnheit das ganze Bett für sich einzunehmen, nur weil man sonst immer alleine schläft.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich so ein Bindungsphobiker bin. Ich habe Angst mit meinen eingefahrenen Einzelgängergeschichten den anderen ganz schnell zur Resignation zu bringen. Ich habe mir meine eigenen Überlebensstrategien ausgefuchst, mich daran gewöhnt alleine zu sein und das so zu machen, wie ich es eben als richtig empfinde. Wer zu lange auf einsamen Straßen unterwegs war, wird es auch nicht schaffen mit Hilfe eines anderen von diesen wegzukommen.

Vielleicht suchen wir uns genau aus diesem Grund gleichgesinnte. Denn gleich und gleich gesellt sich gern. Wer die eigene Merkwürdigkeit bei jemand anderen entdeckt, fühlt sich direkt mit ihm verbunden. Da besteht eine gemeinsame Basis. Hier kann in die gleiche Richtung auf der einsamen Straße weitergefahren werden, man kommt sich nicht in die Quere. Wir suchen die eigene Seltsamkeit bei anderen und nennen es dann Liebe.

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2 Gedanken zu “Andersartigkeit

  1. Schöner Text! Da schwirren mir ganze Gedankenschwärme durch’s Oberstübchen. – Ich habe mir nur mal folgende Sätze herausgepickt aus Deinem Eintrag und gebe jeweils ein klein wenig „Ketchup“ von mir dazu:

    „Ich habe Angst mit meinen eingefahrenen Einzelgängergeschichten den anderen ganz schnell zur Resignation zu bringen.“

    Hatte und habe ich auch. Früher und heute immer noch. Denn schließlich habe ich mich nicht geändert. Im Gegenteil, die Macken sind, einmal gesät, immer wuchernder geworden. – Meine Frau hat das freilich seinerzeit nicht abgeschreckt, und sie hat nach 18 1/2 Jahren Ehe auch immer noch nicht resigniert …

    „Wer zu lange auf einsamen Straßen unterwegs war, wird es auch nicht schaffen mit Hilfe eines anderen von diesen wegzukommen.“

    Stimmt, wenigstens, was mich angeht. Mir fällt es ja auch sehr schwer zu glauben, aber möglicherweise mochte und mag meine Frau etwas an meinen einsamen Straßen …

    Will sagen, liebe Ines:

    Ich war bis zum Beginn meines 35. Lebensjahres ein sehr skurilles, wirklich einsames, nicht „kompatibles“ Subjekt. Ich bin heute auf bestimmte Art nicht anders. Trotzdem bin ich irgendwie noch „unter die Haube“ gekommen. – Mir ist das freilich bis heute immer noch ein bisschen unglaublich, und das wird es vermutlich auch immer bleiben.

    Verlier die Hoffnung, verlier vor allem den Glauben an Dich nicht, liebe Ines.

    Wenn ich noch frei und jung genug wäre, würde ich mich schon deshalb für Dich interessieren, weil Du nur wenige Schuhe besitzt und statt vieler neuer, eher viele geliebte alte, kaputte im Schrank zu stehen hast und mutmaßlich sogar ohne Schuhe mit vergleichsweise kurzen Beinen schneller laufen kannst als ich mit meinen langen … 😉

    ♥-lichste und ganz liebe Grüße, Du!

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    • Ich weiß, dass du gerne Mut machst und dafür bin ich sehr dankbar. Aber vielleicht hat nicht jeder so viel Glück. Vielleicht ist mein Glück in anderen Bereichen verteilt und hier komplett leer gelaufen.

      Kleine Macken sind ja auch etwas wundervolles. Sie sind liebenswert, man kann sich damit arrangieren. Nur die großen, die werden zu Problemen.

      Allerherzlichste Grüße! Ich hoffe du hast ein ganz wunderbares, herrliches Wochenende. (:

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