Erwachsen werden für Anfänger

Ab genau jetzt werde ich erwachsen. Ja, ich bin mir ganz sicher, dass ich diesen Zeitpunkt selber bestimmen kann. Es war nicht damals, als ich von Zuhause ausgezogen bin, in eine komplett fremde Stadt. Oder letztes Jahr, als ich nach Amerika geflogen bin. Auch nicht dann, als ich endlich mein eigenes erstes Geld verdient habe und damit mein Leben finanzieren musste.

Nein. Es ist jetzt. Jetzt, wo ich selber entscheiden kann: Ich bin ab genau jetzt erwachsen. Und cool sowieso. Und vor allem nicht mehr so ein Lappen, wie ich es die ganzen letzten Monate war.
Und woran liegt das? Daran, dass ich beschlossen habe, mich wieder auf mich selber zu fixieren und nicht auf dich Idiot. (Selbstbetrug, lacht es schon hämisch, das hält nämlich genau von Zwölf bis Mittag.)

Du bist der einzige Mensch, der so zu denken scheint, wie ich. Der zu schnell mit Nähe überfordert ist. Der sich rausredet, wenn es zu viel wird oder sich tot stellt und einfach so tut als wäre nichts. Es ist schrecklich die eigenen Verhaltensmuster bei jemand zu sehen und nichts dagegen tun zu können. Doch ich als erfahrener Einzelgänger und Selbstverbauer weiß: Keine Chance.

Nähe zulassen ist schon immer schwierig für mich gewesen. Mein Herz war so gut abgeschirmt, wie wahrscheinlich kein anderes. Ich habe alles dafür getan, es zu verteidigen. Bis vor kurzem habe ich es so gut weggesperrt, dass ich manchmal selber nicht mehr wusste, ob es überhaupt noch existiert. Und dann kamst du. Hast meine Komfortzone respektiert und ich habe sie für dich aufgehoben. Ich habe dich in ihr eingeschlossen. Du kamst und hast gewartet, bis ICH mich in deine Arme hab fallen lassen, zu dem Zeitpunkt, wann ich es wollte. Du warst selber so sehr auf der Hut.

Halt dich lieber fern von mir, hast du zu Anfang gesagt, aber ich wollte nicht hören. Wer nicht hören will, der muss eben fühlen. Vor allem muss er mal damit mal so richtig auf die Schnauze fliegen. Gut, hab ich verstanden und vielleicht auch daraus gelernt. Nämlich, dass ich meine Komfortzone nicht mehr so leicht aufhebe und schon gar nicht an irgendeinen dahergelaufenen Jemand mein Herz verschenke. Auch wenn er sich mit Herzen auskennt. Nicht nur, weil er schon unzählige gebrochen hat.

Das Schlimmste an der Sache ist, dass ich so sehr an mir selber zweifle. So wie Zeichen und Andeutungen von dir habe ich einfach falsch interpretiert. Manchmal war ich mir so sicher, dass du auch so empfindest wie ich-auf genau so verkorkste, kaputte Weise. Aber ich habe mich selbst belogen. Ich wollte das sehen und so habe ich es gesehen.

Vielleicht stimmt es, dass wir uns nie das gesagt haben, was wir wirklich fühlen. Ich hab dir das zumindest nie gesagt. Mit Absicht habe ich dich in dem Glauben lassen, dass das alles nur eine Affäre war. Dass es dabei nicht um dich geht, sondern nur darum abends bei jemand im Bett zu liegen. Du hast mir zu oft indirekt vermittelt, dass du nicht mal ansatzweise über eine Option „mehr“ nachdenkst. Ich habe das Gleiche getan, um mich zu schützen.

Aber wovor schütze ich mich hier eigentlich? Vor mir oder vor dir? Es ist ein Rettungsversuch die Hoffnung weiterhin aufrechtzuerhalten. Er ist kläglich gescheitert. Die Hoffnung hat das sinkende Schiff verlassen. Zusammen mit dir. Und ihr habt mich alleine auf den Planken sitzen lassen. In den Händen halte ich noch immer mein Herz, was du mir lieblos zurückgelassen hast. Weil du es nicht gebrauchen kannst, mit all den Spuren und Narben.

Auch wenn ich es lange eingesperrt hatte, schlägt es trotzdem immer noch für eine Person. Aber nicht mehr für mich. Seit Juli diesen Jahres bist du diese Person. Egal, wie sehr ich es zu überzeugen versuche: Es rebelliert gegen mich. Ich schließe es nun wieder irgendwo ein. Denn Erwachsene tun das so. Glaube ich zumindest.

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8 Gedanken zu “Erwachsen werden für Anfänger

  1. *Denn Erwachsene tun das so. Glaube ich zumindest.*

    Wenn das wirklich so ist,liebe Ines, dann bin ich nie erwachsen geworden, dann bin ich immer Kind geblieben.

    Du hast mir mit Deinen Zeilen, die ansonsten so bitter klingen, doppelt bitter für mich, der ich nicht will, dass Dir etwas Bitterkeit verursacht, gerade die Augen geöffnet. – Ich dachte bis eben, dass ich nichts Kindisches oder sagen wir besser KIndhaftes mehr an mir hätte. Jetzt weiß ich es. Es ist meine Art mit dem Herzen zu denken. Mein Herz offen vor mir her zu tragen. Mit allen erdenklichen Folgen (ich kann Dein Empfinden nach wie vor nur allzu gut veratehen.).

    Irgendwie habe ich es schon immer geahnt, womöglich auf etliche Dinge bezogen nach wie vor nicht „reif“ zu sein – ich ertappe mich immer wieder, und in letzter Zeit ganz oft dabei, besipielsweise dabei zu glauben, dass ich Fragen stelle, die ansonsten Erwachsene nicht (mehr) stellen, viele davon auch in meinem Blogtagebuch.

    Ich weiß nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass mein Therapeut mir irgendwann sagt, dass solche Fragen zu stellen, vor allem wiederholt, vom Wesentlichen ablenke. Vor allem bei einem Erwachsenen.

    Allein der Gedanke macht mich richtig böse, wütend, wie ein ungezogenes Kind.

    Es ist schwer auszuhalten, ein Kind zu bleiben. Aber es sind die eigentlich SCHÖNEN Menschen, die das tun.

    Bleib wie Du bist, liebe Ines.

    Bitte!!!

    Damit Deins nicht so allein ist schicke ich Dir noch ein ♥ – chen von mir.

    Allerliebste Grüße!

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    • Etwas kindisches sollte einem immer erhalten bleiben. Ob nun die kleinen Wunder der Welt zu entdecken und wahrzunehmen (auch das kannst du sehr gut!) oder eben mit volllen Herzen lieben.

      Es gibt keine Fragen, die nicht gestellt werden sollten oder dürfen. Jede Frage hat das Recht dazu, egal ob von einem Kind oder von einem Erwachsenen. Und meines Erachtens stellst gerade du Fragen, die zum Nachdenken anregen und die Augen öffnen. Warum solche Gedanken dann also verschweigen?

      Liebste Grüße an dich, lieber Sternflüsterer! Wieder mal: Lieben Dank!

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  2. Ach Ines,Liebes, so ist die Liebe nun mal. Man kann die ganzen Warnungen, die da im Hinterkopf schlummern, einfach nicht wahrnehmen. Man sagt nicht ohne Grund rosarote Brille. Ich kenne das auch von mir.
    Aber ich denke auch, man muss immer mit ganzen Herzen und voller Überzeugung lieben, ansonsten ist es keine wahre Liebe. Und hinterher tut es weh, sogar verdammt weh. Das geht vorüber irgendwann, vielleicht auch nie ganz, aber es tut nicht mehr weh.
    Ich war ungefähr 18 oder 19 Jahre alt als ich mich richtig verliebt hatte (zum 2. mal). Erst war ich auch vorsichtig, aber er überzeugt mich zunächst vom Gegenteil. Danach war ich Feuer und Flamme. Es kamen Leute zu mir und sagten, sie haben ihn mit einer anderen gesehen. Ich hatte einen Haargummi (der nicht mir gehörte) bei ihm gefunden. Wir machten Verabredungen und er erschien einfach nicht. All das müsste doch die Alarmglocken zum Leuchten bringen. Tat es aber nicht, denn ich liebte ihn so sehr, dass ich ihm all seine Entschuldigungen und Ausreden glaubte. Ja, ich wollte es ihm unbedingt glauben und schoss alles andere in den Wind. Irgendwann hörte er ganz auf sich zu melden und mir wurde bewusst, dass es eigentlich die ganze Zeit absehbar war.
    Trotzdem bereue ich es nicht, denn ich habe mit ganzem Herzen geliebt und würde es wieder tun. Es sollte halt nicht sein. Manchmal muss man Dingen einfach ihren Lauf lassen und irgendwie hat man sich dadurch ja auch weiterentwickelt. Vielleicht war er nicht der Richtige, weil es da noch jemanden gibt, der besser zu einem passt. Vielleicht sollte es so sein und vielleicht findest du genau dadurch den Einen, der für immer bleibt.

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    • Ich bin froh, dass es Menschen wie dich gibt, die sich nicht davon abschrecken lassen, was passieren könnte. Die sich schon viel zu früh schützen und sich dabei genau so alles verbauen. Mir ging das bisher so und nun habe ich das einmal anders gemacht und es hat trotzdem nicht funktioniert. Aber ich weiß, dass du recht hast: Irgendwann wird es besser. Irgendwann tut es nicht mehr ganz so weh.

      Aber es so traurig hier zu lesen, wie es dir damals erging. Ist es nicht schlimm, wie man einer anderen Person viel mehr vertraut als sich selber, einfach nur um glücklich zu werden? Und am Ende dann genau das Gegenteil dabei herauskommt.

      Geduldig sein und abwarten, dass sind Dinge die ich leider nicht gut kann. Aber ich gebe mein bestes.
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. (:

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  3. Oh man..bei den ganzen ernsten Einträgen leide ich richtig mit dir :/ Ich bin nicht gut im trösten und hab auch nicht so wirklich einen tollen Tipp parat..ich wünsche dir auf jeden Fall, dass deine Welt bald nicht mehr so traurig und grau ist und natürlich, dass du jemanden findest, dem du dein Herz öffnen kannst ganz ohne, dass du Angst haben musst, dass dein Vertrauen zerstört oder gar ausgenutzt werden könnte oder dass die Person es nicht ernst meint! *drück*

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  4. So ähnlich wie Juliane kann ich auch berichten – unvorstellbar, mhm? Da P. ja nun schon so lange in meinem Leben existiert, für manche so gefühlt immer. Im Nachhinein dachte ich erst immer, dass das eine Kinderspinnerei war. War doch gerade erst 15/16. Was soll man da von Liebe wissen? Aber umso öfter ich über die Geschichte nachdenke, davon erzähle und auch mit Menschen darüber rede, die auch ihn kennen, da war es wohl doch das erste Mal verliebt sein. Es ging, wie wir uns nun alle denken können, gewaltig nach hinten los. Dieser Mensch hat mich förmlich kaputt gemacht. Richtig kaputt gemacht. Keine Ahnung, wer ich danach war, aber auf jeden Fall nicht mehr ich selbst. Es hat Psychoterror geähnelt. Mit dementsprechenden Folgen. Ja, diese Zeit gehört zu der Zeit, die heute nichts mehr in meinem Leben verloren hat. Und dann kam P. Ein Junge, der mit seinen damals 18 Jahren doch eigentlich andere Absichten hatte. Betrunken kennenlernen endet ja meistens irgendwie anders. Ich war ihm gegenüber kritisch, noch dazu kannte ich ihn schon von hörensagen und da war nichts gutes dabei. Ich mag doch nicht schon wieder auf die Fresse fallen. Aber dann entwickelte sich das alles ganz anders, wir verstanden uns immer besser – auch nüchtern ^^. Irgendwann dachte ich mir: „Scheiß drauf, ihm erzählst du das jetzt alles. Eine neutrale Person ist immer gut“. Dann hab ich ihm das alles erzählt, von vorne bis hinten. Ich weiß nicht, was das in ihm ausgelöst hat, aber er hat mich da rausgeholt, hat aus mir wieder einen Menschen gemacht und ich wusste, dass es einen Grund hatte, wieso das mit dem anderen nicht gepasst hat. Heute, dreieinhalb Jahre später, weiß ich es immer noch.
    Es mag nun alles sehr, weiß nicht, idiotisch vielleicht, klingen, da ich doch damals noch so jung war und es heute immer noch bin. Und das klingt vielleicht noch idiotischer, aber ich bin im Nachhinein froh, dass es damals so war, wie es war. Ich glaube nämlich nicht, dass ich mit dem anderen so glücklich werden hätte können, wie ich es heute mit P. bin.
    Also Köpfchen hoch! Es hat bestimmt auch bei dir einen Grund, wieso es mit ihm jetzt nicht geklappt hat. Und dieser Grund wartet irgendwo da draußen auf dich, auch, wenn es dir im Moment sehr unwahrscheinlich vorkommen mag.

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    • Ich bin so froh, dass du P. getroffen hast und du somit einen Menschen gefunden hast, der dir Halt gibt und dich auffängt, wenn es dir mal schlecht geht. Manchmal ist es tatsächlich so: Die komischsten Situationen, vor allem die aussichtslosesten, führen zu etwas total schönem und langanhaltendem. Fast wie ein kleines Wunder.
      Danke, für’s Mut machen! (:

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