Sonntagsbeschäftigung: Berge bezwingen

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Ein ganzes Wochenende habe ich durchgehalten. Nur 20 statt 24 Stunden an dich gedacht. Mich abgelenkt. Andere würden sagen, ich bin weggelaufen. Wie immer. Aber okay, dann ist es eben so. Wenn weglaufen das ist, was hilft, dann laufe ich eben weiterhin. Bekanntlich laufe ich alleine. Schnell und ohne das mich jemand einholt. Dieses Mal bin ich in Begleitung gewesen.

Das leise Klingeln der Exen am Klettergurt. Das Fluchen der Kletterer an der Wand. Der kurze Schock, wann immer jemand stürzt und verflixt sauer ist. Auf sich selber. Auf den Körper. Vor allem darüber zu scheitern. Der einzige Ort, wo Probleme zu gebrauchen sind, ist am Fels. Der einzige Ort, wo laut geflucht werden darf und wo scheitern nichts schlimmes ist.

Mit warmen Tee liege ich auf der Bouldermatte und schaue den anderen zu. Meine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Die anderen prügeln sich den Stein hoch. Ich kenne sie alle nicht. Sehe die Muskeln in ihren Armen und Beinen und frage mich, wie so starke Menschen vor irgendetwas Angst haben können. Wovor laufen sie alle weg? Wovon müssen sie den Kopf frei kriegen? Welche Sorgen drücken sie am Ende doch wieder zurück auf den Boden?

Gurt umgeschnallt, Ausrüstung befestigt, ein Blick zu meinem Bruder. Startklar. Wenn ich mich jetzt nicht in die Spalte klemme oder die scheinbar unbezwingbare Wand versuche zu bezwingen, dann hat das Laufen nichts gebracht. Hände an den kalten Stein. Meine Finger tasten zaghaft nach Halt. Drei, zwei, eins. Ich bin frei. Für diesen Tag.

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2 Gedanken zu “Sonntagsbeschäftigung: Berge bezwingen

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