Fremde Welt in der eigenen

“It’s not that he doesn’t love you enough to tell you the truth”, she said. “It’s that he loves you too much to risk it.”
J. Picoult// Leaving Time

Jodi Picoult. Wann immer sie ein neues Buch rausgebracht hat, musste ich es sofort verschlingen. Schon damals, als ich das erste Mal eins ihrer Exemplare von „Beim Leben meiner Schwester“ in der Hand hielt. Es gibt keine Schriftstellerin, die in meinen Augen mehr die Fähigkeit hat, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Sie greift Themen auf, die jeden bewegen. Krankheiten, Familiendramen, Liebesgeschichten.

Kurz vor jedem Ende ihrer Bücher überkommt mich das Gefühl, wieder aus dem Leben der Protagonisten katapultiert zu werden, obwohl ich noch nicht bereit dazu bin. Dann wünsche ich mir, dass das letzte Kapitel noch 200 Seiten mehr hat. Oder sie direkt ein neues Buch schreibt, in dessen Geschichte ich sofort im Anschluss eintauchen kann.

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„Gib zu, das Buch flüstert dir Nachts seine Geschichte ins Ohr“ – C. Funke//Tintenherz

Ihre Stories sind nicht kitschig. Manchmal sogar ohne fröhliches Ende. Sie vermitteln keine „heile Welt“ und das liebe ich daran so. Die Geschichten und Lebenswege der Figuren wandeln sich so unvorhersehbar, dass es auf jeder Seite spannend bleibt.
Was ich noch so an ihrem Schreibstil liebe? Ich kann die Bücher auf Englisch lesen und obwohl sie nicht wie Kinderbücher geschrieben sind, verstehe ich jedes Wort. Es ist süchtig machend. Es ist ausreißen aus dem eigenen Leben und trotzdem Parallelen finden.

„It’s smoky. It sounds like the first night in autumn when you build a fire in the fire place and drink a glass of port and fall asleep with a dog on your lap.“
J. Picoult// The Storyteller

Ihre Beschreibungen und Metaphern sind so bildlich, dass ich genau höre, wie diese Stimme klingen muss. Ich sehe die Bilder so klar vor mir, dass ich gedanklich eigentlich schon damit verschmolzen bin.

Nicht nur Jodi Picoult hat so ein Talent. Die Bücher von Eric Axl Sund, Sebastian Fitzek, Cecilia Ahern, Sarah Kuttner und Jojo Moyes verschlinge ich genauso. Sie sind nicht umsonst Bestsellerautoren.

Gibt es Schriftsteller, bei denen ihr das auch kennt?
Da, wo ihr jede Neuerscheinung kaufen müsst und sie innerhalb einer Nacht verschlingt?

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11 Kommentare

  1. was schreibt eric axl sund so? klingt nach skandinavischem krimi, da bin ich sofort dabei. 🙂

    fitzek finde ich auch ganz gut, aber es gibt eigentlich keinen autoren, der mich nächste durchlesen lässt. es gibt bevorzugte autoren, von denen ich immer wieder mal gerne was lese, aber ich brauche immer abwechslung, stürze mich selten direkt auf ein neues buch von einem bevorzugten autor.

    wen ich sehr gerne lese: daniel glattauer („gut gegen nordwind“ und „alle sieben wellen“ habe ich tatsächlich verschlungen, weil das so toll geschrieben ist und so leicht zu lesen war und die geschichte mich extrem angesprochen hat), arnaldur indridason (schreibt islandkrimis in sehr kühlem, abgehacktem schreibstil, ich mag das total, die lese ich nach und nach chronologisch, lasse mir aber sehr viel zeit dafür), thomas enger (norwegen-krimis, die ich chronologisch lese, der 4. teil ist gerade raus und liegt noch bei meiner mutti).

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  2. Jodi Picoult ist eine meiner beiden absoluten Lieblingsautoren.

    Sie schreibt so … authentisch.
    Es gibt nie Charaktere, die einfach nur böse sind. Oder einfach nur gut. Oder einfach nur irgendetwas. Sie sind alle vielschichtig. Sie sind alle wichtig. Sie sind alle echt.
    Sie ist diejenige Autorin, mit der ich mich am meistens identifiziere – Bücher wie ihre möchte ich auch einmal schreiben.
    Gesellschaftlich kontroverse Themen. Wichtige Themen. Menschliche Themen.

    Der zweite in diesem Bunde ist Markus Zusak.
    Ein wahrer Gott, was Geschichten Erzählen angeht. Er hat sich eine Brillanz angeeignet, die mit wenig zu vergleichen ist. Sowohl Der Joker, als auch Die Bücherdiebin haben mir das Herz gestohlen. Seine Wolfe Bücher sind auch super.

    Ich stimme meiner Vorrednerin zu – Daniel Glattauer ist brillant. Aber gerade für Gut Gegen Nordwind und Alle Sieben Wellen empfehle ich das Hörbuch!

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    • Das hast du sehr schön beschrieben! Genau so ist es. Man kann sich sogar mit den „Übeltätern“ identifizieren und ihr Handeln dadurch absolut nachvollziehen.
      Oh ja, der Joker und die Bücherdiebin! Absolute Lieblingsbücher von mir. Mich hatte schon lange kein Buch mehr so gefesselt wie die Bücherdiebin. (:

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  3. BÜCHER! Was für ein Thema,liebe Ines! – Leider reicht mein Englisch bei weitem nicht, um englischsprachige Romane lesen zu können. Romane in der Sprache lesen zu können, in der sie ursprünglich geschrieben wüurden, ist ein besonders authentisches Erleben – ich vermag es leider nur aufs Deutsche bezogen.

    Oh je, fast an jedem Tag an dem ich durch die Welt streife, begegnen mir neue Bücher, werden mir Bücher empfohlen. Und die allermeisten davon habe ich (natürlich) noch nicht gelesen – viele der entsprechend genannten Autorinnen und Auitoren kenne ich immer wieder nur vom (mehrfachen) Hörensagen. – So geht es mir auch mit Jodi Picoult. – Ich bemerke anlässlich solchen Erlebens (bei Musik geht es mir übrigens sehr ähnlich), wie vieles es eigentlich noch zu entdecken, zu „erobern“ gäbe und wie wenig Zeit dafür da ist.

    Ich habe jetzt schon noch so viele ungelesene Bücher in meinem Regal stehen. Aber nahezu täglich werde ich auf neue aufmerksam, die ich mindestens noch genauso gern lesen möchte. – Das ist mutmaßlich das Dilemma, das mich mit am allermeisten quält …

    Von den hier, auch in den Kommentaren genannten Autoren, habe ich bislang nur von einem etwas gelesen. Von Markus Zusak „Die Bücherdiebin“. Und dieses Buch ist GROßARTIG! – Ebenso, wenn (natürlich) auch auf andere Weise begeistert hat mich der „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier. (Von Mercier habe ich mir dann als Folge dessen weitere Bücher besorgt, alle warten noch darauf, gelesen zu werden …)

    Viele und tendenziell glaube ich auch viele Junge Leute, scheuen sich ja ein bisschen vor der „Weltliteratur“. Aber auch da gibt es, na klar, wundervolle Romane, die Atmosphäre schaffen, die Personen sehr gut zeichnen und erlebbar machen, in denen viel Philosophie und viel zum Nachdenken Anregendes steckt, die man nur schwer wieder weglegen kann.

    Nur eine (fräulein) klitzekleine Auswahl ;):

    „Das Bildnis des Dorian Gray“ – von Oscar Wilde (Wenn jemand seine Seele verkauft …)
    „Der Steppenwolf“ – von Hermann Hesse (etwas „speziell“ aber letztlich fesselnd und faszinierend)
    „David Copperfield“ von Charles Dickens (bei Dickens muss man aber längere Sätze wenigstens ein bisschen mögen 😉
    „Sturmhöhe“ – von Emelie Bronte (übrigens auch eine bewegende Liebesgeschichte)
    „Ditte Menschenkind“ von Martin Andersen Nexö (liegt lange zrück, dass ich es las, aber ich konnte und kann es nicht vergessen und werde es garantiert noch einmal lesen, es ist sehr bewegend!)

    Vielleicht noch nicht ganz „Weltliteratur“ aber dennoch sehr empfehlenswert ist Robert Merle – „Die Insel“ mochte und mag ich zum Beispiel sehr.

    Ganz viele andere habe ich jetzt nicht erwähnt, aber ich will Dich ja nun auch nicht ganz „platt“ machen, liebe Ines …

    Allerliebste Grüße für Dich!

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    • So oft es geht, lese ich in englisch. Einfach, um noch einmal aufzufrischen und vor allem, weil es wirklich so ist: Übersetzt sind die Bücher nie so wie in der Originalsprache.
      Hach ja, so eine Liste habe ich auch. Hier wird ein Buch empfohlen, da wird ein Autor gelobt und irgendwie will ich alle auf einmal lesen und verpasse dadurch umso mehr. 😀
      Aber wir haben ja genug Zeit.

      Das einzige Buch, welches ich von deiner Liste gelesen habe, ist „Sturmhöhe“. Sehr zu empfehlen. Überhaupt, ich bin immer dafür auch die Weltliteratur und die Klassiker zu lesen. Sie sind es wert!
      Für mich zählt da-nach dem ich mich darüber lustig gemacht habe-auch „Schweigeminute“ von S. Lenz. So schön geschrieben!

      Ich wünsch dir viele Stunden mit vielen herrlichen Büchern und ihren ganz eigenen Welten. Die herzlichsten Grüße an dich! (:

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  4. Solche Autoren schickt der Himmel und womöglich sollten sie dort auch nie mehr wieder zurück gehen, da sie so kostbar hier auf dieser Welt sind!
    Ich liebe Bücher. Ich liebe es, jede einzelne Seite umzublättern, den Geruch, die Worte darin. Als ich deine Zeilen hier gelesen habe, musste ich sofort an Jojo Moyes denken und als ich dann ihren Namen gelesen habe, hatte ich ein riesengroßes Grinsen im Gesicht.
    Ich mag auch Charlotte Link. Ganz andere Richtung, aber ich mag sie. Ihre Bücher. Ich habe bisher noch niemanden gefunden, der ihre Bücher auch so mag wie ich, aber ich mag sie wirklich. Musste wegen meinem Umzug ein paar Bücher aussortieren bzw. musste wegen mangels Platz ziemlich reduzieren und mich entscheiden, welche ich mitnehme, aber ihre Bücher sind alle in die Kiste und hierher gewandert.
    Ansonsten fixiere ich mich gar nicht so auf den Autoren, da ich gerne auch neue kennenlerne und einfach querbeet einkaufe, was mich gerade anspricht. So stehen kunterbunt verschieden Autoren in meinem Regal oder auch in dem Schrank Zuhause bei meinen Eltern. Nur komme ich zurzeit leider nicht zum Lesen. Aktuell lese ich noch immer „Ein ganzes halbes Jahr“. Die Fortsetzung steht schon im Regal bereit, aber ich finde einfach keine Zeit, leider.

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    • Ich finde es, es tut in der Seele weh, wenn man Bücher weggegeben oder gar wegschmeißen muss. Kann mich auch nie richtig entscheiden, ob ich die Bücher aus der Bib lieber mag, die die eben schon total weich vom Lesen sind und Falten und Flecken haben, oder die nagelneuen, die noch so unberührt sind, so frisch duften, keinen gebrochenene Rücken und ganz steife Seiten haben. Ich weiß es wirklich nicht. 😀
      Ich hoffe du hast bald wieder ein bisschen mehr Zeit zum lesen (: Die braucht man und die wünsche ich dir!

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