Verspäteter Reiseproviant

Jetzt bin ich also wieder zurück. Seit ein paar Stunden. Irgendwie ist es doch immer wieder komisch, nach einer Reise nach Hause zu kommen. Ich brauche mindestens eine Woche, um mich wieder an mein Leben zu gewöhnen. Morgens gibt es keine Croissants mehr und schon gar keinen netten Hotelmitarbeiter, der mich schon mit Namen begrüßt. Irgendwie ist es aber auch beruhigend wieder in der eigenen Wohnung zu sein. Das Bett-das was ich auf Reisen am meisten vermisse.

Ich stehe also in meiner Küche, mache mir einen Chai latte. Neben der Tasse steht mein Hibiskus: Aus einem anderen Land. Irgendwie nicht hierhergehörig. Ich hingegen schon. Es kommt mir vor, als hätte ich nie vorher in einem Urlaub so abschalten können, wie in diesem. Alle Reserven wieder aufgeladen. Aber wie lange wird das halten?

Schon mit dem ersten Schritt die Treppen hoch, waren meine Gedanken wieder bei ihm. Spätestens wenn ich meinen leeren Koffer unter die Schräge geschoben habe, wird mir wieder einfallen, dass Montag meine letzten drei Tage in der Arbeit anfangen. Damit einhergehen die Sorgen und Ängste bezüglich des nach Mittwoch folgenden Donnerstags. Ein Neustart bei einer Stelle, von der ich nichts weiß. Wenn ich erst einmal einkaufen war, wird mir klar sein, dass ich demnächst vielleicht keinen Käse aus dem Bioladen mehr kaufen kann, egal wie gut er schmeckt. Weil das Geld mit einer halben Stelle knapper wird. Mehr Zeit, weniger Geld. Weniger Geld, weniger Reisen. Weniger Reisen, weniger Erholung.

Wie gerne würde ich meinen Koffer wieder packen, die Stufen wieder hinunterlaufen, heute nicht einkaufen gehen. Ihn vergessen, den Job vergessen, das Geld vergessen. Noch einmal das „Hola, Ines!“ vom Kellner hören. Einfach den Bikini unter die Sommersachen ziehen, Wanderschuhe an und die Schönheit Mallorcas entdecken. Ja, ich war die letzten zehn Tage verliebt. In all Fabelhaftigkeit und Wunder. Ich lebe die nächsten Tage in Erinnerungen. Denn wenn ich es geschafft habe in 10 Tagen mal frei von allem zu sein, dann muss doch auch danach noch ein bisschen Restproviant da sein? Eine metaphorische Butterstulle für nach der Reise.

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