Sonntagsfreude und Kronkorkenverstecke

Warum nicht mal dann feiern, wenn andere auskatern? Sonntage sind irgendwie schon immer die Tage des Wochenendes gewesen, aus denen ich entweder am meisten oder gar nichts herausholen konnte. Ein bisschen ging nie. Entweder wandern oder den ganzen Tag im Schlafanzug auf dem Sofa hängen. Im Schlafanzug wandern hab ich zum Glück bisher noch nicht gemacht.

Sonntag. Nach zwei Stunden Schlaf, immer noch ein bisschen geschwächt von der Krankheit, die mich so umgehauen hatte, schlürfte ich mit meinem DVD Player unterm Arm durch die Stadt. Menschen waren bereits unterwegs. Sie grüßten sogar-wie mitleidig musste ich ausgesehen haben? Ab in die eigene Wohnung. Duschen. Es war acht Uhr morgens und in 2 ½ Stunden wollten hier viele Menschen in meinem Nest frühstücken. Denn es sollte gefeiert werden. Mich. Mein Abschluss. Wären diese Leute nicht, dann wäre ich wahrscheinlich ins Bett gegangen und hätte Dexter um Rat gefragt.

30 Brötchen vom Bäcker holen. Mit der besten Freundin über den Flohmarkt schlendern und pünktlich wieder in der Wohnung sein. Alles innerhalb 2 ½ Stunden. Plötzlich klingelte es ununterbrochen an der Tür. Meine Freunde waren da. Sie hatten Humus, Käse, Obst und Kekse dabei. Es war ein prächtiges Buffet. Die Sekt- und Bierkorken knallten, das mundende Getränk lief in Strömen. Morgens auf leeren Magen zu trinken, ist nur was für Könner. Wir sind keine.

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Einige meiner Freunde schleppten eine ganze Kiste Bier die Stufen hoch. Sie tranken schon seit gestern Abend und waren noch immer guter Dinge. Ihre eigene Zahnbürste-für Kinder von 1-7Jahren-hatten sie auch mitgebracht. Die Bude wurde voller und voller. Es wurde gelacht und gequatscht. Es war laut. Ich musste meinen Sauberkeitszwang unterdrücken: Überall flogen Brötchenkrümel wie Konfetti durch die Küche. Dann krachte es. Mein Glastisch im Wohnzimmer wurde sauber in zwei Teile geteilt. Nicht so schlimm: Kreativ wie sie sind, bauen sie daraus einen Bierständer.
Irgendein Witzbold verteilte überall in meinen Regalen Kronkorken. Es ist wie Ostern. Ob in meinem Efeu, hinter meinem Wecker oder in den Schuhen-sie waren überall. Selbst im Kühlschrank.

Das schönste Geschenk, neben den zuckersüßen Eierbechern, war wohl die Anwesenheit meiner Freunde. Alle da. Wunderbar! Draußen auf dem Dach sitzen und den Nachbarn fröhlich zuwinken. Die dann spontan auch noch ein Foto machten. Im Endeffekt war dieses Frühstück eine gut getarnte Party. Nur eben morgens. Sie zog sich bis 17:30 Uhr und mir fiel siedend heiß ein, dass ich ja morgen Arbeiten musste. Da meine Freunde aber trotz versehentlicher Zerstörungswut im Wohnzimmer ganz akkurat waren, ging das aufräumen schnell. Plötzlich merkte ich auch, wie der fehlende Schlaf an mir zerrt. Vielleicht sollt ich nächstes Mal eine Pyjamaparty machen. Immer an Sonntagen. Denn Sonntage sind Schwarz- oder Weißtage, graue gibt es nicht.

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13 Kommentare

  1. Das klingt tatsächlich nach einem ganz wunderbaren Sonntag!
    Und ja, wieso sollte man nicht mal feiern, wenn alle anderen gerade ausnüchtern? Aus Sonntagen sollte man eh mehr raus holen. Genauso wie aus Montagen. Eigentlich aus den meisten Tagen.
    Aber über dem Sonntag hängt meistens diese „Oh nein, morgen ist Montag“-Wolke und das wird dem Tag nicht gerecht.
    Also lieber derartige Frühstückspartys.
    Ich gebe zu, ich wäre gerne Gast gewesen. Und wenn nur, um mich über die Kreativität zu amüsieren, die man aufbringen kann, wenn es darum geht, Kronkorken zu verstecken!

    Herrlich. Einfach herrlich.

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    • Das sehe ich genau so! Nur weil am nächsten Tag wieder arbeiten angesagt ist, muss man ja nicht direkt den ganzen Tag schon miesepetrig reden. Sonntags kann Entschleunigungstag sein, oder eben Action. Je nachdem, wozu man Lust hat.
      Ich hätte dich herzlich willkommen geheißen! Und gerne mit dir geplaudert, angestoßen und neue Verstecke entdeckt. (:

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  2. Ulala, da ist es ja recht heftig zugegangen in Deinem kleinen Heim! Ich glaube Dir gern, dass es für Dich schön war, mal wieder viele Freunde um Dich herum zu haben.

    Ich hoffe bloß, Du hast nach lang durchwachter Nacht, nur so wenig Schlaf und dann gleich wieder langer Party, nach Deiner Krankheit schon genug Kräfte in Dir gehabt, dass es Dir auch, jetzt in der Folge noch bzw. wieder richtig gut geht.

    Das wünsche ich Dir jedenfalls von Herzen!

    Ganz liebe Grüße!

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    • Es war fantastisch. (:
      Hab mich leider direkt wieder angesteckt. Mit geschwächtem Immunsystem habe ich nun eine Erkältung bekommen. Die habe ich mir allerdings nicht beim Frühstück eingeholt. Aber ab morgen wird es hoffentlich nur noch um Entspannung gehen. (:
      Viele, liebe Grüße!

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  3. Uuuhhh, das klingt nach einer wirklich lustigen Sonntagsmorgenparty. Warum mal nicht den ganzen Sonntag durchfeiern? Das hätte mir auch gefallen.
    Ich habe auch mal ein Geburtstagsbrunch veranstaltet, aber an diesem Tag war es sooo heiß, dass 13 Uhr alle Gäste wieder verschwunden waren, da sowieso niemand Hunger hatte und der Alkohol extrem schnell ins Blut ging.
    @sternflüsterer: Hummus ist ein Brei aus Kichererbsen. Aber vielleicht ist der auch als Gartenerde gut. 😀

    Liebe Grüße!

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    • Danke, da bin ich nun ein bisschen schlauer geworden.

      Ines hatte die Speise allerdings auch wie „Gartenerde“ geschrieben, nur mit einem „m“. Das hat mich zusätzlich gegen das Brett vorm Kopf laufen lassen. 😉 (Allerdings sei zu Fräulein Klitzekleins Ehrenrettung gesagt, dass es für das Mus wohl auch die Schreibweise mit einem „m“ gibt, allerdings ist die wohl nicht ganz so gebräuchlich.)

      Schöne Grüße!

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  4. Ich kann Sonntagen meist so gar nichts abgewinnen und finde diesen Tag eigentlich noch schlimmer als Montag: schließlich ist es der Tag vor Montag!
    Aber so ein Sonntag wie bei dir, den mag ich auch! Ich kann es mir bildlich richtig gut vorstellen, was für eine nette Gesellschaft ihr ward. Ein wenig muss ich dabei an den Hobbit denken, wenn die Zwerge alle zu Besuch kommen. Nur mit dem Unterschied, dass du nicht Bilbo bist und von dem Besuch ja wusstet. Kurz gesagt: Sehr schön! Solche Tage muss es einfach öfter geben! 🙂

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