Geschwisterliebe

Ein Stückchen Schweden wollte ich heute eigentlich einatmen. Im Möbelhaus. Endlich mal wieder ein Stück Mandeltarta essen und einen kostenlosen Kaffee schlürfen. Handtücher und vor allem Pflanzen kaufen. Doch es kam anders. Mit genau so vielen Pflanzen, weniger Schweden und dem Menschen in meinem Leben, der mich wieder auf den Boden der Tatsachen holt.

Baumärkte. Das praktische daran ist: Sie sind in der Nähe. Also rein ins Auto und zu Obi. Mit meinem Bruder könnte ich warhscheinlich auch das langweiligste Leben überhaupt überstehen. Ich weiß nicht wie er das macht. Während ich die schlechteste Laune des Universums habe, alles Schwarzmale und bei Sonnenschein die kleinste Wolke entdecke, nur um zu sagen: „Ha, hab ich doch gesagt! Heute wird’s noch regenen, war ja klar!“  und sowieso mit niemanden reden möchte, dann sitzt er einfach da. Macht sein Ding. Und holt mich somit wieder runter. Nach dem Motto: Und? Wirste halt nass.

Wenn ich zurückdenke, dann fällt mir kein einziger Tag ein, an dem er schlechte Laune hatte. Geht sowas? Ist das gesund? Meine Kindheitserinnerungen sind geprägt durch Albernheiten, Schabernack und Blödsinn, den wir gemeinsam verzapften. Er redet mir nie in meine Entscheidungen hinein. Er hinterfragt. Er weiß, wann er ruhig sein muss und ruhig sein, fällt ihm nicht schwer.

Ich vertraue ihm ohne wenn und aber. Deswegen habe ich jetzt auch wieder ein Efeu im Wohnzimmer stehen. Nachdem ich dieses eigentlich nicht tozukriegende Gewächs umgebracht hatte, habe ich mir geschworen: Nie wieder Efeu! Jetzt steht er im Topf seines Vorgängers und ich befürchte jetzt schon, dass mein Bruder ihn vergessen wird zu gießen, wenn ich im Urlaub bin. Dann habe ich einen zweiten toten Efeu. Dann aber wirklich: Nie wieder.
Mein Bruder hat mich überzeugt. Auch davon mal eine zweite Chance zu geben. Egal wem oder was. Denn manchmal lohnt sich das.

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6 Gedanken zu “Geschwisterliebe

  1. Dein Bruder klingt wirklich wundervoll. Und sollte er irgendwann mal einen schlechten Tag haben, kannst du ihm ja sagen, dass es irgendwo da draußen jemanden gibt, der denkt, dass er ziemlich großartig ist.
    Wir brauchen Menschen, die mit uns umzugehen wissen.
    Sie müssen nicht jedes Geheimnis kennen, nicht jedes Detail, aber sie haben uns auf eine ganz bestimmte Art und Weise erkannt und das … reicht vielleicht.
    Vielleicht ist es aber auch viel mehr als nur das.

    In dem Buch, das ich gerade lese, kam ein Zitat von Jim Morrison vor – „A friend is someone who gives you total freedom to be yourself – and especially, to feel, or not to feel. Whatever you happen to be feeling at any moment is fine with them. That’s what real love amounts to – letting a person be what he really is.“ Daran musste ich denken, als ich diesen Eintrag von dir und deinem Bruder gelesen habe.
    Und es freut mich, es freut mich sehr.

    Besonders, wenn ich daran denke, dass ich meinem kleinen Bruder bald Auf Wiedersehen sagen muss, wenn ich von hier ausziehe und mein Leben nochmal neustarte.

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    • Das werde ich ihm ausrichten, danke! (:
      Ganz genau. Wenn man sich so nahe steht, wie Geschwister es tun können, dann muss nicht immer alles gesagt oder erläutert werden.
      Ein sehr, sehr schönes Morrison Zitat!
      Du ziehst ja ein bisschen weiter weg, so wie ich das verstanden habe. Ich fand das auch schlimm, als ich für mein Studium weggezogen bin-aber das ist nicht das Ende. Man sieht sich vielleicht weniger, aber man hält trotzdem Kontakt und manchmal macht es diesen dann nur noch stärker. (:

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  2. Wie sehr Du Deinen Bruder magst, schätzt, liebst! Das ist wundervoll mitzuerleben durch Deine, in Deinen Zeilen.

    Bei der „kleinsten Wolke“ musste ich an Dein Wattewölkchen denken, dassich immer noch bei mir hege und pflege. – Und ich wünschte und wünsche mir, dass Du Dir jene kleine Wolke, wann immer sie auftaucht in Deinem Leben als gerade so ein Wattewölkchen vorstellst.

    Ich hoffe, der Kaffe hat Dir gemundet und vor allem, dass Dein Magen ihn vertragen hat. Wenn ja, dann geht es wirklich aufwärts, denke ich.

    Liebe Grüße, Ines!

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    • Wenn es ein kleines Wattewölkchen ist, dann nehme ich dieses gerne als Begleiter hin. Auch an sonnigen Tagen. (:
      Bis jetzt geht’s mit meinem Magen wieder besser-ich bin zwar vorsichtig, aber ich hoffe einfach mal das Beste.
      Ein wunderschönes Wochenende und die schönsten Grüße!

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  3. Das klingt so toll. Und es erinnert mich ein klein wenig an meinen Bruder und mich. Ich glaube, es ist der Zauber unter Geschwistern, dass man nie alleine ist. Ein Gedanke, der mir gefällt. Natürlich gibt es auch Beziehungen zwischen Geschwistern, die zum Weinen oder gar zum Davonlaufen sind, aber tief im Inneren ist man nie alleine.

    Das Verhältnis zwischen deinem Bruder und dir scheint wirklich wundervoll zu sein. Wenn ich Einzelkind wäre, dann würde ich dich jetzt glatt beneiden ^^ Es ist wirklich kostbar, das, was euch verbindet. Wahre es immer im Herzen.

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    • Eine Geschwisterbeziehung ist etwas ganz besonderes. Du kennst diese sicher gut, von deinem Bruder und dir. Dieses Band irgendwie zu kappen oder zu beschädigen vermag schon ziemlich viel Egoismus und Dummheit. Hoffen wir, dass unser Zauber zu unseren Brüdern nie verschwindet. (:

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