Altes Kennenlernen

Manchmal sehen wir uns bei Leuten, die wir beide kennen
Aber anstatt wegzurennen, schauen wir uns heimlich an
Weil man sich nicht mehr kennenlernen kann (…)
Wohin du gehst sagst du nicht mehr
Mir fällt das Fragen schwer (…)
Wohin ich geh, sag ich nicht mehr
Dir fällt bestimmt das Fragen schwer
-Annenmaykantereit//Wohin du gehst

Vielleicht würde ich dich gerne noch einmal neu kennenlernen. Ein neuer Anfang. Ein neuer Start. Mir ein neues Urteil bilden. Wenn ich dich noch einmal kennenlernen würde, dann würde ich wie damals in den Raum kommen und mir denken: Was für ein Idiot. Mit dieser Aussage hatte ich bis heute Recht. Aber irgendwas hat sich geändert.

Wenn ich dich kennenlernen würde, würde ich mich wieder von dir fernhalten, dich ein halbes Jahr lang einfach ignorieren, so wie damals. Und ich würde vor allem versuchen eine Freundschaft aufzubauen. Keine Affäre oder Beziehung oder was auch immer wir mal waren.

Mein Herz pocht leise. Es weiß nicht, was es von dieser Situation halten soll. Dieses Irgendwas zwischen uns. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Aussitzen. Das war das Wort, welches du benutzt hast. Für das, was mit uns passiert ist. Wir haben uns reingesteigert, wollten wissen, wie es weitergeht. Zu viel. Zu nah. Zu oft. Wir waren zu schnell. Nach dem großen Knall, der Realisation, kam das Aussitzen. Auf Distanz gehen. Du zu mir und ich irgendwann dann auch ich zu dir. Den Punkt wieder setzen. Klar werden lassen, dass es keine Zukunftsperspektive für uns gemeinsam gibt. Nicht aus allen gutgebauten vier Wänden wird irgendwann mal ein Haus.

Wir haben gewartet. Auf irgendetwas. Aber es kam nichts. Das ist wie nachts im Dorf an der Haltestelle stehen: Man weiß, man ist am richtigen Ort, aber man wartet vergeblich auf einen Bus. Wir haben es ausgesessen. Einige Zeit nicht mehr miteinander gesprochen. Seitdem sind wir was genau? Kollegen oder Freunde? 14 Tage noch zusammenarbeiten. 14 Tage noch jeden Tag sehen.

Wenn ich dich noch einmal kennenlernen würde, dann würde ich wahrscheinlich alles noch einmal genau so machen. Ja, exakt gleich. Bis zu dem Punkt, als ich angedeutet habe, das da was zwischen uns sein könnte. Das würde ich nicht noch einmal tun. KÖNNTE habe ich gesagt und du hast es einfach weitergesponnen. Eifrig wie eine Spinne ihr Netz. Nun hält es dir selbst nicht stand. Zerrissen, zerstört, kaputt.

Advertisements

6 Kommentare

  1. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dir der nachfolgende Kommentar kein bisschen helfen wird. Denn wie sollte er?

    Du hast eine unbeschreibliche Gabe dafür, Geschichten zu erzählen. Ich kenne weder ihn, noch dich in einem Maße, das mir ein Blick in deine wie-auch-immer gescheiterten Beziehungen erlauben sollte, und trotzdem diese paar Sätze später, diese grobe Skizze eurer Beziehung später habe ich das Gefühl, zu wissen.
    Eine Illusion, natürlich. Alles, was ich wissen könnte, ist, was mein Gehirn in deine Sätze hinein denkt, aber das – genau das ist es, was einen Geschichtenerzähler großartig macht.

    Und du, liebe Ines, hast mehr Geschichten zu erzählen, als deinem armen Herz gut tut. Kein Wunder, dass es verwirrt ist.
    Manchmal wünsch ich mir das auch – Menschen nochmal kennenlernen. Mit all den Erkenntnissen, die man ihretwegen gewonnen hat. Damit es beim zweiten Mal funktionieren kann.
    Aber da macht uns die Zeit einen Strich durch die Rechnung. Vor ein paar Tagen hab ich mit meiner besten Freundin Die Entdeckung Der Unendlichkeit gesehen und ich war genauso begeistert wie Stephen Hawking von der Idee, die Zeit zurückzudrehen. Sicher, ich wollte nicht wissen, wie das Universum entstanden ist. Mir war seine Theorie mit den schwarzen Löchern längst nicht so wichtig, wie die Frage, ob ich es beim nächsten Mal besser machen könnte.
    Nicht gedankenlos den Satz sagen, der jemand anderen so verletzt, dass er sich von mir abwenden muss.
    Nicht immer noch mal verzeihen, sondern die Sackgasse erkennen, bevor ich hundert Mal mit Vollgas gegen die steinernde Mauer an ihrem Ende gefahren bin.
    An der Weggabelung die andere Abzweigung nehmen. Freundschaft versuchen. Das Risiko kleiner halten. Mein Herz beschützen.

    Ich glaube nicht, dass wir es heraus finden können. Ich glaube, wir können nur mit all den Erkenntnissen, die uns begegnet sind, besser vorbereitet in die nächste Situation gehen. Und jeden Tag ein bisschen mehr versuchen, mit unseren Entscheidungen zu leben. Mit den guten … und mit den schlechten.

    Ich hoffe, ihr bringt die vierzehn Tage hinter euch, ohne dass ihr es euren Herzen zu schwer macht. Wenn das möglich sein sollte.
    Eine schöne Woche, Ines. Hab eine schöne Woche.

    Gefällt mir

    • Was für ein Kompliment. Ich bin ganz baff und werde rot wie eine Tomate vor Rührung. Vielen, herzlichen Dank! (:
      Mir wäre es wohl bei diesem Film genau so gegangen. Etwas besser machen, etwas anders machen, Dinge revidieren, gesagtes zurücknehmen. Aber meist ist das gar nicht möglich. Nie. Wird auch in der Zukunft nicht möglich sein. Aber genau das macht das Leben ja eigentlich aus. Nur so entstehen Momente, aus denen man lernen kann-oder eben auch nicht. In irgendeiner Weise wünschen wir uns wohl, dass wir die Zeit zurückdrehen könnten, aber dann wiederrum würden wir das sicher auch nicht anders machen, wenn es dann tatsächlich machbar wäre. Denn wir handeln ja eigentlich nicht ohne Grund oder mit dem Bauchgefühl.

      Es sind mittlerweile nur noch 7 Tagen. Ich bin noch krankgeschrieben. Und vielleicht ist das nicht schlecht. So kann ich ihm ganz gut aus dem Weg gehen.
      Ich wünsche dir auch eine ganz wunderbare Woche! (:

      Gefällt mir

  2. Ich habe mir auch schon manches Mal gewünscht, die Zeit, bezogen auf bestimmte Dinge, Situationen, Begegnungen, zurückdrehen zu können. Rede mir ein, dass ich mit meinem „heutigen Erfahrungsschattz“ alles „anders und besser“ machen würde.

    Das eine geht nicht und das andere ist auch Unsinn, denn soweit es sich um Personen handelt, die ich gern noch einmal treffen würde, wären diese heute auch nicht mehr die von damals. Und: Selbst, wenn sie es wären, so wäre ich doch nie vor neuen eigenen Unzulänglichkeiten, Dingen, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellen, gefeit. – Ich bin nicht perfekt. Ich war es gestern nicht, bin es heute nicht und werde es morgen nicht sein.

    Wenn ich Deinen Text so lese und auf mich wirken lasse, dann wirkt er auf mich ein bisschen wie eine Fehlersucher, eine Fehlersuche, die Du bei Dir selbst angesetzt und festgemacht hast. Und die quält Dich, neben dem was nun gelaufen ist, wie es gelaufen ist.

    Sieh Dich nicht als das Versäumnis, als den Fehler, liebe Ines. Das bist Du nicht. Wenigstens nicht allein. Wenn eine Beziehung nicht zustande kommt, liegt das nie an nur einer der beiden Personen. Und es muss nicht einmal daran liegen, dass einer oder beide einen Fehler gemacht haben. Es liegt oft vielmehr daran, das sie waren, dass sie sind, was und wie sie sind.

    Und nur so KÖNNEN sie sein, in jenem bedeutsamen Augenblick. Nur dann hat dieser Augenblick überhaupt eine realistische Chance, das aus ihm eine Zeit entspringt, die Tragfähigkeit hat für eine wirkliche Freundschaft, für eine wirkliche Beziehung, vielleicht für die eine große Liebe.

    Liebe Ines, hardere bitte nicht mit Dir. Sei wie Du bist. Du bist gut, Du bist sympathisch, Du bist liebenswert, auf Deine Art, eine Art, wie NUR Du sie ein kannst. Und das ist schön und gut so. – Es fühlt sich zwischendurch manchmal alles so besch… an, ich weiß. – Aber Du bist so was von in Ordnung, so wie Du bist! Wer das sehen, fühlen, empfinden will, der wird das sehen, fühlen und empfinden.

    Ich drück Dich!

    Ganz liebe Grüße!

    Gefällt mir

    • Du hast Recht. Irgendwie suche ich den Fehler immer bei mir. Denn wie du festgestellt hast: Man ist nicht perfekt. Allerdings suche ich diesen nicht alleine bei mir. Ich weiß schon, dass er daran viel Schuld trägt.
      Vielen, lieben Dank für deine so liebenswerte Einschätzung über mich. Eigentlich will ich ja auch niemand anders sein als ich selbst. Bringt ja auch nichts, sich zu verstellen. Das raubt nur Kraft und am Ende kommt nichts dabei rum.
      Herzlichste Grüße an dich! (:

      Gefällt mir

  3. Das Lied lief in letzter Zeit auch öfter bei mir im Auto.

    Vielleicht ist es echt nicht schlecht, dass ihr euch dann zumindest nicht mehr zwangsläufig über den Weg lauft..denke dann ist es bestimmt auch leichter für dich, dich wieder zu sortieren und irgendwann vielleicht auch ein Stück damit abzuschließen.
    Immernoch krankgeschrieben klingt aber nicht gut! Ich hoffe, dass sich das schnell ändert! Wissen die Ärzte denn jetzt schon, was es ist?
    Und weißt du schon wie es arbeitsmäßig weiter geht?

    Gefällt mir

    • Ich denke auch, dass es sich dann immerhin etwas beruhigen wird. Da ich ja in der Klinik bleibe, werd‘ ich das komplette aus dem Weg gehen leider nicht möglich machen können.

      Bisher weiß keiner so genau, was ich habe. Asthma ist zumindest schon mal bestätigt. Nun wird gerade das Herz durchgecheckt und die kompletten Blutwerte analysiert. Zudem hatte ich dann ja auch noch einen Mageninfekt. So langsam sollte es mal wieder bergauf gehen, sonst werd ich noch verrückt. :/

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s