Lone Wolf

Sheltered, you better keep the wolf back from the door
He wanders ever closer every night
And how he waits begging for blood
I promised you everything would be fine
– Mumford and Sons// The Wolf

An diesem Wochenende bin ich ein einsamer Wolf. Verstoßen von meinem Rudel. Meine Freunde sind aus der Stadt geflüchtet. Alle sind aus der Stadt geflüchtet. Während es die meisten nach Holland zieht, bleiben wieder andere in Deutschlands größten Städten. Ich bleibe zurück.

Früher konnte ich gut alleine sein: Mich beschäftigen mit Dingen, zu denen ich sonst nicht kam. Ich fühlte mich besser, mich mal zu verkriechen und von keiner Menschenseele was zu hören. In dem Moment mal nur auf mich konzentrieren, nicht aufs Rudel. Jetzt ist das irgendwie anders. Jetzt lungre ich rum. Streife durch die Stadt, wie der Wolf durch den Wald. Auf der Suche nach irgendwas. Ich muss mich an mein Wolfsleben erst wieder gewöhnen. Ich muss hineinwachsen wie in einen neuen Körper, wie in einen Pelz.

Das geht schneller als gedacht. Ein paar Zurückgebliebene fragen, was ich am Wochenende so vor habe. Nichts. Aber ich möchte auch nichts machen. Ich wehre mich dagegen. Kommen sie mir zur nahe, fletsche ich die Zähne. Ich baue mir erneut Komfortzonen und Reviere auf. Verteidige mich. Knurre und beiße um mich. Das ist nicht fair den anderen gegenüber, das weiß ich. Es ist egoistisch. Es ist ungewohnt, weil ich lang nicht mehr so war. Aber ich kann nichts dagegen tun. Meine Wunden müssen geleckt werden. Sie müssen heilen. Ich brauche den Abstand und die Zeit für mich. Denn ich war viel zu lange kein einsamer Wolf mehr.

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6 Gedanken zu “Lone Wolf

  1. Weil Du Zeit für Dich brauchst, ist es gar nicht egoistisch, wenn Dugerade ein bisschen „bissig“ bist. Ich kann Dein Empfinden sehr verstehen. Und so sende ich aus der virtuellen Wolke, von der ich Dich auch jetzt jeden Tag begleite, ganz freundliche, wärmende Strahlen zu Dir. Du fühlst Dich so sehr allein, aber, liebe Ines, so ganz ganz einsam lasse ich Dich einfach nicht sein. Das kann kaum etwas an Deinem Empfinden ändern, Dir vieleicht aber wenigstens eine kleine Geborgenheit schenken.

    Viele ganz liebe Grüße an Dich (nächste Woche um diese Zeit, fahren wir, so alles läuft, wie es soll, gerade wieder in unsere Heimatstadt ein …)

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  2. Es stimmt, es hat gar nichts egoistisches, nur weil du Zeit für dich brauchst, nur weil du alleine sein möchtest, nur weil du mit Menschennähe gerade nicht allzu viel anfangen kannst. Es kann sogar ganz gut sein, wenn du Zeit für dich hast. Ich habe deine Einträge in letzter Zeit nur immer per Email auf meinem Handy gelesen, aber wenn ich das alles richtig gedeutet habe, dann ist es verständlich, dass du dich neu sortieren, neu ordnen musst. So eine Zeit braucht man und dann kommt auch wieder die Zeit, in der man nur unter Menschen möchte. Klingt in meinen Ohren nach einer gesunden Mischung. Deswegen bist du aber noch lange nicht Alleine. Ich wenn immer alleine sein möchte, dann habe ich immer das Gefühl, ich würde alle anderen verstoßen. Aber nur, weil man mal für sich sein mag, verjagt man die anderen nicht. Gegenteil, wenn sie dich mögen, dann akzeptieren sie das. Dann lassen sie dir deine Zeit und wenn du dann wieder deren Nähe möchtest, dann lassen sie dich wieder zu sich kommen.

    Die vergangenen Tage habe ich oft an dich gedacht und deine Einträge immer, wie gesagt, per Mail verfolgt. Ich hätte dir so gerne liebe Worte dagelassen. Ich hätte dir so viel zu sagen gehabt und so hatte ich immer ein doofes Gefühl in mir, weil ich keine Zeit gefunden hatte mich mal nicht nur flüchtig vor den Laptop oder das Tablet zu setzen. Auch, wenn es dir nicht sonderlich weiterhilft, eigentlich so gar nicht weiterhilft, so habe ich deine Worte wirklich vermisst! Irgendwie finde ich es sogar unfair, dass ich dir nicht ein kleines großes Stückchen Glück abgeben kann. Wenn ich könnte, glaub mir, ich würde es wirklich tun.

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    • Absolut. Ich bin zurzeit so ungeordnet und hilflos wie nie zuvor. Daher vertrag ich die Nähe mancher Menschen auch einfach gerade nicht.Ich hoffe sehr, dass sie das verstehen werden und dass dann auch die Zeit kommt, in der ich wieder etwas sortierter bin.

      Das ist gar nicht schlimm. Du bist selber gerade im Umzugsstress und dich neusortieren-zum Glück in eine glückliche Richtung. (: Da findet man einfach nicht so viel Zeit, das ist kein Problem.
      Du bist wirklich ein so lieber Mensch! Ich gönne dir dein Glück vom Herzen und würde dir, selbst wenn du mir was abgegeben wollen würdest, davon nichts annehmen. Du hast nämlich das Glück viel mehr verdient. (:

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  3. Ich find es auch gar nicht schlecht mal einfach für sich zu sein und einfach mal so ohne Plan Sachen zu machen, die einem in dem Sinn kommen..und wenn es nur ein bisschen durch die Wohnung wuseln, rödeln und Sachen von A nach B räumen ist. Finde das lädt die Batterien einfach wieder auf für andere Tage an denen es drunter und drüber geht und man viel von anderen umgeben ist. Und manchmal muss man diese Freiräume eben auch verteidigen. Aber ich bin sicher, dass deine Freunde wissen, dass du das auch, wenn deine Art vllt etwas ruppig erschienen ist, nicht so meinst. ❤

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