Sonntagsmelancholie

Seit Tagen schlafe ich schlecht. Doch am schlimmsten ist der Morgen. Dann, wenn es draußen heller wird, ich mich im Morgengrauen im Bett herumwälze. Nicht wegen der Hitze, sondern deinetwegen. Ich warte auf den Moment, in dem du mich wieder zurückholst. Zurück aus diesem Loch, zu dir. Alle meine Freunde verdrehen die Augen, ballen die Fäuste, fletschen die Zähne, wenn ich von dir erzähle. Du hast keinen guten Ruf. Du hast mich verletzt, tust es dauerhaft. Ich suche den Fehler bei mir. Vielleicht hätte ich keinen Druck aufbauen sollen. Vielleicht hätte ich nicht widersprechen dürfen. Vielleicht hätte ich nicht ich sein sollen. Der Fehler liegt immer bei mir, lag er immer, wird er immer liegen. Dass es dieses Mal deine Schuld sein könnte weiß ich, will es aber nicht wahrhaben. Denn wenn es deine Schuld ist, kann ich daran nichts ändern. So liegt das alles auch noch ein bisschen in meiner Hand.

Wenn ich morgens mein Gesicht im Kissen vergrabe und plötzlich deinen Geruch in der Nase habe, dann frage ich mich, wieso du mich wieder einmal auf Abstand hälst. Bett neu beziehen, Sofakissen in die Waschmaschine. Ich schaff es nicht, dass T-Shirt zu waschen, welches ich in der Nacht bei dir an hatte. Auf dem Boden im Flur stehen noch immer die leeren Bierflaschen.

Leidenschaft heißt leiden und es lässt sich nicht vermeiden, dass die Wunde klafft.
-Wanda//Stehengelassene Weinflaschen

Ich will dich nicht loslassen. Komme was wolle, egal wie sehr du mich verletzt. Worauf warten wir? Wie können Gefühle jemanden so übermannen? Bin komplett überfordert mit dieser Situation und versuche irgendwie ruhig zu bleiben, sobald dein Name fällt. Die anderen wissen Bescheid-die Kollegen, unsere Freunde. Nur wir wissen nicht, woran wir beim anderen sind.

Selbst wenn es was wird, dann wird es nicht halten. Du wirst ihm nie wichtig sein. Er ist so verkorkst, dass er dich kaputt machen wird. „Mach‘ kaputt was dich kaputt macht“ sagen schon Ton Steine Scherben. Sagen auch meine Freunde. Kann ich aber nicht.
Ja. Ich höre all das. Ich weiß sogar, dass sie Recht haben werden. Aber ich rase mit 200km/h ins Verderben, ohne auch nur mit dem Fuß die Bremse zu streifen. Denn ich weiß: Solange ich den Fehler noch bei mir suchen kann, werde ich ihn da auch irgendwo finden. Und somit das kaputt machen, was mich kaputt macht: Ich mich selbst.

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2 Gedanken zu “Sonntagsmelancholie

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