Vom Scheitern und Grenzüberschreitungen

Freundschaft. Von der Wichtigkeit her auf einer Ebene mit der Familie. Durch dick und dünn gehen, sich auswendig kennen. Sich mit allen Macken und Fehlern trotzdem lieben. Wie eine Beziehung, nur eigentlich viel länger haltend. Mit viel mehr Intensität und mit viel mehr Innigkeit. Mit Geheimnissen, die man teilt, mit Sorgen, die man gemeinsam löst. Was eine Freundschaft ausmacht, das weiß ich sehr gut.

Jemand macht einen Fehler. Die Beziehung wird belastet. Mehr Fehler, gravierende Fehler kommen hinzu und irgendwann ist die Belastbarkeitsgrenze überschritten. Ich stand schon immer wegen Dummheit kurz davor. An diesem Wochenende bin ich einfach rüber gerast, allerdings war mir in dem Moment nicht klar, dass es keinen Rückweg gibt. Habe alle Warnzeichen in meinem Wahn übersehen. Nun steh ich hinter der Grenze. Der Boden unter meinen Füßen fehlt, die Sicherheit, die sie so ausgestrahlt hat ist fort. Ich hämmre gegen die verschlossene Tür. Ich höre den Schlüssel, der sich im Schloss dreht: Lieber nochmal doppelt abschließen.

Grenzüberschreitungen sind nie gut. Nie. Sonst würde es die Grenzen nicht geben. Ich habe am Freitag zu wenige gesetzt, nur verbissen versucht mich immer wieder aus der Situation hinaus zu manövrieren. Es hat nicht geklappt. Und während ich den Karren vor die Wand fuhr, überschritt ich ihre, unsere Grenze. Aus Egoismus. Ein explosiver Cocktail aus Egoismus, Kontrollverlusten und dem Gefühl schon wieder zu scheitern. Deja-vu.

Nun scheitere ich doppelt. Bei ihr und bei ihm. Für mich ist bei dieser Sache nichts rausgesprungen, sie zieht nur das Fehlen zweier Personen in meinem Leben nach sich. Und diese Lücke ist enorm. Ich werde sie nie füllen können. Ihre Lücke ist nicht zu ersetzen, sie wird mir immer fehlen. Das alles nur aus eigener Dummheit. Wenn ich könnte würde ich den Reset-Knopf drücken, den Abend aus meinem Leben streichen. Eigentlich würde ich alles tun, um das wieder gut zu machen.

Ward ihr schon mal in einer Situation, in der ihr nicht wieder zurückkonntet? Vertrauen missbraucht habt und euch im Nachhinein dafür hättet ohrfeigen können? Und was macht Freundschaft für euch aus?

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15 Gedanken zu “Vom Scheitern und Grenzüberschreitungen

  1. Ich war schon häufier in solchen Situationen, aber irgendwie haben meine Freunde und ich es dann geschafft uns wieder zusammen zuraufen, auch, wenn es 1 1/2 Jahre mit völliger Funkstille gedauert hat. Ich glaube, von manchen Leuten wird man nie ganz getrennt sein, auch wenn man es erstmal denkt.

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  2. Freundschaft, wirkliche Freundschaft, ist für mich so bedeutend wie die eine Liebe. Sie ist mir so wichtig, wie das Wohl meines Sohnes, das Wohl meiner Frau. Wirkliche Freundschaft ist ungeheuer wertvoll, ist kostbar. Findet sich eine, entwickelt sich eine, tue ich alles dafür, sie zu pflegen, sie zu erhalten sie zu schützen. Für mich liegt darin sehr viel von dem, was ich Lebenssinn nenne und im ureigensten Sinne meine.

    Ja, ich war auch schon in Situationen, aus denen ich nicht mehr zurück konnte. Ich weiß aber nicht, ob sie mit der Deinen jetzt vergleichbar ist. Es mag Dir kein Trost sein können, aber es ist wahr: Gelebt ist immer gelebt, rückgängig machen kann man nichts. Mitunter kann man etwas nachträglich mehr oder weniger korrigieren.

    Dass Dummheit der Grund war für das was Du getan hast und nun offensichtlich so sehr bereust, glaube ich im Übrigen ziemlich sicher nicht. Ich glaube es nicht, weil ich Dich doch schon ein bisschen besser zu kennen glaube.

    Wenn Du magst, liebe Ines, dann schreib mir, dort, wo nur ich es lesen kann, vielleicht kann ich, was Dich so beschäftigt, mit Dir teilen, so, dass es für Dich im günstigsten Fall nur noch halb so schwer wiegt. Ich würde mich sehr bemühen.

    Ganz und gar aufrichtige und wirklich freundschaftliche (sic!) Grüße an Dich. Schlaf schön, bitte, versuche es!

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    • Vielen, lieben Dank, für diese Worte und für dein Angebot, dir noch einmal privat zu schreiben. Ich glaube, dass werde ich in Anspruch nehmen. Ich könnte gut jemanden gebrauchen, der mich ein bisschen wieder aufzubauen versucht.
      Eine gute Nacht und herzliche Grüße!

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  3. Naja, meiner Meinung nach, übersteht eine echte wahre Freundschaft einfach alles. Wie in der Familie; manchmal streitet man sich zwar, aber man findet auch immer wieder zusammen. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, wie du denkst und ihr könnt euch noch mal aussprechen.

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  4. Wie gut, dass ihr euch aussprechen konntet! Das bestätigt meine Überzeugung, dass eine gute Freundschaft sowas auch aushalten kann!
    Scheint bei dir ja momentan sehr turbulent zu sein, ich hoffe es kommt alles schnell wieder ins Lot und du bist dann glücklich ♥

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  5. Ich bin sehr froh darüber, dass ihr euch aussprechen konntet! Es ist einfach viel zu schade, wenn eine Freundschaft in die Brüche geht. Ich bin ja doch sehr gut darin Freundschaften zu kippen. Ich habe noch nicht rausgefunden, ob es daran lag, dass ich immer zu hohe Ansprüche hatte. Mittlerweile habe ich gar keine Ansprüche mehr an irgendjemanden, also bleiben die Enttäuschungen auch aus. Vielleicht nicht optimal, aber so lässt es sich ziemlich gut leben. Manchmal bin ich traurig darüber, dass ich zum Beispiel meinen besten Freund nicht mehr an meiner Seite habe und ich bis heute nicht so genau weiß, wieso er mir an Heiligabend 2011 den Rücken gekehrt hat. Er war für mich wie mein zweiter Bruder. Mein Zwillingsbruder. (Wir sahen uns wirklich verdammt und auch beängstigend ähnlich und der Altersunterschied beträgt gerade mal zwei Monate.) Freundschaft aus Kindertagen an und dennoch war es anscheinend nicht stark genug, dieses Band zwischen uns. Laut ihm habe ich etwas falsch gemacht, was weiß ich leider nicht. Gerade auch deswegen freue ich mich umso mehr für dich, dass ihr die Freundschaft retten und wieder neu zusammen durchstarten könnt! ((:

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    • Mir passiert sowas auch immer wieder. Leider suche ich die Fehler dann auch immer bei mir. Wenn mir das doch so oft passiert, warum sollte ich dann nicht auch Schuld daran sein? Aber ich glaube sehr oft tragen beide Parteien dazu bei. Gerade wenn es so eine enge, langjährige Freundschaft ist.

      Das mit den Erwartungen zurückschrauben muss ich auch unbedingt mal lernen. Meine Erwartungen sind immer zu hoch, ob an mich selbst oder an andere. Enttäuschungen sind da leider vorprogrammiert.

      Konntet ihr euch nie aussprechen? 😦

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      • Genau mein Gedankengang! Ganz genau so. Eins zu eins. Als hättest du die Worte in meinem Kopf gelesen und hier niedergeschrieben. Es sind zwar immer shit Situationen, aber dennoch finde ich es gerade etwas beruhigend, dass man damit nicht alleine ist.

        Deswegen habe ich auch aufgehört ‚Titel‘ zu verteilen. Beste Freundin/Bester Freund – viel zu hohe Erwartungen. Schließlich ist es nicht umsonst der/die Beste und dann kann ich ja auch mehr erwarten, als von einer ’normalen‘ Freundin/einem ’normalen‘ Freund. Doch wo liegt der Unterschied und ist es mit dieser/diesem Besten wirklich immer alles so viel besser? – Ich weiß, mit wem ich was sozusagen am ‚Besten‘ machen kann, aber niemand von meinen Lieben ist besser als der andere, ich mag sie alle gleich gern (: Und seitdem ich mir dieses Denken, was vielleicht auch nicht optimal ist, angeeignet habe, lebt es sich so viel entspannter und auch die Streitereien sind weniger. Man hat mal andere Ansichten, aber es pusht sich nicht mehr so. Da geht es dann nur um die eine Sache und es werden sich nicht noch hundert andere Dinge an den Kopf geworfen, Dinge und Situationen, bei denen man enttäuscht war. Ich weiß nicht, aber auch meine Eltern und auch P. empfinden mich seitdem ich diese Erwartungen losgeschüttelt habe als viel entspannter und viel ausgeglichener. Am Ende muss es jeder für sich selbst wissen, ich bin glücklich damit.

        Nein, wir haben uns nie ausgesprochen. Er spricht seit 24.12.2011 kein Wort mehr mit mir. Ignoriert mich. Als wäre ich Luft. Als würde ich nicht existieren. Sein letzter Satz an mich: „Mit deinem Charakter, wie kannst du denken, dass wir beste Freunde sind?“ – Bäääm, ein Schlag mitten in die Fresse ist ein Dreck dagegen. Andere behaupten, er wäre in mich verliebt gewesen und ich hätte es nicht kapiert und hab an diesem einen besagten Tag bzw. in der Nacht zuvor mit einem Kumpel von ihm geflirtet und eng getanzt, anscheinend zu eng, was er nicht vertragen hat. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mich dieser Tag verändert hat.

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      • Da hast du eine gute Lösung gefunden. Wirklich! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du dadurch viel entspannter und gelassener als solche Dinge rangehst. Man macht sich selbst einfach zu viel Stress…
        Sowas finde ich wirklich ganz schrecklich. Wenn jemand ohne Abschied und vor allem ohne erklärlichen Grund aus meinem Leben verschwindet. Einfach, weil er sich dazu entschlossen hat. Dann bin ich ja anscheinend nicht einmal so viel wert, als dass es eine Erklärung bedürfte…
        Das tut mir wirklich Leid für dich. Unausgesprochen auseinanderzugehen ist furchtbar. ):

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