You’ll be you and I’ll be me

Plötzlich sitzt du da. Auf meinem Sofa, in meiner Wohnung. Guckst mich aus deinen blauen Augen an, lächelst schüchtern. Stellst Fragen, die nur von einem Psychiater kommen können. Fragen über Gefühle und Vergangenheiten. Fragen, die du selbst kaum beantworten könntest, wenn du müsstest. Ich soll mir die Antworten aus dem Ärmel schütteln.

Wie kann es sein, dass ein Mensch mir so ähnlich ist? Mit den gleichen Gedanken, Sorgen und Ängsten. Der eigentlich will und sich ebenfalls immer alles negativ redet. Ein Künstler im Ausreden und Wegrennen. Jetzt sitzen wir uns also gegenüber, auf diesem Sofa, verkrampft und schweigsam. Wir wagen uns von leichten zu schwierigen Themen vor. Von anderen zu uns.

Du willst das alles wissen. Ich antworte dir. Nie zuvor war ich jemanden so ehrlich gegenüber. Frage mich, wieso ich dir eine halbe Stunde von meinen Gefühlen für dich erzähle, obwohl ich weiß, dass du danach zu Wort kommst und alles zur Nichte machen wirst. Doch du bist heute kein Zerstörer. Du baust zaghaft etwas Neues auf, reißt allerdings genauso schnell wieder ein. Ein Kartenhaus. Beim kleinsten Wind, stürzt alles zusammen.

So come on, let it go
Just let it be
Why don’t you be you
And I’ll be me

Everything that’s broke
Leave it to the breeze
Why don’t you be you
And I’ll be me

And I’ll be me
– James Bay//Let it go

Ich weiß nicht, was aus uns werden soll. Vielleicht war das Ausreden doch keine schlechte Idee, wo wir doch beide so unglaublich schlecht darin sind, uns auf andere einzulassen, Beziehungen zu führen. Warum gehen wir nicht weiterhin jeder unserer Wege und fragen uns insgeheim, warum das mit uns nie was geworden ist? Warum bleib ich nicht ich und du du. Weiterhin mit Punkt dazwischen. Ich. Du.

Du hast Angst, dass es schief geht. Ich habe Angst, meine Chance zu verpassen. Und so laufen wir in zwei verschiedene Richtungen. Du stehst auf vom Sofa, guckst mich an und stellst die einzige Frage, die für uns wichtig ist: Wie geht es jetzt weiter?
Wir schweigen beide bis du gehst. Du nimmst alles mit, bis auf diese unbeantwortete Frage.

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8 Kommentare

  1. Es fällt mir nicht leicht, etwas zu diesem Text zu schreiben. Warum ich es trotzdem tue?

    Er spricht mich sehr an, es steckt viel Tiefe darin, viel Empfindsamkeit. Ich mag solche Texte von Dir.

    Aber ich weiß wohl, dass sie von Dingen sprechen, die Dir nicht leicht, nicht einfach, nicht oberflächlich sind. Sie sagen viel über Dich, die Ines, die hinter dem flockigen, lebenslustigen und Abenteuer liebenden Mädchen, steckt, die Dich mindestens ebenso viel und ebenso stark ausmacht, wie die Abenteurerin.

    Die Abenteurerin gefällt mir, obwohl sie ein ganz anderer Mensch ist als ich. Sie sendet mir Licht, ihre Zuversicht möchte mich anstecken. Ich bemerke das, und ich finde das schön. Die empfindsame, tiefe Ines, wertschätze ich. Ihr kann ich oft sehr gut nachfühlen. Mit ihr fühle ich mich mitunter ziemlich verwandt.

    Ich glaube, ich weiß jetzt, weshalb ich eigentlich schließlich doch hier geschrieben habe. Ich wollte, dass Du nicht so ganz allein mit der unbeantworteten Frage bleibst.

    Ich schicke Dir ein liebes Sternflüstern für eine gute Nacht mit bezaubernden Träumen.

    Nur meine schönsten Grüße an Dich!

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    • Diese Abenteurerin macht jeglichen Kram mit, entdeckt alles was irgendwie zu entdecken ist und testet sich aus. Aber nie dann, wenn es um Gefühle und Beziehungen geht. Darin bin ich einfach schlecht. Ich mache zu viele Fehler in Beziehungen, egal ob in freundschaftlichen oder Liebesbeziehungen.

      Danke, lieber Schweitzer, ich weiß deine Worte immer sehr zu schätzen und fühle mich durch dich viel seltener alleinegelassen mit solchen Situationen.

      Die herzlichsten Sonntagsgrüße schicke ich dir!

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  2. Da habe ich Dich also wieder gefunden 😀
    und ich bin wieder fasziniert von Deiner Fähigkeit Gefühle in Worte zu fassen.

    Liebe Grüße und Dir einen schönen Sonntag,
    Bärlinerin – nun auch auf wordpress, aber aktiver auf blog.de

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  3. So etwas ist ziemlich schwierig. Ich kenne die Situation nur zu gut. Freundschaft ist unschuldig mit Potential weniger Fehler zu machen als in einer Beziehung. Freundschaft ist bedeutend. Liebe ist bindend, zu viele Gefühle und Chaos, man geht automatisch anders miteinender um. So in etwa habe ich immer gedacht: Lieber Freundschaft anstatt Liebe mit der Gefahr, dass alles für immer vorbei ist. Wenn die andere Person dann auch so ähnlich darüber denkt, wird es quälend. Beide fühlen, dass da mehr ist, doch trauen sie sich nicht darüber zu reden aus Angst. Das hab ich alles schon durchgemacht. Und irgendwie lässt einem die Frage niemals los „Wäre etwas aus uns geworden?“

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    • Genau so wie du diese Situation gerade schilderst ist sie sehr passend zu meiner. Ich will das zwischen uns nicht kaputt machen, habe immer mehr Angst mich in etwas hineinzubefördern, wo ich nicht wieder heile herauskomme. ich will diese Person nicht verlieren. Leider entscheide ich das nicht alleine.
      Diese verdammte Frage, werd ich mir sicher noch öfter stellen. 😦

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