Alles selber machen lassen

Kinder, wie kann denn nun schon wieder ein halbes Jahr rum sein? Sechs Monate 2015 und schon so viel erlebt. Janfebmärmaju. Ungefähr so hat sich das angefühlt, verschmolzen zu einem Fingerschnippen. Bei jedem vergangenen Monat beteuere ich: Das ist eigentlich ein Monat, den ich ganz gerne mag! Auch hier stimmt das wieder. Der Juni ist doch schön. Sehr, sehr schön.

Der Sommer ist da oder eben auch nicht. Es gibt Erdbeeren oder eben auch nicht. Man kann im See schwimmen gehen oder eben auch nicht. Es gibt etwas zu erleben oder eben auch nicht. Man lebt sein Leben nach Plan oder eben nicht.
Ich lebe mein Leben nicht nach Plan, denn auch, wenn ich sonst für alles einen Plan habe, habe ich für mein Leben eigentlich keinen. Ich lass mich von neuen Eindrücken, neuen Entdeckungen und neuen Herausforderungen einfach so überrollen. Wie eine Welle die bricht und mich tosend irgendwoandershin trägt. Ob das „richtig“ ist, seh‘ ich erst, wenn ich weiß, wo ich wieder auftauche.

Ein paar Ziele, die den Juni etwas hübscher und wärmer gemacht haben, gibt’s hier:

Basteln
An schönen Dingen kann ich nicht vorbeigehen. Wenn dann also wunderschöne kleine Fotoalben oder Post-it-Heftchen in den Geschäften liegen, dann frage ich mich immer: Wieso nicht selber machen? Und weil ich im Sommer noch keine Weihnachtskarten basteln konnte, habe ich nun eben ein kleines, winziges Fotoalbum gebastelt, als Geschenk für eine liebe Freundin. Außerdem ist das super entspannend, wenn man schlechte Laune hat. Kein Spaß! Der Schere ist das nämlich egal, wie viele Löcher man aggressiv in die Pappe reinhämmert.

Mal Sachen alleine machen
War ja nie die Typin dafür, Dinge alleine zu machen. Ich gehe nicht einmal gerne alleine einkaufen. Aber ich sage euch: Sonntage sind die besten Einzelgängertage! Gerade, wenn die Sonne scheint und man hochmotiviert ist, etwas zu machen. Also habe ich die Sachen gepackt, bin zum Bouldern gefahren und… war nicht mehr alleine. (Aber ich gehe super gerne alleine bouldern, dann kann man sich besser mit Fremden unterhalten und man schafft viel mehr.) UND: Ich habe danach ALLEINE einen Kaffee in der Sonne getrunken. Alle Menschen waren noch netter zu mir, als sie es eh schon sind. Ich schätze sie hatten Mitleid, weil ich alleine unterwegs war.

Ein Konzert besuchen
Menschen, wisst ihr, wie lange ich nicht mehr auf einem Konzert war?! Gefühlte Ewigkeiten ist das her! Dann kam der Juni und ich saß in einer lauen Sommernacht im Hinterhof und lauschte den Klängen von einer winzig kleinen Band, die eigentlich kaum einer kennt. Das war ein Spontankauf der Karte und es hat sich gelohnt. Still Parade. Eine Woche später begleitete ich dann meinen Bruder auf eins seiner Konzerte und hörte mir direkt drei Konzerte an dem Abend an. Von kleinen Bands, die kaum einer kennt. Könnte ich mich dran gewöhnen. Ein Konzertticket für September ist bereits gekauft. Ein zweites folgt hoffentlich morgen.

Einen Job für die Zukunft finden
Meine Zukunft geht erst einmal nur für ein Jahr. Oder zwei. Aber das reicht mir vorerst. Ich habe mich innerlich zerrissen gefühlt, weil ich von meinem jetzigen Arbeitsplatz nicht wegwollte und gleichzeitig ein entfristetet Angebot für eine volle Stelle, an einer anderen Klinik bekam. 20 schlaflose Nächte, 10 Pro- und Kontra-Listen und viel Stunden Grübelei später, habe ich dann doch auf mein Herz gehört. Ich bleibe da wo ich bin. Mit einer halben Stelle. Und warte ab, auf das was kommen mag. (Immerhin fühle ich mich gerade ein bisschen narzisstisch bestätigt, durch die Jobangebote.)

Meine Abschlussarbeit fertig schreiben
So unfassbar demotiviert war ich schon seit Jahren nicht mehr. Es ist nur ein Runterschreiben meiner Arbeit. Ich setze mich hin, öffne das Dokument, lese, schiebe ein paar Sätze umher und schließe es wieder. Eine verdammte Seite fehlte mir noch und ich habe sie nicht voll bekommen. Nun ist mir das auch egal. Weg damit, damit der Kopf wieder für Blödsinn frei ist!

Feiern gehen
Immer wieder ein gerngesehenes Ziel auf meiner Liste. Und ich bin ja nicht der Mensch, der sich in Tanzlokalen aufhält, außer der Alkoholpegel ist genau an der richtigen Stelle. Nämlich dann, wenn man plötzlich Lieder, die man vorher untanzbar fand, mittanzt und fremde Menschen nach philosophischen Fragen fragt. Ist diesen Monat zum Glück nicht vorgekommen. Eigentlich schon lange nicht mehr. Aber feiern kann man, wie ihr ja wisst, auch gut auf WG-Partys. Das letzte Juniwochenende war dann eine durchgehende Feierei. Erst das Examen einer Freundin, dann die Einweihungsparty eines Ex-Kommilitonen. Von dem ganzen guten Essen wiege ich jetzt 20 Kilo mehr. Hab‘ ich auch noch nicht gehört, dass man vom feiern gehen dick wird.

Erdbeeren pflücken
Das war so ungefähr das späteste, erfüllteste Ziel meiner Liste. Spontan noch mal schnell auf’s Fahrrad geschwungen und ab zum Erdbeerfeld raus. Das Wetter war perfekt dazu. Alleine schon der Weg durch die Kornfelder ist das ganze wert. Ich liebe es, wenn alle Farben verschmelzen und der Wind in den Haaren ein Lied für mich singt. Auf dem Erdbeerfeld habe ich dann mehr rote Schätzchen in den Mund wandern lassen, als in meine Dose, da muss ich ehrlich sein. Hat aber keiner bemerkt. (Hab auch extra vorm Bezahlen gefragt, ob ich einen Kussmund vom heimlichen stibitzen habe.) Von denen, die ich mit nach Hause gebracht habe, hatte ich dann allerdings nicht mehr viel: Die wurden in der Arbeit direkt vom Vielfraß-Kollegen gefuttert.

Es gibt auch immer etwas, was aus der Reihe tanz. Daher die Ziele, die mit in den Juli genommen werden:

Einen Monat ohne Internet leben
Geht zurzeit gar nicht. Ich brauche die Recherchemöglichkeiten und Mailscheckung gerade sehr. Klingt süchtig, ist es vielleicht auch ein bisschen. Oder eben faul, weil man nicht in die Bibliothek laufen will, um Bücher zu schleppen. Außerdem kommen Briefe wegen des Poststreiks im Moment gar nicht an.

Jemanden cooles kennenlernen
Finde die alle doof. Echt jetzt.

Vorherige Ziele erneuern:
In den Ruhrpott fahren und mich glücklich verlieben
Was haben die beiden Ziele gemeinsam? Na? Genau! Wurden beide nicht erzielt.

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10 Kommentare

  1. „Von dem ganzen guten Essen wiege ich jetzt 20 Kilometer mehr.“

    Das ist aber ganz schön lang, was Du da mehr wiegst. Wenn Du die 20 jetzt einfach wieder zurück läufst, solltest Du Dich eigentlich schon mal wieder ein bisschen leichter fühlen.

    Na denn: Auf die Plätze … feeertig … 😉

    Da schicke ich Dir heute ganz passend glatt auch 20 Kilometer liebste Grüße! 😀

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  2. Schön, dass du einen Job hast, den du magst. Es ist immer gut auf sein Herz zu hören, meistens weist es einem den richtigen oder z. mind. schöneren Weg. Ich hab auch immer die Problematik, dass mein Herz was anderes will als mein Kopf. Das hängt dann immer ganz von der Situation ab, auf was ich mehr höre. Aber ich denke, du hast dich auf jeden Fall richtig entschieden.

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  3. Den Tipp mit der Schere und der Pappe habe ich gleich mal mit Papier und Schere getestet und siehe da: Du hattest recht 😀

    Ich kann es immer wieder sagen, dass ich deine Monatsrückblicke so sehr liebe. Was ich allerdings ziemlich blöd finden würde, wäre der Monat ohne Internet, das würde ja folglich heißen, dass man einen Monat nichts von dir liest und das fände ich wirklich mehr als blöd.
    Mit deinem Job hast du sicherlich auch richtig entschieden. Ich habe, bevor ich die Stelle angetreten bin, auch nicht recht gewusst, was ich machen soll, für welchen Weg ich mich entscheiden soll und dann habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und ich bin wirklich glücklich damit, auch, wenn schon langsam wieder die Phase des Zitterns beginnt (worin ich mittlerweile ja eigentlich schon geübt bin ^^). Wichtig ist wirklich, dass du dich wohl fühlst und glücklich bist und wer weiß, vielleicht sagst du nach Vertragsende auch, dass du etwas anderes machen/sehen willst. Man weiß schließlich nicht, was in einem Jahr passiert.

    Keine Ahnung wieso, aber ich hätte gerade gute Lust dich ganz fest zu drücken! Dein Eintrag hat mir gerade meine innere Ruhe wieder gegeben. Also musst du da jetzt durch und fühl dich einfach ganz fest gedrückt! ((:

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    • Ein bisschen Frust kann man so meist ganz gut abbauen. 😀

      Herzlichen Dank, du Liebe! (: Du hast Recht, das ist mir auch schon aufgefallen: Hätte ich einen Monat kein Internet, würde ich nicht mehr erfahren, was hier so los ist und was die Leute, die hier alle so bezaubernd nett sind, gerade beschäftigt. Das wäre wirklich schade. Ich habe es zwar in letzter Zeit eher wenig geschafft zu kommentieren, aber mitlesen tu ich ja trotzdem ganz fleißig. (:

      Danke für die Ermutigung! Ich denke mir auch, dass ich ja gar nicht weiß, ob ich in einem Jahr noch hier sein will. Oder nicht doch noch einmal eine ganz neue Stadt testen möchte. Wer weiß das schon! Bei dir geht nun das Zittern auch wieder los, das ist ja wirklich schade, ich drück dir die Daumen, dass du nicht zu sehr zittern musst.

      Das steh‘ ich doch gerne durch 😉 Ich drücke sogar ganz fest zurück, damit du weißt, wie sehr ich mich über deinen Kommentar gefreut habe- überhaupt darüber, dass ich dich hier ein bisschen kennenlernen durfte. (:

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  4. den monat ohne internet machst du am besten, wenn du mal 3 wochen im urlaub bist. 😉 auf so eine idee käme ich übrigens gar nicht. das internet kommt mir nicht wie etwas vor, auf das ich mal verzichten müsste.

    wir fahren nächste woche für 1 woche in den urlaub und dort gibt es kein wlan. ich freu mich tatsächlich schon drauf, auch wenn ich nicht mit absicht verzichten würde, so ist ein erzwungener verzicht mal nicht schlecht. umso mehr freue ich mich dann auf die onlinezeit danach. 😀

    ein schöner monatsrückblick übrigens, du hast eigentlich viel erlebt und gemacht! ♥

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    • Na, ich hoffe das ich auch mal 3 Wochen in den urlaub komme. Aber das ist eine gute Idee. Da fällt die Abstinenz gar nicht so auf. (:

      Solange ich weiß, dass ich nach dem urlaub wieder ins Internet kann, gefällt mir das abschalten auch mal sehr gut. Ansonsten ist das auch wirklich schwierig durchzuziehen.
      Auf jeden fall wünsch ich euch einen schönen, erholsamen Urlaub und bin gespannt auf deine Berichte!

      Danke sehr. ♥

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  5. Ich hätte ein wenig Angst, dass ich mich mit der Schere verletzte, wenn ich etwas genervt oder aggro bin. Besonders dann, wenn es nicht so klappt wie ich das will 😀 Aber ansonsten find ich basteln auch immer eine tolle Sache, um mal wieder auf andere Gedanken zu kommen und man hat am Ende was erschaffen, das find ich auch immer großartig ♥

    Früher hab ich auch immer vermieden Sachen alleine zu machen..inzwischen find ich das überhaupt nicht mehr schlimm. Ich bin dann immer ein bisschen stolz auf mich, wenn ich mich alleine aufraffen kann und ich mich nicht nur von anderen abhängig mache :yes:

    Wie schön, dass du erstmal überhaupt weißt, wie es jobbmäßig weiter geht..alles andere wird sich mit der Zeit bestimmt ergeben (:

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    • Oh ja, ich werde da auch schnell frustriert. Allerdings finde ich, beruhigt das ja auch ungemein. (:

      Da kannst du auch stolz auf dich sein! Meist erlebt man alleine die Sachen viel intensiver. Klar ist das in Gesellschaft auch alles nicht schlecht, aber mal so einen Tag lang was alleine machen ist auch toll!

      Das hoffe ich sehr. Ansonsten steh ich nachher ganz schön auf dem Schlauch 😀

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