Pullis für "Egal-Tage"

Ich muss einen Zwischenstopp einlegen. Zwangsweise. Meine externe Festplatte ist gestern hops gegangen. Einfach so, ohne vorherige Ankündigung, hat sie die Kooperation mit mir eingestellt. Zum Wochenende hin, wo kein Mensch mir meine Daten sichern kann. Erst meine Kamera, jetzt die Festplatte, man könnte meinen, es häufen sich die schrecklichen Dinge.

Nun ist es genau eine Woche her, seitdem wir aus den USA zurück sind. Eine Woche Zeit, um sich hier wieder zurechtzufinden. Diese sieben Tage reichen mir lange nicht. In Gedanken bin ich zwar nicht mehr im fernen Land unterwegs, aber ich wundre mich doch immer wieder, wie die Welt hier ist. Wie die Menschen sind und wie ich mich verändert habe. In nur 14 Tagen. Als hätte ich eine Weltreise gemacht und mich selbst auf die Probe gestellt.

Nie zuvor waren mir Dinge so egal, wie sie mir im Moment sind. Vor dem Urlaub hätte ich mich vor Zukunftsängsten und Stress fast überschlagen. Nun sitze ich hier und denke mir: Wenn ich das heute nicht schaffe, na und? Dann ist doch morgen auch noch ein Tag! Solche Einstellungen kenne ich von mir nicht. Bei mir muss alles durchdacht sein. Normalerweise habe ich Zeitpläne, die ich einhalte. Im Moment bin ich einfach nur froh, wenn ich die Nacht über vernünftig schlafe.

Aufraffen, um meine Abschlussarbeit zu schreiben, um etwas Produktives zu machen-das kann ich zurzeit nicht. Ich registriere, dass die Leute mich schräg angucken, finde keinen Grund dafür und mache mir keine weiteren Gedanken darüber. Früher hätte ich mir den Kopf darüber zerbrochen. Früher klingt lange her. Dieses „früher“ war erst vor zwei Wochen.

Ich war die ganze Woche krankgeschrieben. Vielleicht liegt es daran. Daran, dass ich nicht direkt wieder in die Arbeit eingestiegen bin, nicht mitbekomme, was für eine Hektik dort los ist. Mir ist das alles egal. Bewerbungsgespräche? Egal. Wenn ich den Job nicht kriege, suche ich mir irgendwo etwas anderes. Dann sollte es so nicht sein. Wenn ich nichts bekomme, dann reise ich eben. Dass ich so naiv sein kann, dass wusste ich nicht.

In mir regt sich, neben der Alles-Egal-Einstellung aber auch die Angst. Was ist, wenn mir plötzlich nicht mehr alles egal ist und ich bemerke, dass alles schief läuft und ich das nicht rückgängig machen kann?
Es ist ein komisches Gefühl, diese neue Haltung.  Fast wie ein Pulli, den man sich von einem Freund klaut und der dann viel zu groß ist, aber trotzdem super bequem. So fühle ich mich auch. Wie verloren, aber irgendwie gut. Und so einen zu großen Pulli kann man ja auch eigentlich ganz gut als Kleid tragen. Ich habe schon immer gerne Pullis von Freunden oder meinem Bruder stibitzt.

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12 Gedanken zu “Pullis für "Egal-Tage"

  1. Diesmal weiß ich gar nicht recht, was ich schreiben soll. Denn so ein Gefühl hatte ich noch NIE. „Egal“ kenne ich nicht – das, was dem mich betreffend vermeintlich ähnlich scheint, ist schlimmer … Davon muss ich mich fernhalten. Und, wenn ichs nicht doch mal geschafft habe, was leider schon einige Male vorgekommen ist, dann muss ich ganz schnell wieder davon weg.

    Mit dem, was und wie Du es hier beschreibst, hat das wenig zu tun – mir ist halt nur sehr deutlich geworden, beim Lesen, dass ich „egal“ nicht kenne. Wirklich nicht. – So bewusst war mir das noch nie!

    Wenn Dein „Egal“ sich am Ende als ein bisschen mehr Gelassenheit entpuppt, dann sollte Dir nicht bang‘ sein, liebe Ines. Denn bislang habe ich Dich als einen ehrgeizigen, sich selbst gegenüber kritischen und nicht oberflächlichen Menschen kennen gelrnt. Dieser Spezies tut ein bisschen mehr Gelassenheit gewöhnlich gut. –

    Wenn Dein Gefühl, das dieses Erkenntnisprozesses ist, ihn widerspiegelt, und Du es gar schaffst, das ein bisschen Realität werden zu lassen, so hat das mit Naivität nichts zu tun. Es wäre vielmehr stark, klug und richtig.

    Schlaf schön, geh‘ wieder auf die Reise, in schöne, in verzaubernde, in glückliche Träume!

    Viele liebe Grüße und eine gute Nacht!

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    • Vielleicht ist diese „Egal-Haltung“ ja auch negativ und somit ist es ganzg gut, dass du sie nicht kennst. Wem alles egal ist, der ist ignorant und egoistisch. Der wird schnell alles verlieren und nichts mehr gewinnen. Also im Grunde ist es so ganz gut, wenn dir nicht alles egal ist. (:

      Ich glaube, meine Haltung ist im Moment ein Schutzmechanismus. Sonst werde ich direkt wieder in den stressigen Alltag geworfen, Arbeiten, Bewerbungsgespräche, dies und das. Ich denke, da kommt es einer gewissen Gelassenheit gleich. Ich schütze mich also quasi ein bisschen selbst damit.

      Ich hoffe, ich habe dich damit nicht zu sehr in tiefe Überlegungen gestürzt.
      Alles Liebe und einen schönen Abend!

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      • Ich sehe Deine „Egal-Haltung“ ist NICHT negativ. Es ist ein Empfinden und eine Suche nach etwas mehr Gelassenheit, was den Alltag betrifft. In Berufen, wie wir sie ausüben, ist das sehr wichtig. Ich habe es nicht hinbekommen, um so mehr wünsche ich es Dir. Aus tiefstem Herzen!

        Nein, Du hast mich nicht in zu tiefe Überlegungen gestürzt. Wenn das passiert, bin ich ganz allein „Schuld“ daran, weil, ja weil mir halt Gelassenheit fehlt. Also mach Dir keine Sorgen oder gar Vorwürfe.

        Ich drücke Dich mal ganz lieb!

        Schlaf gut und ganz und gar gelassen (!), liebe Ines!

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  2. Dieses Egal-Gefühl kann ein gutes Zeichen dafür sein, dass Du Dich gut erholt und Abstand gewonnen hast…

    Ups – ich habe Deine Reiseberichte übersehen 8|
    Da muß ich nun gleich gucken !

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    • Ich glaube, dass kommt dem ziemlich nahe. Ich bin ruhiger geworden und kann mich besser abgrenzen. Hoffentlich bleibt das auch so. (:

      Liebste Grüße!
      (Ich habe mich bei dir auch schon lang nicht mehr gemeldet- das hole ich in den nächsten Tagen aber nach!)

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      • „Abgrenzung“ ist manchmal sehr wichtig, damit man z.B. im Beruf nicht „ausbrennt“ …

        Ich habe in letzter Zeit nicht so viel geblogt, weil ich oft unterwegs war, und nicht zum Berichten komme 😉

        Liebe Grüße
        Bärlinerin

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  3. Ich weiß gerade gar nicht, inwiefern du die Zeit mitbekommen hast, in der ich in der Arbeit auf mich alleine gestellt war. Auf jeden Fall hatte ich da davor eine riesen Panik davor, dann habe ich mir irgendwann gedacht: „Ist doch egal, was ich schaffe, das ist gut und was nicht, das erledige ich eben wann anders.“ Ich war selbst erschrocken über mich, kannte das nicht von mir, ungefähr so, wie du jetzt. Was ich am Ende aber wirklich geschafft habe, war schon etwas, worauf ich ein klein wenig stolz bin. Am Ende meiner zweieinhalb Wochen war alles erledigt, alles geschafft. Wir standen quasi auf null, was die Arbeit anging. Nichts ist liegen geblieben.
    Lange Rede kurzer Sinn: Manchmal bringt wahrscheinlich dieses „Egal“ eine gewisse Gelassenheit mit sich, dieses eine gewisse Etwas, das man sich nicht stresst und manchmal ist auch an dem Spruch „In der Ruhe liegt die Kraft“ sehr viel Wahrheit. Man muss sich nicht immer stressen und den Kopf zerbrechen, damit man etwas erreicht. Manchmal reicht es auch einfach sich treiben zu lassen und auf den Bauch zu hören. Vielleicht ist es gerad auch gar nicht so verkehrt, dass du einmal nicht ständig den Kopf voll hast. So kannst du dich wahrscheinlich auch besser von deiner Erkältung kurrieren und startest vielleicht auch gelassener wieder in den vollen Alltag. Ohne Druck im Hintergrund geht man Dinge ganz anders an, sieht Dinge ganz anders und das heißt nicht, dass man zwingend in die negative Richtung treibt.

    Und ich drücke dir die Daumen, dass du noch jemanden findest, der dir deine externe Festplatte oder zumindest die Dateien darauf retten kann!

    Fühl dich gedrückt! (:

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    • Wie wunderbar, ist großartig, dass du das alles so gemeistert hast. Ich glaube, wenn man von sich selbst nicht so viel erwartet und sich nicht so unter Druck setzt, dann kommt man auch viel weiter.
      Du hast es genau richtig gemacht: Das was klappt, klappt und das was nicht, nicht. Und siehe da, alles erledigt. (:

      Wahrscheinlich hat meine Angeschlagenheit auch viel zu dieser Haltung beigetragen. Ich bin auf jeden Fall ganz glücklich darüber, dass ich mir mal nicht ständig den Kopf zerbreche und mich verrückt mache. Hoffentlich bleibt diese Ruhe etwas!

      Danke dir sehr!
      Fühl dich liebst zurückgedürckt! (:

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  4. oh je, krank, was hattest du denn? vielleicht hing deine egla-haltung damit zusammen? oder ist sie noch da? eigentlich ist so eine haltung manchmal auch ein segen, finde ich. ich wünschte, mir wäre mehr egal. aber mir ist auch schon vieles egaler als früher, und das ist gut so. 🙂

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    • Da hast du einen guten Schutzmechanismus aktiviert. Manchmal muss einem einfach alles egal sein, um mal wieder ein bisschen den Stress Stress sein zu lassen.
      Ich habe mir wohl auf dem Flug eine Bronchitis eingefangen, dann kam noch der Jet Lag dazu und mir gings eine Woche extrem mies. Nun bin ich aber wieder fit. 🙂 Und ich versuche weiterhin meine Haltung beizubehalten!

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