Bananarama.

Überschlagen. Wie ein Salto nur mit mehr Wucht. Wenn ich so die anderen höre, all die, die ihr praktisches Jahr gerade machen, dann höre ich so viel Unmut raus. Demotiviert, überarbeitet, im falschen Bereich. Ich stehe daneben und kann meine Füße nicht still halten: Das, was ich jetzt gerade mache, das würde ich immer machen wollen.

Ich liebe die Arbeit mit den Patienten. Ich liebe es morgens auf Station zu kommen und zu sehen, dass es der Patientin besser geht, die gestern noch suzidal war und fast auf die geschlossene musste. Ich freu mich darüber, wenn die Patienten mir mehr erzählen, als den Ärzten, einfach weil die Hemmschwelle niedriger ist. Auch wenn ich es direkt an die Ärzte weitergebe. Ich liebe es, dass die Arbeit so abwechslungsreich ist. Man kann nie vorhersehen, wo eine Person nach der Entlassung stehen wird. Aber ich liebe es, einen Teil dieser Organisation mit zu übernehmen und somit etwas gutes zu tun. Ich liebe es nie zu wissen, was genau sich hinter den Lebensgeschichten noch alles versteckt und wie genau sich die Krankheitsbilder auswirken. Eine Manie ähnelt der Manie des Mitpatienten, aber sie sind nie identisch. Eine Depression hat so viele Facetten. Borderliner sind nie alle gleich.

„Mir ist was aufgefallen. In dieser Klinik wimmelt es von kranken Menschen!“
J.D.//Scrubs

Warum mir die Arbeit so gefällt hängt aber nicht nur mit den Patienten zusammen, sondern auch mit den Arbeitskollegen. Einen menschlicheren Oberarzt gibt es wohl nicht. Gedächtnis wie ein Sieb und bei allen Schnapsideen dabei. Mit Ärzten zusammenzuarbeiten ist nicht immer leicht. Viele bauen unsichtbare Mauern, bilden Hierarchien im Team und zeigen narzzistische Anzeichen. Meine Stationsärzte hingegen sind wie Kommilitonen im Studium. Klar, es sind Ärzte, so ganz vom „Ich-bin-der-Größte-Wahn“ bekommt man sie nicht runter, aber sobald man ihnen einen ALGII-Antrag ins Fach legt, klopfen sie dann doch wieder hilfesuchend an der Tür.

Nettere Gespräche als mit der PJlerin oder der Psychologin, habe ich selten gehalten. Die Scherze von der Pflege lockern jeden dunklen Tag auf. Und irgendwie stimmen trotz alldem auch immer ein bisschen die Klischees. Aber sieht man es nicht locker, nimmt man sich nicht zwischendurch einfach mal eine Kaffeepause oder macht ein Sit-in im Stationszimmer, dann würde man dem ganzen nicht standhalten können. Eigentlich ist es wie Scrubs, nur realer. Inklusive psychotischer Patienten, die den Laden aufmischen.

„Kurzinfo: Ihr könnt nicht besoffen zur Arbeit erscheinen, ihr seid keine Piloten!“
Dr. Kelso//Scrubs

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9 Kommentare

  1. Schön, wenn einem die Arbeit Spaß macht und vor allen Dingen auch das Umfeld stimmt..das ist mir auch total wichtig..schließlich verbringt man ja auch einen Großteil des Tages auf der Arbeit..da fänd ich es schrecklich, wenn ich mit den Leuten nicht klarkomme..

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  2. Wenn DU Deine Arbeit magst, dann war DEINE Entscheidung richtig,
    und die der ANDEREN nicht.
    Wenn man seine Arbeit nicht mag und nur Streß empfindet, dann sollte man das unbedingt ändern, denn sonst wird man auch krank.

    Liebe Grüße und Dir ein schönes, erholsames Wochenende,
    Bärlinerin

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    • Ich bin auch wirklich froh, dass ich dort anfangen konnte und das es mir so viel Spaß macht. Trotzdem ist noch immer offen, was danach passieren wird und das macht mich ganz schön unruhig. Auch wenn meine Kollegen alles mögliche versuchen und mir immer wieder sagen, wie gut meine Arbeit ist. Es nützt ja im Moment trotzdem nichts.

      Aber erstmal genieß ich die Zeit dort noch.
      Liebe Grüße! Und dir auch ein wunderbares, schönes Wochenende.
      Ines

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  3. Aii, das kommt mir alles so bekannt vor (: Nur aus einer anderen Sichtweise. Ich bin ja doch eher die „dumme Tippse“, die Schuld ist, wenn der Schreibkram nicht passt oder jemand auf Station auftaucht, von dem niemand was wusste oder oder oder. Aber hey, ich bin gerne der Fußabstreifer. Denn all das Schöne, was ich mit meiner Arbeit verbinde, das übertrumpft das negative. Auch der Kontakt zu den Patienten. Sie erzählen einem so viel und wenn man ihnen nur einen kleinen Gefallen tut und sei es nur einen Termin beim zum Beispiel Radiologen ausmachen, dann bekommt man ein so herzliches Lächeln geschenkt. Man muss bedenken, dass ich vor allem Patienten habe, die schon ziemlich alt sind, aber diese alten Menschen können einen selbst so eine Freude bereiten, obwohl man denkt, dass man ihnen so wenig gibt, aber für die ist es das Größte. Ich liebe es. Ich kann jedes Wort, das du hier erwähnst so nachvollziehen. Auch wenn ich wie gesagt alles von der anderen Seite sehe, vielleicht nicht so einen Einblick auf Station habe, aber die Patienten auf Station und bei mir in der Ambulanz sind doch meinstens die Gleichen ^^
    Und so wie du hier erzählst, so war es für dich definitiv die richtige Entscheidung. Du bist den richtigen Weg gegangen, was mich wirklich sehr für dich freut (:

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    • Aber ohne deine Arbeit funktioniert das Team genauso wenig, als wenn ein Arzt ausfallen würde. Ich finde, in so einem multiprofessionellen Team sind alle gleich wichtig. (:
      Die Patienten sind wirklich klasse. Es gibt immer was zu lachen und alle sind so dankbar, wenn man ihnen nur die kleinsten Gefallen tut. Das ist doch wirklich nett, wenn man irgendwas mit seiner Arbeit erreicht.

      Vielen, lieben Dank!
      Ich hab’s ja auch schon öfter gesagt: Immer wenn ich dich über deine Arbeit schreiben sehe, dann weiß ich, dass du dich dort genau so wohlfühlst, wie ich es bei meiner tue. Und das ist so viel wert! (:

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      • Also mein Chef wäre ohne sein Sekretariat ziemlich aufgeschmissen – man muss bedenken, dass er ein ziemlich verplanter Mensch ist 😀
        Ich weiß nicht, obs dir genauso geht, aber wenn ich in den Feierabend gehe, dann habe ich immer das Gefühl, dass ich etwas Gutes getan habe. Auch, wenn der Tag im Großen und Ganzen scheiße war – es gibt immer so Arschlochtage – aber trotzdem sagt mir mein Herz immer, dass ich was erreicht habe. Dieses Gefühl vermitteln mir vor allem die Patienten. Weil man eben mal ein Lächeln geschenkt bekommt oder ein aufrichtig gemeintes „Danke“. Dieses Geben und Nehmen, was so wichtig ist, das kommt da immer richtig zum Vorschein. – Ach Gott, ich könnte stundenlang schwärmen 😀

        Wenn man bedenkt, dass wir am Anfang es uns selbst schwer gemacht haben uns ins Team einzufinden, haben wir uns wirklich gut durchgekämpft und unseren Platz gefunden. Ich bin stolz auf uns zwei (:

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      • Na eben! Das sehe ich nämlich auch so ;)Witzig, dass in Krankenhäuser doch ziemlich viele der Leute ziemlich verplant sind. Aber das macht sie ja irgendwie auch menschlicher. 😀
        Mir gehts absolut genau so! Und das ist das herrliche daran.
        Lieber du schwärmst ganz viel, dass du dich beschweren musst-das schwärmen hör ich mir sehr gerne an, einfach alleine schon deswegen, weil ich genau weiß, wie es dir da geht.

        Oh, ja! Was wir für Bedenken am Anfang hatten und wo wir nun angekommen sind: Wir haben das super hinbekommen! Da dürfen wir uns ruhig mal selbst auf die Schultern klopfen. Oder gegenseitig. (:

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