Gipfelfieber (Mallorca Tag 3)

Puig Major; Cúber

Der dritte Tag startete beinahe so wie der Tag zuvor: Nämlich im Auto. Und es ging Richtung Inca. Durchs Gebirge, auf kleinen, engen, kurvigen Straßen. Wem beim Autofahren schnell schlecht wird, der sollte lieber nicht durch spanische Berglandschaften fahren.
Ich jedoch liebte es. Diese kleinen Mauern, zwischen Auto und Abgrund. Diese Dimensionen der Berge, das Licht- und Schattenspiel.

Am Wanderparkplatz angekommen, begrüßten uns sogleich zwei Spanier, die sich plappernd wie Wasserfälle unterhielten. Die einzigen paar Worte, die ich in Spanisch kann, halfen mir da wenig. Aber ich bin das ja gewohnt, dass ich mit dieser Sprache nicht so recht warm werde. (Selbst auf Englisch verstehe ich sie leider ganz schlecht.)

Über eine kleine Holzleiter kletterten wir über den Zaun und folgten dem Pfad bis zum Stausee Cúber. Dieser lag so tiefdunkelblau und ruhig im Sonnenschein, als hätte er nie was anderes getan. (Hat er ja auch nicht.) Die Berge, inklusive dem Puig Major, erhoben sich majestätisch rundherum.

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Von oben ist die Welt noch in Ordnung.

Serra de Tramuntana

Der Weg führte durch die Berge auf einem breiten Pfad entlang. Das Tramuntana Gebirge ist immer wieder eine Wanderung wert. Rechts und links grasten die Schafe. Ihre Metallglocken bimmelten laut und erinnerten irgendwie an die Alpen. Durch ein Tor ging es immer weiter geradeaus, bis der Weg durch einen Bach versperrt wurde. Hier zweigte ein kleiner Trampelpfad ab, der uns ebenfalls über den Bach brachte und weiter in den Wald hinein. Wer hier unaufmerksam wurde, stolperte gerne mal über die dicken Wurzeln oder die Steine, die herumlagen.

Wanderweg: GR 221

Es wurde immer steiler und steiler, gefühlt musste der Weg hier bald enden. Das tat er dann auch, oben am „Gipfelkreuz“. Hier trafen wir die restlichen Menschen wieder. (Welcher Idiot joggt denn bitte freiwillig diesen Weg hoch?) Ein Stück weiter fanden wir einen wunderbaren Platz auf Felsen, die direkt über dem Tal schwebten. Der Ausblick war der Wahnsinn. Der WAHNSINN. Man konnte sich gar nicht satt sehen, an den winzig kleinen Häuschen dort unten, an der Weite und an dem Meer in der Ferne. Ein paar Adler, freche Ziegen, Esel und Pferde bekamen wir auch zu Gesicht.

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Picknick mit offenem Mund: Praktisch, geht das Essen schneller rein.

Doch unser Weg war noch lang nicht zu Ende, auch wenn die Kräfte hier schon langsam schwanden. Wir wollten auf die Spitze. Nach ganz oben. Das Gipfelfieber hatte uns gepackt. Erst einmal führte uns der Weg gemütlich bergauf und an einem weiteren Aussichtspunkt vorbei. Doch irgendwann verlief sich der Weg im Unterholz, direkt am Fuße des Berges. Es ging steil bergan. Teilweise war der Pfad so zugewachsen, dass man nur an den kleinen Steinmännchen erkannte, dass man richtig war.

Irgendwann zwischendrin wurde mir sehr warm. Irgendwann zwischendrin fand ich diesen Weg einfach zu anstrengend. Irgendwann zwischendrin konnte ich trotz allem nicht stehen bleiben. Und ich beglückwünsche mich selbst dazu, dass ich meinen Körper ignoriert hatte, denn diese Ruhe hier oben war das himmlischste überhaupt. Ganz zu schweigen von diesem unfassbaren Ausblick.

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Vogelfrei im Höhenflug.

Mallorca soweit das Auge reicht, Berge wohin man sah, der große Stausee plötzlich winzig klein. Vielleicht staunte ich sogar ein ganz kleines bisschen mit offenem Mund. Ich war höher als die Wolken, verdammt! Ich freute mich wie ein Honigkuchenpferd. Ich hätte tanzen können, egal wie doof es ausgehen hätte. Bis ich an den Rückweg dachte. Gute 8km inklusive Abstieg lagen vor mir. (Und dieser war so lang, wie acht Kilometer mit einem Körper im Urlaubsmodus sein können.)

Unten angekommen rannten uns drei Spanier entgegen. (Waren die immer zu dritt?) Sie begrüßten uns und erzählten kurz etwas auf ihrer Muttersprache. Meine einzige Reaktion hierzu war ein freundliches Lächeln. Am Stausee zog lautlos der Nebel über die Berge, wie eine große Welle. Die Sonne ging unter und tauchte alles in ein rosa Licht. Rosa, die Farbe des Verliebtseins. Und ich kann überzeugend beteuern: Das war ich.

Liebe

x Ausblick in den Abgrund
x Trotz Erschöpfung weitermachen – es lohnte sich
x Einen Esel treffen
x Über den Wolken, ganz ohne Flugzeug

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8 Kommentare

  1. Also eigentlich bin ich seit dem letzten Mal kein Fan mehr von Bergwandern, aber wenn ich mir das so ansehe, bin ich doch gar nicht mehr so abgeneigt. Mal gucken, vielleicht starte ich diess Jahr doch noch sowas, auch wenn mich dann alle für verrückt erklären würden und sich fragen würden, was denn mit mir passiert ist 😀

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    • So ergeht es mir wohl auch. Erst mal beteuern, sowas nie wieder zu machen und sich dann doch noch einmal umentscheiden, weil es im Nachhinein doch so wunderschön war. 😀
      Ich kann es nur empfehlen! Und ich würde dich zumindest nicht für verrückt erklären. (:

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  2. Die Fotos sind echt wieder mal wunderschön!

    Wenn ich zwischen Spanisch und Schwedisch wählen müsste, würde ich Schwedisch definitiv vorziehen.
    Allerdings hängt das zum Großteil wohl mit der Art des Unterrichts zusammen, den es in der Uni gab. Bei Schwedisch läuft da alles auf freiwilliger Basis und bei Spanisch war es sehr verschult – wenn man das nur als Wahlfach bzw. aus Spaß macht, ist das irwie nicht so das wahre. Hab inzwischen auch schon wieder alles vergessen, was ich in dem einen Semester gelernt hab.

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    • Danke. (:

      Ja, das kann ich gut verstehen. Ich habe mal Französisch in der schule gelernt und kein Wort behalten. Später habe ich es dann noch einmal freiwillig in meiner Freizeit aufgefrischt und seit her kann ich mich immerhin ein bisschen verständigen.
      Spanisch würde ich auch gerne lernen, zumindest die Grundkenntnisse – aber da ich alleine schon mit der Sprachmelodie nicht klar komme, wird das wohl nichts. 😀

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