Unzufriedenheit

Nun hat es mich irgendwie wohl auch erwischt. Ein Gemisch aus Erkältung und den Auswirkungen des Wetters (+ vielleicht auch ein bisschen schlechter Laune). Alle husten, alle schniefen, alle jammern vor sich hin. Es bleibt nichts anders, als sich wieder im Bett zu verkriechen und die Wolken zu beobachten, die draußen vorbei ziehen. Auch wenn sie sich zu einer einzigen, riesigen Wolke ausgebreitet haben. Ohne Anfang und ohne Ende. Einfach nur eine Decke aus hellem Grau.

Was macht man, wenn man kränkelt? In erster Linie ein schlechtes Gewissen haben, dass man nicht zur Arbeit gehen kann. Das habe ich schon immer. Ob ich in der Schule, in der Uni oder bei der Arbeit gefehlt habe. Mein Verantwortungsbewusstsein übernimmt in dieser Hinsicht sofort das Zepter. Da geht mir so viel Zeit flöten. Und dann liege ich im Bett, auf dem Sofa und wieder im Bett und habe ein mulmiges Gefühl. Irgendwie so, als könnte ich gar nicht richtig abschalten. Als müsste ich irgendwas anderes tun, als doof rumzuliegen und gesund zu werden.

Ich fühle mich ein bisschen so wie ein Feuer im Ofen. Nicht weil mir warm ist, sondern weil ich ungestüm in sämtliche Richtungen flackre, um dann zu verglühen. Nirgendwo so richtig hängen bleiben, weil nichts da ist, was entflammt. Irgendwie leuchten und gleich wieder erlöschen. Nichts halbes und nichts ganzes. Schön anzusehen, aber viel zu gefährlich. Eingeschlossen, aber dort weggeschlossen wo es hingehört, wo es niemandem schadet. Ab und an ein leises Knacken, fast wie eine Rebellion – eine, die gleich wieder verstummt.

fire

Also lese ich Bücher, die ich nach zwei Seiten wieder sinken lasse. Ich trinke Tee, der dauernd kalt wird. Alles was liegen geblieben ist, kann ich trotzdem nicht erledigen, weil ich mich einfach nicht fit genug dafür fühle. Lieder kann ich mittlerweile alle mitsingen, auch diese die ich vorher gar nicht kannte. Der Fernseher bestätigt mir, dass Fernsehen gucken um diese Uhrzeit nur noch für Menschen geschaffen ist, die um diese Uhrzeit nichts anderes zu tun haben.
Ist das Auskurieren bei euch auch mit Unruhe verbunden? Oder freut ihr euch eher mal eine Zwangsverschnaufpause einlegen zu können?

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15 Kommentare

  1. Ach, Du … – Da hast Du ein schlechtes Gewissen wegen wahrscheinlich ein paar Tagen Krankheit. – Was soll ich da sagen, der ich jetzt schon mehr als ein halbes Jahr krank geschrieben bin und nach wie vor kein Ende abzusehen ist? – Ich fühle mich manchmal wie der fetteste Parasit auf Erden, weißt Du ?!

    Aber ich versteh‘ Dich, versteh‘ Dich gut – mir ging es auch bei jeder meiner kleineren Krankheiten wie Dir.

    Nun könnte ich Dir einen Vortrag halten, was meine Therapeutin von solchen Gewissensanwandlungen im Krankheitfalle hält. Aber das mache ich (natürlich) nicht. Du weißt eh‘ was sie gesagt hat. 😉

    Also, höre bitte auf sie. So wie ich (!!!) :yes:

    Das mit der Flamme ist ein trauriges Bild. – Aber es stimmt nicht ganz, liebe Ines. –

    Es mag sein, dass Du das große Feuer, in dem Du selbst so gern und ganz lange und mit einem Menschen Deines Herzens tanzen möchtest, noch nicht entflammt hast.

    Aber Du hast längst Feuer entflammt.

    Eines flackert stets munter und mich immer wieder erwärmend auf jenem unvergänglichen Wattewölkchen, das Du mir einst schenktest. Nicht eingeschlossen, nicht schadend. Ein freundliches, ein gutes Feuer, das ICH nicht verlöschen lassen mag. Ich passe drauf auf …

    Besonders liebe Grüße an Dich und gute Besserung!

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      • Erstmal muss ich Bärlinerin zustimmen und ein bisschen mit dir schimpfen, Schweitzer: Wer krank ist, ist krank. Der sollte sich nicht als Parasit fühlen! Es geht einem so schon schlecht, da muss man sich nicht noch selbst schlechter machen.
        Und wenn man dann eben ein ganzes Jahr, oder viele Jahre krank ist, dann ist es so. Du lebst für dich und damit es dir (wieder) gut geht!

        Ich habe mir dennoch schon gedacht, dass du mich da gut verstehen wirst. Aber das heißt nicht, dass es dir auch so gehen soll wie mir. 😉
        Lebhaft kann ich mir vorstellen, was deine Therapeutin sagen würde – ich habe solche Anweisungen ja auch schon von meinen Kollegen bekommen. 😛

        So wunderschöne, liebe Worte die du gefunden hast: Herzlichsten Dank dafür. Sie bauen mich wieder einmal sehr auf!

        Liebe Bärlinerin, ich stimme dir also absolut zu!

        Ich grüß euch beide ganz herzlich!

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  2. Liebe Ines !

    Das mit der Flamme ist ein schönes Gleichnis !

    Du solltest wirklich kein schlechtes Gewissen haben; auch nicht DIR gegenüber, denn manchmal kriegt man einfach nichts fertig 😉
    Es kommen wieder andere Zeiten, in denen Du dann doppelt so viel schaffst !

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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  3. du sprichst mir gerade aus der seele, wir sitzen ja wirklich zeitgleich im selben boot jetzt. mir geht es imemr so, dass ich glaube, wenigstens zu hause was machen zu müssen, es bleibt ja wegen der arbeit viel zu viel liegen. aber es geht nicht, ich bin zu schwach. das schlechte gewissen bleibt aber.

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    • Oh ja, leider. Das Krank sein wünsche ich aber keinem – daher nochmal gute Besserung! Und auch wenn es meist nicht viel bringt: Mach dich nicht verrückt, du holst das Liegengebliebende sicher schnell wieder auf. (:

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  4. Ich kenn das von mir, seit neustem.
    Man wird krank geschrieben und soll sich erholen und kann es dann nicht weil man sich schlecht fühlt. Ich kann es voll verstehen, bei mir entsteht das meistens wenn ich unter Druck stehe. Dabei ist entspannen beim krank sein voll wichtig.

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    • Unter Druck stehe ich wohl sehr. Aber ändern kann ich das nicht. Obwohl es jetzt, nach 2 Tagen krank sein schon etwas besser wird. Nun steht ja zum Glück eh das Wochenende vor der Tür und obwohl meine so guten Plände dafür ins Wasser fallen, bin ich doch froh, dass ich die zwei Tage noch zusätzlich habe. (:

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  5. Mir geht es seit 2-3 Wochen ähnlich. Ich habe immer mal so 1-2 Tage, wo ich mega müde, schlapp, schnupfig und mit Kopfschmerzen bin. Und am nächsten Morgen ist das so weit weg, dass ich nicht mehr krank, aber auch nicht gesund bin. So bleibt das dann nen paar Tage, bis ich wieder den Kränkeltag habe.

    Was das Krankmelden angeht: Man arbeitet eh viel zu viel. Behaupte ich mal. Der Mensch hat sich in einer Umgebung entwickelt, in der es keine 8-stündigen Arbeitstage gab. Auf Anstrengung folgte immer ein ausgegliches Maß an Erhohlung und Nichtstun. Und ich denke, dass man sowas eben braucht, sonst.. passiert irgendwas. Burnout oder so.

    Ich kenne das mit den Erwartungen, die man manchmal an sich stellt und die manchmal viel zu hoch sind. Und ich kenne das auch, dass ich mit Kopfschmerzen und Schnupfen und Husten auf der Arbeit hänge, weil was fertig gemacht werden muss. Und trotzdem zwinge ich mich dann, wenn die Auftragslage es zulässt, zu Hause zu bleiben. Ich habe auch gestern einen Banktermin abgesagt, weil ich so matschig war. Ich hätte hingehen können. Aber wozu? Wozu soll man sich immer zu Dingen zwingen, die nicht notwendig sind und die man nicht möchte?

    Bleib sitzen. Schaue Filme. Kein Fernsehen. Lad dir Skype runter. Oder gib mir deine Handynummer. Lies ein Buch. Hör ein Hörbuch. Geh spazieren. Aber gönne dir ein paar Tage in deinem Tempo und mit den Aktivitäten, auf die du spontan Lust hast. Und notfalls zwingst du dich abends zu ner Dusche und siehst, ob es dir nicht doch gut genug geht, was essen oder ins Kino zu gehen.

    Das haben aber auch wirklich viele Leute zur Zeit. So ein halbes Kranksein. Zombieapokalypse?

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    • Ich hätte vermuten können, dass du mich angesteckt hast, wenn wir nicht so weit auseinander wohnen würden – es ist haargenau das, was ich im Moment habe. Irgendwie krank, aber irgendwie (zum GlücK!) auch nicht so richtig.

      Dann ist es vielleicht ganz ratsam ein paar Tage zurückzuschalten. Obwohl ich weiß, das ich das richtige mache, fühlt es sich trotzdem falsch an.

      Zwang ist nie gut. Und da gebe ich dir absolut recht, dass man da viel mehr auf sich achten muss, anstatt einfach immer alles mitzumachen und zu allem „ja“ zu sagen. Aus Angst seinen eigenen Erwartungen nicht mehr gerecht werden zu können.

      Ich nehme deinen Rat jetzt an und tu nur noch das, was möglichst Kräftesparend ist und wozu ich Lust habe. Klappt nicht immer, denn mein Wochenendtrip fällt ja nun auch aus. Ich mach trotzdem das Beste draus.
      Gute Besserung für deine Halbkankheit! 😉

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