Davon geht die Welt nicht unter…

Der Oktober geht nun langsam zu Ende. Er verabschiedet sich schon fast. Die Blätter sind von den Bäumen gefallen, die Luft wird zunehmend eisiger, abends ist es schon um 18 Uhr dunkel.
Der Oktober ist vorüber und somit auch der erste Monat meines Arbeitslebens. Der erste Monat ist sicher einer der wichtigsten. Das Einleben, das Ankommen, das Kennenlernen. Ob ich wirklich eingelebt und angekommen bin, ob ich wirklich alles kennengelernt habe, bezweifle ich dennoch.

Eine gewisse Routine hat sich gebildet. Ich weiß genau, wann ich morgens in aller frühe los muss, um pünktlich bei der Arbeit anzukommen. Das frühe Aufstehen macht mir gar nichts aus. Viel mehr ärgre ich mich etwas über die wenige Zeit im Feierabend. (Verflucht sei zusätzlich noch diese olle Zeitverschiebung – mir nützt die wirklich gar nichts.) Doch wenn ich erst einmal in den Tag gestartet bin, weiß ich, dass mir dieser Job gefällt. Bis jetzt zumindest. Zwischenzeitlich habe ich an mir gezweifelt. Als ruhiger Mensch kommt man schwer in bestehende Teams rein.

Dabei sind alle super nett. Die Assistenzärzte, der Oberarzt, das Pflegepersonal, die Patienten, die anderen Kollegen aus dem Sozialdienst. Und dennoch habe ich das Gefühl, ich müsste so viel mehr dafür tun, um Kontakt mit ihnen zu knüpfen. Ich habe das Gefühl sie stellen Erwartungen an mich. Aber wahrscheinlich sind das meine eigenen Erwartungen: Mach bloß alles richtig. Frag lieber nochmal nach. Freunde dich mit den Ärzten an. Setzt dich zur Pflege. Werde akzeptiert. Eingeschworene Teams sind für mich undurchdringbar. Sie sind mystisch. Sie sind dynamisch. Sie schützen das Aufgebaute und treten Neuen skeptisch entgegen. Auch wenn sie es nicht zeigen. Sich einzubringen – das fällt mir auch nach 4 Wochen noch schwer. So als wäre kein Tag vergangen. Dabei ist ein ganzer Monat vergangen. Verflogen. Verpufft.

Es ist nur wichtig einen Ausgleich zu schaffen. Es ist wichtig zu wissen, dass man die Arbeit auch bis Morgen liegen lassen kann. Es ist wichtig sich selbst einfach drauf einzulassen. Es ist wichtig sich selbst einzugestehen, dass man nach 4 Wochen noch nich erwarten kann, komplett akzeptiert zu werden. Es ist wichtig zu wissen, dass vom eigenen Handeln die Welt nicht untergehen wird. Auch wenn es einem manchmal so vorkommt.

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10 Gedanken zu “Davon geht die Welt nicht unter…

    • Ich muss sagen, ich freu mich schon immer auf deine Links. Denn irgendwie ist es ja immer gekoppelt mit meinen Einträgen und so fühl ich mich dann meist nicht ganz so alleine. 😉

      Liebe Grüße!

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  1. Mir geht es gerade richtig besch…, aber ein paar kleine Worte will ich Dir doch da lassen, liebe Ines.

    Versuche erst gar nicht allen oder möglichst vielen zu „gefallen“ oder es ihnen Recht zu tun. Mach Deine Arbeit, so gut Du es kannst, zeige Interesse, sei bereit, dazu zu lernen. – Das tust Du, das weiß ich. Und obendrein hast Du ein freundliches Wesen. –

    Alles Weitere wird sich finden, soweit es sich finden kann. Du wirst vielleicht ein, zwei, drei Personen ausmachen, die Dir vertrauter werden, mit der Zeit. Dadurch und dann werden sich einige Türen, die jetzt noch so ganz verschlossen scheinen, mehr oder weniger öffnen.

    Daran glaube ich, und ich wünsche es Dir sehr.

    Ganz liebe Grüße!

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    • Tut mir wirklich sehr leid zu hören, dass es dir so schlecht geht. 😦 Umso mehr weiß ich natürlich zu schätzen, dass du trotz allem ein paar Worte hier lässt. Vielen Dank!

      Ich hoffe sehr, dass du damit recht haben wirst. Irgendwann wird es vielleicht besser laufen. Mit allen kann man sich sowieso nicht super verstehen. Daher das beste draus machen.

      Herzlichsten Dank.
      Dir viel Kraft und eine gute Besserung!
      Liebe Grüße

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  2. Ich hatte es am Anfang auch schwer in das „Team“ reinzukommen. (Also das „Team“, zu dem ich morgen das letzte Mal dazu gehöre.) Es kam mir zumindest so vor, dass ich einfach keinen Anschluss finde. Ich bin immer hin und her geirrt, wollte es allen Recht machen und egal was ich gemacht habe, ich hab mich anfangs nie so wirklich dazugehörig gefühlt. Ich bin auch eher ein ruhigerer Mensch. Nur nicht aufdrängen. Aber dann urplötzlich ist es geflutscht – wie eine Kollegin von mir immer so gerne sagt ^^ Und jetzt bin oder besser war ich ein fester Bestandteil dieses Teams. Nachdem ich aufgehört hatte zu denken, die Hoffnung aufgegeben hatte da jemals wirklich dazu zu gehören, habe ich mir meinen Platz „erarbeitet“ und plötzlich kamen die zu mir und haben mich etwas gefragt. Oder haben mich mitgenommen. Aufeinmal war alles anders, zumindest meinem Gefühl nach. Ich glaube, dass man selbst immer viel zu Hohe Erwartungen hat und man sich das alles einfach anders vorgestellt hat und das, wenn es dann nicht so ist, alles irgendwie nicht so toll erscheint, obwohl alles einfach nur seine Zeit braucht. Ich versteh mich jetzt mit meinem „Team“ so gut, dass morgen beim Abschied sicherlich Tränen fließen werden.
    Bei dem Kollegenkreis, in dem ich ab Montag fest arbeiten werde, fühle ich mich so Teils Teils gut aufgehoben. Natürlich sind alle nett und es ist wie so eine kleine Familie und alle haben sich super herzlich aufgenommen. Trotzdem sind die alle seit Jahren beieinander und dann komme ich. Die „Neue“. Es dauert einfach alles seine Zeit, bis man so wirklich 100%tig angekommen ist. Das wird aber alles gut werden (:

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    • Wie schade, dass du nun dort aufhören musst. Ich schätze das fällt dir sehr schwer. 😦
      Aber es ist gut zu hören, dass es anderen genau so geht. Ich bin nämlich auch ein ruhigerer Mensch und oft kommt das ja arrogant oder abweisend rüber. Dabei will ich das gar nicht…

      Zu hohe Erwartungen ist wohl tatsächlich eins der größten und allgemeinsten Probleme. Da kann man aber auch leider nicht viel gegen unternehmen.
      Du wirst dich ganz bestimmt auch in das neue Team super einfinden. Ein Anfang ist immer schwierig, aber ich drück dir die Daumen, dass du dich schnell einlebst. (:

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      • Ja, das Problem, dass man arrogant oder ähnliches wirkt, obwohl man das eigentlich gar nicht beabsichtigt, das kenn ich. Dabei sind da einfach nur diese Startschwierigkeiten bzw. das „Hineinfühlen“, bis man richtig aufblühen kann.
        Aber wir zwei bekommen das schon auf die Reihe (: Wir brauchen eben nur unsere Zeit. Ich finds aber schon beruhigend, dass ich nicht die Einzige bin, die da so ihre Zeit braucht. Bei allen anderen kommt es mir immer so vor, als würden die da irgendwo hingehen und wären sofort aufgenommen und alles ist super. Kam ich mir immer etwas dumm vor, aber – auch, wenn es dir nicht wirklich hilft – bin ich jetzt etwas beruhigt (:
        Lieb von dir (: Ich kann dir das so nur zurück geben (: Aber wie schon gesagt: Wir bekommen das hin! (:

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      • Ich bin auch davon überzeugt: Das wird schon werden. (:
        Genau so geht’s mir auch! Echt gruselig. Mir kommts nämlich auch immer so vor, als würden alle anderen ganz locker an die Sache rangehen und alles mit links schaffen. Und selbst fühl ich mich immer ziemlich verloren.
        Aber du hast: Wir werden das schon schaffen! (:

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