Kleinheldenkram

Mein Kopf und mein Herz stehen mal wieder in vollkommenem Kontrast zueinander. Der Kopf ist voll von Gedankengängen, von Überlegungen, Planungen und der Angst etwas vergessen zu haben. Da kommt mein Herz nicht mehr hinterher, es fühlt sich leer an. Ich spüre jeden Herzschlag, dennoch läuft es irgendwie auf Sparflamme. Es tut (glücklicherweise!) das, wozu es da ist: Es pumpt Blut in meinen Körper, es hält mich am Leben.

Das kleine pulsierende Ding. Der kleine Held in meiner Brust, der so unendlich wichtig ist, hat viel eingesteckt in diesem Jahr. Unerwiderte Liebe, Streitereien, Gefühlschaos. Ein bisschen fühlt es sich nun an, als hätte er aufgegeben mir bei der Suche nach meinem Seelenverwandten zu helfen. Vielleicht erscheint es ihm im Moment unwichtig. Vielleicht sieht es darin einfach keinen Sinn mehr. Ein hoffnungsloser Fall. Zum Kämpfen zu feige, zu kraftlos.

Das nehme ich ihm nicht übel. Denn wer läuft schon gerne hinter einem unerreichbaren Ziel hinterher? Wer kämpft denn für verlorene Schlachten? Herzen sind kleine (Kriegs-)Helden. Kampflos gibt keines auf. Wunden heilen, Narben bleiben. Auch ein ständiger Sucher wird nicht immer das finden, wonach er sucht. Auch ein endloser Wanderer, kommt manchmal nicht am geplanten Ziel an.

„Man lässt ja nicht jeden gern wissen
wohin der Puls rast und wieso
Und Liebe kommt schwer über Lippen
die Angst ham‘ vor Kitsch oder Zeit
Die sich schon längst geschworen haben:
wir fangen woanders an
Wenn nichts mehr weiter geht
fangen wir woanders an“
Jupiter Jones // Rennen und Stolpern

Ist es nicht viel logischer die Kraft zu sparen? Für irgendetwas anders, was auch immer das sein mag. Arbeit, Sport, Urlaub,… Da wo die Glücksgefühle erwidert werden und sich lohnen. Wo man etwas anderes als Enttäuschungen mit aus dem Moment heraus mitnehmen kann.

Vielleicht sollte man sich nicht in Menschen verlieben. Vielleicht sollte man sich nicht in einer Beziehung verlieren. Keine Erwartungen stellen und Hoffnungen aufbauen.
Vielleicht ist es einfacher Momente zu lieben. Momente in denen man sich zufrieden und glücklich fühlt. In denen man die Welt kurz anhalten möchte, die Zeit für immer stillstehen soll. In denen man die Augen schließt, aus Angst, dass das Glück im nächsten Wimpernschlag schon wieder verschwunden ist.
Oder Orte, an denen einem das Herz aufgeht. Aus denen man nie wieder die Reise zurück in den Alltag antreten möchte. Orte, wohin man den Alltag schaffen möchte, ohne das er lästig wird. Irgendwo neu anfangen. Mit neuer Liebe und Kraft im Herzen.

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4 Kommentare

  1. Hätte ich Deinen Eintrag vor, sagen wir mal 30 Jahren gelesen, dann hätte ich mich erschrocken gefragt, wer dieses Ebenbild meiner eigenen Gedanken hier in die Tasten gehauen hat.

    Will sagen: Ich kann Dein Empfinden haargenau nachfühlen. Ich weiß genau, wonach Du suchst, wonach Dein Herz sich sehnt. Es sind nicht nur die Momente…

    Ich weiß auch, dass Dir diese „verspätete“ Seelenverwandtschaft gerade gar nicht weiterhilft. Und, dass es Dich nie ganz trösten kann, dass vielleicht auch hier und jetzt ein bisschen Seelenverwandtschaft zwischen uns ist.

    Ich kann mir nur wünschen, dass diese kleine Seelenverwandschaft Deinem Herzen wenigstens ein bisschen gut tut, ihm ein klein wenig Hilfe ist und bleiben wird, weiter so ein tapferer kleiner Kämpfer zu bleiben, ein Kämpfer für Dich, Deine Wünsche und Deine Sehnsüchte, und ganz besoners für die EINE Sehnsucht.

    Alles Liebe, Dir, und viele schöne und mutmachende Grüße.

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    • Es ist absolut tröstlich, dass es noch andere Menschen gibt, denen es so ergeht oder erging! Da fühlt man sich doch gleich nur noch halb so verloren.

      Die Seelenverwandschaft ist da, das haben wir doch schon längst bemerkt. Auch wenn sie mir im Moment tatsächlich bei diesem Problem nicht weiterhilft, bin ich doch sehr froh darüber, dass es sie gibt. (:

      Herzlichsten Dank für diese Mut-Wünsche und Grüße! Die nehme ich dich so sehr gerne an. Gebrauchen kann ich sie sowieso immer.
      Liebste Grüße zurück an dich!

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