Vom jung sein und jung werden

Vor einigen Jahren habe ich mich immer gewundert, wieso die ältere Generation über die Jugend schimpft. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass sie uns wirklich als so schlimm angesehen haben. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein ziemlich ehrlicher, zivilisierter Teenager war. (Die anderen hätten mich wohl einfach langweilig genannt.) Ich habe weder in Bussen die Sitze beschmiert, noch habe ich andere Leute zu Prügeleien angestachelt. Alkohol und anderen Drogen bin ich immer mit gebührendem Respekt gegenüber getreten und so habe ich lange Zeit immer nur am Bier genippt, anstatt mir billigen Wein literweise in den Kopf zu hauen und mich später davon übergeben zu müssen. Vielleicht war ich ZU vernünftigt. Ihr seht schon, wenn das hier ein amerikanischer Film oder Roman wäre, wäre ich wahrscheinlich die gewesen, die man auf dem Schulweg in die Büsche geschubst hat und der das Kakaogeld geklaut wurde. Aber wenn ich meine Teenagerzeit noch einmal leben müsste, dann würde ich es auch jetzt nicht anders machen.

Man wird also mit jedem Jahr ein bisschen weiser – oder eben auch nicht – und passt sich irgendwie seiner Generation an. Ja, man wird älter. So kann man es doch sagen, wenn man mal ehrlich ist. Wenn ich heutzutage die jungen Hüpfer durch die Stadt laufen sehe, dann kann ich unentwegt nur noch mit dem Kopf schütteln. Um diese ganze Ignoranz und -entschuldigt bitte – Doofheit mit Kopfschütteln zu würdigen, würde ich 24 Stunden am Tag damit beschäftigt sein meinen Kopf hin und her zu wirbeln. Mittlerweile kann ich sagen: „Diese Jugend heutzutage!“ (Aber nur, weil ich zu dieser Generation einfach nicht mehr dazu gehöre.)

Wo kommt dieser Trend her, alle Trends mitzumachen? Ob Hipster oder Nipster, die sind doch alle überall dabei.
Seit wann trägt man Leggings als Hosen? In der Öffentlickeit wohlgemerkt und nicht beim Sport, was wiederum durchaus angemessen erscheinen würde.
Warum holt man sich jedes Jahr das neuste Smartphone und welche Mutti bezahlt einem das?
Wieso ist raus in die Natur zu gehen plötzlich uncool?
Plötzlich läuft jeder mit einem Longboard unter dem Arm rum, aber fahren sieht man sie nie. Ist das einfach das neue Accessoire unter der Achsel?
Was machen all die Mitläufer, wenn sie keinen mehr zum Vorweggehen haben? Was ist daran so schlimm, mal anders zu sein?

„Wanting to be someone else is a waste of the person you are.“
– Kurt Cobain

Immer wieder beobachte ich so skurrile Dinge. Da steht plötzlich ein Junge vorm Laden, der aussieht als wäre er gerade 13 geworden und zieht beim Dummrumstehen an einer Zigarette. Sobald seine Freunde sich umdrehen verzieht er das Gesicht. Wie groß muss der Druck sein, etwas zu machen, was man gar nicht will? Etwas zu tun, was einem selbst schadet?
Wenn ich abends durch die Stadt gehe, höre ich Gespräche, in denen nicht ein einziger Satz nach verständlichem Deutsch klingt. Wo gewöhnt man sich soetwas an? Ist das so, als würde man als Norddeutscher nach 2 Jahren in Bayern den Dialekt übernehmen oder haben die jungen Leute das einfach nie richtig gelernt?

Es ist ein Thema, was mich immer wieder beschäftigt. Manchmal bin ich so weit zu sagen, dass die Jugend einfach naiv ist. Dass sie sich austoben muss, um zu lernen, wer sie wirklich sind. Sie formen sich ja gerade erst selbst. Wir alle haben das irgendwann durchgemacht. Vorbilder gesucht, uns an jemanden festgehalten, der das verwirrende Leben irgendwie gut meistert. Ein Meister, ein Idol, der dir die Vorlagen gibt, die du dann nur noch nachahmst. Fast wie ein unausgemaltes Mandala oder eine Schablone. Bis du dann dich selbst findest. Zwischen all den Leuten, die sich ebenfalls suchen. Das Leben ist doch eine große Leinwand, auf der du dich kunterbunt verewigen kannst.
Da passen wohl am allerbesten diese Worte:

„Man braucht sehr lange, um jung zu werden.“
– Pablo Picasso

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13 Kommentare

  1. In meiner Jugendzeit wurde an der Schule ein Lied gelehrt,
    das da so begann :

    “ Weil wir jung sind, ist die Welt so schön,
    weil wir voll Vertrauen vorwärts gehen. “ 🙂 🙂 🙂

    In diesem Sinne, ein schönes Wochenende … PachT

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  2. Ein sehr interessanter Eintrag. Zunächst, dass und wie Du deinen Abstand zu noch jüngeren Jugend wahrnimmst und beschreibst. Und dann, was und wie Du folgerst.

    Ich war ein noch langweiligerer Jugendlicher als Du. Aber in der Zeit meiner Jugend lebte ich in einem anderen Land und es ganb diese sich so ungeheuer schnell abwechselnden Trends nicht. – Allerdings war ich wohl auch von Hause aus genügsam. Was ich nicht bekommen konnte, danach verzehrte ich mich nicht. –

    Wir hatten keine „Westverwandtschaft“. Und als ich das erste Mal einen Kassettenrekorder sah, da gab es welche in meiner Klasse, die besaßen schon seit zwei Jahren einen. In der DDR gab es die noch gar nicht… – Ich empfand darüber aber keine Traurigkeit und schon gar keinen Neid.

    Jemand, der etwas nicht hatte, lief seinerzeit kaum Gefahr ausgegrenzt oder belächelt zu werden. Und wenn das geschehen wäre, wären die Lehrer in der Schule dagegen viel eher und rigoroser eingeschritten als ich das heute oft wahrnehme. – Manche nennen auch das heutzutage „Diktatur“, weil es halt in der DDR so war.

    In der DDR hatten Schulen einen Erziehungsauftrag – der hatte freilich auch etliche Kehrseiten, wie ich heute weiß, es damals aber noch nicht wissen konnte. Aber, dass er Kehrseiten hatte, heißt für mich nach wie vor nicht, dass er NUR Kehrseiten hatte, wie das heute oft so schön schematisch und ins gängige Geschichtsbild passend, behauptet wird.

    Heute haben wir eine Diktatur des Geldes, eine Diktatur der Werbung, eine Diktatur der Suggestion darüber, was „in“ ist, um „dazu“ zu gehören.- Diese Diktaturen sind, was das Erzeugen von Uniformität angeht, nicht besser als vieles Diktatorische, was die DDR bestimmt und ausgemacht hat. – Die heutige Gesellschaft ist nicht stets die „bessere“.

    Der Spruch von Picasso ist großartig! Ich bin serh spät frei in meinem Geiste geworden. Aber heute bin ich das. Und so bin ich in Picassos Sinne jung. Tut mir gut, das zu wissen!

    Jugend ist generell IMMER naiv. Aber das ist nicht schlimm, und vor allem keines Vorwurfs wert. Im Übrigen sind etliche bei weitem nicht so naiv, wie die Erwachsenen sie sich machen bzw. gern hätten. Solche Jugendlichen mag ich sehr gern. Ein paar treiben sich auch hier in der Bloglandschaft herum…

    Ganz liebe Grüße!

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    • Vielen Dank für deinen so ausführlichen und zum nachdenken anregenden Kommentar!

      In meinen Augen ist es auch gar nicht schlimm „langweilig“ zu sein, so lange man sich gut damit fühlt. (:

      Ich glaube auch, dass die Leute sich früher untereinander viel mehr gegönnt haben. Dieser Neid und Konsumdruck war keineswegs so asgeprägt. Leider kommt es mir auch aber so vor, als würde das immer weiter steigen.

      Die Lehrer sind wohl heutzutage in den Schulen selbst sehr machtlos. Es wird immer schwieriger eine Autoritätsperson darzustellen und sich den Respekt der Kinder und Jugendlichen zu verdienen. In der Grundschule mag das noch anders sein, aber umso älter sie werden, desto eigenständiger und aufmüpfiger erscheinen sie mir.

      Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille und ich denke, dass sollte man nicht außer Acht lassen. Durch und durch schlechte Dinge gibt es nur wenige. (Zum Glück)

      Freut mich, dass der Spruch dir gefällt und dass du dich selbst darin wiedererkennst – ich dachte mir schon, dass er ziemlich viel Aussagekraft hat. (:

      Liebste Grüße!

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  3. Ich überlege auch manchmal, ob wir nicht einfach den Spruch der vorigen Generationen übernommen haben, die sich ja ALLE über die Jugend ärgerten,
    oder ob es derzeit wirklich „schreckliche“ Jugendliche gibt … 8|

    Ich persönlich finde diese „Ei-Fon-Zombies“ ja ganz schrecklich, die in einer Hand das Smartphone und in der anderen eine Bierflasche haben, und sich mit Kopfhörern von der Umwelt isolieren … 😦

    Umwelt,Natur,Kultur,andere Menschen …
    Für nichts scheinen sie sich zu interessieren 😦

    Aber DU bist auch ein JUNGER Mensch,
    und Du zeigst uns, dass es auch noch andere Jugendliche gibt ! 🙂

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    • Erst einmal sorry für die späte Antwort! (Irgendwie komme ich zu nichts mehr…)

      Ich bin mir da irgendwie auch nicht so ganz sicher. Einerseits denke ich, dass wir den Spruch des Öfteren einfach so übernehmen, aber andererseits kommt das Gefühl immer mehr auf, dass die Genrationen sich immer weiter ändern und man sich persönlich damit einfach nicht mehr identifizieren kann. Man vergleicht ja auch doch immer wieder mit der eigenen Teenagerzeit.

      Die finde ich auch besonders schlimm. Ich finde auch aber auch extrem anstrengend und unschön, wenn die Jugend nur noch auf Krawall aus ist und „aus Spaß“ provoziert, wo es nur geht. Vieleicht kommt mir das nur so vor, aber irgendwie fühlt es sich so an, als wären die Jugendlichen heute mit einem viel höherem Aggressionspotenzial behaftet.

      Danke für das Kompliment. 🙂

      Liebe Grüße nach Berlin!

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      • Es ging um den Witz, dass man jemandem so ein Zitat zuordnet, der sich selbst die Rübe mit ner Schrotflinte weggeschossen hat.

        Andere lieben wie sich selbst halte ich für Schwachsinn. Andere in Ruhe lassen und respektieren, ja. Aber mehr muss nicht unbedingt.

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      • Na ja klar, das ist Ironie pur, da passt überhaupt nichts zusammen. Allerdings hört man ja sowas doch immer wieder, von daher: Das funktioniert einfach nicht.
        Deine Sichtweise ist da definitiv effektiver.

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  4. ich habe auch schon öfter über diese sache nachgedacht. seit ich das erste mal dachte „diese jugend heutzutage!“, glaube ich. ich habe beruflich mit jugendlichen zu tun, aber mit sozial benachteiligten. ich glaube, das ist in vielen fällen (aber nicht in allen, gott sei dank), noch mal was ganz anderes. wobei sich die jugendlichen vor mir auch nicht unbedingt so geben wie gemeinsam mti den freunden in der bahn. fakt ist, mir fehlt verständnis. jegliches. ich finde die fast alle total kacke, ehrlich.

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    • Ich bin ja alleine schon von der Tatsache beruhigt, dass du ebenfalls „diese Jugend heutzutage!“ dachtest. 😉
      Absolut ist das was anders. Und meinen Respekt hast du dafür alle Male. Ich hätte ich auch in die Richtung gehen können, hab mich aber ziemlich schnell dagegen entschieden. Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund wie du: Sonderlich toll finde ich die nämlich auch nicht. (Ohne sie verallgemeinern zu wollen!)

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