Ein Meeting zwischen Ost und West

Ganze vier Bundesländer haben wir an diesem Wochenende durchquert. Eigentlich haben wir immer nur ein klein bisschen daran gekratzt, einmal um die Ecke geschaut und schon waren wir auch schon wieder draußen. Das Kuriose ist: Es ging von Westen nach Osten.

Auch wenn die Leute heute schon viel lockerer darüber reden, wenn sie versuchen das Ost-West-Verhältnis unter Scherzen zu verstecken, kommt diese unausgesprochene Rivalität doch immer durch. Um es vorweg zusagen: Zwei meiner Freunde sind aus dem Osten, meine Stiefoma ist aus dem Osten, mein Opa wohnt im Osten – ich habe also keinerlei Vorurteile.

Trotzdem werden mir die Unterschiede immer wieder bewusst. Die „Ossis“ sind ein anderes Völklein als wir „Wessis“. Sie sind genauso herzlich, sie sind die besten Gastgeber die man sich denken kann. Ihre Familienbände sind viel stärker als die im Westen, so erlebe ich es immer wieder. Außerdem halten sie an alten, teilweise wirklich wahnwitzigen Traditionen fest: Sie stellen tatsächlich bei Familienfeiern noch Namensschildchen auf die Sitzplätze. Und da gibt es auch keine Widerrede, wenn man eigentlich lieber bei seinem Bruder sitzen will und stattdessen einem der Platz zwischen zwei wildfremden, urig sprechenden Menschen zugewiesen wurde. KEINE. WIDERREDE.

Apropos reden: Dieser Dialekt ist gewöhnungsbedürftig, zum schieflachen und gleichzeitig sehr liebenswürdig. Es klingt alles so freundlich und immer auch witzig, wenn das Ostdeutsch durchkommt und die Menschen sich in schierer Empörung aufregen. „Du Oarschloch!“ Ich kann sie dann leider meist nicht wirklich ernstnehmen. Es hört sich so niedlich an.

Immer wenn ich in den Osten fahre, fallen mir die Straßen und die Plattenbauten auf. Ebenso die zum Teil sehr heruntergekommen Häuser. Auch die NPD-Plakate. Ähm, hallo? Wo gibt es denn sowas noch? Die würden bei uns keine zwei Stunden am Pfahl hängen, da wären gleich die Linken zur Stelle und würden die Plakateverteiler an den Pranger stellen.

Liebe Ostdeutschen, wenn ich jemanden mit pinken Strähnchen und gemachten Glitzer-Fingernägeln sehe, am besten noch weiße Stiefel dazu, dann muss ich an euch denken. Vielleicht auch, wenn ein junger Kerl mit tiefergelegter Karre super rücksichtlos überholt. Klischee gibt es überall.
Ich möchte euch oder eure Bundesländer hier keineswegs schlecht reden. Höchstens ein bisschen necken, aber ihr kennt ja den Spruch: Was sich neckt das liebt sich. Oder war es andersherum? Was sich liebt das neckt sich? Denn ich weiß genauso gut von euch, dass ihr uns Wessis doch als arrogant betrachtet – und ja, viele hier sind sehr, sehr arrogant. Auch hier trifft das Klischee mal einen Treffer.

Also, kennt ihr diese Vorurteile, bestätigten Klischees und falschen Annahmen auch? Habt ihr auch schon solche Rivalitäten bemerkt, vielleicht sogar noch in der jüngeren Generation? Oder habt ihr ein schweizerisches, ganz neutrales Verhältnis zum jeweils anderen? Lasst mal hören!

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14 Kommentare


  1. Mit dem Mauerfall begannen – vorbehaltlos – unsere ERKUNDUNGSTOUREN :
    – Marburg – Kassel – Bebra – Essen – Fulda – Duisburg – Eschwege – Bad Hersfeld – Griesheim – Baden-Baden – Mainz – Hamburg —> Zeitraum: erste 12 Monate

    Dem nachstehenden Trugschluss waren wir nicht verfallen;
    „OSSI“ / „WESSI“ gehören nicht zu unserem Vokabular !

    http://pacht45.blog.de/2012/11/09/09-11-12-berliner-mauer-15183964/

    Eine gute Woche für Dich … PachT

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    • Deinen Blogeintrag dazu lese ich mir gerne durch, sobald ich etwas mehr Zeit habe.

      Da ward ihr aber schön viel unterwegs gewesen. (:
      Und ich gebe dir natürlich Recht – „Ossi“ und „Wessi“ verwende ich in meinem normalen Sprachgebrauch auch nicht.

      Ebenso eine schöne Woche für dich!

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  2. Ich komme aus dem Osten und lebe immer noch hier. – Von Stereotypen, mit denen Menschen bedacht werden, noch dazu aufgrund irgend einer Herkunft oder Abstammung, habe ich noch nie etwas gehalten.

    Ich sehe weit weniger Unterschiede zwischen Ost und West als etwa zwischen Arm und Reich, zwischen Respekt und Arroganz. Da sind die Grenzen ganz fließend und nicht geographisch festzumachen.

    Natürlich gab und gibt es aber auch Spezifika, wenn man in Ostdeutschland bzw. Westdeutschland aufgewachsene Menschen hernimmt. Immerhin waren, in welchen Nuancen bzw. mit welchen „Abweichungen“ auch immer, die Sozialisierungen, die Erziehung, die gesellschaftlichen Umfelder und Rahmenbedingungen ganz andere.

    Bei jungen Leuten, vor allem solchen, die nach der so genannten „Wende“ 1989/90 geboren sind, sind diese Spezifika freilich immer weniger auszumachen.

    Eine Sprache „Ostdeutsch“ gibt es übrigens nicht. Auch in Ostdeutschland sind viele Dialekte zu unterscheiden. (Was Du zitiert hast klingt nach sächsischem Dialekt – aber selbst davon gibt es Spielarten – Menschen im Raum Dresden sprechen ein etwas anderes Sächsisch als die bei Chemnitz, die wieder ein anderes als die im Raum Leipzig usw., etwa hinsichtlich der Sprachmelodie.)

    Allerdings ist die Sprache „der“ Ostdeutschen in der Zeit der DDR insgesamt teilweise eine andere geworden. – Manches davon ist bis heute erhalten geblieben, manches wird immer weniger, manches ist auch mittlerweile verschwunden. Nur einige wenige Beispiele (für Dinge, die es auch heute noch gibt, darüber hinaus gab es auch viele Worte und Bezeichnungen für sachen, Erscheinungen, usw., die heute nicht mehr zu finden sind, von Zeit und /oder Geschichte als solche bereits überholt worden sind):

    „Kaffee komplett“ – ist fast verschwunden – gemeint war ein Kaffe mit Milch und Zucker

    „Kaskadeur“ – gibt es mitunter wohl noch – das ist ein „Stuntman“

    „Fahrerlaubnis“ (salopp: „Fleppen“) – noch gebräuchlich für „Führerschein“

    „Kollektiv“ – immer seltener werdend für „Arbeitsgruppe“ oder „Team“

    „Plaste“ – noch sehr verbreitet – für „Plastik“ bzw. „Kunststoff“ – daher auch „Plastebeutel“ für Folienbeutel mit unter auch für „Kunststofftragetasche“

    „Rekonstruktion“ – allmählich weniger gebräuchlich werdend für „Sanierung“

    „Datsche“ – immer weniger zu hören für „Wochenend- oder Gartenhäuschen“ – Gartenhäuschen hießen/heißen auch „Laube“

    Ganz typisch und längst noch nicht „ausgestorben“ ist die grundsätzlich andere Benennung bestimmter Uhrzeiten – etwa „viertel Neun“ (für „viertel nach Acht) oder „dreiviertel Sechs“ (für „viertel vor sechs“)

    Und die Art und Weise WIE geredet und etwas gemeint wird, ist mitunter nach wie vor eine unterschiedliche – zumindest nehme ich das immer noch häufig so wahr.

    Plattenbauten gibt es wohl noch einige mehr als im westlichen Deutschland, ich wohne selbst in einem – Etliche sind aber inzwischen abegrissen, viele der verbliebenen in unterschiedlichem Maße saniert worden. – Einen besonders guten Ruf haben sie allgemein nicht mehr, teilweise zu Recht, teilweise aber auch nicht, wie ich finde.

    Namenschilder hat es auf ostdeutschen Familienfeiern, die ich besucht habe, NIE gegeben. Die von Dir wahrgenommene Spezifik vermag ich daher nicht als wirklich „typisch ostdeutsch“ wahrzunehmen.

    Statt dessen ist es vor allem unter ostdeutschen Arbeitskollegen, so glaube ich, immer noch recht stark, und im Unterschied zum Westen, verbreitet, sich mit Handschlag zu begrüßen.

    Teilweise erhebliche Unterschiede zu den meisten (nicht allen!) westlichen Regionen gibt es immer noch im Lohn- und Gehaltsniveau, der Kaufkraft sowie hinsichtlich der vermögensverhältnisse, und es gibt im Osten viel weniger Industrie als im Westen. Rechtes Gedankengut findet vor allem in deindustrialisierten und infrastrukturschwachen Gebieten eine bisweilen erschreckend hohe aktive und „schweigende“ Anhängerschaft, aber das ist keineswegs nur ein Problem sozial schwächerer oder bildungsferner Menschen…

    Soweit mein kleiner, unvollständiger Exkurs … 😉

    Wie immer, liebe Grüße!

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    • Vielen, lieben Dank für diesen Exkurs. 😛
      Du kennst mich nun soweit, dass du weißt, dass ich damit überhaupt niemanden schlecht reden oder gar kränken wollte. Mir sind all diese Dinge nur wieder einmal aufgefallen und daher wollte ich sehr gern eure Meinung wissen. (Als ich diesen Eintrag schrieb, musste ich auch an dich denken, denn ich weiß ja, dass auch du aus dem Osten kommst – eine weitere, liebenswerte Person!)

      Mittlerweile denke ich doch aber, dass wir uns alle immer näher gekommen sind, aufeinander abgestimmt haben und auch die geographischen Grenzen kaum noch bestehen. Abgesehen davon, finde ich die Stereotype und Klischees ebenso unvernünftig wie du.

      Absolut, diesen Fehler gestehe ich! Ich meine natürlich den sächsischen Dialekt. Gut herausgelesen.
      Einige dieser Begriffe sind mir bekannt, andere leider noch nicht. Es ist wirklich sehr schade drum, wenn Dialekte immer mehr aussterben. Unsere Dialekte sind doch so wunderbar anzuhören. (Die Uhrzeiangaben bringen mich jedes Mal aufs Neue in Verwirrung. :P)

      Mit Handschlag begrüßen die Leute im Westen sich aber auch! Außer man ist sich näherstehend, dann natürlich mit einer herzlichen Umarmung.
      Das du die Namensschiler nie hattest, finde ich interessant. Mir ist das gerade auf Festen bei Verwandten aus dem Osten sehr aufgefallen. An sich auch keine schlechte Idee, aber zwischen Fremden zu sitzen, mag ich dann doch nicht so gern.

      Das diese Anhängerschaft nur in sozial schwächeren Mileu verbreitet ist, habe ich auch keineswegs behauptet! Ich bin mir sicher, das diese Anhänger in allen „Schichten“ zu finden sind. Diese Unterschiede die du da zusätlich noch aufgeführt hast, sind sehr wichtige Punkte!

      Die besten Grüße!

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  3. Den Einwurf von Schweitzer hätte ich auch gemacht :
    Es gibt KEINEN ostdeutschen Dialekt !
    Es gibt im Osten Sachsen,Thüringer,Brandenburger,Mecklenburger und Berliner. Alle haben einen anderen Dialekt 😉

    In welcher Region warst Du denn ?

    In Berlin gibt es ein OST-Berlin, ein WEST-Berlin und dann noch Norden und Süden :))
    Einen Unterschied zwischen den „Ossis“ und „Wessis“ wirst Du hier aber auch immer noch finden.
    Inzwischen ist aber der OST-Teil schöner als der Westteil…

    Klische`s mag ich nicht,
    aber leider bewahrheiten sie sich doch immer wieder 😦

    Liebe Grüße aus der Mitte Berlins
    Bärlinerin

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    • Ja, da musste ich mich wohl verbessern. 😉
      Ich war in Sachsen. Jedoch muss ich gestehen, dass meine Freundin aus Thüringen in meinen Ohren genauso redet wie meine Stiefoma aus Sachsen. 😀 Ansonsten höre ich die Dialekte aber doch eigentlich ziemlich gut heraus.

      Klischeés mag ich auch nicht, aber leider ist doch immer etwas wahres dran. Irgendwoher kommen sie ja. Aber zum Glück gibt es auch immer jemanden der nicht mit dem Klischee-Strom schwimmt. (:

      Liebe Grüße!

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      • Die beiden Dialekte (Sachsen-Thüringen) ähneln sich schon 😉
        Ebenso Berlin und Brandenburg,
        aber man erkennt schon den Unterschied.
        Manche behaupten gar, dass sie Ost-und Westberlin unterscheiden können.
        Leider stirbt dieser Dialekt aus, und ICH persönlich mag den alten Zille-Dialekt sehr, aber den hört man fast gar nicht mehr 😦

        Leider gibt es aber auch hier in Berlin noch dieses Ost-West-Denken 😦

        Na immerhin hast Du Dich über die Gastfreundschaft der „Ossis“ gefreut 🙂

        Liebe Grüße
        Bärlinerin

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      • Also Ost- und Westberlin kann ich ganz sicher nicht auseinander halten. Ich schätze das können auch nur die wenigsten. 😀
        Ich finde es auch immer sehr schade, wenn ein Dialekt ausstirbt. Das ist doch immer etwas besonderes, was man sich eigentlich erhalten sollte..

        Also über ihre Gastfreundschaft geht wirklich nichts. Einfach herrlich, wenn man so herzlich aufgenommen wird. (:

        Liebste Grüße!

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      • ICH kann Ost-und Westberliner Dialekt auch nicht unterscheiden 😉
        Meine eine Oma sprach den Alt-Berliner Dialekt, und meine andere Ostpreussisch.
        Das war beides schön, aber beides stirbt leider aus :`(

        Nachtrag :
        Mit den Wahlplakaten hast Du recht !
        Hier in Berlin hängen die auch nicht, aber in Brandenburg und makabrer Weise sind die recht lustig bzw. einfallsreicher, als die langweiligen anderen …

        Ich denke aber, dass Brandenburg am Sonntag anders wählt als Sachsen.

        Seltsam auch, dass diese Region Sachsen heißt, denn das alte Sachsenvolk lebte ja an der Küste !

        Liebe Grüße
        Bärlinerin

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      • Da bin ich aber sehr beruhigt, dass auch du das nicht auseinanderhalten kannst. 😉

        Wirklich, da muss ich dir wohl oder übel zustimmen – das ist mir bei manchen Plakaten auch aufgefallen. Sehr makaber!

        Was es nicht alles für merkwürdige Dinge gibt. Manchmal ist es doch irgendwie ganz schön verwirrend.

        Liebe Grüße an dich

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  4. huhu, ich bin auch ossi. 🙂 und zuerst muss ich dir leider sagen, dass ich allergisch auf die sprachbezeichnung „ostdeutsch“ reagiere. ostdeutsch sind einzelne worte, wie z.b. „broiler“ (brathähnchen) oder „Niethose“ (jeans). das gehört zur ostdeutschen varietät. aber einen ostdeutschen dialekt gibt es nicht. es gibt sächsisch mit seinen vielen variationen, es gibt thüringisch mit ebenso vielen variationen. ich komme aus südbrandenburg, wo man einen mix aus sächsisch und berlinerisch spricht. weiter oben in brandenburg spricht man richtig berlinerisch. und in meck-pomm spricht man nahe an brandenburg einen mix und an der ostsee eben nordisch. also, „oarschloch“ ist nicht ostdeutsch, sondern vermutlich sächsisch, oder thüringisch oder irgendwo in sachsen-anhalt gelegen. ich spreche das so nicht aus. 🙂 es gitb genausowenig eine „westdeutsche“ sprache, wie du sicher weißt, hier hat’s ja auch genügend verschiedene dialekte.

    ansonsten stehe ich der sache in der tat neutral gegenüber. ich kenne arrogante ossis und arrogante wessis. und ich kenne auf beiden seiten sehr lockere leute. ich wohne im schwabenland, und auch hier habe ich entgegen der vorurteile lockere leute kennengelern. vorurteile sind für’n arsch. 😉

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    • Da stimme ich dir absolut zu. Ich habe mich ja auch schon in älteren Kommentaren dafür entschuldigt. 🙂
      Natürlich gibt es kein Ostdeutsch, genau so wenig wie es „Afrikanisch“ gibt, etc. Und das stimmt, das Oarschloch ist eher aus dem thüringischen/sächsischen Gebiet. 😉

      Absolut. In unserer Generation sind diese Vorurteile ja auch gar nicht mehr wirklich vorhanden. (Höchstens mal, um jemanden zu necken.) In den älteren Generationen hingegen bekommt man die wohl nie mehr ganz weg…

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