"High Five, Lady!" (USA Tag 8.2)

Key West Beach; Golf von Mexiko

Nach kurzer Planänderung und schmollenden Launen, saßen wir wieder im Auto und umrundeten im Schritttempo die Insel. Nicht, weil wir noch eine Stunde Zeit hatten oder weil die Geschwindigkeitsbegrenzung das vorgab, sondern weil es an jeder Ecke etwas zu sehen gab: Strände und kleine versteckte Buchten und den Ortskern. Großartig umgucken konnten wir uns allerdings nicht, auch als wir der Bimmelbahn folgten. Wir waren viel zu sehr auf die Richtung konzentriert in die wir fuhren. So bekamen wir die Stunde im Handumdrehen rum.

Key Wests Strand – ich glaube es gibt nicht wirklich viele Strände hier – ist schmal, aber umso schöner. Die grünen Palmen, der weiße Sand und das türkise Meer schauen fast ein bisschen nach Karibik aus. (Oder dem Paradies. Das sind nur Behauptungen, ich war ja weder im Paradies noch in der Karibik.) Als wir dann unsere Handtücher ausbreiteten und zum Wasser runter gingen, wurde uns schnell klar, dass dies ein sehr widerlich riechendes Karibikfeeling war. Das Wasser war pisswarm und stank 10km gegen den Wind. Trotzdem mussten wir es antesten. Zumindest bis zu den Knien. Aber das reichte uns dann auch schon. So weit wie möglich vom Meer entfernt, lagen wir dann noch eine halbe Stunde auf den Handtüchern. Wenn man den Geruch von Fisch ausblendete und über den weißen Sand blickte, war es wie ein perfekter Urlaubstag.

Im Hotel wurde schnell geduscht. Zitronenwasser in die Plastikbecher gefüllt und schon saßen wir in den Strandstühlen auf der Veranda. Wir blendeten alles um uns rum aus und erst fünf Minuten vor Eintreffen des Shuttles, wurde uns bewusst, dass etliche Menschen warteten. Nachdem sich die ersten in das erste Shuttle gequetscht hatten und wir und viiiiele andere in das zweite Shuttle, ging es dann los. Zum berühmten Sonnenuntergangsfest. Aber da mussten wir auch erstmal ankommen…

Tag 8 Sonnenuntergangsfest

Sonnenuntergangsfest; Sloppy Joe’s Bar

Alle strömten aus dem Shuttle, wir hinterher. Allerdings teilten sich die Gruppen der Menschen dann so schnell, dass wir nicht wussten, wem wir zu folgen hatten. Im Endeffekt stiegen wir zurück ins Shuttle, um noch eine Haltestelle weiterzufahren – und um von dort aus den ganzen Weg wieder zurückzulaufen. Wir waren nämlich zu weit gefahren. Viel zu weit. Aber was eröffnet einem die Türen eines Ortes besser, als sich zu verlaufen? Wahllos liefen wir in eine Richtung: Ungefähr aus der, aus der wir gekommen waren.

Key West ist wohl einer der schönsten Orte, an denen ich mich jemals verirrt hatte. Aber so richtig verirrt waren wir ja auch gar nicht. Die einzige Sorge, die wir im Hinterkopf hatten, war das Sonnenuntergangsfest erst nach Sonnenuntergang zu erreichen. Aber dieser Gedanke war schnell verblasst, als wir die wunderschönen Straßen sahen. Es war kaum was los in diesem Ort. Uns begegneten nur selten Menschen und Autos fuhren eigentlich gar keine. Man bemerkte jedoch ziemlich schnell, dass das Leben hier so locker schwebend und fröhlich war, wie ein Heliumballon. Die Leute tanzten förmlich durch die Gegend. Ich wurde von fremden jungen Männern abgeklatscht und das nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Wir schafften es rechtzeitig zum Sonnenuntergangsfest. Die Menschen tummelten sich bereits am Wasser. Feuerspucker und Artisten gaben ihre Shows zum Besten. Die Leute jubelten. An kleinen Ständen wurden Kokosnüsse und kleine Andenken verkauft. Das einzige Geräusch, war eigentlich nur das Lachen fremder Personen, welches mir in den Ohren klang. Wie glücklich das hier alles erschien. Die Sonne tauchte schon recht bald ihre orange Kurve ins Meer. Wenig später verschwand sie ganz. Und das war es dann auch schon gewesen. Wunderbar, wie ein Sonnenuntergang – etwas, dass es jeden Abend gibt, etwas das für viele selbstverständlich ist – hier so schön zelebriert wird.

Tag 8 Hemingway
Hemingway wusste, wo man sich wohlfühlen kann.

Mit dem Strom ließen wir uns in Richtung der schönen Straßen zurück ziehen. Kleine Bars und Kneipen waren gerammelt voll. Sie sahen gemütlich aus und in jeder spielte eine Live-Band. Dann sahen wir das Sloppy Joe’s in dem wir eigentlich ein Bier trinken wollten – leider standen auf der Karte weder Preise, noch war in dem großen Raum Platz für uns. So mussten wir Hemingsways Lieblingsbar hinter uns lassen. Es fiel nicht schwer. An jeder Ecke taten sich neue Häuser auf, das wohl schönste Hard Rock Cafe weit und breit, kleine Bars und Geschäfte. Alles war bis spät in die Nacht geöffnet. Die Luft war angenehm warm, man konnte sich bewegen, ohne gleich die Kleidung wie Tesafilm am Körper kleben zu haben. Wenn ich einen schönen Urlaubstag beschreiben würde, würde der Tag (oder zumindest der Abend) in Key West definitiv eine gute Vorlage geben.

Liebe

x Nach langem Fahren mal wieder gefahren zu werden.
x Key West’s Flair.
x Von Fremden abgeklatscht zu werden.
x Das Sonnenuntergangsfest rechtzeitig zu erreichen.
x Verstehen, wieso Hemingway sich hier wohlgefühlt hat.

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4 Gedanken zu “"High Five, Lady!" (USA Tag 8.2)

  1. Diese Sonnenuntergangsfeste, beteiligen sich da auch Einheimische dran oder ist das mehr Touristenattraktion?

    Überhaupt, Du schriebst, dass Dir das Leben in Key West fröhlich und leicht wie ein Heliumballon vorgekommen sei. Aber auch, dass Verlaufen einem die Türen eines Ortes besonders öffnet (übrigens ein serh schöner, interessanter Gedanke!) – und Ihr hattet Euch ja verlaufen. – Sind Euch, sind Dir auch Widersprüche begegnet oder aufgefallen?

    Ansonsten: Man spürt durch und zwischen alle/n Zeilen, wie wohl Du Dich gefühlt hast. Da kann ich mich „nachträglich“ direkt mit Dir freuen.

    Viele schöne Grüße!

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    • Das Sonnenuntergangsfest gibt es schon seit vielen, vielen Jahren und immer noch kommen auch regelmäßig die Einheimischen dazu. Soweit ich das beobachtet habe zumindest. (Damals wurde das mal von den Hippies „erschaffen“ und bis heute übernommen.)

      Eine interessante Frage! Widersprüche sind uns gar nicht begegnet. Die enormen Kluften zwischen den Schichten oder Menschen, sind uns auf den Keys überhaupt nicht aufgefallen – vielleicht gab es auch gar keine. Wir waren allerdings auch nur zwei Tage da. Und wer hier unten lebt, ist eher in einer der reicheren Schichten angesiedelt. Alle erschienen uns sehr freundlich, sehr offen und vor allem viel lebensfroher als andernorts.

      Liebste Grüße!

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  2. Sonnenuntergänge am Meer sind wirklich immer sehr schön, und das kann man schon mit einem Fest begleiten 😉

    Danke für Deine Berichte und die Fotos ! 🙂

    Liebe Grüße aus dem heute sonnigen Berlin,
    Bärlinerin

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