Coward.

Es gibt Menschen die sind mutig. Wirklich unzweifelhaft mutig. Fast wie Ritter oder Krieger. Sie glänzen in ihrer strahlenden Rüstung, bestehend aus Mut. Unverwundbar, unzerstörbar leistet der Mut den besten Schutz. Keine Kratzer, keine Beulen. Die waghalsigsten Aufgaben werden mit einem kleinem Sprung gemeistert. Im Gegenteil dazu stehen die ängstlichen Menschen. Sie gruseln sich, sie bibbern, sie trauen sich nichts. Und vielleicht gibt es dann irgendwo noch mich: Den Feigling.

Neulich habe ich im Radio eine Umfrage gehört, wovor sich Menschen ängstigen. Es sollten außergewöhnliche Dinge sein, so etwas wie Enten zum Beispiel. (Ja, erscheint erstmal lustig, aber immerhin gibt es ja auch Menschen die Angst vor Mäusen haben.. vor Mäusen?) Während ich also in der Küche lehnte, geschäftigt nichts tat außer Kaffee zu schlürfen, dachte ich darüber nach, wovor ich Angst hatte. Nicht wovor ich zurückschrecken würde wie bei Wespen oder eventuell auch Spinnen. Etwas, wovor ich wirklich und richtig Angst hatte. Ich steigerte mich da ein bisschen sehr hinein, mein Kaffee wurde kalt und die Zeit verstrich. Aber im Endeffekt wusste ich die Antwort schon, sobald ich die Frage gehört hatte.

Es war mir nämlich eigentlich dennoch ganz klar wovor ich Angst habe. Und zwar davor niemals richtig verliebt zu sein. Davor alleine alt zu werden und vor allem davor, am Ende meines Lebens nicht sagen zu können, dass ich richtig gelebt habe. Nicht nach meinen Vorstellungen gelebt zu haben. Oder das ich es nicht geschafft habe mir meine Wünsche und Träume zu erfüllen.
Ja, davor habe ich Angst.

„Es ist als würde ein Monster in mir leben, das ich nicht kontrollieren kann.“
– Dexter

Solche Ängste kennt wohl jeder. Solche, die dich innerlich auffressen, wenn du zu lange darüber nachdenkst. Wie kleine Monster, die sich von deinen Sorgen ernähren. Ängste, die mit der Zeit wachsen, anstatt zu schrumpfen. Die immer unbändiger und wilder werden, die dich verpöhnen und ausbrechen, wenn du älter wirst. Sie schlafen unter deinem Bett, wohnen im Kleiderschrank, suchen dich in deinen Träumen heim und selbst das grellste und schönste Sonnenlicht lässt sie nicht verschwinden.

„Immer nach Monstern unter’m Bett gesucht, aber fanden sie
in uns selbst eingefangen ...“
-Casper // 20 qm

Vielleicht möchte ich auch einmal Monsterzähmerin sein. Das Monster in mir zusammenfalten, es zu einem Schoßhündchen umwandeln. Ich möchte es bei seinen 5 Ohren greifen und es durch die Luft wirbeln, bis ihm schwindelig wird. Mein Körper geschützt durch Mut. Die gläsernde, glänzende Rüstung, die doch so zerbrechlich ist, mit all ihren Schwachstellen. Denn Mut ist der erste Schritt, aber noch lange nicht der letzte.

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7 Gedanken zu “Coward.

  1. „am Ende meines Lebens nicht sagen zu können, dass ich richtig gelebt habe.Nicht nach meinen Vorstellungen gelebt zu haben.“

    Davor habe ich auch Angst…am besten nicht zu lange damit beschäftigen und darüber nachdenken, sonst passiert dummerweise genau das, was man eigentlich zu verhindern versucht.

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    • Das hast du schön gesagt und das ist absolut wahr. Reinsteigern sollte man sich da keineswegs. Aber dennoch lohnt es dich einmal, sich seine Ängste präsent zu machen. (:

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  2. Ach Ines, ich versteh‘ Dich so gut. *seufz* – Die vielen kleinen und größeren Monster sind so oft bei mir zu Gast, wohnen, leben in mir, und diese eine spezielle Angst, von der Du schreibst, die hat mich bis nah an mein 35. Lebensjahr verfolgt.

    Da hilft es nicht, wenn jemand „Ach, das wird schon noch!“, sagt, da hilft in dem Sinne eigentlich gar nichts – außer ein bisschen Trost vielleicht und Zuspruch.

    Beides möchte ich Dir hiermit gern schenken.

    Für den Zuspruch habe ich denn auch ein paar untersetzende Dinge zu sagen:

    So wie ich Dich bislang kennen gelernt habe, bist Du jemand, der sehr bewusst und dennoch nicht egoistisch seiend, bemüht ist, sich dem Alltag mit Engagement zu stellen und gleichzeitig die für sich schönen, erdenden Seiten des Lebens zu erfahren, im Alltag (was eine tolle Fähigkeit ausmacht) und darüber hinaus –

    Wenn Du es schaffst, diese Balance weiter zu halten und zu finden, dann wirst Du am Ende zwar vielleicht nicht immer ganz nach Deinen Vorstellungen gelebt haben, aber Du wirst mit Dir im Reinen sein, immer wieder das Mögliche versucht und das Beste daraus gemacht zu haben.

    Ich denke, mehr wird man als gute Bilanz unter ein Leben nie schreiben können.

    Daran, dass Du in der Lage sein kannst, richtig verliebt zu sein (und zwar nicht nur einmal 😉 ) habe ich keinen Zweifel. Du bist ein sehr empathischer Mensch, jemand der schöne, liebenswerte Dinge schon ganz im Unterbewusstsein zu registrieren und seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken weiß – Du bist niemand, der Liebenswertes übersieht. Und DAS ist die beste Voraussetzung, sich verlieben zu können.

    Jetzt muss „nur noch“ der Richtige erkennen, wie liebenswert Du selbst bist. Das kann mitunter dauern, ich weiß :roll:, aber so wie Du bist, wie Du mir immer wieder durch dieses Fenster hier erscheinst, glaube ich ganz fest daran, dass das geschehen wird, und zwar, Prognose…, nicht erst so spät, wie in meinem, überaus schweren Fall 😉

    Liebe Grüße Ines, und ich drück Dich jetzt hier mal öffentlich, damit vielleicht von „entscheidenden Leuten“ GESEHEN wird, dass Du ein ganz reizendes, liebenswertes Persönchen bist. 😉

    Bleib‘ Dir nur treu – dann bist Du auf einem guten Weg!

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    • Mir fehlen die Worte – vielen lieben Dank, wieder einmal!
      Jeder Kommentar von dir ist so liebevoll geschrieben und sagt so viel aus.

      Du hast Recht, da helfen solche „Ratschläge“ nicht. Und ich hoffe, dass sich deine Ängste nicht zu sehr festigen. Ich wünsche dir eine glänzende Rüstung, die dich schützt.

      Vielen Dank für deinen Zuspruch, ja tausend Dank möchte ich dir aussprechen. Ich finde es wirklich so rührend, dass mich jemand so wahrnimmt.

      Ich drücke dich selbstverständlich zurück – und zeige damit noch einmal meinen Dank für deinen Kommentar.
      Die besten und liebsten Grüße an dich!

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  3. Hallo Ines !

    Da hast Du wieder wunderschöne Worte für die Ängste gefunden, die wohl (fast) jeder in sich trägt.

    Man kann die Vergangenheit nicht ändern (zum Glück), aber man kann an der Zukunft arbeiten und die Gegenwart mitunter ertragen 😉

    Ich glaube, dass Du die Fähigkeit hast den richtigen Weg zu finden,
    damit Du :
    „Am Ende Deines Lebens nicht das Leben eines anderen gelebt hast “ (Zitat aus Jenseits von Afrika)

    Dir ein schönes Wochenende & liebe Grüße
    Bärlinerin

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    • Liebe Bärlinerin,
      auch dir möcht ich für deine lieben Worte danken! (:

      Die Vergangenheit ist nicht zu ändern, aber dennoch kann man sie sich vergenwärtigen, um die Zukunft besser zu gestalten und doofe Fehler zu unterlassen. 😉

      Das Zitat ist sehr schön! Das muss ich mir merken. Danke!

      Ein ebenso schönes und hoffentlich sonniges Wochenende wünsch ich dir. Und die besten Grüße!

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  4. solche ängste hat man auch noch, wenn man einen partner gefunden hat. hinzu kommt noch, dass es einem vor tod und verderben ängstigt (wir hatten es ja kürzlich schon davon, nicht). und eigentlich kommt man am besten damit klar, wenn man wirklich von tag zu tag denkt und nicht von jahr zu jahr oder jahrzehnt zu jahrzehnt. es kommt, wie es kommt, und dann wird man auch irgendwie das beste draus machen.

    es ist nicht immer leicht, so zu denken und zu leben. aber schon das probieren hilft ein bisschen, wirklich. hab ich jetzt auch gelernt. 🙂

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