Löwenherz

Schönheit ist subjektiv. Jeder Mensch findet etwas anderes schön. Es gibt so viele schöne Dinge: Meine Lieblingsmenschen zum Beispiel, die in meinen Augen besonders schön sind. In einigen Fällen trifft man dann jemanden, mit dem sich der eigene Geschmack überschneidet. Der dann vielleicht den gleichen Farbton mag, wie man ihn selbst so liebt.

Bei mir sind es oft Dinge, die andere womöglich gar nicht so schön finden. Löwenzahn, als Beispiel. Die meisten schimpfen den Löwenzahn als Unkraut. Und wenn dann erst einmal die Pusteblume entsteht, schlägt jeder Gärtner die Arme über dem Kopf zusammen. Ich aber finde sie schön. Wirklich schön. Ob alleinstehend oder als ganze farbenfrohe, gelbe Frühlingswiese. Dieses satte Gelb, die Farbtupfer im grünen Gras, die den Frühling malen. Und bald, ganz bald, werden es Pusteblumen sein. Unzählige. Diese luftigen, weißen Wiesen mag ich mindestens genauso gerne. Ich liebe die kleinen Fallschirme, die durch die Luft toben, die überall kleben und hängen bleiben. Sie fliegen leicht und frei in den blauen Himmel hinein – hinein in ein Leben als eigener kleiner Löwenzahn.

Löwenherz

Aber nicht nur die kleinen gelben Löwenherzen und die weißen Freiheitstänzer haben es mir angetan. Nein, auch die Kirschblüten. Jedes Jahr freue ich mich wie die König der Kirschblüten, wenn endlich die Knospen ihre Köpfe zum Himmel strecken und wenn die weißen, seidigen Blütenblätter sich entfalten. Ganz langsam öffnen sie sich. Auch sie sind überall zu sehen. Niemals alleine. Ganze Bäume voll davon. Von weitem schaut es aus, als würden Wolken in ihnen hängen. Für mich ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Frühling wirklich da ist. Immer wieder habe ich Angst, die Blütenzeit zu verpassen. Sie ist so kurz und doch so wunderschön. Fast ein bisschen wie ein Schmetterlingleben.

Kirsche P9

Gestern waren wir dann wieder einmal unterwegs. Perfekt zur Kirschblütenzeit. Wir liefen wieder einmal über weite Wiesen, staubigen Boden, über steile Hügel, hinauf und hinunter, an Bächen entlang, zwischen Rapsfeldern hindurch, unter Kirschbäumen hinweg und immer umhüllt von der Stille. Die einzigen Geräusche waren das Vogelgezwitscher und das Rauschen des Baches. Die Blüten rieselten bei jedem Windhauch auf uns nieder, bedeckten grasige Wege, Moos und Klee. Es sah aus als würde es silbernde Tränen schneien.
12 Kilometer Weg am 12. April. 12 Kilometer Natur. 12 Kilometer Glück. 12 Kilometer Wohlbefinden.
Ich hätte am Ende des Weges nicht fröhlicher sein können.

Advertisements

9 Kommentare

  1. Das sind wieder einmal sehr schöne Fotos und ein sehr illustrierender Text.

    Ich mag zwar Kornblumen besonders, aber mich erfreut grundsätzlich jede Blume, jede Pflnze, die mir in der Natur begegnet. Im Sommer überkommt es mich mitunter wie in Kindertagen, dann pflücke ich mir bisweilen einen kleinen Feldblumenstrauß. Es ist mir egal, dass manche Leute dann etwas komisch oder pickiert schauen, wenn ein erwachsener Kerl Blümchen pflückt.

    Das Löwenzahngelb beeindruckt mich auch immer wieder ich habe es heute auch ein paar mal wahrnehmen können, und habe dabei an Deine schönen Bilder hier denken müssen. – Und tatsächlich werden nächste Woche selbst hier im Norden etliche Rapsfelder schon in voller Blüte stehen, gut drei Wochen früher als gewöhnlich… das sieht zauberhaft aus, aber ob es so richtig gut ist …

    Liebe Grüße, Ines!

    Gefällt mir

    • Vielen Dank, wieder einmal (:

      Kornblumen mag ich auch sehr gern. Doch der rote Klatschmohn ist zum Beispiel meine Lieblingsblume. Allerdings kann ich dir nur zustimmen: Jede Blume besitzt Schönheit.
      Einen Wildblumenstrauß zu pflücken würde ich mir nicht trauen – sie halten nur so kurz in den Vasen. Aber ich kann verstehen, dass du dir gern etwas davon mit nach Hause nimmst. (:

      Verrückt, wie weit die Natur schon ist. Ich mag zwar das Gelb der Rapsfelder, aber ich meine mal gehört zu haben, das wegen diesen Feldern die ganzen Wildblumenwiesen aussterben 😦

      Viele Grüße!

      Gefällt mir

  2. Du hast wieder sehr schöne Worte gefunden für den Zauber des Frühlings – den so viele nicht sehen oder wahr nehmen …

    Es gibt wirklich weinige Dinge, die alle Menschen schön finden – wie einen Sonnenaufgang am Meer 😉

    Eine schöne Frühlingszeit wünscht Dir
    Bärlinerin

    Gefällt mir

    • Leider hast du da Recht, der wird viel zu wenig realisiert…
      Und danke sehr (:

      Einen Sonnenaufgang am Meer – hach, da hätte ich auch mal wieder Lust drauf, dieses faszinierende Ereignis zu bestaunen!

      Liebste Grüße!

      Gefällt mir

  3. Liebe Ines,
    wieder einmal hast du Worte gefunden, die so schön sind und so unvergleichlich schöne Bilder malen und in diesem Fall untermalen und unterstreichen, dass ich sprachlos und ehrfürchtig blicke und staune – voll Bewunderung für eine Wortakrobatin wie du sie eindeutig bist!
    Der helle Wahnsinn!

    Ich liebe ganz besonders die Pusteblumen aber am allermeisten die rosablühenden Blütenwolken.
    Sie be- und verzaubern mich ein ums andere Jahr und sind auch für mich das deutlichste Indiz dafür, dass der Frühling wirklich da ist und sich auch nicht mehr so einfach zurückziehen kann 😉

    Ganz besonders gefällt mir auch „Freiheitstänzer“! Ein tolles Wort! ❤

    Liebste Frühlingsgrüße an dich 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s