Verrückt.

Heute Morgen dachte ich mir: Nee, Frühling ist es noch nicht, auch wenn die Sonne scheint! Allerdings lag das daran, dass ich irgendwie fast auf meinem Fahrrad festgefroren war, als ich beim Praktikum ankam. Doch auf dem Rückweg konnte ich es nicht mehr leugnen. Die erste Fliege flog mir mit extemer Geschwindigkeit ins Auge und ich heulte quasi die ganze Fahrt über. Sowas passiert mir wahrhaftig sonst nur im Frühling/ Sommer. Und dann auch meist auf der Hinfahrt, damit man komplett fertig aussieht, wenn man bei der Arbeit/ an der Uni ankommt.

Es ist ziemlich spannend, welche Frage ich die letzte Woche über immer wieder gestellt bekommen habe, wenn ich erwähnte, wo ich mein Praktikum mache: „Ist es wirklich so extrem, wie man sich das immer vorstellt?“
Meine Gegenfrage war meist: Wie stellst du es dir denn vor? Menschen in Zwangsjacken, die apathisch in der Ecke sitzen und nicht mehr auf die Worte eines anderen reagieren? Dann muss ich sagen: Nein. So ist es nicht. Du hast zu viele Hollywoodfilme geguckt, bei denen die psychisch Erkrankten immer die Sündenböcke sind. Ich kann nur jedem ans Herz legen: Ändert eure Meinung, wenn ihr wirklich so ein Bild von „Psychiatrien“ habt.

Eigentlich ist es wie in jedem anderen Krankenhaus auch. Die Menschen sind krank, wirken auch teilweise kränklich und überall laufen Ärzte rum. So ist das nunmal. Und hey, da ich ja neulich schon den tollen Einfall hatte einen Arzt heiraten zu wollen, bin ich ja hier an der richtigen Stelle. Vielleicht ist das nicht immer ganz so praktisch, dass die ganzen Medizinstudenten um einen herumschwirren, die kann ich dann manchmal nämlich nicht so richtig für voll nehmen. Die sind nämlich nicht älter als ich. (Ja, davor habe ich echt Angst – wenn die Zeit kommt, dass mein Arzt jünger ist als ich!)

Natürlich mache ich tagsüber auch noch was anders, als die Ärzte anzuschmachten. Zum Beispiel lauf ich da ganz oft hinterher und hör mir an, was sie so über Medikamente, Suizid und Krankheitsbilder zu sagen haben. Ich bin mal so naiv und glaube ihnen. Sind zwar meistens auch nur Studenten, aber sie haben immerhin einen weißen Kittel an. In dem sie sich manchmal ein bisschen wie der König der Welt fühlen. Ob sie den zum Schlafen ausziehen? Vielleicht sollte ich es mal wagen den Kittel zu berühren. Hoffe sie diagnostizieren mir dann nichts an und behalten mich dann nicht vorsichtshalber direkt da…

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12 Gedanken zu “Verrückt.

  1. Danke für Deinen ersten Einblick in Dein Praktikum !

    Ich habe meins damals abgebrochen weil es mich mental zu sehr belastete.
    Aber dafür habe ich mein Praktikum im Seniorenheim durchgestanden 🙂

    Ich wünsche Dir viele neue Eindrücke !

    Liebe Grüße aus dem frühlingshaften Berlin

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    • Gerne 🙂

      Ach ja, dann haben wir ja quasi „getauscht“.
      Ich wollte vor ein paar Jahren mal im Seniorenheim Praktikum machen und bin nach einem Tag fast „geflohen“. Das war gar nichts für mich.
      Aber so sieht man mal wieder, wie unterschiedlich es ist (:

      Viele liebe Grüße!

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      • Im Seniorenheim haben die meisten Praktikanten aufgegeben 😉 Für Senioren habe ich ein Gefühl, und die Senioren spüren das auch.

        In der Klinik hatte ich eine derart schlimme Station erwischt (geistig und körperlich Behinderte), dass es für mich unerträglich war … 😦

        Jeder hat so seine Grenzen ! 😉

        Liebe Grüße
        Bärlinerin

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      • Jedem das seine! Aber wirklich sehr beeindruckend, dass es du so gut mit ihnen umgehen kannst und dir diese Situationen nicht allzunahe gehen (:

        Wenn geistige und körperliche Behinderungen dann auch noch im Doppelpack auftreten, wüsste ich glaube ich auch nicht, wie ich damit umgehen könnte. Das ist auf jeden Fall nochmal eine Nummer „härter“, als ich es jetzt erlebe.

        Beste Grüße
        Ines

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  2. Ich hab mal ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in einer psychatrischen Klinik gemacht.
    Da war mein Einblick natürlich nur sehr eingeschränkt, zum einen, weil ich halt erst in der 10. Klasse war und zum anderen, weil es so kurz war. Aber es war trotzdem eine sehr tolle Erfahrung, an die ich heute noch oft und gerne zurück denke.

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  3. Ich habe bisher nur mal eine Tagesklinik für Menschen mit psychischen Problemen besucht, dort auf einer Veranstaltung gesprochen, auch mit erkrankten Menschen. – Einen wirklichen Einblick habe ich daher nicht.

    Aber ich denke schon, dass es eine sehr verantwortungsvolle und auch schwere Arbeit ist, psychisch kranke menschen zu betreuen. Und ja, bezüglich der wirklich schweren Erkrankungen, bezüglich Menschen, die akut suizidal sind, Traumapatienten etc., habe ich höchsten Respekt vor entsprechender Arbeit und glaube nicht, das ich das längere zeit machen könnte.

    *

    „Ja, davor habe ich echt Angst – wenn die Zeit kommt, dass mein Arzt jünger ist als ich!“

    Diese „Angst“ ist bei mir schon länger Realität – aber sie ist gewichen – meine Hausärztin, ist, obwohl um einiges jünger als ich, die erste ihrer Art zu der ich wirklich einigermaßen Vertrauen aufbauen konnte.

    „Vielleicht sollte ich es mal wagen den Kittel zu berühren.“

    Das ist ja allerliebst! – Wenn Dich deshalb einer dabehalten will, wäre es vielleicht einen „Versuch“ wert… 😉 – Du könntest ja versuchen zu argumentieren, dass Du ein negatives Schornsteinfegerberührungstrauma mit Dir rumschleppst und deshalb eigeninititiv eine 180° – Strategie entwickelt hast – statt mit Schwarz probierst Du es halt jetzt mit Weiß! 😉

    Liebe Grüße, Ines!

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    • Eine Tagesklinik ist ja auch noch einmal etwas anderes, als zum Beispiel die geschützte Station. Aber in Tageskliniken bin ich auch nicht allzu sehr eingeweiht.

      Auch hier kann ich nur sagen: Jeder muss das finden, was für ihn wohl die geeignete Schiene ist. Ich habe mich ja noch nicht so lange mit psychisch Erkrankten beschäftigt. Eigentlich erst seit Anfang des Studiums, daher kann ich da auch noch sehr viel lernen. Aber im Moment finde ich, dass dieser Bereich ein Bereich sein kann, den ich mir auch weiterhin gut vorstellen könnte (: Auch wenn man mit vielen suizidalen Gedanken, selbstverletztendem Verhalten, etc. konfrontriert wird.

      Da hast du mir jetzt ein bisschen die Angst genommen. 😛

      😀 Das ist mal eine Idee! Ansonsten schiebe ich es auf die Zwangsneurosen, oder sowas. 😉
      Manchmal glaub ich, die Ärzte diargnostizieren da sowieso jedem irgendwas an. (Wahrscheinlich auch sich selbst.)

      Beste Grüße!

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  4. find ich hochinteressant, diesen arbeitsort! meine freundin ist krankenschwester auf der psychiatrie, die erzählt auch manchmal sachen, aber halt meistens die eher „aufregenden“. 😉

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    • Die bekommt’s dann ja auch hautnah mit, gerade an Wochenenden passiert ja viel und da ist ja meist nur die Pflege und ein Arzt vom Dienst anwesend.
      Mir reicht schon das was ich mitbekomme und erzähle dies dann auch gern mal. Aber darüber im Blogeintrag zu berichten, wäre mir auch ohne Namensnennung ein bisschen zu heikel. (:

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      • ja das ist es auch. ich könnte sooo viel von der arbeit schreiben, aber das lasse ich auch lieber. am ende erkennt sich wer wieder, und das wäre fatal. 🙂

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