Zwischen Zitronenliebe und Freiheitstanz. (Mallorca Tag 6.1)

Für alle aufmerksamen, schlauen Füchse unter euch: Ja, Tag 5 fehlt. Das habt ihr richtig erkannt.
Und der fehlt nicht einfach so – nein. Da gab es nämlich weder Fotos die ich machen konnte, noch sonst irgendwas. Das Einzige was mir von diesem Tag in Erinnerung blieb, ist Regen und Wind. Es schüttete und stürmte. Wir wagten es nur einmal aus dem Auto auszusteigen, am Rand von Klippen, an denen die Wellen fast bis zu uns hinaufbrachen. Man konnte sich gegen den Wind lehnen, ohne umzufallen. Und so ging es dann klitschnass zurück ins Auto und mit dem Auto weiter an Klippen, Leuchttürmen, Buchten und kleinen Orten vorbei.
Erst am Abend klärte es wieder auf. Der Regen war vorüber und wir machten einen Strandspaziergang. Da der Wind nicht nachgelassen hatte, musste man sich gut auf jeden Schritt konzentrieren. Ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Nach einem ganzen Tag im Auto, wäre ich fast mit dem Wind über den Strand gejagt, wäre gesprungen und getanzt. Stattdessen schmeckte ich das Salz auf den Lippen und sammelte besonders schöne Muscheln vom Strand auf. So hatte Tag 5 noch einen bezaubernden Abschluss.

Valdemossa; Deía

Draußen war es ungemütlich kalt. Selbst die Sonne war nicht zu sehen, dafür war der Wind zurück. Wir saßen im Leihwagen, wieder auf kurvigen Straßen unterwegs. Zum Glück durfte ich mal vorne sitzen. Mein Bruder hatte seinen Platz freigegeben. Wie nett von ihm!
Als wir eine kleine Ewigkeit unterwegs gewesen waren, kamen wir nach Valdemossa. Unser erstes Ziel am heutigen Tage. Auf einem der Parkplatze hielten wir nur kurz, weil uns die Spanier im Auto gegenüber etwas komisch vorkamen. Wir sind leider auch vorgeschädigt, uns wurde im letzten Urlaub auf Mallorca (eine Ewigkeit her), das Auto aufgebrochen. Meinen Eltern passierte das sogar noch einmal, aber da hatten sie zum Glück dazugelernt und alles schon vorher hinaus geschafft.

Valdemossa bot noch einen weiteren, kleinen Parkplatz, auf dem wir uns sicher genug fühlten, weil er sehr zentral lag und fast nur Mietwagen herumstanden. So zogen wir die Kapuzen enger und liefen in die kleinen Gassen hinein. Ich weiß gar nicht, was ich zu Valdemossa groß sagen kann, außer, dass es mich an Volterra in Italien erinnert. Fast identisch waren die kleinen Orte. Die grauen und braunen Steinhäuser, die sich eng aneinander schmiegten. Die engen Gassen und bunten Türen. Der alte Olivenbaum neben dem Restaurant. Und teuer war es. Alles. Von den Postkarten bis zum Kaffee.
Ziemlich zentral liegt wohl ein kleiner Platz, auf dem kein Mensch unterwegs war. Kein Wunder, hier bekam man wegen des Windes kaum Luft. Schnell flüchteten wir in eine Galerie und kauften dort unzählige bunte Postkarten vom Künstler. Zurück auf dem Platz, entdeckten wir ein Museum und hübsch gestaltete Tongesichter an den Wänden.
Eine kleine Gasse führte uns zu einem Wunschbrunnen, in den wir gleich ein bisschen Geld hineinwarfen. Ein Stück weiter und man stand auf einer Terasse eines Restaurants, von wo aus man einen Teil der Stadt sehen konnte.

valdemossa
Einmal ins Märchen und wieder zurück.

Wir bewegten uns weiter in einen Garten hinein. Von dort aus in die Unterstadt. Und hier sah alles gleich und komplett anders aus. Jede neue kleine Straße verzauberte mich mehr. Es wuchsen Orangenbäume an den unerwartetensten Stellen. Bunte Blumen und grüne Pflanzen lugten aus kleinen Töpfen hervor, die die Menschen an den Wänden ihrer Häuser befestigt hatten. Es gab so viel zu entdecken! Und dann endlich kam die Sonne heraus und wärmte uns, während wir zwischen Zitronenbäumchen und Vorgärten standen.

Doch Valdemossa war nicht unser einziges Ziel, dieses Tages. Weiter ging es nach Deía. Ein Künstlerort in einem Tal gelegen, an einer wunderschönen Bucht, die ich nur auf Postkarten zu Gesicht bekam. Als wir nämlich in Deía ankamen, war die Sonne wieder fort und somit auch gleich die Wärme. Wir beeilten uns, durch die Gassen zu streifen und ein paar Fotos zu machen. Eine Kirche wurde besichtigt, ebenso Kanonen und ein Ziegenkopfskelett. Von der kleinen Terasse aus, auf der wir standen, sahen wir plötzlich die Esel. Und ich als Eselliebhaberin, musste sie unbedingt streicheln! UNBEDINGT! Also liefen wir zwischen kleinen Höfen und Plätzen hinunter zu den Eseln. Natürlich kamen diese uns gleich entgegen. Sie ließen sich dann aber vom Grasen auch nicht weiter abbringen, als sie merkten, dass wir für sie nichts zu essen hatten.

deia
Verlassener Künstlerort im Winter.

Deía ist ein toller Ort. Es gibt, wie in all den kleinen Orten, enge Gassen und Orangenplantagen. Mit etwas Glück findet man diesen Ort fast ausgestorben vor. So ist es viel schöner, durch die Straßen zu schlendern und Kleinigkeiten zu entdecken.

Liebe

x Sich vom Wind tragen lassen.
x Kleine Orte entdecken.
x Postkarten vom Künstler kaufen.
x Esel streicheln.

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7 Kommentare

  1. Es ist sehr schön, Deine Beschreibungen der kleinen Orte lesen zu können. Immer, wenn Du etwas in der Art tust, entstehen zusätzlich zu den (schönen) Fotos, die Du hier zeigst, Bilder in meinem Kopf.

    Die Eindrücke, die die Natur verleiht, spüren zu können – das gehört auch für mich zum Schönste, was die Welt mir bietet. Starker Wind, von dem es hier, wo ich wohne, grundsätzlich ziemlich viel gibt, lässt mich allerdings mehr spüren, wie groß und gewaltig die Naturerscheinungen sind, und wie klein ich darin. – Manchmal, wenn der Wind sehr stark ist, macht mir das sogar ein bisschen Angst. Aber es „erdet“ mich auch, und so lasse ich mich schon mal zerzausen.

    Freilich habe ich es besonders gern, wenn es warm ist und der Wind mich dann streichelt – es gibt für mich kaum etwas wunderbarer-sanftes. Und es ist nicht „menschengemacht“. Es ist deshalb besonders sensationell!

    Aber es gibt noch so viel mehr, was die Natur als eines der wundervollsten Geschenke ausmacht, die uns gegeben sind. Wenn sie nur mehr bewahrt, geachtet würde …

    Ganz viele liebe Grüße an Dich!

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    • Natürlich ist es viel schöner, wenn es warm ist und der Wind als leichte Brise weht. Immer kann ich diesen Sturm und Wind auch nicht leiden. Aber es hat so gut gepasst, nach dem langem Tag im Auto.

      Die Natur ist schon etwas schönes, manchmal etwas unheimlich und oft unberechenbar. Aber es ist die Natur, und die sollte man ja doch zu schätzen wissen. 🙂

      Liebe Grüße!

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  2. Stimmt – man kann sich die Orte sehr gut vorstellen, und in mir wecken sie wieder Sehnsucht nach Mallorca.
    Ist Valdemossa nicht das angeblich schönste Ort auf Mallorca ? Ich war etwas enttäuscht (nach unserem 4-stündigem Anmarsch), denn ich hatte in Italien sehr viel schönere Orte gesehen.
    Schade, dass ihr schlechtes Wetter hattet, aber ein Grund mehr, um wieder hin zu fahren, oder ? 😉
    Ein schönes Wochenende wünscht Dir
    Bärlinerin

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    • Valdemossa gilt als einer der schönsten Orte. Und im Sonnenschein, ohne die Menschen, hat es mir dort auch sehr gut gefallen. Aber ich kann gut verstehen, dass man nach so einem langen Weg etwas besonderes erwartet.
      In Italien war ich auch in vielen kleinen Orten und ich habe sie vom Flair her, fast gleich mit denen auf Mallorca empfunden. 🙂

      Zum Glück war es ja nur der eine Tag, der sich am Nachmittag ja auch gebessert hat. Daher konnten wir uns über das Wetter nun nicht beklagen.
      Aber hinfahren – das lohnt sich wohl immer noch einmal!

      Danke sehr, ich wünsch dir ebenfalls ein schönes, erholsames Wochenende!
      Liebe Grüße

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  3. Ich habe in meinem Tagebuch nachgesehen 😉
    In Valdemossa ist das Kartäuserkloster. Dort wurde ich etwas „angepöbelt“, weil ich George Sand-Zigaretten rauchte, und die Schriftstellerin dort nicht sehr beliebt ist…
    Das schönste Dorf Mallorcas ist angeblich Fornalutx … Dort hin waren wir von Port-de-Soller gewandert, und dann doch etwas enttäuscht.
    Aber die Landschaft Mallorcas ist schon atemberaubend !

    Liebe Grüße
    Bärlinerin – nun wieder mit Sehnsucht nach Mallorca 😉

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    • Das ist richtig, Fornalutx soll es ein. Aber einen großen Unterschied – von der Schönheit her – seh ich eigentlich nicht.
      Die Landschaft macht wohl alles wieder wett.
      Im Winter jedoch, find ich, kann man sich echt noch viel besser dort umschauen, in den kleinen Dörfern und da ist es gleich nochmal ein ganz anderes Flair.
      Schade, dass du dort in Valdemossa so einen kleinen Zwischenfall erlebt hast. Ich hoff es war nicht ganz so tragisch 😉

      Liebste Grüße nach Berlin!

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