Wo Elfen und der Weihnachtsmann sich begegnen. (Quedlinburg)

Für viele Menschen ist der Weihnachtsmarkt ja ein großes Rätsel. So auch für mich. Ganz trotzig, mochte ich diese komischen Märkte nicht mehr, so bald ich aus dem Kindalter hinausgekommen war. Es ging nur noch um Glühwein, zu viele Menschen, die sich gegenseitig über den Haufen rennen und immer wieder die gleichen Stände. Nichts neues und überall Betrunkene.

Doch gestern schon lockte mich ein Freund aus der Reserve. Er musste mir Köder auslegen, damit ich mich überwinden konnte. Zudem hat er all seine Überredungskunst aufgebracht, doch auch ich kam irgendwann auf diesem Weihnachtsmarkt an. Und ich muss euch sagen: Es war wirklich nett. Mehr als das. Wir versteckten uns in einem der kleinen Hinterhöfe, direkt neben der Glühweinbude und schauten dem Getummel von außen zu. Meine Hände wurden klebrig vom Glas und meine Auge begannen sogar ein bisschen zu glitzern – das kam selbstverständlich nur vom zauberhaften Licht an diesem dunklen Nachmittag.

Immer noch etwas skeptisch, aber doch schon etwas offener (ich will ja auch nicht so ein Miesepeter sein), fuhr ich heute nach Quedlinburg zum Advent in den Höfen. Viel hatte ich davon gehört. Vor allem von den ganzen alten Menschen, die sich gegenseitig benörgelten, um dann mit ihrer Reisegruppe am Abend aufgebracht wieder nach Hause zu fahren.
Aber so war es gar nicht. Es war wunder, wunder, wunderschön – und das von jemanden, die das gar nicht mag. Was sagt euch das jetzt?

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Schon Recht früh waren wir dort, der Markt hatte gerade erst aufgemacht und so konnten wir uns noch ohne Einschränkungen um die Buden herum bewegen. Das schöne an dem Weihnachtsmarkt in Quedlinburg ist, dass sich der Markt auf verschiedene Stellen der Stadt verteilt. So ist wohl auch der Name „Advent in den Höfen“ entstanden. Diese kleine Stadt bietet so viele verwinkelte Ecken, kleine Gassen und um jede Kurve taucht ein neues Highlight auf.
Die kleinen Höfe sind voll mit Menschen und Buden. Es duftet nach Essen und heißen Getränken. In den Kinderaugen glitzert die Vorweihnachtszeit, in den Augen der Erwachsenen der Glühwein. In meinen Augen spiegelt sich wohl eine Mischung aus Kreativität und Entdeckerlust.

Die Buden sind wirklich originell und wiederholen sich – bis auf die Essens- und Getränkestände- eigentlich kaum. Kunstwerke aus Papier, aus Glas, aus Keramik. Dort hinten an der Ecke steht die Tür zu einem verwinkelten Haus auf: Es ist der Eingang in eine wahre Schatzkammer. In diesem Antiquariat kann man sich verlaufen, wenn man die Augen nur für die ganzen alten Gegenstände offen hält. Vasen, Teekannen, Schränke und Schaukelstühle. Egal was gesucht wird, es wird gefunden.

Ein paar Schritte weiter hängen die Tannenbäume plötzlich an der Decke. Jeder Eingang zu den unterschiedlichen Höfen ist anders gestaltet. Mal stehen eben die Bäumchen Kopf und mal reihen sich die Nikolaushüte aneinander. Die Kreativität kennt hier keine Grenzen.
Auf dem Skandinavienmarkt sitzen Zwerge auf der Budenkante, so bärtig, dass die Augen nicht mehr zu sehen sind. Wahre Kunstwerke für den Tannenbaum kann man hier erwerben. Wer dann noch eine Stärkung braucht, trinkt die Schokolade mit Honig und Zimt, wahlweise in 100 anderen Sorten.

Fee

Aber Quedlinburg hat neben der kleinen Elfen und Feen, neben den geschmückten Fenstern, den schiefen, alten Fachwerkhäusern und wunderschönen, engen Gassen auch noch viele andere Dinge, die zu deinen Lieblingsdingen werden könnten.
Oben auf dem Berg thront zum Beispiel das Schloss. Der Münzberg ist ebenso einen Spaziergang wert. Auch durch die Hölle kann man nicht jeden Tag spazieren. Die originellen Brunnen, bei denen man wunderbar witzige Fotos machen kann. Oder auf ein Pubarschknall – Bier in die Brauerei. Und dann gibt es da noch den Finkenherd. Ein Haus quasi in der Mitte der Straße. Es ist krumm und schief und wirkt wie ein Hexenhäuschen. Und an den Häuserwänden fliegen die Finken.
Vielleicht reicht ja meine Euphorie für diesen kleinen Ort aus, um noch mal vertiefter darüber zu schreiben. Nun muss ich aber erstmal die ganze Freude und neugewonnene Liebe über den Weihnachtsmark verarbeiten.

Liebe

x Den Skandinavienmarkt überqueren und in einer anderen Welt landen.
x Das Käsekuchencafe entdecken. (Käsekuchen, ich liebe dich!)
x Ausgefallenes Bier in einer Brauerei trinken.
x Sich von Feen bezaubern lassen – und all dem anderen Weihnachtszauber.
x Die Liebe zu Weihnachten neu entdecken.
x Einen Tag mit der Familie verbringen.
x Die Hölle durchqueren.

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12 Gedanken zu “Wo Elfen und der Weihnachtsmann sich begegnen. (Quedlinburg)

  1. Quedlinburg hat wunderschöne alte Fachwerk-Häuser. Ich kann mir vorstellen, dass der Weihnachtsmarkt dort wunderschön ist. Es freut mich, dass er Dich auch (wieder) in Weihnachtsstimmung gebracht hat 🙂

    Liebe Grüße
    Bärlinerin

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    • Schön, dass du diesen kleinen schönen Ort auch schon für dich entdeckt hast. Vielleicht ergibt es sich ja mal, dass du zur Weihnachtszeit dort bist. 🙂 Ich kann es nur empfehlen.

      Liebe Grüße!

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      • Ich mag diese alten Orte in Deutschland sehr, denn in Berlin ist ja vom Alten nicht so viel stehen geblieben 😦

        Ich finde die Weihnachtszeit im Erzgebirge sehr schön, auch wenn es einem manchmal „kitschig“ vorkommt.

        Den Markt in Münster fand ich nicht schön, aber das ist natürlich Geschmackssache 😉

        Am Wochenende bin ich in Breslau – dem einzigen Weihnachtsmarkt in Polen 😉

        Liebe Grüße
        Bärlinerin

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      • Es kommt wohl auch immer darauf an, wer einen dahin begleitet. Da können vielleicht auch nicht so schöne Weihnachtsmärkte ganz schön werden – ebenso kommts wohl auf die Vielfältigkeit der Buden an. Ich bin ja eher für kreative Stände zu haben, aber ich esse auch gern mal was ausgefallenes. Die Mischung macht es 🙂

        Viel Spaß in Polen! (Ich frage mich gerade, ob der Weihnachtsmarkt dort auch so ist, wie unsere in Deutschland?)

        Viele, liebe Grüße!

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      • Ich bin auch gespannt, ob der polnische Weihnachtsmarkt unseren ähnelt, und werde Euch darüber informieren 😉
        Die Kreativstände auf den Märkten finde ich auch schön, und deshalb mag ich den in der Kulturbrauerei. Ausgefallenes Essen gehört auch dazu, aber in Spandau wurde die bekannte Krakauer Wurst einfach in Breslauer umbenannt 😦 Erstens gibt es keine Breslauer, und zweitens ist das nicht kreativ 😉
        Liebe Grüße aus Berlin

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  2. Ich war auch nie so der riesiger Weihnachtsmarkt-Fan. Ich war halt mindestens einmal da, „weil man das halt so macht“, aber dann war es für mich auch wieder gut.
    Jetzt, da ich aber im Ausland bin und es hier keinen gibt, fehlt es mir total. (Aber das ist ja oft so mit Dingen, die man dann auf einmal nicht mehr hat :D)

    Der Quedlinburger Weiihnachtsmarkt sieht und klingt auf jeden Fall toll 🙂

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    • Ganz genau so war es bei mir bisher auch! Und als ich das geschrieben habe, musste ich daran denken, dass es letztes Jahr in London nur einen ganz kargen, gar nicht schönen Weihnachtsmarkt gab und fragte mich, ob der bei dir nun auch so fehlt. 🙂
      Aber ich meine gelesen zu haben, dass du über Weihnachten in Deutschland bist: Vielleicht kannst du die Weihnachtsmarktliebe ja auch wieder neu entdecken. 🙂

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  3. So ging es mir vor ein paar Jahren auch. Ich hab diesen ganzen Weihnachtsmarktkram, der meist ja alles andere als besinnlich ist, echt gehasst.
    Inzwischen bin ich auch wieder vesöhnlicher. Muss zwar jetzt nicht ständig dorthin (Schon gar nicht in meiner Heimatstadt, da sind fast nur Fress&Saufbuden), aber ich war letztes Jahr zum Beispiel in Münster mit ein paar Unileuten, das war echt schön (Münster hat ja auch mehrere Weihnachtsmärkte verteilt). Dieses Jahr wollen wir wahrscheinlich zusammen nach Essen fahren. Ich bin gespannt (:

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    • Es ist wirklich sehr nett Gleichgesinnte zu finden, die auch solche „Abneigungen“ hegten. Und umso schöner ist, zu hören, dass sich dies inzwischen gewandelt hat. 🙂
      Da scheint Münster ja ein Geheimtipp zu sein – das sollte ich mir vielleicht für nächstes Jahr merken.
      Wenn es in Essen auch so schön ist, kannst du mir das ja auch mal weiterleiten. 🙂
      Viel Spaß wünsch ich dir da auf jeden Fall schonmal!

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  4. Bin ich tatsächlich, aber das Vermissen hatte schon anfangen, als das noch nicht feststand 😀
    Ich komm am 21. zu Hause an und am 22. schließt der Weihnachtsmarkt, deswegen werde ich an dem Wochenende auf jeden Fall dort vorbei schauen. Und wenn es mit Jetlag ist :))

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    • Das glaube ich! Dann nutz das auf jeden Fall nochmal aus und genieße die vorweihnachtliche Zeit, wenn du ankommst. Viel Spaß beim Marktbummel – hoffentlich ist der Jetlag dann nicht allzu groß. 🙂

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