Igelwetter

Wo alle doch immer über das Wetter klagen, mache ich das nun auch einmal: Ih! Es regnet ständig, vor allem dann, wenn ich mal irgendwohin unterwegs bin und dann auch immer im nervtötendem Fisselregen, mir direkt unter die Kapuze ins Gesicht. Regenschirme kann man wegen des Windes ja eh nicht aufspannen. Sollte doch mal jemand so mutig sein, ist es ganz interessant, wer den Kampf dann gewinnt. Der Schirm will dann nämlich meist in die entgegengesetzte Richtung, als der dazugehörige Mensch.

Nun habe ich aber genug genörgelt. Ob es etwas gutes an diesem miesen Wetter gibt? Oh ja! Man findet es ungemein gemütlich drinnen zu sitzen, eine Tasse Tee oder Kaffee zu trinken und mit Freunden zu quatschen. Selbst die Vorlesung wird spannender, wenn man im Hinterkopf immer das eigene Gejammer hat, welches einem sagt, dass man eigentlich gar nicht nach draußen möchte. Wenn man dann drinnen sitzt und lernen muss, schaut der fleißige Student lieber den Regentropfen zu, die an der Scheibe herunterlaufen, als seine Hausarbeit weiterzuschreiben. Ist ja auch viel interessanter.

Wenn sich dann aber doch ein Mensch nach draußen verirrt, gibt es gar nicht so schlechte Dinge zu entdecken. Zum Beispeil Igel und Eichhörnchen. Die wohl coolsten Tiere auf dem Planeten. (Zusammen mit Füchsen, Eseln, und etlichen anderen.) Letztens erst, lief ich nachts über einen ausgestorbenen Parkplatz und gruselte mich schon ziemlich (ich bin so mutig, Leute!), als ich dann auch noch Laub rascheln hörte. Mein Körper konnte sich noch nicht so richtig zwischen wegrennen und keinen Milimeter bewegen entscheiden – was zugegebenermaßen ziemlich amüsant ausgesehen haben muss – als plötzlich ein kleiner Igel auftauchte. Hätten die nicht diese pieksigen Stacheln auf dem Rücken, hätte ich ihn wohl gestreichelt. Das Fauchen, was die manchmal von sich geben, klingt auch selten nett. Aber diese Kulleraugen und die Igelnase! Oh weih, da bekomme ich glatt Herzchenaugen.
So stand ich eine Ewigkeit vor diesem drolligen Kerlchen und keiner von uns bewegte sich. Es war ein Ausharren auf Zeit. Ich verlor den Kampf, durch eine kleine Unachtsamkeit meinerseits und schon war das Igelchen wieder verschwunden. Den Abend hat es mir aber trotzdem gerettet.

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4 Kommentare

  1. Du schreibst mit an sich so einfachen Worten so schön!

    Und wieder musste ich ein paar mal schmunzeln, denn ich sah da eine verträumte junge Studentin, an ihrem Schreibgerät knabbernd den Wegen der Regentropfen an den Fensterscheiben folgen, während der Professor vorn in der Monotonie seines Vortrags verharrend auf Erkenntnisfortschitt in den vor ihm aufgereihten Köpfen hofft …

    Und *Herzchenaugen* – das habe ich noch nie gehört oder gelesen, aber es klingt so allerliebst!

    Mit dem niedlichen Igelchen muss ich aber noch mal ein ernstes Wörtchen reden. Der kann doch nicht einfach abhauen, während Du Dich auf nachtdunklen Parkplätzen herumtreibst – so beendet man doch kein Rendezvous mit einer jungen Dame, schon gar nicht an einem so „heiklen“ Ort… 😉

    Lieben Gruß, Ines!

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    • Herzlichen Dank, für das nette Lob. 🙂

      Der Ausschnitt aus der Vorlesung, den du in deinem Kommentar beschrieben hast, ist äußerst zutreffend. Genau so läuft es fast tagtäglich ab!

      Ich fand ihn auch ziemlich frech, mich einfach dort stehen zu lassen. Aber ich glaube, er hat das schon ganz richtig gemacht. Sonst hätte ich ihn wohl noch Stunden beobachtet und ganz vergessen, was ich eigentlich noch vor hatte. So hat er mir in irgendeiner Art und Weise auch mit seinem Verschwinden geholfen. 🙂

      Liebe Grüße!

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  2. Ich gebe meinem Vorredner Recht: Du schreibst so schön über so kleine Dinge, wie Regentropfen an der Scheibe 🙂
    In meinem kleinen Vorgarten habe ich auch Igel, und finde sie auch allerliebst.
    Die sind jetzt aber schon im Winterschlaf. Wenn wir uns zu Hause „ein-mummeln“ hat das ja auch etwas von Winterschlaf, oder ?
    Auf nächtlichen Plätzen trifft man hier schon mal Füchse, und das ist dann nicht ganz so amüsant.
    Liebe Grüße aus dem regnerischen Berlin
    von der Bärlinerin

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    • Vielen Dank, ich freu mich immer so etwas nettes zu hören. 🙂
      Oh, wie goldig! Igel sind schon etwas ganz besonderes. Und scheinbar fühlen sie sich ja wirklich wohl bei dir!
      Ich hoffe mein kleiner Igel hat es noch rechtzeitig zum Winterschlaf geschafft.

      Du hast Recht! Für uns ist das Einmummeln wohl auch eine Art Winterschlaf. Und schlafen könnt ich bei dem Wetter wirklich ununterbrochen 🙂
      Füchse finde ich auch toll, fie dürfen nur nicht zu nahe kommen… Da bin ich doch etwas feige.

      Liebe Grüße
      hoffentlich hat es mittlerweile wenigstens aufgehört zu regnen!)

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