Schatzsucherin im Puddingparadies. (Venlo)

Oh, war ich aufgeregt! Noch nie zuvor war ich in den Niederlanden gewesen. Noch nie, noch nie! Und ich malte es mir bunt aus, wunderschön und idyllisch. Warum weiß ich allerdings auch nicht. Vielleicht, weil die Sprache schon eine gewisse Ironie besitzt und ich damit gute Laune und Lachen verbinde. Außerdem sind Niederländer immer sehr aufgeschlossen, warum also sollte ihr Land dann nicht genau so nett sein?

Bunt war es nicht, aber die Wolken trübten auch den Schein. Als wir aus dem Bahnhof hinaustraten, war ich kurz davor den Kopf zu schütteln. Oder abrupt stehen zu bleiben. Irgendwie sah das Ganze aus, als wären wir noch immer in Deutschland. Außerdem sprachen auch alle Menschen Deutsch. War ich hinters Licht geführt wurden? Machte sich hier jemanden einen Scherz und lachte sich ins Fäustchen? Sicher sah hier alles nur so aus, wie in Deutschland, weil die Grenze nunmal nicht weit ist. eigentlich direkt um die Ecke. Venlo wird quasi von der Grenze umschlungen. Es kann sich wahrscheinlich nicht so richtig entscheiden, wo es hingehören möchte. Zu den Ordentlichkeitsfanatikern oder doch zu den Riesen. (Ja, Niederländer sind riesig! Achtet da mal darauf. Ich habe diese Tatsache auch erst mit einer Handbewegung und lachend abgetan, doch dann kam die Ernüchterung: Ich bin ein Winzling. Mehr denn je.)

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Woran ich dann doch merkte, dass wir in Holland (oder viel besser: den Niederlanden) waren, ist ganz klar: Die Fahrräder.
Die reihten sich die ganze Straße hinab. Plötzlich hatte ich Lust eins der Drahtesel zu schnappen und die Stadt zu erkunden. Das ganze Land zu erkunden. Da es hier ja keine wirklichen Steigungen gibt, hat man das sicher ratzfatz durchquert. Mit Picknickkorb im Fahrradkorb und nostalgischer Klingel am Lenker – das wär’s. Scherzhaft erklärte ich meinen Plan. Ernstgenommen wurde ich nicht, obwohl ich glaube, dass dieser Plan ihn doch etwas beeindruckt hat. Er will’s nur nicht zugeben.

Den Unterschied sieht man jedoch nicht nur anhand der Räder. Die Niederländer müssen einen unglaublichen Frust haben, wenn sie mit dem Rad zu spät zur Arbeit kommen, weil der nächste freie Parkplatz 2km weiter weg zu finden ist.
Ich schweife schon wieder ab: Die Straßen sind eher kleine Gassen und an all den Laternen hängen Körbe voller Blumen. Da macht es auch fast nichts mehr aus, dass die Sonne nur für ein paar Minuten durch die Wolkendecke schaut.
Die Geschäfte sind unterschiedlich. Einige bekannte Ketten sind selbstverständlich vertreten. Hier kommt die bittere Wahrheit: Insgeheim hatte ich gehofft, dass die Kleidung etwas günstiger ist, als in Deutschland. Fehlanzeige. Warum fahren dann nur immer alle zum shoppen hier rüber?
Andere Läden würde man bei uns so gar nicht finden. Zum Beispiel die vielen kleinen Shops mit all den ausgefallenen Dingen, oder die, bei denen man durchs Schaufenster hineinschaut und nur unzählige, wunderschöne Lampen sieht. Es glänzt und glitzert hinter dem Glas. Ob ich Zuhause noch Lampen gebrauchen kann? Und ob mein lieber bester Freund sie nach Hause trägt?

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Auch die Cafes sind wirklich urig. Ich könnte mich in jedes hineinsetzen und mich kugelrund futtern. Die Einrichtung könnt ich gut nutzen… Passt auch zu den 100 gedanklich gekauften Lampen.
Zum Schluss geht es noch in den Supermarkt. Jeder, wirklich jeder, schwärmte mir immer wieder von diesem so köstlichen Vla Pudding vor. Jeder kannte ihn. Jeder liebte ihn. Ich glaube ihnen allen kein Wort. Pudding ist okay, ich liebe Pudding (ohne Haut, denn das ist nur grässlich!), aber was soll an diesem Pudding so toll sein? Außer das er Vla heißt. Und es Millionen Sorten davon gibt.

Nein, das ist keine Übertreibung. Vor dem Regal wurden meine Augen riesig. Eine Puddinglandschaft in sämtlichen Geschmacksrichtungen. Oh, wäre ich doch nur keine Entscheidungslegasthenikerin. Oder hätte ich doch einfach ganz viel Geld und ganz viel Platz im Bauch, dass ich alle hätte kaufen und essen können!
Hiermit möchte ich sagen: Ich hatte unrecht. Ich habe euch allen nicht geglaubt, aber nun hab ich den Pudding. Ja, er schmeckt. Ja, es ist der beste Pudding, den ich je gegessen habe. Und ja, ich werde zurückfahren und mir einen Jahresvorrat holen, den ich in einem Monat wegesse. Und dann mache ich eine Fahrradtour um mich wenigstens etwas sportlich betätigt zu haben.

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4 Kommentare

  1. Vla schmeckt aber auch nur aus Holland..hier gibts sowas vereinzelt ja auch schon im Regal, aber die schmecken dann echt richtig grausig..
    Wenn der (tolle!) Vla alle ist, bin ich immer traurig, dass Campina, das bei uns nicht verkauft..denn die Marke an sich gibt es ja auch hier..aber wahrscheinlich wäre es einfach nicht das gleiche und würde auch wieder grausig schmecken!
    Das mit den Klamotten ist mir beim letzten Mal auch aufgefallen (wobei das „letzte Mal“ auch schon wieder 2 Jahre her ist, glaube ich..)
    (:

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    • Das Campina das hier nicht produziert bzw. verkauft, ist mir auch ein Rätsel. Aber ich denke du hast Recht: Wenn sie es tun würden, wäre es nicht mehr der Vla aus den Niederlanden und somit wahrscheinlich gar nicht mehr so toll. (Wie die Nachmache, an die ich mich zum Glück noch nicht herangetraut habe.)

      Aber witzig, dass diesen Pudding scheinbar tatsächlich jeder kennt. 🙂

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  2. Ich war vor Jahren mal in den Niederlanden, eine ganze Woche lang. Allerdings dienstlich – es blieb wirklich wenig Zeit für Besichtigungen, Ausflüge. So habe ich an Emmen, Groningen und Rottedam eigentlich nur „geschnuppert“, für Amsterdem war dann immerhin ein halber Tag Zeit für ein bisschen Erkundung. Und das war ein serh schöner, interessanter halber Tag.

    Etwas später war ich dann mal auf einen Tagesausflug in Maastricht. Daran habe ich auch sehr gute Erinnerungen, vieles, was Du hier geschrieben hast, habe ich dort auch gefunden.

    Die Niederländer habe ich immer sehr freundlich und offen erlebt – keines der Klischees über sie stimmt (ich mag Klischees sowieso nicht) – und das sicher nicht bloß, weil ICH mich mit ihnen buchstäblich „auf Augenhöhe“ treffen kann 😉

    Von Vla- Pudding habe ich damals gar nichts gewusst. Aber, nun, wo ich von Dir hier davon lese, da werde ich richtig schwach. Ich bin doch nicht nur ein Schokoladenjunkie, nein, bei Pudding ist es fast genauso schlimm!

    Und Du wirst nun bald einen Jahresvorrat haben …

    * … hätte ich … doch einfach ganz viel Platz im Bauch*

    – das fand ich richtig niedlich, musste ganz doll schmunzeln!

    Schöne Grüße, Ines!

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    • Ich war wie gesagt vorher noch nie dort und bin aber ganz angetan. Schade, dass du nicht mehr Zeit hattest, die Städte zu erkunden.

      Alleine für den Pudding lohnt sich die Reise dorthin. Wenn man den Hamsterkauf dann noch mit einem Städtetrip verbindet, wird es sicher eine schöne Reise 🙂

      Liebe Grüße

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