What did he say?! (London: Tag 7)

Viking Hotel; Stratford Centre; Westfield Shopping Centre

Underground Station: Stratford

Unser letzter Tag ist angebrochen. Wir freuen uns sogar auf zu Hause (eigentlich nur auf das Bett und eine vernünftige Mahlzeit) und die Koffer stehen schon gepackt unter dem Tresen der Rezeption. Das Hotel müssen wir um 10:30 Uhr verlassen – ohne unsere Koffer. Das wir keine Fernbedienung hatten, sagen wir jetzt auch nicht mehr. Sollen sich doch die Nächsten drum ärgern. Mein Handtuch ist ja schließlich auch nicht wieder aufgetaucht. Herzlichen Dank auch, liebe übereifrige Putzfrau.

Die Sonne scheint, L. stolpert mal nicht über den Teppich vor dem Hotel und die Winterjacke erscheint fast ein bisschen zu dick für diesen Morgen. Da wir nichts weiter zu tun haben, als noch die restlichen Andenken und Geschenke zu besorgen, streifen wir erst einmal durch das Stratford Centre und landen dann – wie gewohnt – im Westfield Shopping Centre.

Die Zeit scheint still zu stehen. Wir sitzen herum. Warten. Streifen durch Läden und fassen dann einen Entschluss: Cupcakes kaufen und dann zum Hotel zurück. Die Dame wartet geduldig bis wir uns entschieden haben. Mit kleiner Papiertüte, gefüllt mit jeweils einem Cupcake, verlassen wir strahlend das Shopping Centre.
Aus Angst das Guthaben unserer Oyster Card, reiche später nicht mehr zum Flughafen, laufen wir die Strecke zum Hotel wieder zurück.

In der Lobby des Viking Hotels lassen wir uns auf die Sofa fallen. Wir warten und warten und warten. Ich lausche den Gesprächen der Leute, die sich mit dem Hotelmann unterhalten. Später überschwemme ich alles – ganz unauffällig – mit meiner Wasserflasche und krümle zu guter letzt mit meinem Cupcake alle erdenklichen Gegenstände voll. Genug Chaos angerichtet. Wir wollen nicht in den Feierabendverkehr kommen und schnappen uns deswegen unsere Koffer, um uns zum Flughafen auf zu machen.

Der Bus ist nicht so voll wie gedacht und der junge Mann an der Haltestelle zeigt noch einmal die feine englische Art, in dem er uns mit unseren schweren Koffern zuerst einsteigen lässt. Nach 2 Stationen geht es wieder hinaus, durchs Stratford Centre und hinein in die U-Bahn. Eigentlich wollte ich es keinem erzählen, aber: Wir haben ganze 6 Tage lange immer einen Umweg gemacht, nur weil wir zu doof waren, richtig zu gucken. Herzlichen Glückwunsch.

Heathrow Airport

Underground Station: Heathrow Terminal 1,2,3,4,5

Die U-Bahn ist ebenso leer wie der Bus und nach dem einem Mal umsteigen, habe ich das Gefühl wir würden nie ankommen. Ich weiß auch schon wieder gar nicht wirklich, wohin ich zuerst gucken soll. Zu dem gut aussehenden jungen Mann am Ende des Zugs, der lässig an der Tür lehnt (was für ein Rebell! Das ist verboten, junger Herr!), oder doch lieber zu dem niedlichen, uralten Ehepaar gegenüber. Diese vereisen wohl auch, denn sie fahren bis zum Ende mit uns mit. Lächelnd und halb schlafend, schaukelt der Opi hin und her, während die Omi in ihrer Zeitschrift liest. Eine Durchsage des Tubeführers (sau cooles Wort!) lässt den alten Herr aufschrecken. „WHAT DID HE SAY?“, brüllt er fast. Während ich noch krampfhaft überlege, was ich ihm darauf antworten soll, weil er komischerweise mich bei dieser Frage anguckt, antwortet seine Frau schon. Das „What did he say“ bringt mich allerdings zum lächeln. Ich muss daran denken, wie ich mit einem Freund Asterix und Obelix bei den Briten schaute, wir uns darüber beömmelten, dass einer der Briten immer wieder fragte, was gesagt wurde und wusste nun, woher dieses immer wiederkehrende Spruch kam. Ein Rästel war gelöst!

In Heathrow am Flughafen galt es nun erst einmal die Oyster Card wieder zurück zu geben. Der Mann hinter der Scheibe druckt einen ganzen Roman aus. Die Quittung mit den Haltestellen ist doppelt so lang, wie meine Ikea Rechnung, nachdem ich meine Wohnung neu eingerichtet hatte. Das sollte schon was heißen. Leider bekamen wir diese nicht als Andenken. Er warf sie ohne weiteres in den Müll. Dafür bekamen wir den Pfand und die restlichen Pounds wieder.

Am Flughafen in Heathrow ist ein einziges Getümmel von Menschen. Wir ließen uns auf einer der unbequemen Bänke nieder und warteten. Warten war das absolut Angesagteste an diesem Tag. Bald schon wusste ich nicht mehr, wohin ich gucken sollte. Ich kenne alles. Sogar den Shop gegenüber. Also krame ich mein Buch hervor und lese. Ich komme mir sogar ein bisschen mystisch vor, wie ich ein ausländisches Buch am Flughafen lese. Der Titel hat sogar ein „ü“ im Wort, das kennen die hier gar nicht. Muss das seltsam für die aussehen.
Unterbrochen wurde ich nur von L. die ab und zu auf etwas witziges aufmerksam machte, oder sich langweilte, von meiner Mahlzeit, dem zweiten Wrap des Tages, und von dem Typen, der sich links neben uns auf die Bank fallen ließ und den ich erst wahrnahm, nachdem ich mich fragte, woher dieser unglaublich leckere Geruch nach Männerdeo herkommt. So vergingen 3 Stunden Warten, bis wir beschließen endlich selbst einzuchecken.

British Airways

Das geht leichter als gedacht. Die Boardkarte wird ausgedruckt, wir bringen unser Gepäck zu der Frau, die uns nun auch keine komischen Fragen mehr stellt und huschen dann durch Tore hindurch, bei denen wir die Boardkarte einscannen müssen. Was für ein neumodischer Kram, aber cool ist es trotzdem. Bin ich ja leider immer ziemlich schnell von zu begeistern.
Hinter den magischen Schranken wartet die Gepäck- und Körperkontrolle auf uns. Und auf 1 Millionen andere Menschen, die heute noch einen Flug erwischen wollen. So verstauen wir unsere Flüssigkeiten in den Tüten und unsere Rucksäcke auf dem Band. (Ja, auch L. hat dazu gelernt. Kein Shampoo im Handgepäck!)
Ich komme ohne Probleme durch den Türrahmen, in dem die ganze Hoffnung auf Terrorbeseitigung liegt. Bin mir immer noch nicht sicher, ob man einem Türrahmen trauen kann, aber bis jetzt scheint er gute Arbeit zu leisten. Ebenso misstrauisch bin ich gegenüber dem Ding, was aussieht wie ein Schuhanzieher.

In der riesigen Wartehalle sitzen wir zwischen Geschäften und anderen Menschen. L. entdeckt die Steckdosen zum Handyaufladen. Leider funktioniert das ganze nicht so, wie sie es sich vorstellt. Der Ire, der uns gegenübersitzt, hat seinen Adapter nämlich schon stecken und ihrer ist einfach zu fett, um auch noch in die andere Steckdose zu passen. So verlässt sie mich und wandert ans andere Ende der Halle. Leider ist das keine gute Idee, denn wir schreiben weiterhin über das Handy und teilweise geben wir uns komische Handzeichen und durch ihre komischen Texte muss ich lachen. Der Ire mit der Gitarre schaut auf. (Ja ich weiß, dass es ein Ire ist, weil seine Gitarre nach Dublin will. Und wenn seine Gitarre das will, dann will er das sicher auch.) Ich schaue ihn an. Mit riesigen Augen und so, als wäre es ganz normal auf einem Flughafen loszuprusten, ohne ersichtlichen Grund. Er lächelt. Moment.. Er lächelt? Scheinbar sind die Iren genauso verrückt wie ich.

Time to walk to Gate: 15 Minuten. Wir rasen los. In einer enormen Geschwindigkeit. Biegen um die Ecke und – sind da. Nach 2 Minuten. Sagt mal Leute, habt ihr nichts besseres zu tun, als arme Touristen zu verarschen? Da hätten wir ja auch ganz normal gehen können. Und wieder heißt es warten. Unser Flieger wird leicht zu spät geboardet und irgendwie spricht kaum einer der Passagiere Deutsch. Sowieso sind das alles nur Britische Soldaten. Fast.
Trotz verspätetem boarden, heben wir pünktlich ab. Es kribbelt im B
auch und die Lichter unter uns glühen wie kleine Glühwürmchen. London ist riesig. Und genau in dem Moment wird mir bewusst: Wir reisen ab. Wir fliegen nach Hause. Mein Herz zieht sich etwas zusammen. Durch die Erschöpfung fühl ich mich noch 100 mal schlimmer. Oh nein, gibt es eine Handbremse? Ich will wieder zurück!
Ich mag das Highlife in Londons Straßen weiter leben, ich mag mich durch Passanten schlagen und weiter in der U-Bahn schaukeln. Ich mag Busfahren in vorderster Reihe und mich ständig für Dinge entschuldigen. Ich mag das mir an jeder Ecke Hilfe angeboten, oder mir Vortritt gelassen wird, einfach weil es sich so gehört. Liebe Engländer: Ihr seid bezaubernd. Ihr macht es richtig. Und London: Hier ein erneutes Versprechen, was ich hoffentlich bald einlösen werde: Ich komme wieder. Denn von dieser Stadt bekomme ich nicht genug. Sie ist seit dem ersten Tag, der ersten Reise in meinem Herzen und da wird sie keiner mehr herausbekommen. Ja, ich bin überzeugt, dass Liebe nicht nur von Mensch zu Mensch wirkt, sondern auch von Menschen zu Dingen und seien es nun mal Städte.

Ich esse meinen dritten Wrap an diesem Tag. Endlich mal ein gutes Flugzeugessen, was frisch und lecker schmeckt. Danke British Airways! Der Flug zurück ist wie der Hinflug. Starten, essen, landen. Angekommen. Regen empfängt uns, und jetzt möchte ich erst recht wieder umdrehen. Oder in mein Bett.

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2 Kommentare

  1. Ich glaube, Du magst London wirklich sehr. – Ich bin direkt ein bisschen mit traurig geworden zum Ende Deines Textes. Verstehe gut, was Du empfunden hast.

    Jetzt kommt es darauf an, auch im Leben hier, die Dinge, die man mag, wieder in den Blick zu nehmen, sich daran zu freuen. Und die Aussicht, wieder ins geliebte England zu fahren ist doch auch was Gutes. Zwar vielleicht noch recht fern, was die Realisierung angeht, aber doch mit jedem Tag näher kommend…

    Lieben Gruß!

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    • Oh ja, ich bin sehr überzeugt von dieser Stadt )

      Aber auch hier gefällt es mir recht gut. Es kommt immer drauf an, ob man im Alltag lebt, oder wie jetzt mal wieder ein Wochenende verreist.
      Und auf den Abreisetag zur nächsten londonreise, warte ich gespannt weiter.

      Viele Grüße!

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