Ein typisch englischer Sonntag. (London: Tag 5

Tower of London; Tower Bridge; Docklands

Underground Station: Tower Hill

Es ist grau draußen. Wenn dies das Englische Wetter ist, dann ist das noch annehmbar. Allerdings habe ich nicht mit diesem Wind gerechnet. Als wir nach unserem Frühstück – langsam gibt es nichts mehr zu essen morgens, wir sind einfach zu verwöhnt – in den Bus und dann in die U-Bahn steigen und diese uns wieder einmal an einem neuen Ort raus lässt, peitscht der Wind uns um die Ohren. Er krallt sich in unsere Haare. Das finde ich gar nicht witzig, denn meine Haare sehen hier eh schon aus, wie die einer Vogelscheuche. Nicht nur die Haare greift das Biest an, auch der restliche Körper fröstelt unter dem dünnen Jäckchen.

Nun aber genug über das Wetter gequatscht, denn wir befinden uns in Tower Hill. Und wo gibt es mehr Sehenswürdiges auf einem Fleck, als hier? Okay, das ist Quatsch. Ganz London ist eine riesige Sehenswürdigkeit. Aber trotzdem: Hier  hat man, kaum ist man aus der Tube gestolpert, einen fantastischen Blick auf den Tower of London. Und auch auf unzählige Hinterköpfe und Fotoapparate der Menschen vor dir. Diesen Ausblick muss ich erst einmal wirken lassen. In den Bäumen über uns zwitschern die Vögel. Sie sind so laut, dass man annehmen könnte, sie würden streiten. Sind Vögel hier lauter als bei uns, oder haben wir einfach schon so lange keine mehr gehört, dass es mir jetzt so brüllend laut vorkommt? Wie traurig sich das anhört. Fast, als gäbe es in London keine Vögel. (Ziemlich viele davon gibt es hier – vor allem die schrägen Vögel, die in fremden Sprachen aufeinander einquatschen.)

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Tower of London

Nachdem wir den Tower lange genug angestarrt hatten, geht es weiter zur Tower Bridge. Was auch sonst. Die Brücke ragt schon von Weitem ganz schön hoch hinaus. Ein Blickfang, den keiner so schnell übersehen kann. Natürlich waren auch die Kameras sofort gezückt. Während wir auf die Brücke treten – wuhu ein ganz neues Erlebnis! – schauen alle Köpfe nach oben und trotzdem wird, wie selbstverständlich, links ausgewichen. An dieses Linksding gewöhnt man sich aber auch echt schnell. Oder wie L. gar nicht. Das ist so ein Ding wie: Entweder liebst du es, oder du hasst es. Mir macht es nichts aus, ich bin anpassungsfähig.
Zurück zur Brücke! Das Ding ist ziemlich groß (hatte ich glaube ich schon erwähnt) und sieht aus, als hätte es beim Bau eine Menge Ärger gemacht. Doch jetzt sind die Briten sicher sehr stolz auf dieses Schmuckstück. IMG_0886
Tower Bridge

Nach der Hälfte drehen wir wieder um. Hier schien nun endlich die Sonne durch die dicken Wolken. Mein Blick schweift über die Themse und dann in Richtung des Towers of London. Diesen Anblick kann ich irgendwie nicht so leicht wegstecken. Da türmen sich die Häuser fast aufeinander auf. Alt neben neu, Glas neben Stein. Es sieht so unordentlich aus, dass mir nur das Wort “Kuddelmuddel” in den Sinn kommt. (Und diesmal nicht, weil es eins meiner Lieblingswörter ist, sondern weil es tatsächlich wie ein solches wirkt.)

Zurück von der Brücke, biegen wir direkt ab in die Docklands. Letztes Mal war das Wetter eindeutig gemütlicher, oder zumindest war ich da wetterfester angezogen. Trotzdem sieht es auch nun wieder wunderschön hier aus. Die Schiffchen (na gut, es sind riesige Schiffe) schwanken leicht auf dem Wasser und alle sind mit kleinen Fähnchen geschmückt. Ich vermute mal ganz waghalsig, dass dies wegen dem Thamse Festival ist. Ja wohl. Auf jeden Fall sieht es bezaubernd aus. Dieser Ort, versteckt hinter hohen, teuren Häusern mit teuren, bestimmt riesigen Wohnung, taucht immer wie aus dem Nichts aus und ist wie eine fremde Welt. Hier frühstücken die Engländer in kleinen Cafes am Hafen. Für Kapitäne und Matrosen gibt es Geschäfte in denen aller möglicher Kram fürs Schiff und den dazugehörigen Menschen zu finden ist. Wir drehen eine kleine Runde und bewegen uns dann wieder hinaus. In die echt Welt. Die ohne Schiffe und mit einer Menge Touristen.

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Bei den Piraten und Halunken in den Docklands

Am Tower entlang, schleichen wir quasi einmal drum herum. Rein wollen wir nicht, denn irgendwie habe ich in Erinnerung, dass der Spaß ganz schön was kostet. Und so schauen wir durch das Tor des ältesten Turm hindurch und begutachten die Konstruktion dieser Gebäude. Man muss schon sagen, die Bauart ist nicht schlecht.
Schon bald sind wieder an der U-Bahn Station angelangt und beschließen zurück zum Hotel zu fahren und uns eine dickere Jacke zu holen.

Hyde Park

Underground Station: Hyde Park Corner

Gelacht habe ich und ein bisschen gesträubt habe ich mich auch, gegen die Winterjacke im Spätsommer. Aber nun, wo wir am Anfang des Hyde Parks (oder ist es das Ende? Ein Seitenausgang?) stehen, bin ich froh die dicke Jacke anzuhaben. Der Wind pustet noch immer eifrig durch die Gegend. Ohne großen Plan betreten wir diesen Park, setzen uns auf die nächstbeste Bank und beobachten die Vögel, die Menschen und die Eichhörnchen. Hier kann man es sich gut gehen lassen. Sogar auf die ganz normale englische Art. Mir kommt es nämlich vor, als wären Sonntags alle im Park unterwegs. Egal, was für ein Wetter. Egal, wie kalt es ist. Sie schlendern und plaudern.

Genug gesessen und gefroren. Es geht weiter zu einem der See. Oder gibt es hier nur einen? Tut mir leid, ich habe hier überhaupt keinen Überblick. Das Einzige was ich weiß ist, dass es ein Denkmal für Prinzessin Diana gibt, welches wir nicht zu Gesicht bekommen. Ebenso die Speakers Corner, an der ich mir UNBEDINGT die Reden anhören wollte, die wir aber nicht finden. Ist ja klar… Wenn man was sucht. Dafür finden wir uns in den Liegestühlen wieder, eingekugelt, weil die Kälte um sich beißt. Lange halten wir es nicht aus und so schlendern wir, ganz angepasst an alle anderen, weiter die Wege entlang. Auch einen Blick auf das Festivalgelände werfen wir. Erkennen tun wir nichts, bis auf viele Menschen und eine Bühne. Aber das war es dann auch schon. Schade, Jack Johnson hätte ich mir vielleicht sogar noch angesehen. Von hier hinten. Wo man ihn vielleicht so groß sieht, wie eine Stecknadel.
Der feine Nieselregen ist wieder da. Kapuzen werden in die Gesichter gezogen und Reißverschlüsse verschlossen. Nein, nein, das tun wir uns nicht mehr an. Lieber über einen kleinen Umweg durch den restlichen Park wieder zur U-Bahn und hin zu einem gemütlichem Abendessen und englischem Fernsehen im Hotelzimmer.

Liebe
x Die Tower Bridge zu überqueren.
x In den Docklands zwischen den Schiffen umherzustreichen.
x Im Hyde Park herumzulungern.

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2 Kommentare

  1. „Speakers Corner“ hätte mich auch sehr interessiert. Davon habe ich irgendwann in der Frühzeit meiner Schule mal von einem ziemlich skurillen Englischlehrer zum ersten mal gehört.

    Das „englische Wetter“, das Du beschrieben hast, kommt mir verdächtig bekannt vor. Ich glaube, solches haben wir hier an der Ostsee öfter und ich fürchte, jetzt zum Herbst wird es wieder mehr davon … *seufz*

    Lieben Gruß an Dich!

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    • Die hätte ich wirklich gerne gesehen, aber irgendwie sind wir nicht daran vorbei gekommen. Schade, aber vielleicht beim nächsten Mal.

      Oh, ja! Dieses Wetter kenne ich von der Ostsee auch sehr gut. Wirklich, das kommt dem schon ziemlich nahe. (Leider sieht es wohl in ganz Deutschland im Moment nicht so schön aus. Da hat mir das Wetter in England noch besser gefallen!) Aber hoffen wir, dass die Sonnentage vor dem kalten Herbst noch einmal zurück kommen. 🙂

      Viele Grüße

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