Vom verlieben und entlieben und dem Etwas dazwischen.

Eine kleinegroße Reise in eine Stadt, die unbekannt erscheint, aber die gar nicht so fremd ist. Vor 3 Jahren habe ich hier studiert. Ich habe Leute kennengelernt und habe dann meine Zelte abgerissen. Ein bisschen bereue ich das. Vor allem, wenn ich zurück in dieser Stadt bin. Sie ist nicht schön, aber die Leute sind nett. Der Campus weckt Erinnerungen. Und irgendwie verbindet mich eine Geschichte mit diesem Ort.

Wir – meine beste Freundin und ich – gingen dieses Mal jedoch einer Geburtstagseinladung nach. Von einem alten Kommilitonen, den ich eine gefühlte Ewigkeit nicht gesehen hatte. Meine Aufregung wuchs mit jedem Schritt, dem wir der Wohnung näher kamen. Ich hatte diesen Kerl seit 3 Jahren nicht gesehen. Er öffnete die Tür und der Bann war gebrochen. Die Zeit mag schnell vergehen, aber auch nach Jahren, macht man einfach dort weiter, wo man aufgehört hat. Man vertieft sich in ein Gespräch über alte Zeiten und frischt die neuen Erlebnisse auf.

Etliche Menschen waren dort. Und so länger der Abend wurde, umso mehr lernten wir kennen. Leider bin ich eine Person, die sehr schnell zu begeistern ist.
Meine Verliebtheitsmomente zu anderen halten nie lange an. Ich bin schier begeistert von ihnen und ein paar Tage später fasziniert mich ein neuer Mensch. Gestern war ich wie verzaubert.
Ob es nun von dem Typen war, der mich nach drei Jahren zu seiner Geburtstagsparty einläd und der noch immer der netteste und offenste Mensch ist, den ich vielleicht kenne.
Oder der Kerl, der sich als sein Mitbewohner vorstellt und mir mitten in der Nacht einen Tee macht, während alle anderen Alkohol trinken. Mit Zucker, wenn ich das wünsche. Der uns außerdem versuchte die Dinge der Welt zu erklären. Hauptsächlich Strom. (Tut mir Leid, es hat nichts gebracht, aber das liegt eher an der späten Uhrzeit und nicht an seinen Erklärungen.)
Dann gibt es noch einen Amerikaner, den ich fälschlicherweise für einen Iren hielt und der einen ganz bezaubernden Akzent hat, wenn er Deutsch spricht. Ich konnte meine Augen nicht von seinen Lippen lösen, und einfach nicht weghören. Von mir aus hätte er die ganze Nacht weiterreden können. Und wenn er 100x hintereinander nur „Schal“ gesagt hätte.
Einen Iren gab es auch und es war äußerst amüsant ihm Wörter wie „Kuddelmuddel“ beizubringen. Wörter, die er nie gebrauchen wird. Die Buchstaben verhedderten sich in seinem Mund und es kam ein wahrhaftiges Kuddelmuddel heraus. Schwierig wurde es dann, das Wort überhaupt in Englisch zu erklären…
Der junge Mann mit Bart und dunklen Augen, der mir geduldig versuchte beizubringen wie man eine Bierflasche mit einer anderen Bierflasche öffnet – auch dieser Moment war absolut wundervoll.
Auch wenn ich das Bier nicht trank und gar nicht erst schaffte es zu öffnen. Später war er mit seinen unzähligen geöffneten Vorführeffekten dann wohl auch etwas überfordert.
Selbstverständlich war ich auch in meine beste Freundin verliebt, einfach nur, weil sie dabei war.

Manchmal frage ich mich: Wieso verliebe ich mich so schnell in Personen und in Momente? Und wieso entliebe ich mich fast genauso schnell wieder? Und was genau ist dann das Etwas dazwischen?
Es ist recht klein und kaum zu erkennen, aber ich glaube schon, dass es Liebe ist. Und wenn sie nur für ein paar Monate, Tage oder Stunden andauert. Manchmal ist es hilfreich die Welt und die Menschen intensiver wahrzunehmen. Sich auf sie einzulassen und einfach zu genießen.

Advertisements

6 Gedanken zu “Vom verlieben und entlieben und dem Etwas dazwischen.

  1. Du bist sehr begeisterungsfähig, lebensbejahend und in Grunde Deines Herzens auch lebensfroh (auch wenn es mal schwierige oder gar scheinbar trostlose Strecken gibt). Für Dich Neues, Dinge oder Menschen, die Dich umgeben und auf irgendeine positive Weise faszinieren – die lassen Dein Herz aufgehen. – Das ist immer, wenn es wieder so ist, wieder so.

    Ich denke nicht, dass Du Dich deshalb von einmal schönen Eindrücken, Dingen oder faszinierenden Menschen wieder „entliebst“ – nein, Du behältst etwas davon in Dir. Auch deshalb kehren die schönen Eindrücke zu Dir zurück, wenn dann wiederum Neues und wieder andere Dich beeindruckende Menschen Deine Wege kreuzen.

    Das, was jeweils ein bisschen in Dir zurück bleibt, das „Dazwischen“ sammelt sich, und einmal wird das Samenkorn eines ganz besonderen Eindrucks, eines ganz besonderen Menschen darauf fallen, und dann wirst Du wissen, dass es die Liebe ist, die Du festhalten möchtest.

    So wird es sein, Ines.

    Gefällt mir

    • Wie wundervoll beschrieben. Fast ist das eine kleine Geschichte für sich.
      Ich behalte das im Hinterkopf und hoffe, dass dein letzter Satz der Wahrheit entspricht. Das es so sein wird.
      Und dann denke ich zurück an deinen Kommentar und lächle darüber, dass du diese weisen Worte schon so viel eher vorausgesehen hast, als ich.

      Viele Grüße and dich.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s